An Aus


RE: Digital für Anfänger

#1 von photopeter ( gelöscht ) , 12.07.2007 22:58

Hallo.
Auf Grund der immer wiederkehrenden Fragen von Digital Anfängern bzw Neueinsteigern habe ich mal versucht, die Grundlagen der aktuellen Digitalsteuerung für Anfänger zusammen zu fassen. Ich hoffe, das damit einige der häufigsten Fragen bzw. Missverständnisse geklärt sind.. Der Text ist ziemlich lang, aber das Thema Digital- Einstieg ist nun mal ein komplexes Thema. Deswegen habe ich den Text auch als PDF zum Download angefügt. Bei den erwähnten Produkten handelt es sich um im Juni 2007 in Deutschland lieferbare Artikel.

Kapitel 1, wie funktioniert Digital überhaupt.
Bei einer herkömmlichen, analogen Modellbahn wird die Geschwindigkeit der Lok über die Höhe der am Gleis anliegenden Spannung geregelt. Bei Gleichstrom bestimmt die Polung die Fahrtrichtung, bei Wechselstrom erledigt das ein Überspannungsimpuls, der ein Relais in der Lok schaltet, welches die Fahrtrichtung umkehrt. Daraus folgt aber auch, das alle auf einem Gleis stehenden Loks immer gleich schnell und in die gleiche Richtung fahren. So weit so simpel
Bei Digital funktioniert das Ganze anders. Hier ist immer die volle Fahrspannung vorhanden. Die Regelung der Geschwindigkeit und der Fahrtrichtung erfolgen hier über Digitalsignale, die in der Fahrspannung „versteckt“ enthalten sind. Diese Digitalsignale werden von einem in der Lok eingebauten Digitaldecoder entschlüsselt und in Fahrbefehle für die Lok umgesetzt. Das bringt erst mal nur mehr Aufwand. Aber der Clou kommt jetzt. Diese Digitalsignale beinhalten immer auch eine Adresse. Und ein Decoder empfängt nur Befehle, die für „seine“ Adresse bestimmt sind. Das ganze ist wie eine Haus- oder Telefonnummer zu verstehen. Somit reagiert ein Decoder nur auf Befehle, die an seine Adresse gerichtet sind. Genau wie mein Telefon nur klingelt, wenn meine Telefonnummer angewählt wird. Bei allen anderen Anrufen macht mein Telefon gar nichts. Da man aber viele verschiedene Befehle mit vielen verschiedenen Adressen versehen und in ein und dasselbe Gleis einspeisen kann, kann man so auch viele verschiedenen Loks völlig unabhängig auf einem Gleis fahren lassen. Obendrein kann man nicht nur Fahrbefehle sondern auch Kommandos zum Schalten von Weichen, Signalen, Licht, Rauchentwicklern, Telex- Kupplungen, Sound, usw in das Gleis einspeisen. Deswegen kann man Digital auch viele Funktionen in den Loks schalten, die analog gar nicht möglich währen.

Kapitel 2, die Grundkomponenten einer digitalen Modellbahnsteuerung.
Eine Digitalsteuerung besteht immer aus zumindest folgenden Komponenten: a) Zentrale, b) Booster, c) Eingabegerät und d)Decoder. Das ist unabhängig vom verwendeten System immer so. Eine Stromversorgung (Trafo) ist auch immer notwendig, stellt aber keine spezielle Digitalkomponente dar und wird deswegen hier nicht gesondert betrachtet. Die Bilder zeigen überwiegend Komponenten des Lenz Digitalsystems und stehen nur beispielhaft für die entsprechenden Komponenten. Sie stammen von den jeweiligen Webseiten der Hersteller.

a) Die Zentrale.
In der Zentrale werden die Datensignale erzeugt und aufbereitet, Das ist das Herz und Hirn des Digitalsystems. Viele (die meisten) Features, die ein Digitalsystem bietet werden durch die Zentrale bestimmt

b) Der Booster.
Der Booster verstärkt die von der Zentrale erzeugten Datensignale auf ein Maß, das zum Betrieb der Loks reicht und speist sie zusammen mit den Fahrstrom in das Gleis ein. Deswegen wird der Booster bei einigen Systemen auch Verstärker genannt. Das bedeutet aber stets das selbe.

c) Das Eingabegerät.
Ein Eingabegerät ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Zentrale. Hier gibt man die Kommandos ein, die dann von der Zentrale in entsprechende Steuerbefehle umgesetzt werden. Ein Eingabegerät hat in der Regel einen Drehregler, ein Display und diversen Tasten. Bei einigen Eigabegeräten ist der Drehregler zur Geschwindigkeitssteuerung auch durch einen Satz Tasten ersetzt und andere Eingabegeräte haben wiederum kein Display. Grundsätzlich ist aber die Funktion immer die selbe.

Eine andere aber auch wichtige Form von Eingabegeräten sind PC Interfaces. Diese verbinden einen PC mit dem Digitalsystem. Hier fungiert dann der PC als Befehlsgeber, macht als das, was man sonst selbst am Fahrregler bzw. an den Steuerknöpfen macht.

d) Der Decoder.
Ein Decoder dient dazu, die Datensignale zu entschlüsseln. Es gibt unterschiedliche Decoder für unterschiedliche Aufgaben. Die wichtigsten Decoder sind die Lokdecoder, die eben die Fahrbefehle der Zentrale so umsetzen, das die Lok den Wünschen des Benutzers entsprechend fährt. Es gibt aber auch die unterschiedlichsten anderen Decoder, mit denen man z.B. Weichen, Signale usw steuern kann.

Auch wenn all diese Komponenten bei einem funktionierenden Digitalsystem immer vorhanden sind, heißt das noch lange nicht, das all diese Komponenten auch einzeln vorhanden sein müssen. Sehr häufig ist z.B. die Zentrale mit dem Booster zusammen in einem Gehäuse. Oft sind auch noch ein oder mehrere Eingabegeräte integriert.

Beispiele für solche „Drei in Eins“ Geräte sind die Intellibox von Uhlenbrock, die Ecos von ESU oder die CentralStation von Märklin.

Vor allem bei Einsteigersystemen ist oft die Zentrale und das Eingabegerät zu einer Einheit zusammengefasst. Typische Vertreter sind etwa die Multimaus von Roco, das Compact von Lenz oder die MobileStation von Märklin. Aber auch die nicht zu den Einsteiger Geräten gehörende Tams Master Control vereinigt Zentrale und Eingabegeräte ohne Booster in einem Gehäuse. Beispiele für Zentralen und Booster in einem Gehäuse ohne Eingabegerät sind die Lenz LZV100 oder die Tran ZF5. Eine reine Zentrale als Solokomponente währe z.B. die nicht mehr produzierte Lenz LZ100.


Kapitel 3, die Datenformate.
Zur Zeit gibt es vier verschiedene Datenformate, die noch aktuell im Angebot der Hersteller sind. Diese Datenformate muss man sich wie eine Sprache vorstellen. Komponenten, die eine dieser Sprachen „sprechen“, verstehen auch nur andere Komponenten, die dieselbe Sprache sprechen. In letzter Zeit gibt es zunehmend Komponenten, die verschiedene Datenformate (also mehrere Sprachen) beherrschen. Das nennt man dann Multiprotokoll- Komponenten. Vor allem bei Lokdecodern und Zentralen ist das verbreitet. Übrigens sind alle MFX Decoder und Zentralen automatisch Multiprotokoll- Komponenten, da man alle MFX Decoder auch mit MM und mit allen MFX Zentralen auch MM Decoder steuern kann. Das wurde so gemacht, um eine Abwärtskompatibilität bei den Märklin Produkten zu gewährleisten. MM und MFX wird gleich erklärt.

An Datenformaten gibt es zum einen das international genormte und mit Abstand verbreitetste DCC (Digital Command Control) Format. Dieses Format ist in den 80er Jahren von der Firma Lenz entwickelt worden und wurde durch die NMRA und die NEM zur internationalen Norm gemacht. Deswegen nutzen fast alle Hersteller, die Fahrzeuge nach NMRA („2- Leiter“ anbieten auch DCC als Digitalsystem.
Das zweit häufigste Format ist MM (Märklin Motorola) und wurde ebenfalls in den 80er Jahren entwickelt. Das MM Format wird ausschließlich bei Fahrzeugen für das Märklin System (3-Leiter“ verwendet und hat gegenüber anderen Formaten einige entscheidende Nachteile (weniger Fahrstufen, weniger Adressen und nur 4 Funktionen), die zur Entwicklung eines neuen, nicht kompatiblen, Datenformates durch ESU im Auftrag von Märklin geführt haben. Dieses neue Format wird MFX (Märklin Systems) genannt und stellt z.Z. das neueste System auf dem Markt dar. MM wird nicht mehr weiter entwickelt und wird auf lange Sicht vom Markt verschwinden, da es komplett durch MFX abgelöst wird. Alle neuen Entwicklungen bei und für Märklin sind auf MFX ausgelegt.
Von einer kleinen, aber sehr treuen Anhängerschaft wird auch noch das SX (Selectrix) System hoch gehalten und auch permanent weiter entwickelt. Dieses ursprünglich von (genauer für) Trix entwickelte System (deswegen SlecTRIX) ist vor allem aber nicht nur bei kleinen Spurweiten verbreitet, da es dort schon früh sehr kompakte Lokdecoder gab.

Nicht mehr aktuell aber gelegentlich in gebrauchten Loks durchaus noch anzutreffen ist das Delta System von Märklin, welches ein stark abgespecktes MM für nur 5 Loks ist und mit MM Komponenten zusammen arbeitet. Gelegentlich kann man auch noch über FMZ (Fleischmann MehrZug) stolpern. Dieses System ist schon seit geraumer Zeit ausgestorben und wurde nur von Fleischmann verwendet. Fleischmann selbst ist inzwischen komplett auf DCC umgeschwenkt. Aber um „der alten Zeiten wegen“ gibt es von Fleischmann das Twin Center, eine modifizierte Intellibox und die Twin Decoder, die neben DCC auch das alte FMZ Format verstehen. Man kann also mit den entsprechenden Komponenten auch heute noch FMZ nutzen.

Durch diese historisch gewachsenen Verbindungen von DCC mit 2- Leiter und MM mit 3 Leiter sowie SX mit kleinen Spuren denken immer noch viele Leute, man könne Märklin nur mit MM bzw. MFX betreiben und 2- Leiter nur mit DCC. Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Dem Digitalsystem ist es völlig egal wie groß und wie geformt die Schienen sind. Es ist überhaupt kein Problem eine Märklin Lok auf Märklin Gleisen mit SX oder DCC zu fahren, genau so wie es problemlos möglich ist, auf 2- Leiter Gleisen mit MM oder MFX zu agieren.

Weil wir gerade dabei sind, klären wir gleich noch ein Missverständnis auf. Bei Digital gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Gleich- und Wechselstrom. Alle Digital betriebenen Loks haben Gleichstrom- Motoren. Es gab Versuche, die klassischen Wechselstrom Motoren digital zu steuern. Speziell Delta dient hier als Beispiel. Da man solchen Motoren im Digitalbetrieb aber nur sehr schlechte Fahreigenschaften beibringen kann, wurden auch bei Märklin alle Motoren auf Gleichstrom umgestellt. Im einfachsten Fall wird die Feldspule durch einen Hamo- Magneten und der Umschalter durch einen Decoder getauscht, um aus einer klassischen Wechselstromlok eine Digitallok zu machen. Der in der Lok eingebaute Decoder übernimmt im konventionellen Betrieb dann die Funktion des Fahrtrichungsumschalters. Hier haben es die 2- Leiter Fahrer einfacher, da hier grundsätzlich nur Gleichstrommotoren zum Einsatz kommen.
Um das Ganze noch verwirrender zu machen... Am Gleis liegt bei Digitalbetrieb immer eine Wechselspannung an, in der die Daten für die Decoder verschlüsselt eingebunden sind. Also man hat Gleichstrommotoren aber auf den Gleisen Wechselstrom. Die Decoder in den Loks „übersetzen“ dann den Wechselstrom in Gleichstrom für die Motoren. Deswegen kann man bei Digital wirklich nicht mehr von Gleich- oder Wechselstrombahn sprechen, egal welches System man auch fährt.


Kapitel 4, was ist für mich das Richtige.
Spätestens hier wird es sehr subjektiv, da hier die Vorgeschichte und die Vorlieben des Betrachters eine gravierende Rolle spielen.
Ich versuche nun, für die einzelnen Spurweiten jeweils das passende Digitalsystem und die passende Zentrale für Anfänger vorzuschlagen. Die Auswahl der empfohlenen Komponenten beruhen auf meinen Ansichten und sind nicht als allgemein gültig zu verstehen. In der Regel wird ein Anfänger aber keine gröberen Fehler machen, wenn er sich danach richtet.

Fangen wir mit der kleinsten Spur, der Spur Z an und arbeiten uns bis zur LGB und größer hoch.

Spur Z.
Die Spur Z ist für (Digital-) Anfänger nicht wirklich geeignet. Fertige Lösungen gibt es nicht. Auch das Ausrüsten mit Decodern ist auf Grund der Winzigkeit der Fahrzeuge nur für sehr versierte Bastler geeignet. Wenn man trotzdem versuchen will, eine herkömmliche Digitalsteuerung, also mit Decoder in der Lok zu realisieren, der kann entweder DCC oder SX wählen. Für die anderen Systeme gibt es keine so kleinen Decoder. In größere Loks (Drehgestell- oder Schlepptenderloks) kann man die kleinsten DCC bzw. SX Decoder eventuell noch unterbringen. Die berühmte 89 aus dem Startset, da dürfte es aber zu eng werden. Wenn es unbedingt Spur Z in Digital sein soll, das würde ich das MpC System von Gahler und Ringstmeier empfehlen. Das MpC System arbeitet anders als herkömmliche Digitalsysteme. Hier wird nicht jeder Lok ein Decoder spendiert, sondern jeder Blockstrecke. Die Decoder brauchen also nicht in die winzigen Loks gebaut werden. Allerdings lässt sich das System nur mit einem PC betreiben. Und die Preise für die einzelnen Komponenten sind nicht gerade niedrig. Man kommt aber in den Genuss des digitalen Fahrens trotz der winzigen Loks.

Spur N
Die Spur N hat ebenfalls sehr kleine Fahrzeuge. Allerdings sind sie doch ein gutes Stück größer als in Spur Z. Deswegen hat man hier eher eine Chance, auch kleine Loks (wie etwa die Köf) mit einem der winzigen DCC oder SX Decoder zu bestücken. In Spur N gibt es schon diverse Fahrzeuge, die mit einer Schnittstelle ausgerüstet sind und sich deswegen auch von Anfängern auf Digitalbetrieb umrüsten lassen. Im Gegensatz zu H0 wird hier aber vorrangig die 6- Polige Schnittstelle nach NEM 651 genutzt. Darauf muss man beim Decoderkauf achten Auch in Spur N verbietet sich der Einsatz von MM oder MFX, da auch für Spur N Fahrzeuge die entsprechenden Decoder zu groß sind. Welche Zentrale für Spur N? Nun, auch wenn SX gerade in Spur N eher häufig vertreten ist würde ich selbst in N trotzdem immer auf DCC setzen. Einfach weil das DCC System nicht an 1- 2 Herstellern hängt und man im Zweifel eine enorm große Auswahl hat. Interessiert man sich z.B. auch für US Fahrzeuge, dann kommt man ohnehin nicht um DCC herum. In den USA gibt es de facto gar nichts anderes als DCC. Startpackungen, immer ein günstiger Weg zum Einstieg in das Hobby, werden in Deutschland z.Z. ausschließlich von Fleischmann Piccolo und Minitrix angeboten. Beide Hersteller haben aber nur bedingt empfehlenswerte Digitalsysteme in ihren Startpackungen. Die Trix Mobile Station ist eigentlich ziemlich gut und beherrscht neben DCC auch SX (ist also eine Multiprotokoll- Zentrale). Nur, man kann das Trix System zur Zeit überhaupt nicht erweitern. Und auf Dauer ist die Mobile Station einfach nicht genug. Man kann die Trix Mobile Station lediglich als Handregler an einer Müt oder Rautenhaus SX Zentrale weiter verwenden oder sie per Sniffer an der Esu Ecos oder allen Lenz(-kompatiblen) Zentralen weiter nutzen. Bei Lenz ist das aber nicht sinnvoll, da man den „Sniffer“ getrennt kaufen muss und der genau so viel kostet wie die als Handregler eindeutig bessere Roco Multimaus die ohne Zusatz an das Lenz System passt. Sniffer ist ein Eingang, der Digitalsignale die sonst auf das Gleis gegeben werden auswertet und sie in Steuerbefehle für die Zentrale des Sniffers umwandelt, So kann man ganz unterschiedliche Digitalsysteme zusammen betreiben. Der Ausdruck Sniffer stammt von der ESU Ecos, das Prinzip ist aber von Lenz schon viel früher umgesetzt worden. Hier nennt man das viel schlichter „Übersetzungsmodul“. Bei Fleischmann hingegen ist der Lok Boss enthalten, eine sehr mager ausgestattete Einfachst- und Billigst Zentrale, die kaum Möglichkeiten bietet und den Spaß an Digital schnell ausbremst. Die teuren Sets enthalten das Twin Center. Leider ist die Intellibox (und somit auch das quasi baugleiche Twin Center) nicht auf der Höhe der Zeit und ist, vor allem wegen dem nicht mehr angemessenen, sehr hohen Preis nicht wirklich empfehlenswert. Für Spur N eine Empfehlung auszusprechen fällt mir nicht leicht. Wenn es trotzdem sein muss, würde ich hier aber ein Minitrix Startset empfehlen. Allerdings muss man dann gleich einkalkulieren, das man früher oder später mal so etwas wie die Ecos dazu kaufen muss.

Spur TT
Für die etwas größere und damit leichter umrüstbare Spur TT hingegen fällt es mir sehr leicht, eine klare Empfehlung auszusprechen. Hier kommt nur ein Startset von Tillig in Frage. Damit ist die Wahl automatisch auf DCC und das Lenz System gefallen. Das in den Tillig Sets enthaltene Lenz Compact ist eine brauchbare Einsteger- Zentrale, die sich problemlos zu einem vollwertigen und an alle Anforderungen anpassbaren Lenz DCC Digital System erweitern lässt.

Das hier eigentlich als nächstes die Spur H0 kommen müsste, ist schon klar, aber da es in H0 einige Besonderheiten gibt, die eine umfangreichere und differenziertere Betrachtung erfordern, habe ich H0 ans Ende dieser Aufstellung gesetzt.

Spur 0
Die wunderschöne Spur 0 (hätte ich nur mehr Platz...) macht bei der Auswahl des geeigneten Digitalsystems genau so wenig Probleme wie die Spur TT. Der Marktführer und einzige Anbieter von digitalen Startsets für Spur 0 ist Lenz. Und als „Erfinder“ von DCC bauen die natürlich auch DCC in ihre Fahrzeuge ein. Da in dem Set sogar eine vollwertige, „große“ Lenz Zentrale LZV100 enthalten ist, hat der Einsteiger gleich und sehr preiswert eine komplettes System.

Spur 1
Die große und sehr schöne Spur 1 wird vor allem von Märklin hergestellt. Es gibt zwar einige kleine Hersteller (die oft auch für Spur 0 bauen), aber die Nummer 1 in Spur 1 ist ganz klar Märklin. Der Start erfolgt also mit einem Märklin Startset und der darin enthaltenen Märklin Mobile Station. Die Märklin Mobile Station ist bei weitem nicht so gut ausgestattet wie die Trix Mobile Station, welche sich in direkter Konkurrenz zu Roco Multimaus oder Lenz Compact befindet und deswegen mehr bieten muss, um verkauft werden zu können. Die Märklin Mobile Station kann 10 Loks in der Datenbank halten und theoretisch auch steuern. Aber durch die schwache Auslegung (1,9 Ampere) schafft man in Spur 1 maximal 2 Loks, und die auch nur, wenn man keine beleuchteten Wagen hat. Immerhin lassen sich die Decoder, wenn auch extrem umständlich, in gewissen Grenzen programmieren. Mehr geht mit der MS aber nicht. Für die zwingend notwendige Erweiterung gilt prinzipiell das gleiche wie für das H0- Mittelleiter System, welches unten behandelt wird.

Spur G (=LGB = Spur 2m) und größer
Im Gegensatz zur Spur N (oder gar Z) ist hier nicht das Problem, genügend kleine Decoder zu bekommen, sondern genügend leistungsfähige Exemplare aufzutreiben. Als einziger Großserienhersteller in diesem Bereich ist die Firma Lehman mit ihrer LGB (Lehmann Groß (Garten) Bahn) vertreten. Genauer vertreten gewesen. Denn LGB in Europa ist zur Zeit Insolvent und produziert nichts. Für einen (digitalen ) Einstieg in die Welt der Garten- bzw. Großbahn also eine denkbar schlechte Zeit. Wenn man aber bereits eine entsprechenden Fahrzeugpark hat und gerade jetzt, weil man ihn nicht einfach erweitern kann, daran denkt diesen zu digitalisieren, so gibt es mehrere Möglichkeiten. LGB selbst hat(te) mit MZS III ein auf DCC basiertes eigenes Digitalsystem, das nur teilweise kompatibel war. Und hier zeigt sich wieder das Dilemma, wenn man auf Insellösungen setzt, also auf ein System, das nur von einem oder ganz wenigen Herstellern vertrieben wird. Deswegen auch bei Großbahnen mein Rat zu (echtem) DCC. Für den Garten gibt es spezielle Systeme, die besonders leistungsfähig sind. Besonders hervorgetan hat sich hier Massoth, die mit ihrem Dimax Digitalsystem ein speziell auf die Bedürfnisse von Gartenbahnern zugeschnittenes System auf den Markt gebracht hat. Günstig sind diese Komponenten aber nicht. Für den Einstieg sind deswegen vielleicht die eigentlich für kleinere Spuren entwickelten aber trotzdem recht leistungsfähigen und modular aufrüstbaren Systeme von Lenz oder Zimo eine Alternative. Hier muss man aber auf einen ausreichenden Schutz vor dem bei uns unberechenbaren Wetter achten.


Spur H0
Bei der mit Abstand verbreitetsten Spurweite H0 muss man Besonderheiten berücksichtigen, die bei anderen Spurweiten keine Rolle spielen. Alle Spurweiten von allen Herstellern auf der Welt fahren auf dem Vorbild entsprechenden 2- Leiter Gleisen. Mit einer Ausnahme, Märklin. Und das auch nur in Spur H0. Die anderen beiden Spurweiten von Märklin (Spur 1 und Spur Z) bedienen sich, wie der ganze Rest der Welt auch dem herkömmlichen 2- Leiter Prinzip. Nur in H0 (ach ja, auch beim Digitalformat) muss Märklin aus der Reihe tanzen und alles unnötig kompliziert machen. Gut, das Märklin Mitteleiter System ist ein historisch gewachsenes System, das (im Gegensatz zu allen anderen, nicht vorbildgetreuen Gleis- Systemen) bis heute noch immer verbreitet ist. Eine Abkehr vom Mittelleiter System würde die Märklin Kunden wirklich schwer treffen. Also wird es uns wohl noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Und spätestens jetzt fängt der „Glaubenskrieg“ an. Hier kann und werde ich nun nur meine ganz persönliche Meinung vertreten. Und die lautet: „Hände weg vom Mittelleiter System als Neueinsteiger....“ Denn die Vorteile die das Mittelleiter System mal auszeichnete (Kontaktsicherheit, Kehrschleifen, Robustheit), sind heute nicht mehr vorhanden (2-Leiter Fahrer klagen inzwischen wesentlich seltener über Kontaktprobleme als die Mittelleiter Fraktion) oder zumindest nahezu bedeutungslos (Kehrschleifen sind technisch inzwischen, vor allem aber nicht nur bei Digitalbetrieb, überhaupt kein Problem mehr) geworden. Die Nachteile, vor allem, das man kein zeitgemäßes Gleis bekommt und in aller Regel erheblich mehr bezahlen muss, die sind hingegen aktuell wie nie. Damit ist der „Glaubenskrieg“ für heute beendet. Bitte hier auch nicht weiter über dieses Thema diskutieren, danke. Wer als Neueinsteiger trotzdem mit Märklin anfangen will, möge dies gerne tun und bitte unter „H0 Mittelleiter“ weiter lesen.

H0 2-Leiter System
Es gibt zur Zeit einen ganz klaren Favoriten, wenn es um Einsteiger Digitalsysteme geht, und zwar die Roco Multimaus. Die Multimaus hat zur Zeit das mit Abstand beste Preis- Leistungsverhältnis aller Einsteiger Systeme. Außerdem kann man die Multimaus an fast allen „großen“ Zentralen irgendwie weiter nutzen. So ziemlich als einzige „große“ DCC fähige Zentrale kann die Tams Master Control (noch?) nicht mit der Multimaus zusammen arbeiten. Also in H0 grundsätzlich mit einem Roco Startset einsteigen. Ein Set von Trix beinhaltet wieder die Trix Mobile Station mit den oben bei Spur N genannten Vorbehalten. Die Startsets von Piko oder Fleischmann haben sehr stark eingeschränkte Digitalsysteme dabei, die über die allerersten Schritte hinaus keinen Spaß machen. Für Fleischmann gilt das gleiche, was bei Spur N zu Fleischmann geschrieben wurde. Weder die Piko Digi1 noch der Fleischmann LokBoss ist eine sinnvolle Investition. Wobei die Piko Lösung dank IR Drahtlos Technik unter bestimmten Umständen wenigstens noch einen kleinen weitergehenden Nutzwert hat. Der LokBoss ist auf alle Fälle eine Fehlinvestition.

H0 Mittelleiter System
Der gängige Fall... Man hat eine Märklin Bahn als Kind gehabt und will jetzt wieder einsteigen. Da man seine alten Schätze weiterhin fahren will, ist man auf das Märklin System festgelegt und oft auch eingeschworen. Zur Zeit gibt es bei Märklin zwei Digitalsysteme und zwei Zentralen. Ein Startset bekommt man nur noch mit MFX Komponenten, mit denen man aber auch alte Digital- und Delta Loks fahren kann. Als „Märklinist“ ist MM unabdingbar, allerdings halt ziemlich veraltet und stark eingeschränkt. Deswegen benötigt man (auf Dauer ganz sicher) ein zusätzliches Format (siehe oben bei Multiprotokoll). Bei einem Digitaleinstieg und Märklin Mittelleiter System muss man sich zuerst mal klar werden, ob man auf das hauseigene MFX setzen will. Die Vorteile sind leichte Bedienung und alle etwas neueren Märklin Loks fahren dank immer zusätzlich vorhandenem MM ohne Umbauten damit. Die Nachteile sind die ziemlich hohen Preise für das extrem spärliche Zubehör sowie die Beschränkung auf einen einzigen Hersteller. Denn außer Märklin produziert niemand etwas für MFX, sofern man mal von dem ESU Lokpilot MFX absieht. Diese sind aber mit den Märklin MFX Decodern baugleich, die von ESU für Märklin gebaut werden. Der bis auf das MFX Format identische DCC-MM-SX Multiprotokoll- Decoder Lokpilot 3 von ESU kostet durchschnittlich 10€ weniger als der ESU Lokpilot MFX. Bei vielen umzurüstenden Loks ein nicht zu unterschätzender Faktor. MFX ist wirklich nicht schlecht, aus einem Guss und einer Hand. Aber eben auch teuer und (noch) nur eingeschränkt aufrüstbar. Eine PC Steuerung ist zum Beispiel zur Zeit noch nicht möglich, auch fehlen noch passende Booster, usw. Das System ist halt noch ziemlich neu. Möchte man MFX einsetzten, braucht man über kurz oder lang auf alle Fälle die Märklin Central Station. Eine eventuell bereits vorhanden Mobile Station kann man als Handregler anschließen und so weiter sinnvoll nutzen. Die Mobile Station allein ist auf Dauer aber zu sehr eingeschränkt.
Deswegen gibt es zunehmend Märklin- Fahrer, die trotzdem auf DCC als zusätzliches Format zu MM setzen. Dank der Vielzahl an Multiprotokoll Zentralen ist das ohne weiteres möglich. Fast alle Nicht- Märklin Loks für Mittelleiter verstehen ab Werk neben MM auch DCC, da in aller Regel in solche Loks Multiprotokoll Decoder eingebaut werden. Also muss man für den vollen Genuss vorrangig Märklin Loks mit Multiprotokoll- oder DCC Decodern nachrüsten. Da man aber gleichzeitig auch MM fahren kann, ist jede Märklin Digital/Delta Lok trotzdem ohne Umbau sofort einsetzbar. Die beiden verbreitetsten und auch sinnvollsten Multiprotokoll- Zentralen zur Zeit sind die Tams Master Control und die ESU Ecos. (ca 300 bzw 500€ fahrbereit). Beide Zentralen sind aktuell und werden permanent weiter entwickelt und gepflegt. Das kann man von der „Mutter aller Multiprotokoll. Zentralen“, der Intellibox von Uhlenbrock leider nicht behaupten Deswegen würde ich die IB heute auch nicht mehr empfehlen.

Ich hoffe, das zumindest einige Fragen hiermit geklärt sind. Die Auflistung der Geräte, Hersteller und Komponenten erhebt keinesfalls den Anspruch der Vollständigkeit.

Ein Wort noch zu meiner Vorliebe für DCC, die man sicher bemerkt. Ich würde nie behaupten, DCC sei das beste Format. Nur welches meiner Ansicht nach das schlechteste Format ist, darauf lasse ich mich gerne festlegen. Sowohl SX als auch MFX sind sehr gut geeignet um jetzt und zukünftig viel Spaß mit der digitalen Modellbahn zu haben. Das ich trotzdem fast jedem und fast immer DCC (zumindest als „zusätzliches“ Format) empfehle, liegt schlicht an der unendlichen Auswahl und der großen Verbreitung. Damit sind Situationen wie jetzt bei LGB oder fast bei Märklin (wenn Kingsbridge nicht eingeschritten währe) einfach ausgeschlossen. Selbst wenn die Moba Industrie dereinst komplett in Schutt und Asche versinken würde, DCC würde dann als letztes untergehen, ganz sicher.
MM ist tot und nicht mehr zeitgemäß, aber mit allen anderen Formaten kann man auch langfristig seinen Spaß haben. Wer also lieber mit MFX oder SX statt DCC fahren mochte, nur zu. Auch für MFX (Central Station) oder SX (Müt oder Rautenhaus) habe ich ja Vorschläge gemacht.

Link zur ZIP-Datei

Datei auf meine WebSite verlagert (Stummilein, Admin)


photopeter

RE: Digital für Anfänger

#2 von Christian Lütgens ( gelöscht ) , 18.07.2007 19:32

Hallo,

Die Diskussion zum Thema findet sich jetzt hier.


Bye,
Christian
Moderation


Christian Lütgens

   


  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz