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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#1 von Ermel , 16.04.2016 11:30

Eine eigentlich einfache, aber kaum zu googelnde Frage: Ab wann begann die DB (oder ihre Vorgänger), Bahnübergänge vermehrt durch Brücken/Unterführungen zu ersetzen? Mir geht's dabei vor allem um innerstädtische, wegen meiner geplanten/im Bau befindlichen Fremo-Stadtmodule, die etwa 1955 spielen sollen. Da würde ich gern einen entfernten Bü nachbilden und (auf einem anderen Modul) eine brandneue Straßenbrücke über die Bahn. Wäre das ein Anachronismus?

Das früheste von mir gefundene Beispiel ist Alfeld (Leine), wo nach einem schweren Bü-Unfall 1956 dann im Jahre 1960 der Bahnübergang Föhrster Straße durch den neugebauten Schlehbergring mit großer Straßenbrücke ersetzt wurde. (Beide Links führen zu alt-alfeld.de, wo man Stunden mit dem Betrachten alter Fotos zubringen kann. Nicht daß einer sagt, ich hätte ihn nicht gewarnt. )

Liebe Grüße, Ermel.


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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#2 von Dirk Ackermann , 16.04.2016 11:46

Hallo Ermel,

im Ruhrgebiet wurden so ab den 70er Jahren im Innerstädtischen Bereich die Büs durch Brücken ersetzt.
Die Hochstraße in Kamen wurde um 1975 über die Bahn gebaut. Ich kann mich nämlich noch sehr gut an den Bahnübergang in Kamen in der Bahnhofstraße erinnern.
In Dortmund kann ich mich allerdings nicht an Bahnübergänge erinnern. Da gab es in den 70er Jahren schon sehr viele Unterführungen.

Der Beginn dieser Maßnahmen dürfte wirklich so um 1955/1956 gewesen sein. Mit steigendem Unfallrisiko und Verkehr dürften dann mehr und mehr Büs umgebaut worden sein.

Bei deinen Modulen würde ich die Situation als Brücke im Bau oder gerade eröffnet nachstellen wollen.


Grüße aus Dithmarschen
Dirk

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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#3 von Andreas Poths , 17.04.2016 16:50

Hi Ermel,
ich denke, da "mußten" einige Aspekte zusammenkommen, wenn ein Bü durch Brücke/Tunnel ersetzt wurde.
Bei uns in Friedrichsdorf wurdr in den 90ern(?) der Bü "Berliner Strasse" dadurch ersetzt, dass man die Strasse 10 Meter tiefer legte und die Gleise auf eine Brücke legte - also keine Untertunnelung.
Damals wurde die innerstädtische "Höhenstrasse" durch Anbindung an eine Umgehungsstrasse (u.a. Umgehung für die A5 bei Unfällen))höher belastet. Und der Takt der S-Bahn und Taunusbahn verdichtete sich. Die Schranken wären mehr unten als oben gewesen.
Also wenn in den 50ern das Verkehrsaufkommen stieg - warum nicht?

Gruß Andreas


gruß pothsi
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Nüchtern betrachtet war es besoffen besser....


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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#4 von DB-IV-Proto87 ( gelöscht ) , 17.04.2016 19:50

Hallo Ermel,

da machst Du Dir wirklich zu viel Sorgen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hat es solche Maßnahmen gegeben, so gesehen kann also kein späterter Zeitabschnitt falsch sein, und gerade die Wirtschaftswunderperiode mit zunehmender Motorisierung und weitgehendem Ausräumen der letzten Kriegsschäden an der Verkehrsinfrastruktur erscheinen mir für das gewünschte Motiv geradezu prädestiniert.

Grüße aus Nürnberg,

Alexander


DB-IV-Proto87

RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#5 von gatzi , 18.04.2016 18:01

Hallo Ermel,

es kommt immer auf die Situation an, wie stark der Verkehr und ob eine solche bauliche Sonderlösung besser ist bzw. ob die Mehrkosten gerechtfertigt sind. Ein systematisches Ersetzen nehme ich nicht an, da es eine recht teuere Lösung ist und selbst bei Instandsetzungen oder Erneuerung der Straße um jeden Zentimeter Durchfahrthöhe gekämpft wird.

Der 1885 bis 1889 gebaute Bremer Hauptbahnhof hat eine hochgelegte Bahntrasse, die durch die Stadt führt. Folglich kreuzt der Straßenverkehr mittels Tunnels bzw. liegen die Gleise auf Stahlbrücken.
Der nördlich vorgelagerte Bahnhof Bremen-Oslebshausen liegt ebenfalls an einem Bahndamm, der auf gleicher Weise unterquert werden kann.

Bereits 1895 stürzte eine Lok in Paris aus dem 1. Obergeschoss auf die Straße als sie Prellbock und Querbahnsteig überfuhr und die Außenwand des Bahnhofs durchbrach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnu...re_Montparnasse
Es ist daher nicht anzunehmen, dass die Gleistrasse damals ebenerdig verlief ...

Letztes Beispiel: Kölner Hauptbahnhof
Beim Neubau (1892 - 1894) wurde die Gleistrasse 6 m angehoben. Ein schönes Bild vom Bau im Jahr 1892 gibt's auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln_..._Centralbahnhof


Viele Grüße
Holger

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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#6 von Guardian71 , 18.04.2016 20:45

Der Oldenburger Hbf. wurde in den frühen 1960ein hochgelegt, dadurch entfielen drei hochfrequentierte Bahnübergänge. Insbesondere derjenige am Pferdemarkt war bis 1960 zu einem echten Verkehrshindernis geworden . Dieser Bahnübergang war am westlichen Ausgang des Hbf. belegen und betraf die Strecken nach Wilhelmshaven und Leer.


Beste Grüße,
Mark


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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#7 von Ermel , 19.04.2016 12:08

Erstmal allen Antwortern vielen Dank!

Die fraglichen zwei Module stellen keine hochgelegte Hauptbahn dar, sowas kommt dann später mal. Es handelt sich um ebenerdig bis leicht bahndammig liegende Gleise. Der Grund, warum ich einen aufgelassenen Bü darstellen will, ist zunächst einfach Abwechslung: auf das anderen Modul kommt ein beschrankter Bü, und auf beide einen find ich öde.

Beim Vorbild ist die fragliche Straße dank Kriegszerstörung in ihrer Bedeutung zurückgegangen. Die freigebombten Flächen wurden in den späten 40ern mit einem Flüchtlingslager überbaut, und dessen Bewohner fahren halt eher weniger Kraftfahrzeuge.

Die neue Brücke wird nicht an derselben Stelle entstehen, sondern auf einem anderen Modul. Ich denke, sie wird beim Vorbild nicht nur den einen aufgelassenen Bü ersetzt haben, sondern so ziemlich alle (oder zumindest die weniger befahrenen) in der näheren Umgebung. Das soll eine richtig hohe Straßenbrücke über die Bahn werden. Vage nach dem Vorbild des Wilhelm-Heinichen-Rings alias Westtangente in Celle.

Ich danke Euch nochmal, daß Ihr meine Bedenken zerstreut habt.

Liebe Grüße, Ermel.


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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#8 von gatzi , 19.04.2016 13:37

Hallo Ermel,

... wobei ich wohl eher zu einem Straßentunnel unter der Bahnlinie tendiere.

Die hochgelegten Bahnhöfe sollten auch eher Beispiele sein, dass es vorteilhafter scheint, Gleise anzuheben und Unterführungen für den Straßenverkehr zu bauen statt aufwändige Straßenbrücken, denn diese verursachen aufgrund der nötigen Höhe und des Platzbedarfs (Auffahrt- und Abfahrtrampen) sehr hohe Kosten und sind eine Lösung, wenn nichts anderes mehr geht.

Eine Unterquerung ist schneller und kostengünstiger zu bauen. Selbst wenn die Straße nur einspurig vorhanden ist, hat man später auch andere zusätzliche Lösungen gefunden, falls die Durchfahrten für den zweispurigen Verkehr zu schmal geworden sind, z.B. Ampeln an den Tunnelenden oder zwei schmale einspurige Durchfahrten nebeneinander.

In deinem Beispiel scheint mir die Bahnlinie dort auch in einer leichten Senke zu verlaufen, so dass die Straße nicht sonderlich angehoben werden musste.


Viele Grüße
Holger

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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#9 von Klaus3 , 19.04.2016 15:38

Die Probleme gab es doch schon im vorletzten Jahrhundert. Nur zum Beispiel: Der Bau des Kölner Hauptbahnhofs führte dazu, daß man sowohl Bahnhof als auch alle Zulaufstrecken um 4 Meter angehoben hat, weil zuvor der innerstädtische Verkehr quasi zum Erliegen gekommen war. Das war bereits um 1890! In Krefeld war es wohl ca. 1900, als man alle Anlagen angehoben hat.

Also gar kein neues Thema

Gruß
Klaus


Ich suche Unterlagen zu SpDrS60, egal ob Kopie, Original, Kauf oder Leihgabe.
Gerne Unterlagen Herausgegeben vom "Bundesbahn-Sozialamt", aber natürlich auch aus allen anderen Quellen.
Bitte per PN kontaktieren. Ziel ist eine möglichst realistische Umsetzung ins Modell.


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RE: Ab wann wurden Bahnübergänge ersetzt?

#10 von SchrankenThomas ( gelöscht ) , 09.05.2016 22:42

Hallo,

Bahnübergänge wären von den Eisebahnbauern schon vor 200 Jahren am liebsten gar nicht erst gebaut worden

Deutschland bzw. korrekter gesagt die damaligen deutschen Staaten wie Bayern, Preußen usw. waren aber aufgrund des jeweiligen Landesrechtes nicht in der Lage,sowas durchzusetzen.
Denn in D kam damals im Durchschnitt alle 500 Meter ein Bahnübergang.
Das lag einfach an den alten und verbrieften Rechten der Grundstücksbesitzer,denen man nicht einfach die Zuwegung zu ihren Grundstücken kappen konnte.
Vielfach konnte man zwar durch entsprechende Geldzahlungen die Aufhebung erreichen, aber das zog und zieht sich bis heute ins 21.Jahrhundert hin.

Es gibt Fälle, wo der Steuerzahler 3 oder 4 Millionen € für ein Überführungsbauwerk berappen muss, weil der Wegenutzer nicht auf sein Wegerecht verzichten will aber die Eisenbahn wegen ICE-Verkehr keine Bü mehr auf der Strecke lassen kann.


SchrankenThomas

   


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