RE: Längenabhängige Schattenbahnhofssteuerung mit TrainController 8 Gold

#1 von Reinhard Heckmann , 14.02.2017 12:48

Hallo Stummies,


wie angekündigt stelle ich hiermit meine Steuerung des Sbf Lindau auf meiner Anlage Igling II vor.
Mit Hilfe der Längensteuerung im TC 8 Gold ist es mir gelungen nur mit den Standard Features von TC eine automatische Steuerung für die Einfahrt und das Nachrücken zu programmieren. Ich habe bewusst eine einfache Umsetzung gewählt, da ich als Anwender mit nur rudimentären EDV-Kenntnissen die etwas komplexeren Optionen wie z.B. Ablaufsteuerung oder die Zugbeschreibungen vermeiden wollte.

So erfolgt die gesamte Steuerung des Sbf Lindau durch 4 Zugfahrten mit Längensteuerung, einem Bahnwärter und 2 Schalter für die Automatik.

Grundsätzlich hat jeder Betreiber einer Modellbahnanlage unterschiedliche Anforderungen an den Betriebsauflauf im Sbf. Ideal wäre natürlich ein Stammgleis für jeden Zugverband, den ich ohne Einschränkung abrufen kann. Dann hätte ich bis zum Betrieb nach Fahrplan alle Optionen für meinen Betrieb. Diese idealen Zustände sind aber auf den meisten Anlagen aus Platz-und Kostengründen unrealistisch. Deshalb geht es um die optimale Kapazitätsnutzung des begrenzt vorhandenen Platzangebotes im Sbf.

Hier bietet sich die sequenzielle Anordnung der Blöcke im Sbf an, da ich nun bei dem gleichen Aufwand von 2 Weichen für Ein-und Ausfahrt mehre Zugverbände hintereinander auf einem Gleis abstellen kann. Diese Philosophie habe ich bei meinem 2. Sbf Lindau konsequent umgesetzt.
Mein erster Shf München verfügte nur über einen Block pro Gleis. Besonders wichtig ist, dass man sowohl baulich als auch vom benutzten Gleis-und Weichenmaterial hohe Anforderungen an einen Sbf stellt, damit ein langfristiger sicherer Betrieb möglich ist.


Sbf Lindau
Meine Anlage Igling II ist vom Prinzip das klassische Thema „2-gleisige Hauptstrecke mit abzweigender Nebenbahn“. Umgesetzt wurde das Thema in „Hundeknochenform“ wo die jeweiligen „Knochenende“ die Sbf LIN und MUC abbilden. Der Sbf Lindau verfügt über 6 Gleise mit Nutzlängen zwischen 420 und 520cm und ein Umfahrgleis. Als Gleismaterial kam RocoLine ohne Bettung zum Einsatz. Alle Weichen sind polarisiert und mit dem Magnetoberflurantrieb versehen.





Blockeinteilung

Jedes Gleis wurde in3 unterschiedlich lange Blöcke eingeteilt. Die Blocklängen richten sich nach meinem Fuhrpark. Die längsten Zugverbände (Güterzüge) sind 295cm und maximale Länge der D-und Eilzzüge sind wegen der Bahnsteige 230cm. Aber auch kürzere Garnituren mit 80 cm verkehren auf Igling II.
Damit man mit wenigen Zugfahrten auskommt, ist eine gleiche Anzahl von Blöcken bei allen Gleisen erforderlich. Dies hat programminterne Gründe. (Wahrscheinlich muss wegen der Vorschau bei einer Zugfahrt mit mehreren Zielblöcken die Anzahl der Zwischenblöcke gleich sein)
Die jeweils maximale Zuglänge wird im Block Allgemeines eingetragen. Bei kurzen Blöcken habe ich als maximale Zuglänge die Länge des Nachfolgeblocks zuaddiert. (Zahl in Klammern).


Melder

Um einen sicheren Betriebsablauf zu gewährleisten, ist eine komplette Überwachung aller Gleise und Weichen erforderlich. Bei mir werden die Einfahr-und Ausfahrweichengruppe mit jeweils einem Belegtmelder überwacht. Hierbei ist es wichtig, dass die Überwachung der Weichengruppe den Bereich bis zum Grenzzeichen und den Abstand bis zur ersten meldenden Achse umfasst. Es muss sichergestellt sein, dass kein Hindernis über das Grenzzeichen hinausragt. Bei meiner Weichengeometrie und den Sicherheitsabstand zur ersten meldeten Achsen hat sich ein Abstand von 12cm ergeben.
Da man bei einer sequentiellen Anordnung der Blöcke unter allen Umständen das Auffahren des Nachfolge-Zugverbandes vermeiden muss, habe ich in jedem Block 2 Kontaktmeldern vorgesehen. Der „Haltemelder“ ist die klassische Haltemarkierung mit Rampe. Der „Stoppmelder“ ist eine Haltemarkierung mit Rampe 0cm. Diese Sicherheitsfunktion ist m.E. unabdingbar, da sich trotz präzisem Einmessen der Loks mir im praktischen Betrieb Ungenauigkeiten ergeben haben. Nach meiner Erfahrung und meinem Fuhrpark sind Ungenauigkeiten beim Bremsverhalten im Bereich von +-10cm kaum zu vermeiden. Das Bremsverhalten alle Loks wird bei mir gleicher Rampe und gleicher Geschwindigkeit festgelegt. Ziel eines sicheren Betriebes bei mir, ist das Vermeiden des Auslösens des Stoppmelders.




An der Ausleuchtung des Stellwerkes kann ich erkennen, bei welchen Zugverbänden der Stoppmelder ausgelöst wird und so rechtzeitig den Bremsausgleich korrigieren.




Damit die Zugverbände korrekt melden können, muss zumindest der letzte Wagen eines Zugverbandes eine Belegtmeldung auslösen. Ich verwenden hierfür SMD Widerstände an den Achsen. Da sich Zeitaufwand und Kosten in einem engen Rahmen halten, wird bei mir grundsätzlich jeder Wagen mit einer Widerstandsachse ausgerüstet. So bin ich bei der Zusammenstellung der Zugverbände flexibel. Die Länge der Zugverbände muss TC bekannt sein. Da ich überwiegend mit festen Wagenverbänden fahre und ich nur die Loks wechsle, habe ich die Wagen zusammengefasst. (z.B. 6 TEE-Wagen 180cm)


Betriebsablauf

Der Betriebsablauf im Sbf Lindau stellt sich wie folgt dar. Alle Zugfahrten nach Lindau enden im Block LIN Einfahrt.
Hier beginnt nur die Schattenbahnhofssteuerung. Die automatische Einfahrt in den Schattenbahnhof wird über den Schalter A aktiviert. Hier sind als Operationen die Zugfahrten
LIN Einfahrt > LIN Gl 1A-6A (1)
LIN Einfahrt > LIN Gl 1B-6B (2)
LIN Einfahrt > LIN Gl 1C-6C (3)
und die Bedingungen eingetragen.




Ein Bahnwärter hat als Auslöser den belegten Block LIN Einfahrt, als Bedingung Automatik-Schalter „Ein“ und als Operation die 3 Zugfahrten mit jeweils 1 Sek Verzögerung.






Die Zugfahrt 1 (A-Blöcke) hat folgende Regeln für die Längensteuerung:
Kürzesten Zielblock bevorzugen
Kein Halt in zu kurzen Blöcken
Als Bedingung für die Zugfahrt 1 muss zumindest ein A-Block frei sein (keine Belegung oder Reservierung)



Dann folgt die Zugfahrt 2 (B-Blöcke) mit folgenden Regeln für die Längensteuerung:
Züge müssen in Zielblock passen
Kürzesten Zielblock bevorzugen
Als Bedingung für die Zugfahrt 2 muss zumindest ein B-Block frei sein (keine Belegung oder Reservierung)



Dann folgt die Zugfahrt 3 (C-Blöcke) mit folgenden Regeln für die Längensteuerung:
Züge müssen in Zielblock passen
Kürzesten Zielblock bevorzugen



Sobald ein Zugverband den Schattenbahnhof verlässt wird durch eine Aktionsmarkierung im ersten Block nach der Ausfahrt (LIN Gl 8KS) die Nachrückfahr gestartet. Das Nachrücken kann alternativ auch manuell durch Betätigen des Nachrückschalters ausgelöst werden.



Falls ich vom automatischen Betriebsablauf abweichen möchte, wird entweder die Ausfahrblocksperre im Block LIN Einfahrt aktiviert oder die Automatik abgeschaltet. Dann kann ich mit den AutoTrain Start-und Zieltasten den Sbf umfahren oder einen anderen Zielblock wählen.


Betriebsstörungen:
Frühes Halten:
Falls ein Zugverband zu früh anhält, gibt die meldende Achse des letzten Wagen den Nachfolgeblock oder die Weichenstraße nicht frei.




Spätes Halten:
Falls ein Zugverband den Haltemelder überfährt, wird dieser beim Stoppmelder angehalten. Ein Überfahren eines Stoppmelders ist noch nicht vorgekommen. Falls ein Stoppmelder überfahrer werde sollte und ein Zugverband im Grenzzeichenbereich zum Stillstand kommt, wird die Ausfahrweichengruppe gesperrt.



Bei dieser typischen Belegung sind die 18 Blöcke mit 13 Zugverbänden belegt.




Zusammenfassend kann ich sagen, dass die längengesteuerte Sbf-Steuerung von LIN meine Ansprüche voll erfüllt. Gerade die Fexibiltät, die der Betrieb mit der abschaltbaren Automatik ermöglicht ist für mich reizvoll. So kann ich mich ganz auf meine Kreativität als Fahrdienstleiter konzentrieren und überlasse TC alle sicherheitsrelevanten Funktionen.

Ich hoffe, dass die Beschreibung für einen längengesteuerte Schattenbahnhof verständlich war.

Wer das Ganze mal im Betrieb sehen möchte, darf mich gerne nach Ankündigung mal im schönem Igling (bei Landsberg/Lech) besuchen.

Viele Grüße aus Igling

Reinhard


System HO 2-Leiter, Tillig Elite und RocoLine, Weichenantriebe Roco und Flüster(Servo)antriebe, Lenz 3,6 TC Gold V9
http://ModellbahnFreunde-Landsberg.de
Mein Projekt: viewtopic.php?f=64&t=25446&p=682560#p682560


Reinhard Heckmann  
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RE: Längenabhängige Schattenbahnhofssteuerung mit TrainController 8 Gold

#2 von Harald , 14.02.2017 19:40

Hallo Reinhard,

vielen Dank für Deine Arbeit, der Link ist schon notiert......


Viele Grüße von

Harald


 
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RE: Längenabhängige Schattenbahnhofssteuerung mit TrainController 8 Gold

#3 von ET 65 , 14.02.2017 19:59

Hallo Reinhard,

dem Dank schließe ich mich gerne an. Link ist fixiert.

Gruß, Heinz


Tried to reduce to the max Ich weiß, nicht immer einfach, aber einfach kann ja jeder.
Was noch fehlt? "Ein Sack voll Zeit"


 
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RE: Längenabhängige Schattenbahnhofssteuerung mit TrainController 8 Gold

#4 von Emma 73 , 18.02.2017 23:13

Hi Reinhard,

ich finde es super, dass Du Deine Anlage mit dem TC Projekt hier vorstellst.
Ich bin gerade dabei das Programm TC und die Philosophie dahinter, mir bei zu bringen. Auch ich möchte einen sequentiellen SBH verwirklichen und habe einen etwas anderen Ansatz gewählt. Könntest Du mir bitte per PN Dein Projekt schicken, so dass ich es in Ruhe studieren kann?


Emma
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RE: Längenabhängige Schattenbahnhofssteuerung mit TrainController 8 Gold

#5 von Dreispur , 19.02.2017 09:14

Hallo !

Eine feine Lösung die du uns zugute kommen läßt .

Da es mit WDP ähnlich machbar ist , ist deine Art der SBH -Steuerung eine gute Grundlage es so nachvollziehen .

Danke für die INFO


mfG ANTON

Roco DigiSet+MMaus Rocomotin, IB 650 2.0 / IB 60500 ESU+CT-Programmer, Schalt/RMGB Dec Viessman , LDT,Roco,Lenz,LISSY,Lopi:Lenz,Tran+Sound/ESU+Sound/ Orig. Lok+Sound.anal.Trafo z.Test.WDP 7.0 u.9.2 / 2012 /RM Digikeijs / IB II /


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