ich möchte euch eine kleine Bastelei vorstellen: die Verladung eines Mähdreschers auf einen Flachwagen für den Transport zu einem ländlichen Bahnhof, wo der Landwirt sein neues Gerät an der Laderampe abholen wird. Der Zug wird von einer Dampflok der Baureihe 50 gezogen, das ganze spielt sich Mitte der 1970er Jahre ab.
Die Anregung stammt aus einer Fotoserie von Drehscheibe online: Gezeigt wird ein Güterzug mit fünf Wagen, gezogen von Lok 050 185-8 von Koblenz nach Polch. Der Zug fuhr im Februar 1975 durch meine Heimat über die längst stillgelegte Strecke von Koblenz-Lützel nach Mayen Ost.
Die Kollegen vom Forum "Agrarmodellbau" konnten schnell und kompetent meine Fragen zum Mähdrescher beantworten: Das Exemplar auf dem Zug sei ein "Deutz-Fahr M900". Ein Modell davon gäbe es im H0-Maßstab leider nicht, auch keines eines anderen Mähdreschers, der in den 1970er-Jahren fabrikneu in West-Deutschland eingesetzt wurde. Mir wurde empfohlen, den Transport einer gebrauchten Maschine zum neuen Besitzer darzustellen. Vom "Claas Europa", der bis 1968 produziert wurde, gäbe es ein Modell in 1:87 von MO-Miniatur.
Diesen Tipp habe ich gerne aufgenommen. Das Modell des Claas Europa war in Deutschland ausverkauft; im online-Shop eines französischen Modellbauhändlers konnte ich aber noch ein Exemplar schnell und unkompliziert erwerben. Vive l'Europe! Mähdrescher heißt übrigens moissonneuse batteuse.
Für den Transport habe ich einen Schwertransport-Flachwagen Rlmmps 650, Märklin Art.-Nr. 48734 ausgewählt. Diese Wagen waren in erster Linie für militärische Transporte bestimmt und zunächst Eigentum der Bundeswehr. Ab 1976 wurden sie in den Bestand der Bundesbahn überführt und konnten auch zivil genutzt werden. Das Märklin-Modell ist in diesem DB-Zustand - passt also. Auf einen Niederbordwagen wie in der Fotoserie meines Vorbildzuges hätte der Class Europa nicht drauf gepasst.
Hier die beiden Modelle originalverpackt. Bild 1
Der Claas Europa wird auf einer Präsentationsplatte mit Acrylglashaube ausgeliefert. Bild 2
Weitere Ansicht Bild 3
Das ist der Flachwagen. Zwei Bohrungen sind schon erkennbar. Bild 4
Durch diese stecke ich einfach die beiden Schrauben, mit denen das Modell auf der Platte angebracht war. Bild 5
Bild 6
Bild 7
Und schon steht es stabil fixiert auf dem Güterwagen. Bild 8
Wegen des ausladenden Motors rechts habe ich das Modell nicht ganz mittig positioniert. Die Halmteiler stehen sehr weit über. Außerdem kann der Mähdrescher natürlich nicht mit Abtankrohr in Arbeitsstellung transportiert werden. Bild 9
Also muss geflext werden. Das hat mich bei diesem filigranen, seltenen Modell doch etwas Überwindung gekostet. Einzelne Teile stehen immer noch leicht über. Aber das bleibt so. Sondergenehmigung der zuständigen Bundesbahndirektion liegt vor! Bild 10
Die Trennscheibe und ihre drei Opfer. Bild 11
Das Abtankrohr wird mit einem Drähtchen und etwas Sekundenkleber in der eingeklappten Position wieder befestigt. Bild 12
Ladungssicherung: Die Maschine wird verkeilt und vertäut. Viele Tipps hierzu habe ich aus der Zeitung MIBA Praxis, Modellbahnladegüter Teil 2. Hier wird die vorbildgerechte Beladung von Güterwagen beschrieben: schwerpunktmäßig mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Mähdreschern
Die Holzkeile wurden aus Streichhölzern zurechtgeschnitten. Bild 14
Die Stahlseile werden durch die am Wagenkasten angedeuteten Ösen geführt, die dazu aufgebohrt wurden. Bild 15
Streich- bzw. Kanthölzer stützen das Schneidwerk. Bild 16
Die demontierten Halmteiler werden zwischen zwei weiteren Kanthölzern neben dem Mähdrescher gesichert. Bild 17
Es handelt sich nicht um eine Lokomotive der Baureihe 051, wie der Designer der Verpackung meint, sondern um die EDV-tauglich umbenannte 50 1761. Bild 22
Sehr schön, Birk, gefällt mir! Nur die mittige Schraube ist mir eine Idee zu auffällig, aber ich denke, dass das aus der üblichen Perspektive auf die Modelle von schräg oben nicht auffällt. Aber sofern die vordere Schraube, die weitgehend von den großen Rädern und dem Mähwerk verdeckt wird, genügt hätte, hätte ich die mittige Schraube weggelassen.
#3 von
Ronny_Sommer
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gelöscht
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, 04.08.2017 09:30
Zitat Es handelt sich nicht um eine Lokomotive der Baureihe 051, wie der Designer der Verpackung meint, sondern um die EDV-tauglich umbenannte
Welche die selige Bundesbahn höchstselbst als BR 051 führte (so wie die 050 und 052 und 053).
Edit zu Bild 20:
Passt die Ladung überhaupt noch durch die Profillehre? Mir scheint, daß das Lichtraumprofil stark überschritten wird. Ich kenne Mähdreschertransporte bei solch hohen Geräten nur mit abgebauten Rädern und die Maschine niedriger zu bekommen.
#6 von
Ronny_Sommer
(
gelöscht
)
, 04.08.2017 11:01
Zitat Diese Wagen waren in erster Linie für militärische Transporte bestimmt und zunächst Eigentum der Bundeswehr. Ab 1976 wurden sie in den Bestand der Bundesbahn überführt und konnten auch zivil genutzt werden. Das Märklin-Modell ist in diesem DB-Zustand - passt also.
Da schreibt der Güterwagenspezialist Stefan Carstens in seinem Buch GüterwagenBand 8 Drehgestell-Flachwagen allerdings was anderes.
Die 338 Wagen SSys55/Rlmmps 650 wurden an das USTC der USA geliefert und nicht an die Bundeswehr. 1977/78 gab das USTC die restlichen 335 Wagen an die Bundesrepublik Deutschland zurück. Die Bundeswehr erhielt 200 Wagen, die Bundesbahn 135 Wagen. Bei der DB bzw. DB-AG wurden die Wagen bis 1997 verschrottet. Ein Teil der einst 200 Bundeswehr Wagen fährt noch heute in olivgrün mit Eisernem Kreuz am Langträger im Panzertransport.
zur Schraube: Ich habe von anderswo noch den Tipp bekommen, Kisten, Ersatzräder o.ä. unter dem Mähdrescher so zu positionieren, dass die Schraube verdeckt wird. Ohne die zweite Schraube stehen die Hinterräder 2 mm in der Luft!
zum Altern: Damit habe ich noch keine Erfahrungen - mit dem Altern von Modellen meine ich, mit dem Altern des eigenen Kadavers leider schon Da versaue ich mir lieber erst mal einen Billiggüterwagen, bevor ich mich an aufwändigere Modelle wage.
zur Höhe: Ich habe meine Bastelei neben den Rheingold-Panoramawagen aufs Gleis gestellt. Beide sind gleich hoch. Keine Bedenken also. Und wegen Überbreite schrieb ich ja bereits:
ZitatEinzelne Teile stehen immer noch leicht über. Aber das bleibt so. Sondergenehmigung der zuständigen Bundesbahndirektion liegt vor!
Zur Baureihe 51: Eine Fuffziger bleibt eine Fuffziger, auch wenn auf dem EDV-Nummernschild was anderes steht!
Zu den Flachwagen: Danke für die Hinweise zu deren Historie. Eine zivile Nutzung der Rlmmps 650 war Mitte der 1970er also gegeben. Soweit bleibe ich vorbildgerecht. Mähdrescher statt Panzer, Schwerter zu Pflugscharen!
Und eine Frage noch: Gibt es auch andere Flachwagen von Märklin H0 in Epoche IV? Vielleicht schicke ich irgendwann noch ein paar Traktormodell über die Gleise.