RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#1 von etr , 22.01.2017 19:36

Liebe SNCF-Interessierte

Seit gut einem Jahr ist der Triebwagen Z2 der SNCF von Piko auf dem Markt. In französischen Foren wird viel über ihn geschrieben, in deutschsprachigen deutlich weniger. Grund genug, euch diesen schon recht betagten, in Frankreich immer noch weit verbreiteten Zug vorzustellen. Er ist nicht gerade ein Schnäppchen, aber dank der guten Konstruktion seinen Preis allemal wert.


Die charakteristische Frontseite mit der (kulissengeführten) Attrappe der Scharfenbergkupplung. Doppeltraktionen sind möglich.

Der Triebzug ist mittlerweile bereits in unterschiedlichen Farbgebungen erhältlich, die meisten davon auch in AC. Auch Versionen mit Sound werden geboten für diejenigen, die das wollen. Weitere Farbgebungen sind geplant. Schon erschienen sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
klassische SNCF-Lackierung blau - rot - dunkelbeige (2 unterschiedliche Logos erhältlich)
hellblau - weiss "Pays de la Loire" (nur DC)
silber - dunkelblau "Aquitaine"
silber - rot - orange "Languedoc-Roussillon"
rot - weiss (meines Wissens nur DC)
gelb - weiss "Lorraine" (AC-Ausführungen derzeit noch nicht erhältlich, aber in Vorbereitung)
Die durchdachte, wartungsfreundliche Konstruktion macht auch Umbau auf AC ziemlich problemlos.


Der Wagenübergang mit ...


... der sehr gut konstruierten, fast schon genialen elektrischen Kupplung

Ein Wagen ist angetrieben, der andere mit einer ebenso soliden wie gut (ent-)kuppelbaren elektrischen Kupplung (mit Kulissenführung) verbunden. Von dieser überaus zweckmässigen Kupplung könnten sich manche Hersteller ein Stück abschneiden. Der Aufbau des Motorwagens ist klassisch: Auf einem schweren Metallchassis ist das Gehäuse mit Rastnasen befestigt. Durch Spreizen kann das Gehäuse leicht abgehoben werden. Die Inneneinrichtung wird durch mehrere Schrauben am Unterbau festgehalten; wird sie abgeschraubt, kommt das bestens aufgeräumte Innenleben zum Vorschein (von Bedeutung für einen allfälligen AC-Umbau).
Ein Drehgestell ist über einen einigermassen unterflur angeordneten Motor über Kardan abgetrieben, 2 Haftreifen sorgen für gute Zugkraft. Das andere Drehgestell ist für die Aufnahme eines AC-Schleifers vorgesehen.
Der Beiwagen ist ähnlich konstruiert, nur antriebslos und mit weniger Metall(-gewicht).

Der Triebzug hat eine PluX-Schnittstelle. AC-Versionen sind mit einem Uhlenbrock-Dekoder bestückt, der dem Fahrzeug einigermassen brauchbare Fahreigenschaften verleiht. Diese werden um Welten besser bzw. grosse Klasse, wenn man dem Triebwagen z.B. einen LokPilot gönnt. Auch im AC-Analogbetrieb läuft der Zug bestens. In dieser Betriebsart ist, wie meist bei PluX-Dekodern, eine spezielle Konfiguration der CV's erforderlich, wenn Stirn- und Schlussbeleuchtung korrekt brennen sollen. Auf Wunsch kann ich darauf eingehen, aber es dürfte wohl eh niemanden gross interessieren ... Die AC-Sound-Versionen scheinen mit ESU-Loksound ausgeliefert zu werden - zumindest deutet die Betriebsanleitung darauf hin. Das Dekoderfach ist durch eine abnehmbare Klappe von der Unterseite her gut zugänglich, ohne dass man das Gehäuse demontieren muss.

Die an den Stirnseiten angebrachte Attrappe der Scharfenbergkupplung kann bei Doppeltraktionen entfernt und durch das Einstecken einer "verbundenen Scharfenbergkupplung" ersetzt werden. Kuppelt dank Kulisse sehr eng. Eine sehr durchdachte und im Betrieb gut funktionierende Lösung. Es besteht allerdings noch etwas Luft nach oben, zumal sich die Kupplungen schlecht wieder aus dem Kupplungsschacht herausziehen lassen. Folgende Hinweise sind hilfreich:
- An der Attrappe bricht beim Anfassen schnell etwas ab. Deshalb: Einmal sorgfältig herausziehen (mit einer eine Pinzette Rastnasen zusammendrücken!) und dann die Teile der Kupplung mit den Rastnasen sorgfältig zusammenbiegen. So lässt sich die Kupplung später besser herausziehen. Diese Kupplung muss im Betrieb keiner Zug-Belastung standhalten.
- Die "verbundene Scharfenberg-Kupplung" sollte besser, aber nicht zu leicht herausgezogen werden können. Deshalb empfiehlt es sich hier, die Rastnasen etwas abzufeilen. Vorsicht: Nicht zu viel, sonst kommt es bei Doppeltraktionen zu ungewollten Zugtrennungen.
- Mit dergestalt modifizierten Kupplungen lassen sich mit etwas Übung Vereinigungen und Trennungen von Zügen auf dem Gleis durchführen.
- Sollte bei diesen Modifikationen einmal etwas schiefgehen: Halb so schlimm, denn diese Kupplungen sind als Ersatzteile erhältlich. Der Piko-Ersatzteilservice funktioniert zuverlässig. Damit ist Piko vielen Herstellern meilenweit voraus.
Piko hat die Möglichkeit von Doppeltraktionen gut gelöst, aber es besteht noch etwas Optimierungspotenzial. Es gibt ja andererseits sogar Hersteller, welche Doppeltraktionen von Triebzügen von der Konstruktion her fast unmöglich machen (der Liliput Flirt lässt grüssen).

Die Detaillierung ist sehr gut, aber nicht ganz so extrem fein wie z.B. bei L.S.. Das kommt der Betriebstauglichkeit zu Gute, ohne dass die Optik darunter leidet. Die Pantografen (je nach Ausführung einer für 1500 V CC, 25000 V AC oder sogar beide zusammen) sind fein und doch stabil. Schürzen für Vitrinenmodelle im Bereich der Drehgestelle liegen zur Montage bei. Die Lüftungsgitter auf dem Dach sind filigran ausgeführt. Auch die Drehgestelle sind ein Hingucker. Die Scheibenwischer sind nur angraviert, wirken aber sehr realistisch.

Piko verdient ein grosses Lob für diese Konstruktion. Dank zahlreicher Regional-Ausführungen können auch in Zukunft viele Varianten aufgelegt werden. Die für Deutsche wohl hauptsächlich interessante Ausführung "Lorraine" dürfte auch in AC bald erscheinen. Auch eine CFL-Ausführung (im Modell für DC und AC, beim Vorbild nur AC) ist erhältlich.

Ich wünsche diesem Triebwagen eine gute Verbreitung auf den Modellbahnanlagen und allfälligen Käufern viel Spass damit.

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Beste Grüsse

ETR


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RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#2 von 11652 , 22.01.2017 21:47

Hallo etr

Besten Dank für den ausführlichen und sehr guten Bericht! Wahrlich ein interessanter Zug... Habe mir den schon des öfteren auf der Website eines französischen Händlers angesehen.

Jouef hat generell sehr interessante Fahrzeuge - bei diesem hier könnte sich Liliput mal die Bildung von Mehrfachtraktionen anschauen (Flirt, etc.).

Der Decoder ist noch interessant - habe erst 141 R von Jouef - diese haben einen Lokpilot 4.0 drin (in der AC Version).


Gruss Christian

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RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#3 von Derrick23 , 22.01.2017 22:10

Leider ist der Triebzug von Piko.

Allein die Puffer wären für mich ein no go!


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RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#4 von 11652 , 23.01.2017 20:34

...da hatte ich irgendwie etwas falsch in Erinnerung

Ändert aber nichts daran, dass der Zug grundsätzlich einen tollen Eindruck macht und interessante konstruktive Details aufweist.


Gruss Christian

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RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#5 von MarcoCFL ( gelöscht ) , 11.03.2017 21:28

Sehr interessant! Dein sehr gut geschriebener Bericht könnte mich dazu verleiten mir die CFL Version dieses Triebzuges doch zuzulegen. Ich muss ehrlich zugeben dass ich bis jetzt durch den Preis etwas abgeschreckt war

Marco


MarcoCFL

RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#6 von Münch ( gelöscht ) , 16.03.2017 18:09

hallo Marco

Piko hat sich die Mühe gemacht,beim CFL-Modell die Abweichungen am Gehäuse(keine Türe zum Führerstand,keine Griffe) in der Gravour
richtig darzustellen.Ich habe(in DC) die Version mit dem überwiegend hellgrauen Kasten.ist optisch schon eine Augenweide .
Ohne etwas im Zusammenhang mit AC beurteilen zu können,von mir eine klare Empfehlung.mfG


Münch

RE: Testbericht: Triebwagenzug Z2 der SNCF von Piko

#7 von 4 REV ( gelöscht ) , 16.03.2017 19:49

Vielen Dank für den sachlichen Bericht. Daß Piko den Z2 herstellte war mir bis jetzt noch gar nicht bekannt.


4 REV

   


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