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RE: Sommerurlaub USA 2017, die Bahnbilder (50 Bilder, sehr viel Text)

#1 von Sporthabicht , 29.06.2017 21:21

Hallo Stummis,

auch dieses Jahr führte uns der Sommerurlaub wieder in die USA, wieder ging es hauptsächlich um Urlaub, Bahnbilder entstanden meisst in der Nebensache. Ich bin kein Profifotograph, die Bilder sind nicht nachbearbeitet, nur stellenweise etwas gerade gedreht. Züge müssen fahren, Bilder aus Museen werdet ihr hier (fast) nicht finden. Trotzdem, von ca. 1500 Bahnbildern konnte ich 50 für euch auswählen, entstanden sind alle mit meiner neuen Panasonic Lumix FZ 1000...
Mal wieder waren während der 23 Tage Glück und Pech im Spiel, in nahezu jeder Hinsicht. Bezüglich der Fotostellen war ich etwas vorbereitet, für die Amtrak-Züge hatte ich Fahrpläne, weitere Hilfsmittel wie Funkscanner hatte ich nicht.

Achtung, es ist viel Text zu lesen!!

Dieses Jahr ging es in den Nordwesten, nach mehreren Reisen im Herbst wollten wir mal eine andere Jahreszeit probieren, nämlich Frühjahr/Sommer. Spät genug für warmes Wetter, aber noch vor den US-Sommerferien und der grossen Reisewelle der Amis. So ging es für uns Ende Mai nach Seattle und von dort aus das kurze Stück auf die Olympic-Halbinsel in den gleichnamigen Nationalpark. So ganz ohne Eisenbahn, aber mit Traumwetter und kurzen Hosen.

Ein fester Programmpunkt war ein Besuch des Boeingwerks in Everett. Die dortige Montagehalle war bis vor kurzem die grösste Halle der Welt. Auf die 400000 qm würden über 50 Fussballfelder passen, alle in eine Halle. Man darf zwar nur zwei Aussichtsplattformen hoch über dem Hallenboden betreten, aber 25 Dollar für die 90 minütige Führung sind ihr Geld wert, auch wenn Kameras und Handys nicht mitgenommen werden dürfen. Daher auch keine Bilder von dort... Einziger Makel, es war Memorial Day, also Feiertag, von den 35000 Mitarbeitern in Everett haben wir gerade 5 gesehen.

So eine 747 besteht übrigens aus 6 Millionen Einzelteilen, davon die Hälfte sind Schrauben und Nieten...

Abends vor der Boeing-Tour war ich schonmal kurz am Werk, dort stand BNSF 2080 (GP 38-2, Baujahr 1972) zusammen mit einer Schwester abgestellt zur Feiertagsruhe:





Nachmittags ging es für uns dann in die Cascades, zuerst in den südlichen Teil dieses Gebirges um am Stevens Pass auf Züge zu lauern. Die Strecke der BNSF führt dort durch den 12,5 km langen Cascade Tunnel. Eigentlich wollte ich am Ostportal des Tunnels Bilder machen, dort wäre Sonne gewesen. Zudem befindet sich dort die Belüftungsanlage des Tunnels samt Tor im Tunnelportal. Bis 1956 waren der Tunnel und die angrenzenden Streckenabschnitte elektrifiziert, weil die Dampflokzeit zuende war und die Oberleitungen hätten erneuert werden müssen entschied man sich für den Rückbau und installierte die Belüftungsanlage. Das limitiert die Anzahl der Züge auf 28 am Tag, die Abgase müssen nach jeder Durchfahrt erstmal aus dem Tunnel geblasen werden. Platz für Oberleitungen wäre heute wegen der Doppelstock-Containerzüge ohnehin nicht mehr. Zuwegungen auf der Ostseite sind aber mit "no tresspassing" abgesperrt und mit Kameras überwacht. Den Ärger wollte ich nicht riskieren...

Also ging es auf die Westseite, nach längerem Warten zusammen mit einem US-Eisenbahnfreund (sehr angenehmer Typ übrigens) kündigte sich mit Grummeln und Rumpeln Zug aus dem Tunnel an. Es dauerte aber noch ca. 15 Minuten bis BNSF 4692 (C44-9W) den Intermodal aus dem Tunnel führte:





Danach wollten wir eigentlich weg, die Sonne war endgültig rum, zudem bläst die Lüftung die Abgase nach Westen aus dem Tunnel und minutenlang wehte der Dieselmief aus dem Portal zu uns herüber. Der US-Freund wollte aber noch auf den Amtrak Empire Builder aus Seattle warten, der war ja jeden Augenblick fällig. Wir blieben also auch und nach weiterem Warten kam tatsächlich ein Zug zum Tunnel hoch. Da aber erstmal nur eine BNSF-Lok an der Spitze zu sehen und eigentlich gar kein Licht mehr war habe ich nur ein Video gemacht und dazu die Kamera samt Mini-Stativ in den Schotter gestellt.
Aber etwas Pech, Amtrak hatte wohl an dem Tag ein Problem mit seiner Lok und so musste BNSF 5369 (auch eine C44-9W, 1697 hat die BNSF davon beschafft) aushelfen. So ist folgendes Bild vom Amtrak Empire Builder mit der Aushilfslok vor der regulären P42DC Genesis nur ein Standbild aus dem Video:





Die Zugteile des Amtrak starten als Flügelzüge in Seattle und Portland und laufen so bis Spokane im östlichen Washington, dort werden sie vereinigt um dann zusammen bis Chicago zu fahren. In der Gegenrichtung wird der Zug in Spokane geteilt. Wir werden den Empire Builder noch häufiger sehen, fuhren aber erstmal nördlicher in die Cascades zum dortigen Nationalpark. Dort waren die Straßen zwar geräumt, abseits lag aber mit über 2 Metern noch so viel Schnee das das geplante Wandern auf vielen Wegen nicht möglich war. Ohne sichtbare Beschilderung oder Wege ist man im verschneiten Wald nach wenigen Metern ohne Orientierung.

Unsere Route führte uns weiter ostwärts und zu meinem nächsten Eisenbahnziel Sandpoint, Idaho. Dort konzentriert sich auf einem recht kurzen Stück der Verkehr mehrerer Ost-West-Linien und führt im Stadtgebiet von Sandpoint über den Lake Pend Oreille. Die Amerikaner nennen diesen Abschnitt "the Funnel", den Trichter. Abends fuhren wir an die Brücke über den See und ich musste nicht lange warten bis die BNSF mir einen Zug schickte:





Langsam rollte das Getreide über die Brücke, ich konnte nochmal in aller Ruhe auf die Zugloks draufhalten, BNSF 4411 an der Spitze und BNSF 4804 sind mal wieder C44-9W, in der Mitte läuft BNSF 7897 (ES44DC). Der Wind trägt die fabelhafte Geräuschkulisse zu mir herüber, die Sonne kämpft zwar gegen die Schleierwolken, verliert aber:





Wir blieben die Nacht in Sandpoint, so das ich am nächsten Morgen wieder an den See konnte. Am Seeufer gibt es nette Plätzchen zum Warten und Frühstücken im Auto (in den Motels gibt ja oftmals Nichts, Autofrühstück war bei uns also nicht unüblich), in Richtung See hatten die Schleierwolken noch die Oberhand. Zudem war ich noch etwas unfähig mit der neuen Kamera. So säuft der See samt Brücke und Zug im Hintergrund etwas ab als BNSF 9045 (SD70ACe, im hellen Orange eine bullige Erscheinung) den Kohlezug langsam über die Brücke führt:





Ein halber Nachschuss, gleich wird die Schlusslok des Kohlezuges an mir vorbeirollen. Die Brücke ist überquert und lautstark hilft sie nun den Zug zu beschleunigen, er wird in etwa 15000 Tonnen wiegen. Diese Schlussloks werden für gewöhnlich als distributed power unit (DPU) geführt, sind also nicht mit Personal besetzt, sondern werden von vorne via Funk ferngesteuert. Sie hat es aber leider knapp nicht ins Bild geschafft als der Gegenzug schon anrollt um den See zu überqueren. Es führt BNSF 5335 (C44-9W), dahinter die blaue GEXC 2034 (ES44C4), eine Leasinglok von General Electric:






The Funnel ist halt ein Engpass mit viel Verkehr, wenig später kommt schon der Nächste. BNSF 8014 (ES44C4, also mit nur 4 angetriebenen Achsen und variabler Achslast der Mittelachsen) führt einen Intermodal über den See. Dieser ist leider zu kurz um noch auf die Brücke zu reichen, 2 der 5 Lokomotiven laufen nur geschleppt mit:





Danach setzten wir unsere Reise gen Osten fort, ich wollte die Geduld meiner Freundin (noch) nicht ausreizen, zudem waren es noch über 4 Stunden Fahrt in den Glacier National Park, unser nächstes Ziel. Hier lag leider noch so viel Schnee das die Strasse durch den Park grösstenteils gesperrt war, der Umweg südlich um den Park herum führt parallel zum Marias Pass der BNSF. Dort war aber an dem Tag überhaupt Nichts los. Beides, also das Wenig-machen-können im Park und der Nichtverkehr am Pass waren für uns Pech aber zu verschmerzen, hier waren wir vor 2 Jahren schonmal (die Bahnbilder samt Bericht gibt es hier im Forum). Glacier NP ist eine Reise wert, aber so machten wir uns am nächsten Tag auf nach Südosten.

Für einen kurzen Besuch an der Brücke über den Middle Fork Flathead River war noch Zeit, denn während des Frühstücks in West Glacier (in strahlendem Sonnenschein auf einer Bank am Motel) rollte der Empire Builder in den dortigen Bahnhof. Das Frühstück wurde sogleich sehr zum Unwohl einer gewissen Dame verlagert. Sie konnte im Auto weiter essen, ich machte mich auf den Fussweg zur Brücke. Viel Zeit blieb nicht, Fahrt und Fussweg waren daher relativ rasant. Es reichte knapp, hier also der Empire Builder auf dem Weg nach Chicago, nun beide Zugteile vereint, mit zwei P42DC an der Spitze über die Brücke rollt:





Auch den nächsten Spot kannte ich schon, die Two Medicine Bridge gleich hinter East Glacier. Diese lag sowieso auf dem Weg, so bekam ich den Amtrak noch einmal in voller Länge auf den Chip:





Danach wartete ich auf einen Güterzug in die Gegenrichtung, diesen hatte ich schon bei der Anfahrt zu Brücke in einer Ausweiche stehen sehen, von der Brücke aus stand er aber verdeckt. Als ich dann nach 20 Minuten vergeblichen Wartens zum Auto zurückging fuhr er natürlich genau in dem Augenblick auf die Brücke als ich das Auto erreichte. Ich bin noch zurück gerannt, aber....zu spät. So schlug auch nun wieder das Pech zu, zum Einen wurde das Wetter deutlich schlechter, zum Anderen war heute am Pass richtig was los.
Wir hatten aber keine Zeit, es sollte heute ja noch weiter nach Helena, Montana, gehen.

Vor zwei Jahren war dafür keine Zeit, aber wollte unbedingt zur MRL und an den Mullan Pass. MRL (Montana Rail Link) ist eine kleine Eisenbahngesellschaft mit knapp 1500 km Streckennetz, ein Teil dieses Netzes ist von der BNSF geleast. Im Gegenzug ist BNSF vertraglich verpflichtet eine Mindesttonnage über MRL zu befördern. MRL hat wie andere kleine Gesellschaften noch viele alte Lokomotiven im Bestand, es war sogar eine kleine Sensation als sie ab 2005 insgesamt 16 fabrikneue SD70ACe beschafft haben. Trotzdem erhoffte ich mir noch viele Alteisen, zumal MRL seine Loks scheinbar gut zu pflegen weiss.

Helena liegt auf der steilen und recht spektakulären Ostseite des Mullan Pass, hier werden schweren Zügen Helpersets aus 4 Lokomotiven beigefügt um den Anstieg hinauf zum Scheitelpunkt in Blossburg zu bewältigen. Für die ganz schweren Dinger müssen die Helper in die Mitte des Zuges rangiert werden, sonst würde die zulässige Belastung der Kupplungen überschritten. Oben in Blossburg werden die Helper wieder vom Zug genommen, denn die Westflanke des Mullan Pass ist weit weniger steil. Die Helper sind im Unterschied zur DPU mit Personal besetzt, für diese Aufgabe nutzt die MRL meisstens die neueren, jeweils 4300 PS starken SD70ACe.
Gleich nach unserer Ankunft in Helena am Nachmittag fuhren wir an den Pass und konnten einen Bergfahrer verfolgen. Im unteren Teil klappt das ganz gut, die Strasse ist erst nahe der Gleise und immerhin geschottert, weiter oben kurvt sich die Bahnstrecke erst von der Strasse weg um diese dann über die Skyline Trestle zu überqueren. Ab der Brücke ist man chancenlos, die Strasse wird zu einem steinigen, steilen Feldweg über den Berg, die Bahn kürzt durch den einen Kilometer langen Blossburg Tunnel ab.

So hatten die Helper schon vom Zugschluss abgekuppelt als wir oben ankamen, schlimmer noch, der starke Regen ging in Hagel über.
Während ich also aus dem Auto dieses Verlegenheitsbild der Helper machte prasselten die 1 cm grosser Hagelkörner durchs Auto, bevorzugt landeten sie zwischen dem Sitz und mir. Für eine Erfrischung an Rücken und Hintern war also gesorgt:





Wir brachen mit schlechter Laune erstmal ab und fuhren nach Helena um uns um Abendessen und eine Unterkunft für die Nacht zu kümmern.
Später am Abend hatte der Himmel ein Einsehen und es klarte etwas auf, so das ich nochmal hoch zur Skyline trestle fuhr. Zu einem kleinen Plateau am Ostkopf gibt es einen Weg, Autos versperrt ein Tor die Durchfahrt und natürlich ist dort "no tresspassing" angeschlagen.
Dieses Mal wars mir etwas egal, ich liess Auto samt Freundin am Tor zurück und machte mich zu Fuss auf zum Brückenkopf. Schon nach 3 Minuten Warten ertönte ein Horn oben in Blossburg und ich durfte so eine Zugfahrt erwarten.
Ein Helperset machte sich nach getaner Arbeit auf den Rückweg nach Helena:





Ein Nachschuss war auch noch drin, man beachte bitte den kleinen Felsen gleich rechts der Schlusslok:





Ich tat es den Helpern gleich und machte auf dem Rückweg zum Auto, sammelte natürlich auch meine Freundin wieder ein und fuhr nach Helena. Die Sonne ging nun eh unter und wir waren müde. Ausserdem trug ich eine rote Sweatjacke die in der grünen Landschaft reichlich auffällig war, die Gegend dort ist nicht so menschenleer wie es scheint. Da oben ist "no tresspassing" und die Lokmannschaft hatte auch nicht gegrüsst oder so. Nicht das da noch einer die Cops ruft...

Der nächste Tag machte Alles besser. Gegen meinen Schlechtwetterfrust und das eisenbahnbedingte Genervtsein meiner Freundin hatte das grosse, schöne Zimmer in einem etwas besseren Motel gut geholfen, zudem der Laden ein für US-Verhältnisse gutes Frühstück bot. Die Schlechtwetterfront hatte sich verzogen und so ging es nochmal an die Skyline trestle, wieder zu fuss aber nun deutlich gedeckter gekleidet. Denn heute würde ich nicht nur tresspassen müssen, sondern auch noch das Streckengleis überqueren. Nicht nachmachen, das ist nicht legal .
Kaum oben auf dem Plateau angekommen kündigte auch schon ein Horn einen Zug von der Passhöhe an.
Ein Helperset aus 4 SD70ACe war in der Morgensonne auf dem Rückweg nach Helena:





Den freundlichen Gruss der Lokmannschaft deutete ich als Zeichen das sie mein Aufenthalt hier oben nicht stören würde. So blieb ich auf dem Plateau und erkundete erstmal mögliche Fotostellen. Dabei testete ich auch die links im Bild sichtbaren Sitzgelegenheiten aus gestapelten Steinen, die scheinbar andere Eisenbahnfreunde aufgestellt haben. Zwei Dinge störten an dem Morgen, zum Einen wehte recht starker Wind aus Blossburg herüber, ich würde also bergfahrende Züge erst sehr spät hören können, zum Anderen kämen die Bergfahrer genau aus der Sonne und wären somit unfotografierbar.

Eine Stunde lang geschah aber sowieso erstmal Nichts, nur ein paar Motocrossfahrer hatten ihren Spass auf der Passstrasse. Als dann endlich ein Horn einen Bergfahrer ankündigte entschied ich mich den kleinen Felsen direkt neben dem Gleis als Fotopunkt zu nutzen. Von vorne war ja wegen der Sonne eh nichts zu machen und für einen Nachschuss auf die Brücke war der Felsen ideal. Nur halt eben sehr nah am Gleis. Um das Zugpersonal nicht zu beunruhigen und evtl. Ärger zu bekommen ging ich erstmal geduckt in Stellung. So konnten Sie mich nicht sehen, nach Vorbeifahrt der Spitzenlok könnte ich meine Deckung aufgeben und in aller Ruhe Bilder machen. Im Nachhinein war das nicht die beste Idee...

Der Zug kam näher, das leise Brummen ging in infernalisches Gedröhne über, die Räder kreischten in der engen Kurve. Dann fing der Boden samt des kleinen Felsens auch noch an zu beben, aber ich hockte in meiner kleinen Mulde oben auf dem Felsen und konnte den Zug nichtmal sehen. Ein ungutes Gefühl! Erst als die Zuglok BNSF 7071 (ES44C4) an mir vorbeigezogen war und mich an ihrer Abgasfahne teilhaben liess gab ich mein Versteckspiel auf und machte dieses Bild:





Als der erste Wagen mit seinem speziellen Profil an mir vorbeizog konnte ich mein Glück kaum fassen. 42 Boeing 737 werden pro Monat gebaut, deren Rümpfe fertigt ein Zulieferer in Kansas. Per Zug werden Diese dann von der BNSF ins Werk nach Renton südlich von Seattle gebracht. Das ich genau einen solchen Transport über den Mullan Pass erwischte liess mich laut aufjubeln, hören konnte mich ja eh keiner.
4 Flugzeugrümpfe waren am Anfang des Zuges eingereit:





Der Rest des Zuges bestand nur aus leichten Autotransportern, Helper der MRL waren somit keine dabei. Die Schlusslok (DPU) der BNSF lief dazu für ein Bild noch verkehrt herum. Aus Zeitgründen verliess ich dann das Plateau und fuhr noch einmal ganz hoch nach Blossburg, die Boeings konnte ich natürlich nicht mehr einholen, aber ich wollte noch an den Scheiteltunnel der Strecke. Vom Tunnelportal gibt es im Internet viele Bilder und Videos. Da dort aber "no tresspassing" war und zudem LKW's und Arbeiter von MRL unterwegs waren habe ich den Ärger zum Portal zu Fahren nicht riskiert.

Auf einem Abstellgleis oben steht dieses Gefährt. Ein ehemaliger Hopper der Northern Pacific, keine Ahnung wie alt der ist, aber die Northern Pacific existiert seit 1970 nicht mehr, MRL nutzt den noch genieteten Methusalem als Eiszapfenentferner für den Scheiteltunnel:





Oben in der Ausweiche stand ein Langschienenzug der MRL und wartete auf Weiterfahrt. Zuglok ist eine der SD70ACe's, dahinter hilft MRL 259, eine SD40-2XR und somit endlich mal mit Baujahr 1971 ein Alteisen der MRL. Das Personal fand meine Anwesenheit scheinbar nicht so gut, fuhr mit dem Zug mehrfach nur einen Meter vor und schaltete dabei das Spitzenlicht an und aus. Letztendlich zogen sie dann soweit vor das die Zugspitze unfotografierbar in einem Geländeeinschnitt zu stehen kam. Das dadurch der Bahnübergang blockiert war interessierte scheinbar nicht...Blödmänner...
Kurz darauf wurden sie von einem gemischten Güterzug, dessen MRL-Helper erst abkuppeln mussten, überholt. Etwas mehr Geduld eben an der Brücke wäre also ratsam gewesen, aber naja...
Hier ziehen sie gerade mit nervendem Dauerhorn vor:





Nach Räumung des Übergangs zogen auch wir weiter. Gerne hätte ich auf dem Weg nach Bozeman, Montana, Bilder im Lombard Canyon gemacht. Leider fand ich trotz mehrfachen Suchens die Zufahrt zum Canyon nicht, gleich ein halbes Dutzend schlechter Feldwege stand zur Auswahl. Wirklich viel Zeit hatte ich auch nicht, also blieb der Canyon samt Bahnstrecke unfotografiert.

Aber dem Weg gen Bozeman kam uns ein kurzer Local entgegen und zwang mich zum Wenden. An einer Ausweiche fand ich eine Fotostelle im zweifelhaften Licht, aber der Local war wirklich flott unterwegs und mehr Auswahl hatte ich auf die Schnelle nicht. Hier überholt er gerade einen abgestellten und unbesetzten Getreidezug mit BNSF 7973 (ES44C4) an der Spitze. Zuglok ist mal wieder eine SD70ACe, dahinter die Verhältnis mickrige MRL 109 (GP9, Baujahr 1955). 50 Jahre liegen zwischen den Beiden, der Grössenunterschied ist in Natura noch grösser als auf meinem Bild:





In Bozeman besuchten wir den Montana Grizzly Encounter, die Heimat von 5 wirklich beeindruckenden Bären die alle in freier Wildbahn keine Chance mehr hätten. Für meinen Geschmack ist das Gehege etwas klein und die Show die mit den Grizzlys gemacht wird etwas gross, aber die Aufopferung des Familienunternehmens für die Tiere ist wirklich beachtlich und der Besuch die 8 Dollar Eintritt wert.

In Bozeman betreibt die MRL aber auch den Bozeman Pass, auch hier ist die Ostflanke so steil das Helper für die schweren Züge benötigt werden. Auch hier gibt es wie beim Mullan Pass einen unzugänglichen Scheiteltunnel, aber ansonsten verläuft die Strecke eher gerade und kommt ohne grossartige Kunstbauten wie Brücken aus. Mit dem Auto hat man eher schlecht Zugang zu den Gleisen, meistens liegt nur die Interstate 90 parallel, und auf dieser Autobahn mit nur wenigen Abfahrten kann man nicht so einfach mal anhalten.
Ich fand aber nahe des Grizzly Encounter einen Feldweg an den Gleisen und wartete einfach. MRL hatte schon nach 5 Minuten ein Einsehen und schickte mir einen Zug, und was für Einen...Loks 405 und 404 brachten einen sehr kurzen Local über den Pass. Die beiden je 2500 PS starken GP35 (Baujahre 1964/65) hatten mit den 2 Wagen wohl keine wirkliche Mühe, aber anscheinend war ich mit meiner roten Sweatjacke mal wieder von Weitem sichtbar. Jedenfalls wurde etwa 150 Meter vor meinem Standpunkt der Hahn einmal ganz geöffnet und so die Landschaft ordentlich vollgedieselt. Mit Horn, Glocke, Gewinke und dem Gedröhne von 32 Zylindern zogen die Jungs an mir vorbei...
Danke, ihr habt die Scharte eurer Kollegen von heute morgen wieder ausgewetzt:





Wir blieben über Nacht in Bozeman, so ergab sich nach dem Abendessen nochmal die Gelegenheit an den Pass zu fahren. Ich stellte mich an eine Zufahrt zu einer Farm und wartete, etwa 10 Minuten gesellte sich ein Rentnerehepaar aus Colorado zu uns. Sie blieb scheinbar etwas genervt im Wagen sitzen, er kam samt seiner Kamera zu mir und erzählte...und erzählte...
Sein Redefluss war wirklich ungebrochen, was er nicht alles schon erlebt hatte, Züge in Colorado, ihre tolle Reise jetzt, Vorfahren auch deutsch, blablabla, ich war nach 10 Minuten wirklich genervt.
Dann kündigte sich in der Ferne ein Zug den Pass hoch an und ich begann den Versuch mich mit ihm abzusprechen. Zum Einen wollte ich nicht das wir uns gegenseitig im Bild stehen, zum Anderen wollte ich so stehen das möglichst keiner der hölzernen Zaunpfähle im Motiv ist. Ich ahnte schon das ihn sein Redeschwall am Zuhören hindert...
Als dann der schwere Rohölzug mit BNSF 5884 (ES44AC) an der Spitze unsere Stelle fast erreicht hatte geschah es, unter weiterem Gerede stellte er sich mitten vor mich und begann seine Bilder zu machen, unfassbar! Ich konnte nur noch zur Seite gehen und den mit Schritttempo fahrenden Zug mit Zahnpfahl aufnehmen. Am liebsten hätte ich den Pfahl mit seiner Visage bekannt gemacht...





Eigentlich hatte die Nase voll, aber so ein schwerer Zug braucht Helper um den Pass zu erklimmen. Diese waren in Zugmitte eingereiht und hier nur schwer aufs Bild zu kriegen. Ich entschied mich also zu bleiben, ging aber einige Schritte vom Nerv-Ami weg und machte ein kurzes Video der unter Volllast laufenden Helper. Aber ihr dürft raten, auch der Rentner brüllte nun unter Volllast zu mir herüber und versaute so mir das Video...

Ziemlich wütend bin ich vor Durchfahrt des Zugschlusses ins Auto gestürmt und habe den Typen in einer Staubwolke stehen lassen. Auf Nimmerwiedersehen, bitte!! Kurz von unserem Motel in Bozeman kannte ich noch eine Stelle, den Pass hätte der Zug zwar dort längst überwunden, dafür trennte Strasse und Strecke dort nur eine niedrige Wiese. Zwar standen dort hin und wieder auch höhere Bäume, aber durch eine der Lücken zwischen den Bäumen würde das Helperset ganz ins Bild passen. Doch es war noch nicht vorbei, ganz knapp vor der Durchfahrt der Zugspitze hält ein Auto an, der Nerv-Ami stürmt heraus und rennt zu den Schienen. Das Personal von Zuglok BNSF 5884 drehte auch erstmal durch als er sich wirklich ganz knapp am Gleis aufstellte und lieferte ein wütendes Hornkonzert ab. Die Lücke zwischen den Bäumen war nun durch ihn Geschichte und ich konnte nun entweder ihn mit ins Bild nehmen oder das Helperset abschneiden...
Ich entschied mich fürs Abschneiden, so das die hintere Lok des 3er Sets eben nicht ganz drauf ist. Zwischen den beiden SD70ACe's hat MRL 262 (SD40-2XR, Baujahr 1966) geholfen den Ölzug über den Bozeman Pass zu hieven. Das Personal des Helpersets hat von dem ganzen Drama Nichts mitbekommen und lässt locker mit dem Arm aus dem Fenster ausrollen:





Die Boxcars oder Hopper zwischen den Loks und den Tankwagen sind in den USA als Schutzwagen vorgeschrieben.

Wir fuhren danach zu Motel, aber der Tag der nervtötenden Amis war noch nicht um. Ein völlig besoffener Typ fing an uns auf dem Parkplatz vollzuquatschen und wäre uns fast bis aufs Zimmer folgt. Später in der Nacht fing er dann an auf dem Parkplatz sehr fäkale Beschimpfungen rumzuschreien und an die Tür eines Nachbarzimmers zu hämmern. Nach etwa 20 Minuten kündigte blau-rotes Licht die Ankunft der Cops an, diese schrien noch etwas lauter rum (aber ohne den fäkelen Anteil) und nahmen ihn schliesslich mit. Der Tag der unangenehmen Begegnungen war nun endlich um...

Ein Autofrühstück am nächsten Morgen brachte die letzte Gelegenheit auf ein Bild der MRL, passend zu meinen Cornflakes schickten sie mir einen Zug. An dessen Ende muss das Helperset zusammen mit der regulären Schlusslok der BNSF kräftig mithelfen um das Getreide die Ostflanke des Bozeman Pass hochzuschieben:





Es begannen nun mehrere eisenbahnfreie Tage, was angesichts der Genervtheit meiner Freundin auch ganz gut war. Der Preis für 2,5 Tage MRL lag dieses Jahr bei einem Swarovski-Armband, die letzten Jahre standen noch Handtaschen als Gegenleistung für Railfanning hoch im Kurs ...
Wir fuhren nach Yellowstone, dort waren wir zwar auch schonmal, aber für uns ist einer der schönsten und spannendsten Orte dieser Erde und jeden Besuch wert. So ganz ohne Gleise...

Erst 4 Tage später lagen wieder Schienen in der Nähe als wir in Idaho Falls, Idaho, unser Nachtlager aufschlugen. Meiner Freundin ging es nicht so gut, mehrere Insektenstiche hatten sich prächtig entzündet. Sie war daher froh im kühlen Motelzimmer den späten Nachmittag verschlafen zu können. Die Nacht davor hatten wir aufgrund unverschämter Preisvorstellungen der Motels im Auto geschlafen (bitte nie wieder), so das ihr Ruhe nur guttun konnte.
Ich hingegen machte mich auf zum Yard von Idaho Falls, dort waren UP 2006 (SD40N) und UP 2167 (SD60) fleissig am rangieren.
So weit wie auf dem Bild wagten sie sich aber selten aus dem Yard heraus:





Die meisste Zeit stand ich aber bei brütender Hitze herum und wartete...
Der Sound der alten EMD Zweitakter ist einfach nur geil, ich verlinke hier mal auf ein YouTube-Video (nicht von mir, aber auch aus Idaho Falls):

https://www.youtube.com/watch?v=cIpHWUFu-Go

Dann passierte eine Weile Nichts mehr, also fuhr ich dich direkt zu Eingang des Yards. Durch den Zaun sprach ich einen Mitarbeiter an und bekam freundlich Auskunft. Sie hätten nun erstmal Feierabend, erst in 3 Stunden würde die nächste Crew eintreffen. Ich solle besser nach Pocatello fahren, dort wäre ein viel grösserer Yard mit viel mehr Betrieb. Pocatello war nur leider eine Stunde Fahrt entfernt und würde auch am nächsten Tag nicht in unserer Richtung liegen. Ich erklomm also nur noch unser Auto und machte ein Foto über den Zaun. UP 3226 (SD40-2) wartet zusammen mit einer Schwester auf den nächsten Einsatz. Ringsherum die typisch triste Yard-Atmosphäre aus Zaun, Graffiti, Altreifenstapel, Tauben und aufgegebenen Gleisen:





Danach verzog ich mich auch ins kühle Motelzimmer. Am nächsten Morgen machten wir uns auf nach Westen, das Craters of the Moon National Monument war unser Ziel. Gleich westlich von Idaho Falls liegt das riesige Areal des Idaho national laboratory, über 50 Kernreaktoren waren oder sind hier in Betrieb. Der Glaube an die Kernenergie gab Orten hier Namen wie "Atomic City", die Kleinstadt Arco wirbt heute noch damit das sie die Erste war die ihren Strombedarf nur mit Kernkraft deckte.
Einen dieser Reaktoren, EBR-1, kann man seit 1976 im Sommerhalbjahr besichtigen. Eintritt und Führungen sind frei. Es ist ein merkwürdiges Gefühl direkt auf dem Reaktorbehälter zu stehen oder durch eine 50 cm dicke Bleiglasscheibe in einen Raum zu blicken in dem hochradioaktives Material mit ferngesteuerten Kränen bewegt wurde, nur um 2 Meter weiter durch eine geöffnete Schleuse eben diesen Raum betreten zu können. An einigen Stellen im Gebäude verbieten Schilder längeren Aufenthalt, die Strahlung ist dort noch zu hoch...

Auf dem Parkplatz des EBR-1 geht der Wahnsinn weiter, dort sind 2 nukleare Flugzeugtriebwerke ausgestellt. In den 1950ern experimentierte man mit diesen Antrieben für Langstreckenbomber. Wir betrachten mal das Gebilde in der Mitte des Bildes. Die Luft wurde von den beiden umgebauten Jettriebwerken (links unten an dem Teil zu sehen) in den Reaktor (der runde Bottich rechts) geleitet. Dort wird sie durch die atomare Kettenreaktionen aufgeheizt und wieder durch die Jettriebwerke geleitet um Schub zu erzeugen. Das restliche Gestell diente nur zur Handhabung des Ganzen während der Tests.

Ja richtig, das ganze hat man am Boden über 1000 Stunden laufen lassen. Die austretende Luft aus den Triebwerken ist dabei durch den direkten Kontakt mit dem Reaktorkern radioaktiv verseucht.

Bewegt wurde das Triebwerk auf einer doppelgleisigen Strecke, dazu sind unter dem Stahlrahmen 4 ganz normale Güterwagendrehgestelle verbaut.
Der atomgetriebene Bomber wurde zum Glück niemals gebaut, die Entwicklung von Interkontinentalraketen führten zur Einstellung des Projektes.
Gebaut wurden aber Hangar und Start/Landebahn für das Flugzeug. Da Dieses aber auch am Boden sehr stark radioaktiv strahlen würde sollte es am Boden mit einer dieselelektrischen Rangierlok bewegt werden, und genau Diese steht ganz links im Bild. Ich habe leider keine Aufnahme vom Typschild gemacht, Hersteller ist aber General Electric, der Motor leistet 400 kW und das Teil hat 6 Achsen:





Hier noch ein Bild von der anderen Lokseite, unter dem eckigen Aufbau befindet sich der Motor. Das runde Teil mit dem runden Bleiglasfenster ist der Führerstand. Auch Spitzenbeleuchtung und Kupplung sind zu sehen. Die Lok scheint übrigens "in Betrieb" gewesen zu sein, denn auch Sie ist verstrahlt...





So, nun aber weg von diesem Wahnsinn und weiter über Craters of the Moon nach Westen. Auf der Durchreise durch Vail, Oregon, fand ich diese Ansammlung an Lokomotiven im Abendlicht. Ob bei der Oregon Eastern Railroad bzw. Southwestern Railroad Company noch irgendwas fährt weiss ich nicht, die Lok sind alle GP7u (Baujahre 1950-53). Bei der Mittleren legt der Verfall die Lackierung des Erstbesitzers, der ATSF, wieder frei.
Der grosse "Santa Fe" Schriftzug an der Seite ist wieder gut lesbar:





Das nächste Ziel auf unsere Liste war der Crater Lake National Park, um die dort vermutlich hohen Übernachtungskosten zum umgehen suchten wir uns ein Motel in Chemult, Oregon. Eine ziemlich ärmliche Kleinstadt etwa 1,5 Stunden von Crater Lake entfernt. Etwas überrascht entdeckte ich den Bahnhof gleich gegenüber vom Motel, an den Amtrak Coast Starlight hatte ich nicht mehr gedacht. Der Zug von Seattle nach Los Angeles würde sogar in 2 Stunden hier sein, also bin ich nach dem Abendessen nochmal los. Gleich südlich von Chemult fand ich eine Lichtung im Wald, hier war es zwar ziemlich öde, doch das würde zum Wetter passen.
Pünktlich zur Ausfahrt des Coast Starlight fing es an zu regnen, eine Minute später würde der Regen in Schnee übergehen, toll:





Der Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen brachte zwar kaum Wetterbesserung, jedoch passierten sich im Bahnhof gerade zwei Züge. Also noch vor dem Frühstück nochmal kurz zu der Stelle vom Vorabend gefahren, gerade rechtzeitig um UP 6567 (AC44CW) vor Ihren Autotransportern abzulichten, wobei von Licht angesichts des Regens nichts zu sehen war:





Über einige Umwege über teils üble Waldwege fuhren wir dann nach Crater Lake. Man kam an diesen Waldwegen zwar an die Strecke, mangels Zugverkehr ergab sich aber Nichts. Bei Chiloquin, Oregon, legte ich ein kurze Pause für den Coast Starlight nach Seattle ein. Es hätte sogar mit der Sonne gepasst, doch der Amtrak blieb in Sichtweite erstmal stehen um einen Zug in Gegenrichtung passieren zu lassen. Es war genau der Güterzug mit UP 6567 von heute morgen. Unsere kurze Pause war also gar nicht so kurz und die Sonne schon längst wieder verschwunden als die Fahrt des Amtrak weiterging. Hinter der üblichen, aber vorne leicht beschädigten P42DC läuft Amtrak 503, eine von nur 20 gebauten B32-8WH. Diese Beschaffung dieser Baureihe wurde durch Amtrak zugunsten der stärkeren P42DC eingestellt, heute sind sie hauptsächlich nur noch im Rangierdienst tätig:





Im Crater Lake National Park waren die meissten Strassen und Wege wegen meterhohen Schnees noch gesperrt (Mitte Juni). Der Himmel schenkte uns zwar kurz ein Wolkenloch, die nachmittägliche Wanderung unternahmen wir aber in dichtem Schneefall. Wir waren wegen des Wetters relativ schnell mit dem Park „durch“ und fuhren über Klamath Falls wieder zurück in unser Motel nach Chemult.
Kurz vor Klamath Falls begegneten sich 2 Güterzüge in einer Ausweiche, der Eine hatte diese Gondola im Wagenpark. Märklins zinkpestgekrümmte US-Güterwagen haben also durchaus ein Vorbild :





Den anderen Güterzug führte UP 7968 (AC45CCTE) an, von den 7 Lokomotiven hinter ihr liefen Mehrere nur abgeschaltet mit. Der sichtbare Wagen ist eine nicht so häufig gesehene Gondola mit hohen Bordwänden (meisstens zum Transport von Schrott):





Im Stadtgebiet von Klamath Falls nahm ich noch diese relativ typische Strassenszene mit UP 8150 (C45AH), Bahnübergang, Pickup und dem verkrauteten Strassenrand.:





Abends in Chemult mussten wir die Reiseplanung überdenken. Hier im südlichen Oregon und auch in Richtung Küste sollte das Wetter die nächsten Tage sehr bescheiden bleiben. Weiter im Norden sah es etwas besser aus, aber zu nahe an Seattle wiederum bescheiden. Nun konnte ich meinen Joker vorschlagen, mitten in dem Gebiet wo es besser aussah liegt The Dalles, Oregon. Der Columbia River bildet dort die Grenze zwischen Oregon und Washington, auf jeder Uferseite liegt eine Bahnstrecke. Dort könnten wir einen Tag überbrücken und auf Wetterbesserung hoffen.
Der Vorschlag wurde ohne weitere Bestechungsmittel angenommen!

Also gings am nächsten Morgen auf nach The Dalles. Auf der Südseite des Flusses betreibt die Union Pacific die Strecke, etwa parallel dazu liegt die Interstate 84. Das machte die Suche nach Fotostellen wegen mangelnder Haltemöglichkeiten schwierig, die Entscheidung daher erstmal ans Nordufer zur BNSF-Strecke zu wechseln war im Nachgang die Richtige. Denn während bei der UP im Tagesverlauf so 4 Züge fuhren waren es bei der BNSF etwa 25. Das Nordufer ist durch den Highway 14 zudem prima erschlossen. Mal eben das Auto abstellen war hier gar kein Problem.

Den ersten Zug schickte aber erstmal die UP, quer über den Fluss (und etwas gegen die Sonne) konnte ich ihn erlegen:





Im Bahnhof von Wishram, Washington, fand ich BNSF 4246 (ES44C4) abgestellt neben BNSF 2079 (GP38-2) vor, beide blitzblank sauber:





Wishram ist Amtrak-Halt für den südlichen Flügelzug des Empire Builder. Dieser verkehrt von Portland nach Spokane, um dort auf den nördlichen Teil zu treffen. Am Bahnhof ist eine Museumslokomotive ausgeschildert, diese musste ich aber erstmal suchen. Als ich sie dann gefunden hatte bin ich für das Foto nichtmal aus dem Auto ausgestiegen. Great Northern 2507 steht unter ihrem Dach zwar gut geschützt, aber auch gut versteckt:





Bei Wishram liegt der Horsethief Lake State Park, mitten durch den Park führt die BNSF-Strecke über einen der in der Gegend häufigen künstlichen Dämme. Im Park lässt sich dank Picknickbänken und Toiletten gut auf Züge warten. Schade das wir kein Boot dabei hatten. Das Wolkenlotto hatte ich aber verloren als ein Intermodal über den Damm nach Westen rollte:





Nur 15 Meilen weiter westlich ist die Landschaft eine Andere, das triste Braun wechselt zu einem satten, von Felsen durchsetzten Grün. Der Intermodal ist der Gleiche wie eben, der Damm am Columbia River ein Anderer. Im Hintergrund die gähnend leere UP-Strecke:





Direkt hinter dem Damm strebt der Zug in einen der zahlreichen kurzen Tunnel, der Sonnenstand macht das Bild zu einem „Versuch der Kunst“:





Über einem dieser Tunnel liegt ein Rastplatz am Highway 14, der sperrige Name lautet: Chamberlain Lake Safety Rest Area
Aus dem Nachbartunnel kommt ein Getreidezug mit BNSF 7840 (ES44C4) an der Spitze kurz ans Licht:





Mit dem Schiff im Hintergrund hat es leider nicht gepasst, drüben bei UP ist immer noch Nichts los. Trotzdem fuhr ich nochmal auf die andere Seite des Flusses. Das bewog die UP zwar auch nicht mir einen Zug zu schicken, von einem kleinen Park waren aber Bilder quer über den Fluss möglich. Bei der BNSF rollte es weiter, hier durchfährt ein Manifest (gemischter Güterzug) gerade einen der kurzen Tunnel:





Über den Nachmittag stand fest das wir die Nacht in The Dalles verbringen würden. Wir suchten uns also erstmal ein Motel und nahmen ein verfrühtes Abendessen ein. Danach fuhr ich nochmal auf die Nordseite zum The Dalles Dam. Der Staudamm an sich ist keine Schönheit, aber ein Stück weiter zweigt von der BNSF-Strecke am Nordufer eine Linie nach Süden ab und überquert den Fluss auf einer sehenswerten Hubbrücke. Aber ohne Fussmarsch wäre da Nichts zu machen gewesen. An der Strassenbrücke über den Columbia River stellte ich mich daher auf einen Parkplatz. Erst hatte ich Bedenken ob der Cop im Streifenwagen neben mir an meinem Treiben etwas Auszusetzen hätte, er schenkte mir aber kaum Beachtung las weiter seine Zeitung.
Derweil schickte mir die BNSF einen Autotransport mit 7390 (ES44DC) an der Spitze:





So langsam ging die Sonne unter und der Himmel zog sich zu. Auf dem Weg zum Motel stoppte ich noch einmal kurz am Horsethief Lake State Park, der Amtrak nach Spokane (-Chicago) wäre jeden Augenblick fällig. 30 Sekunden später wäre es an der schon bekannten Stelle am Damm schon zu spät gewesen, den der Empire Builder war pünktlich und schnell, sehr schnell, unterwegs nach Osten.
Die modellbahngerecht kurze Garnitur hat bis Spokane nichtmal einen Speisewagen dabei, denn den führt der nördliche Flügel aus Seattle mit sich:





Eine Minute später hat dann wieder die Sonne geschienen, das nennt man wohl Pech. Wir verzogen uns in unser Zimmer, von hier aus konnten wir dann den ganzen späten Abend lang UP-Züge durch The Dalles hören, warum fahren Die eigentlich lieber Nachts?

Am nächsten Morgen hatte die Schlechtwetterfront uns dann wieder erreicht, wir fuhren ganz in Ruhe abseits der Interstate nach Portland und machten mehrere Abstecher zu den vielen Wasserfällen südlich des Columbia River. In Portland füllte dann ein Besuch bei Whistle Stop Trains zur Aufstockung meines US-Moba-Materials. Den Laden kann ich empfehlen!

Angesichts des schlechten Wetters hatten wir es nicht sonderlich eilig zum Mount St. Helens zu kommen, ein kleiner Umweg zum Port of Kalama war also drin. Im Gleisfeld des Hafens macht SSRX 1510 (SW1500, Baujahr 1970) gerade Pause vor den grossen Getreidesilos. Natürlich ist Alles eingezäunt:





Eigentlich wartete ich aber auf den Amtrak Cascades (Vancouver-Portland), der den Hafen wenige Minuten später passierte.
Nur 2 der Talgo-Einheiten haben diesen Steuerwagen, bei den Anderen übernimmt eine entkernte Diesellok (ex F40PH) diese Aufgabe.
Am Zugschluss schiebt eine P42DC. Das Wetter ist und bleibt schlecht:





Am Mount St. Helens waren wir wegen des Wetters und schneebedingt gesperrter Strassen ziemlich erfolglos. Wir wollten aber über Nacht in der Gegend bleiben um am nächsten Tag den Mt. Rainier National Park bei hoffentlich besserem Wetter zu besuchen.

Uns verschlug es also in ein Motel nach Morton. Diese Kleinstadt nannte sich in den 1950ern „Welthauptstadt der Schwellenherstellung“, vom Glanz ist aber fast Nichts übrig geblieben. Die Bahnstrecke nach Morton ist stillgelegt und zugewachsen. Etwas weiter nördlich betreibt die Mount Rainier Scenic Railroad Museumsverkehr mit Dampflokomotiven, den Morton Machine Shop fand ich aber am nächsten Morgen ziemlich verfallen und verlassen vor. Ob diese Dampflok jemals wieder fährt?





Die Sonne zeigte sich im Laufe des Tages dann doch noch, so das wir im Nationalpark endlich mal wieder die Wanderschuhe ausgiebig nutzen konnten. Zum Abend hin fuhren wir dann in Gegend um Seattle und fanden ein recht günstiges Motel nah am Stevens Pass.

Der nächste Morgen begann voller Pech. Es hätte super gepasst gleich nah am Motel den Empire Builder aufzunehmen, auf der (erfolglosen) Suche nach einer Fotostelle habe ich nur kurz einen kleinen Felsen erklommen. Die letzte kleine Stufe vom Felsen runter habe ich mich voll langgemacht. Die Kamera etwas zerschrammelt (aber zum Glück noch funktional heile), die schon bekannte rote Sweatjacke erst schmutzig und aufgerissen, dann mehr und mehr blutig. Ne schöne Platzwunde unterm Kinn hatte ich mir eingefangen.

Als ich dann zurück zu Auto und Freundin gelaufen war wurde erst die Wunde versorgt, dann bekam ich meine Schimpfe SMILEY...
Dann erklang noch während der Schimpfe ein Horn, doch es war nicht der erwartete Amtrak, sondern die BNSF brachte die nächsten 4 Boeing 737 Rümpfe nach Renton.
Ich habe noch Fotos mit der sturzbedingt völlig verstellten Kamera gemacht, die sind natürlich nix geworden…
Ich endschied mich gegen einen Besuch im Krankenhaus, es wäre ziemlich weit entfernt gewesen und so gross würde die Narbe nicht werden, zudem wäre sie ja unter dem Kinn.
An einer Feuerwehrwache liess ich das Ganze trotzdem nochmal checken und säubern.

Ab da war „railfanning light“ angesagt, keine Kraxeleien mehr, keine grossen Fussmärsche. Aber auf der Ostseite des Stevens Pass kannte ich mich ja vom Besuch vor 3 Wochen etwas aus. So steuerte ich einen kleinen Wanderparkplatz direkt an den Gleisen an. So konnte ich in Ruhe abwarten bis BNSF 4520 (C44-9W) die Steigung hoch zu mir hochquält. Hier lugt sie erst gerade um die Ecke:





Über einen der zahlreichen Waldwege fand ich eine Fotokurve, leider ziemlich zugewachsen. Lange warten musste ich nicht bis ein Rohölzug mit BNSF 7659 (ES44DC) an der Spitze durch den grünen Wald ostwärts fuhr:





Für das nächste Bild fuhr ich unser Auto in einen kleinen Seitenweg an der Passstrasse. Eigentlich wollte ich näher zu der Brücke laufen und auf einen Zug lauern, aber es war halt ein Pech-Tag. Beim Aussteigen machte der Reifen hinten links mit einem Zischen auf sich aufmerksam. So viele Meilen über schlechte Wege hatten den Reifen Nichts ausgemacht, ausgerechnet hier auf Asphalt hatte ich einen Plattfuss eingefahren. Unser GMC Yukon hatte zwar ein Ersatzrad, aber der Wechsel war eine elende Fummelei. Weil die ganze Schrauberei, Kurbelei und Schlepperei zudem auch noch bleischwer ging fing aufgrund der Anstrengung das dämliche Kinn wieder an zu bluten. Mittendrin konnte ich eine kurze Pause machen, ein Intermodal kroch über die Brücke den Stevens Pass hoch, BNSF 7056 (ES44C4) führt:





Nach dem Radwechsel war es Mittag, ich hatte in jeder Hinsicht genug. Wir steuerten nun endgültig Seattle an und suchten uns ein Motel in der Nähe der Stadtbahn. Die rote Sweatjacke konnte ich nur noch entsorgen, nach kurzer Dusche war ich wieder stadtfein.
Die Kinnwunde hielt mittlerweile ohne Pflaster dicht, durch meine Faulheit in Sachen Rasur fiel sie auch gar nicht so auf.
Mit der Bahn ging es dann nach Seattle Downtown, der Abend wurde dort noch einigermassen lang. Am nächsten Morgen mussten nun noch die 3 Wochen lang redlich im Auto verteilten Sachen wieder in die Koffer gestopft werden und die Reifen bis zum Flughafen durchhalten. Urlaub vorbe!

Wer bis zum Ende durchgehalten hat, vielen Dank dafür.
Und wie immer, bei Fragen einfach fragen,

Kai


 
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RE: Sommerurlaub USA 2017, die Bahnbilder (50 Bilder, sehr viel Text)

#2 von BigDiesel , 29.06.2017 23:06

Hallo Kai,

geile Bilder und Bericht, mein Neid ist dir sicher. Wir waren 2012 in der Nordwest Ecke.
Wir haben z.B 3 Nächte in Skykomish im dortigen einzigen Hotel übernachtet. Da kann man von Bett, Dusche oder WC die Strecke beobachten, auch in der Nacht. So verpasst man keine der 28 Züge täglich. Ich hatte damals auch nicht das Osttor gefunden.
Übrigens der Hotelbesitzer ist in Pforzheim geboren, das ist unsere nächstgelegene Stadt. Die Welt ist ein Dorf.

Ich muss mal einen Bericht schreiben, das kommt mir alles so bekannt vor. Leider muss ich nun aus gesundheitlichen Gründen solche Reisen erstmal für ein paar Jahre zurückstellen, deshlab kann ich dir nur raten dass wieder zu machen.

Grüße


Gruß
Hardy

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RE: Sommerurlaub USA 2017, die Bahnbilder (50 Bilder, sehr viel Text)

#3 von rhb651 , 30.06.2017 06:49

Servus Kai,

vielen Dank für die vielen Bilder und die Beschreibung dazu. Toll!


Viele Grüße,
Achim
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RE: Sommerurlaub USA 2017, die Bahnbilder (50 Bilder, sehr viel Text)

#4 von schaerra , 01.07.2017 11:36

Hallo Kai,

auch von mir vielen Dank für den excellenten Reisebericht. Du hast Dich ja wieder mit vollem Einsatz reingehängt. Hat wieder richtig Spass gemacht ihn zu lesen. Noch mehr, hat es Appetit gemacht dorthin zu gehen.
Ich habe sogar einen Cousin in Tacoma. Leider fehlt einfach die Zeit. Aber Dein Bericht ist ein großes Trostpflaster.


freundliche Grüsse
Helmut Fritz

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