RE: Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

#1 von Kupzinger , 02.01.2015 21:11

Liebe Kollegen,

in diesem Thread möchte ich meine Aktivitäten zur Erweiterung der in N verfügbaren ÖBB-Fahrzeugauswahl (vor allem Epoche III) zeigen.


Inhaltsübersicht

Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081




Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

Für Gerhard.


Sozusagen als Debut in diesem Forum möchte ich von einem Umbau berichten, der dem Mangel an ÖBB-Modellen in N entgegenwirkt.



In den 60ger Jahren wurde die österreichische Variante des Uerdinger Schienenbusses VT 98 durch SGP und Jenbacher an die ÖBB geliefert [1]. 5081 001 steht heute bei der ÖGEG in Ampfelwang [2], wo ich ihn 2013 vor die Linse bekam. Nicht nur die Farbgebung, sondern auch eine Reihe technischer Details unterscheiden sich zwischen VT 98 und 5081. Es hat von Minitrix [3] und Arnold [4] offenbar bereits einmal entsprechende Lackierungsvarianten des VT98 gegeben. Ein guter Freund, der die Bedienung eines Airbrushes beherrscht, und ich haben uns aufgemacht, unsere vorhandenen VT98 so gut es geht in 5081 umzubauen.




Bei meinem „Spenderfahrzeug“ handelt es sich um einen Minitrix-VT98 in alter Ausführung. Man hätte natürlich auch das optisch und technisch bestechende aktuelle Modell verwenden können, aber die alten VT98 sind günstig zu haben… Die Unzulänglichkeiten der alten Form auszubügeln bedeutet aber einigen Aufwand.

Diese Schritte haben wir durchgeführt:
1. Motortausch
2. Pendelachse hergestellt
3. elektrisch leitende Kupplung eingebaut
4. neu lackiert
5. neue Fenstereinsätze im Frontbereich eingepasst
6. neue Puffer montiert
7. Bremsschläuche angebracht

Zunächst habe ich dem Triebwagen fahrtechnische Manieren durch einen Motorwechsel beigebracht. Es existiert ein Glockenanker-Umbausatz [5], aber von dessen Anschaffung hat mich der Preis abgehalten. Stattdessen habe ich es mit einem günstigen Minimotor für ca. 20 EUR versucht [6], und siehe da: es hat funktioniert. Die Fahreigenschaften sind sehr passabel, eine entsprechende Stromaufnahme vorausgesetzt.



Beim Motortausch gibt es zwei Hürden: erstens sind die Original-Schnecken nicht ohne spezielle Vorrichtungen von der Welle zu bekommen, zweitens hat der neue Motor einen zu geringen Wellendurchmesser. Punkt Eins habe ich umgangen, in dem ich zwei übrige Fleischmann-Schnecken von vorhergegangenen Umbauten verwendet habe (man könnte Sie auch als Ersatzteil bestellen [7]). Den zu geringen Wellendurchmesser von 1 mm habe ich ausgeglichen, in dem ich einen entsprechend dünnen Draht (0,2 mm) um die neue Welle eng gewickelt und mit etwas Lötzinn fixiert habe. Darauf lassen sich die Fleischmann-Wellen dann fest aufziehen. Die Konstruktion läuft ausreichend rund. Über bessere Vorschläge für eine Lösung ohne Drehmaschine wäre ich dankbar. Der Motor wird entsprechend unterfüttert in der Mitte des Fahrwerks eingeklebt. Ich habe die Zwischenräume noch mit etwas Tungsten-Paste aus dem Anglerbedarf verschmiert, das ist eine Art schweres Knetgummi, damit mein 5081 auch meine 4%-Steigung hochkommt.

Um eine gute Stromaufnahme zu erreichen, habe ich zunächst Trieb- und Beiwagen eine Pendelachse verpasst. So stehen immer alle Achsen fest am Gleis. Dazu muss man eine der beiden Achsen ausbauen und mit einem passenden Bohrer das Achslager ganz leicht vertikal an beiden Seiten aufweiten, damit die Achse etwas Spiel bekommt, in der Mitte des Lagers aber immer noch fest gehalten wird. Dieses Vorgehen wirkt bei zweiachsigen Fahrzeugen oft Wunder. Allerdings ruckeln die Fahrzeuge dann stärker bei schlecht verlegten Gleisen, weil eben alle Räder am Gleis sind und nicht über Lücken und Unebenheiten von den anderen „drübergehoben“ werden. Vorsicht auch bei Loks mit Gestänge, dieses neigt dann gerne zum Hakeln.

Die zweite Maßnahme ist natürlich eine elektrische Verbindung zwischen Trieb- und Beiwagen. Die habe ich durch eine schwarze Zweidrahtlitze mit Mikrostecker hergestellt, die ich für solche Zwecke einmal im 50er-Pack erstanden habe (siehe Bilder unten). Das Kabel ist gleichzeitig Kupplung. Es ist steif genug zum Schieben des Beiwagens, und mehr Last ist nicht geplant.
Die Beleuchtung habe ich nach anfänglichen Versuchen mit LEDs komplett ausgebaut, weil nach meinem Umbau die Frontfenster nicht mehr geschwärzt sein sollten. Man könnte sich noch mit Einzel-LEDs pro Lampe spielen.

Kommen wir zum wirklich aufwändigen Teil, den optischen Anpassungen. Dankenswerterweise bekam ich Trieb- und Beiwagen von meinem Modellbahnkollegen umlackiert frei Haus geliefert. Vorher haben wir noch die Pufferlöcher verspachtelt, da die alten Stummelpuffer, die als Schrauben dienen, durch filigranere ersetzt werden sollen.





Eine ziemliche Fieselarbeit ist dann die Verbesserung der Optik im Frontbereich. Der Vergleich von Modell und Vorbild zeigt, dass die Fenster zu klein bzw. die Stehe zu dick sind (bei H0 links im Bild sieht das schon besser aus). Durch Schwärzung der Fensterrahmen kann man das etwas ausgleichen. Wichtig ist, dabei ein Lineal anzusetzen und auf keinen Fall auszurutschen. Natürlich ist es mir doch ein paar Mal passiert, diese Stellen mussten nachgebessert werden und tragen zum „Selbstbau-Touch“ des Ergebnisses bei.



Der zweite Mangel des Spenderfahrzeugs ist, dass die Frontverglasung nicht bündig mit der Außenkante ist. Um dies zu verbessern, habe ich mir bei Minitrix die Frontscheiben (und Puffer) vom aktuellen VT98-Modell als Ersatzteil bestellt. Mit etwas Feilarbeit passen die Frontscheiben tatsächlich in die alte Form. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Kompliziert wird es bei den Eckfenstern. Die neuen Einsätze sind etwas zu klein. Dennoch ist das Ergebnis zufriedenstellend, jedenfalls besser als beim Original. Die Fixierung ist diffizil aber möglich. Auf eine Nachbildung der korrekten Übersetzfenster an den Seiten habe ich verzichtet. Hat jemand hier einen Vorschlag, wie man an passende Einsätze kommt?



Zuletzt habe ich dann noch Bremsschläuche aus Draht gebogen und montiert. Ein Kupplungshaken könnte man noch nachrüsten, ich hatte aber gerade keinen zur Hand. Die von mir gewählte Lackierungsvariant mit grauem Rahmen (siehe z.B. [8]) hat alle Anschriften auf dem Rahmen. Wie ich diese winzigen Schriftzüge (wenn überhaupt) nachbilde, weiß ich noch nicht. Zurzeit fehlt also noch eine Beschriftung. Einem Einsatz auf meiner in Bau befindlichen Modulanlage [9] steht aber nichts mehr im Wege.

Resümee: Mit dem Umbau bin ich persönlich sehr glücklich. Der neue 8051 macht sich sehr gut auf meiner Nebenstrecke. Mit günstigen Zutaten gelangt man mit gewissem Aufwand bei diesem Modell zu einem vernünftigen Ergebnis.


Zum Schluss eine kleine Fotostrecke zum N-Spur-5081:





Der Triebwagen überfährt die Schlossbachbrücke im Morgenlicht.




Dieselbe Garnitur nahe Pyrkerfeld.




Die Seitenansicht zeigt die einfache Kupplungskonstruktion. Vielleicht etwas plump, aber immer noch besser als der klobige Original-Balken.




Der Blick von Unten zeigt die elektrische Kupplung und die Haltedrähte.



Der 5081 passiert das Einfahrtsignal von Oberpyrkersdorf.




Zum Abschluss noch eine Kombination mit Fahrzeugen „von der Stange“.


Über Kritik und Kommentare freut sich
Kupzinger



Referenzen

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96BB_5081
[2] http://www.lokpark.at
[3] http://www.mobablog.info/blog.php?id=154
[4] http://www.modellbahn-spur-n.de/mgdetail.php?nr=17847
[5] http://www.sb-modellbau.com/product_info...Path=254_44_214
[6] Conrad 229023 http://www.conrad.at/ce/de/product/22902...t=detview1&rb=1
[7] http://www.fleischmann.de/de/service/spareparts/index.html
[8] http://bahnbilder.warumdenn.net/7803.htm
[9] http://www.mobablog.info/blog.php?id=1831



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RE: Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

#2 von Remo Suriani , 02.01.2015 21:57

Hallo Kupzinger,

herzlich willkommen hier im Forum. Schön, einen weiteren N-Bahner begrüßen zu können

Da ich selber auch gerne kleine Fahrzeugbasteleien mache, freut mich Dein Beítrag sehr.

Ich bin echt erstaunt, was Du aus der alten "Gurke" noch raugeholt hast Ich denke den größten Effekt bringt das Schwärzen der Fensterstege, da dann der ganze Aufbau viel filegraner wirkt. Ich mache das eigentlich auch bei allen Fahrzeugen, die keine bündig eingesetzten Fenster haben (Falls es Dich interessiert, hier mal ein link zu einem entsprechend behandeltem Bus: viewtopic.php?f=51&t=96070&start=175#p1138939 )
Ein Tipp dazu: Nimm von Revell die AquaColors: die decken ganz gut, haften aber nicht so toll und trocknen schnelle: Wenn da mal was auf die Seitenwand geht kurz warten und mit Fingernagel oder Zahnstocher abkratzen, Dann versaut man sich nicht so leicht sein Modell.

Die Kupplung ist genial. Habe diese Stecker auch zur elektrischen Verbindung von Triebwagen genutzt, wäre abe rnie gekommen, sie nur damit zu kuppeln.

Was mich etwas stört ist die riesige Pfeife, das ist fast das einzige, an dem man das alte Modell noch erkennt. Vielleicht gibts da von irgendeinem anderen Fahrzeug ein geeignetes, passendes Ersatzteil

Ich überlege noch, ob eventuell Mikro Kristal Klear den Frontfenstern guttun könnte. Kennst Du das? Ist so eine Art Leim der aber völlig klar austrocknen, den man mit der Oberflächenspannung zwischen den Fensterrahmen aufzieht. Damit hat man eine bündige Fensterfront, allerdings neigt es auch dazu eher konkav als konvex auszutrocknen. Da ist die Frage, was größer ist: Der positive Nutzen der bündigen Scheibe oder der negative Effekt des konkave Glases.
Man kann das zum test auch mit Ponal versuchen, trocknen zwar nicht ganz klar aus, aber man kann den Effekt abschätzen, bevor man so ein Zeug bestellt.


Viele Grüße
Dirk

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RE: Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

#3 von torsten83 , 02.01.2015 22:57

Hallo Kupzinger!

Auch von mir ein herzliches Willkommen

Den Wunsch nach einem 5081 kann ich gut nachvollziehen, habe mir in Z auch einen gebaut: viewtopic.php?f=27&t=93371&start=175#p1228538 weil mir die Märklin Modelle am Gebrauchtmarkt einfach zu teuer waren...

Grüße,
Torsten


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RE: Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

#4 von Kupzinger , 02.01.2015 23:29

Hallo Dirk und Torsten,

danke für die liebe Begrüßung und Kommentare! Ja, die Tröte ist groß. Mal sehen, was sich da machen lässt. Die Sache mit dem Lack muss ich mal testen.

Dirk, ich bin ein großer Fan von Rheinfort. Großes Vorbild!
Torsten, wie hast Du denn die Beschriftung bei Deinem Z-8051 gemacht? Wie genau ist das gedruckt? Sieht super aus! Beschriftung fehlt ja bei mir noch.

Beste Grüße
Kupzinger



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RE: Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

#5 von torsten83 , 03.01.2015 14:13

Hallo Kupzinger,

meine 5081 sind im blauen Bereich weiß lackiert und es sind blaue Decals drauf, bei denen die komplette Beschriftung mit dabei ist. Für das Zuglaufschild etwas verdreckt nicht so strahlend weiß, wie beim Pflatsch zum Beispiel. Was weiß ist, druckt der Drucker ja nicht und da kommt dann der Grundanstrich zu Tage. Ich arbeite mit der Negativ-Technik, so mache ich auch Werbeloks, wie die in meiner Signatur.

Wenn Du Beschriftungen brauchst, Herr Nothaft stellt Decals her, wenn Du gute Fotos hast, macht er die Anschriften danach. Für mich hatte er zuletzt für DB 150er Modelle welche gemacht, ich habe da nicht auf inhaltlich korrekte Angaben wert gelegt. In Z kann man mehr als die Betriebsnummer ohnehin kaum erkennen

Grüße,
Torsten


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RE: Aus Uerdinger wird Jenbacher: Umbau Mtx VT98 in ÖBB 5081

#6 von Kupzinger , 03.01.2015 20:08

Hallo Torsten,

danke für die Erläuterung und Bezugsquelle! Für weitere Projekte sehr hilfreich.

Grüße
Kupzinger



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