RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#1 von SAH , 25.11.2017 22:45

Liebe Forenmitglieder,

im Rahmen meiner Datenbank zu Märklin H0 Modellen stoße ich immer wieder auf teilweise unvollständige, teileweise missverständliche Angaben in den Sammlerkatalogen.
Erschwerend kommt hinzu, dass oft die Betriebsnummern nicht oder unvollständig angegeben sind.
Im folgenden habe ich nun eine kleine Auflistung mit einer Hand voll Fragen:

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36
 
select Katalognummer,Betriebsnummer,Baureihe from Tabelle where Baureihe REGEXP '^A 4üm';
+---------------+-------------------+------------+
| Katalognummer | Betriebsnummer | Baureihe |
+---------------+-------------------+------------+
| 26554.1B | 12 025 | A 4üm-61 |
| 26554.1C | 12 045 | A 4üm-61 |
| 26554.1D | 12 046 | A 4üm-61 |
| 29010.1B | 12 058 | A 4üm-63 |
| 29100.1B | 12 058 | A 4üm-63 |
| 29442.1B | ??? | A 4üm-63 |
| 29548.1B | ??? | A 4üm-63 |
| 29640.1J | ??? | A 4üm 61 |
| 29940.1L | 12 043 | A 4üm 61 |
| 4023.1 | 14 509 | A 4ümg |
| 4023.2 | 14 509 | A 4ümg |
| 4023.3 | 11 853 | A 4üm |
| 4027.1 | 11 853 | A 4ümg |
| 4027.2 | 11 853 | A 4ümg |
| 4027.3 | 11 853 | A 4üm |
| 4027.4 | 51 80 10-40 167-8 | A 4üm |
| 4032.1 | 11 853 | A 4ümg |
| 4032.2 | 11 853 | A 4ümg |
| 4032.3 | 11 853 | A 4üm |
| 4032.4 | 51 80 10-40 167-8 | A 4üm |
| 42758.1A | 12 032 | A 4üm 203 |
| 43910.1 | 12 029 | A 4üm-63 |
| 43918.1A | 12 025 | A 4üm-61 |
| 43918.1B | 12 045 | A 4üm-61 |
| 43918.1C | 12 046 | A 4üm-61 |
| 43929.1A | 12 031 | A 4üm 63 |
| 43929.1B | 12 033 | A 4üm 63 |
| 43929.1C | 12 051 | A 4üm 63 |
| 43969.1A | 19 369 | A 4üm 61 |
| P4011.1 | 51 80 10-40 167-8 | A 4üm 202 |
+---------------+-------------------+------------+
 
 



Nun die Fragen:
A 4üm ist nicht das selbe wie A 4ümg, doch die selbe Betriebsnummer? Wie kann ich das bei den historischen Modellen richtig zuordnen?
Wie kann ich korrekt A 4üm zu A 4üm 63 oder A 4üm 61 zuordnen, wenn die Zahl nicht angegeben ist?
Die selbe Frage gilt für die Wagenmodelle mit UIC-Nummer?
Ist die Zuordnung A 4üm 203 zur Betriebsnummer 12 032 korrekt?
Die Zuordnung aufgrund der Betriebsnummer zu A 4üm 61 bzw. A 4üm 63 scheint willkürlich. Ist dem so?
Zur Schreibeweise: welche ist korrekt "A 4üm 61" oder A 4üm-61" oder ganz anders?

mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#2 von jimknopf , 26.11.2017 04:04

Guten Morgen Stephan-Alexander,

vor mir liegt die Weltbild-Taschenbuch-Ausgabe des bekannten Nachschlagewerkes „Deutsche Eisenbahnen – Reisezugwagen“ von Horst J. Obermayer/J. Deppmeyer, ISBN 978-3-893 508198. In Vor- und Nachspann sind ausführliche Erläuterungen zu Wagenanschriften enthalten. Das kompakte 10bändige Weltbild-Paket ist immer wieder über e*b*y zu haben und leistet mir seit Erscheinen 1994 beste Dienste.


Die Kurzfassung:
Der Wagen „A4üm“ ist sehr wohl derselbe wie „A4ümg“, nur wird das Nebengattungszeichen „g“ nicht mehr angeschrieben. Ein „A4üm“ ist immer ein „A4üm-61“, weil es nie einen -63 gegeben hat; einziges aufgelistetes Fahrzeug mit -63 ist der „AB4üm-63“, später „ABüm 225“, später „ABm 225“. Eine Mischmaschnummer A4üm 203 ist unsinnig: in der Epoche III hieß der Wagen „A4üm-61“, in Epoche IV dann „Aüm 203“, später „Am 203“ - die Radsatzangabe (‚Achsenzahl‘ in der Anschrift entfiel. Und während der Epoche III wurde die Gattung mit Bindestrich geschrieben; in der Epoche IV ist die Bauartnummer hochgestellt, wie z. B. die Ziffer 2 beim Quadratmeter-Zeichen "m2" (die Forensoftware hat leider keine [sup]-Funktion).

Ausschnitte aus der Langfassung (bitte das genannte Buch kaufen):
Zur Identifizierung besitzt jede Wagenbauart eine Gattungsbezeichnung und seit der Epoche IV eine Bauartnummer. Die Gattungsbezeichnung besteht aus dem Hauptgattungszeichen in Großbuchstaben und den Nebengattungszeichen in Kleinbuchstaben.

Einige Beispiele (Zitate aus o. a. Buch):

A = Sitzwagen 1. Klasse
AB = Sitzwagen 1. und 2. Klasse
B = Sitzwagen 2. Klasse
Bc = Liegewagen 2. Klasse (frz. „couchette“ für Liege)
D = Gepäckwagen
WR = Speisewagen (frz. „wagon restaurante“)
WL = Schlafwagen (frz. „wagon-lits“ für Wagen der Betten)

p = Großraumwagen (engl. „Pullman“ - der amerikanische Erfinder dieser Bauweise)
v = verringerte Abteilzahl im Vergleich zum Standardwagen (10/1. Klasse, 12/2.Klasse)
ü = Reisezugwagen mit geschlossenen Übergängen und Seitengang
y = Reisezugwagen mit Großraum und Mittelgang, z. B. Bye
m = Reisezugwagen mit einer Länge von mehr als 24 m, Gummiwulstübergängen und elektrischer Heizung oder Heizleitung
n = Nahverkehrswagen mit einer Länge von mehr als 24 m, Gummiwulstübergängen, […], elektrischer Heizung und zwei Mitteleinstiegen
g = in Verbindung mit y, Gummiwulstübergänge, z. B. Byg. Entfällt bei Wagen mit den Nebengattungszeichen m und n
f = Wagen mit Führerstand für den Wendezugbetrieb (Steuerwagen), z. B. BDymf, BDnrzf

Anmerkung: Auf Grund einer Verfügung des BZA Minden vom 24.11.1976 entfällt bei allen Sonderreise- und Schnellzugwagen der Nachkriegsbauart mit den Bauartnummern 101-913 das Nebengattungszeichen ü. [...]

(Ende der Zitate)



Im Laufe der Zeit änderten sich die Vorgaben dieser Kennzeichnung immer wieder einmal in den Details. Bestes Beispiel ist die gerade genannte Verfügung zum „ü“. Wozu auch ein Unterscheidungszeichen anschreiben, wo es gar nichts mehr zu unterscheiden gibt? Schließlich waren Gummiwulst und Seitengang in allen Neubauwagen nicht nur serienmäßig, sondern schon im „m“ enthalten. Ähnliches gilt für das „g“, welches schon früher verschwand, wo es überflüssig war, denn Wagen mit den Bauartmerkmalen „m“ und „n“ besaßen keine Faltenbälge mehr; diesen schlug das letzte Stündlein.



Obermayer/Deppmeyer geben insgesamt 4 zeitliche Abgrenzungen für die Schreibweise der Gattungsbezeichnungen an:

gültig bis 1956: BC4ümg-55

gültig bis 1966: AB4üm-55 (Abschaffung der 3. Klasse)

gültig bis 1976: ABüm 223 (Einführung der EDV-gerechten Bauartnummer in Epoche IV)

gültig ab 1976: ABm 223 (Ausdünnen der überflüssig gewordenen Nebengattungszeichen)



Ein kleiner Nachteil des genannten Buches besteht darin, daß nur die bei Drucklegung 1994 aktuellen Ordnungsnummernreihen angegeben sind. Ältere Nummernreihen der Epoche III fehlen. Deshalb kann ich nur Folgendes antworten:
Eine Nummer der Schreibweise „12 032“ stammt aus der Epoche III und gehört zu einer Gattungsbezeichnung der Schreibweise „A4üm-61“.
Eine Nummer der Schreibweise „51 80 10-40 167-8“ ist UIC-konform, stammt somit aus der Epoche IV und erfordert eine Gattungsbezeichnung der Schreibweise „Aüm 203“ oder „Am 203“.
(Ich weise noch ausdrücklich darauf hin, daß mir nicht bekannt ist, ob die genannten Nummern und Gattungen dieser beiden Beispiele wirklich zueinander gehören!)



Weitere Fragen grundsätzlicher Art beantwortet das mehrfach genannte Buch. Es kann allerdings keine Märklin-typischen Phantasiebemalungen ausmerzen. Mit größerer Wahrscheinlichkeit sind einige Deiner Modelle die beim hausgemachten Unfugtaktgeber üblichen „angenäherten Wiedergaben des Vorbildes“, vulgo Luftnummern.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der weiteren Klärung des Sachverhaltes.


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Viele Grüße, Reiner


 
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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#3 von TheK , 27.11.2017 22:25

Die Magie steckt im Grunde in dem Gattungsbuchstaben "m". Als man diesen Anfang der 1950er eingeführt hat, stand er einfach nur für die Länge (abgesehen von einer kurzen Phase als "Mitteleinstiegswagen"), doch mit der neuen Länge wurden auch neue technische Merkmale zur Selbstverständlichkeit. Das "e" für die elektrische Heizung hat man so schon gleich gestrichen, doch war jeder "m" auch ein "mg", denn mit Faltenbälgen baute nun niemand mehr – also weg damit und das "g" nur noch angeben, wenn es etwas besonderes ist (WR4üge-38, B3yg oder seltene B4yge…).
Das "ü" war ursprünglich allgemein für geschlossene Übergänge, inzwischen aber zu "Schnellzugwagen" mutiert, weshalb man das noch behalten hatte – in Abgrenzung zum "y" der Eilzugwagen. Mitte der 1970er wurde das dann umdefiniert; ein "m" war nun immer ein Schnellzugwagen – die einst namensgebenden Mitteleinstiegswagen wurden zu "yl" ("Eilzugwagen lang"). Silberlinge und auch die neuen LHB-Prototypen waren ja eh "n".

Geschrieben hat das übrigens jeder anders; Leerstellen haben hierbei keinen Wert – nur ein C4ü pr 08 (preußischer Schnellzugwagen) braucht seine Leerstelle. Die Nummer ist dagegen immer XX YYY, wobei die beiden vorderen Stellen die Wagenklassen und die hinteren eine Ordnungsnummer darstellen.

Mit den UIC-Nummern steckt da dann noch mehr drin. Um das Beispiel 51 80 10-40 167-8 zu übernehmen:
51: Ein Reisezugwagen mit RIC-Fähigkeit (in diesem Block sind auch Stellen für Güterwagen [mit 0, 1, 2, 4 und 8 vorne] und Triebfahrzeuge [9] vorgesehen).
80: Was aus Deutschland (bzw. ursprünglich "bei der DB eingestellt").
10: Erste Klasse [1] mit 10 Abteilen [0].
40: Was zu Höchstgeschwindigkeit und Heizungsspannungen, Hier ein "Allesfresser" für 140 km/h.
167: Die eigentliche Ordnungsnummer, die NICHT mit der aus der Epoche III korreliert; zum Teil wurde da sogar wild umsortiert.
8: Prüfziffer für das ganze.


Gruß Kai

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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#4 von SAH , 27.11.2017 22:37

Guten Abend Reiner,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Leider ergaben sich nun weitere Fragen, die mit der Lektüre der Originalausgabe mit Kunststoffeinband und einer Internetrecherche auftauchten:

Im Obermayer sind offenbar nicht alle Bauarten aufgeführt; dies kann man anhand der Liste am Ende des Buches selbst nachschauen (Bsp. A 4üm-62 / Am 204).
Die (aus Erfahrungen mit anderen Themen) mit Vorsicht zu genießenden Angaben im Internet widersprechen sich gegenseitig, indem A 4üm-61 und A 4üm-63 als Vorgängerbeschriftung für Am 203 bezeichnet werden; und damit meine ich nicht die w*k*-Seiten und davon Abgeleitete. Da wir gerade dabei sind, das "-61" bedeutet doch im Jahr 1961 konstruiert, oder?

Was die von mir bisher gefundenen Baureihenbezeichnungen betrifft, so beziehe ich mich (bislang!) auf die gängigen Sammlerkataloge, die die Katalogangaben des Herstellers wiedergeben. Und diese Angaben unterscheiden sich leider auch manchmal von den Wagenaufschriften. Das ist schon ein großes Fass.

Zu der Kurzliste, die ich schrieb:
Da "A 4ümg-61" identisch ist mit "A 4üm-61" entscheidet wohl die Wagenanschrift darüber. Bei Angaben ohne Bindestrich ist dieser einzufügen.
Korrigiert werden müssen Angaben wie "A 4üm 203" und die Kombination von UIC-Nummer und "A 4üm". Wobei: ist es *absolut sicher", dass es dies nie gegeben hat?

Und zum Schluss noch: gibt es außer dem Obermayer noch ein anderes, verfügbares Nachschlagewerk zu deutschen Reisezugwagen?

edit: @TheKs Beitrag relativiert die Leerstellen schon wieder (humpft)

mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#5 von jimknopf , 28.11.2017 01:39

Guten Abendmorgen Stephan-Alexander,

bei Bundesbahnens gab es ja bekanntlich nichts, was nicht gibt. Insofern muß man eigentlich bei allen Aussagen immer vorsichtig sein; kleinere Unstimmigkeiten traten wahrscheinlich ab und zu auf, im Großen und Ganzen ist die „Systematik“ aber doch ziemlich wasserdicht.

„Sag niemals Nie“ - die EDV-Umzeichnung geschah natürlich nicht auf einen Donnerschlag, soviele Heinzelmännchen gab es ja nicht, vielmehr gab es einen gewissen Übergangszeitraum. Ob es dabei zur Kombination von UIC-Nummer und Ep.III-Gattung an ein und demselben Wagen kam, weiß ich nicht – „absolute Sicherheit“ könnten nur Fotos im DSO-HiFo liefern, wenn es denn solcherartige gäbe. Ich halte es allerdings für eher unwahrscheinlich; denn wenn ich einen Wagen sowieso in der Mangel habe, um eine neue Nummer aufzupinseln, dann wische ich in einem Aufwasch doch die alte gleich ab (zumindest wäre das logisch gedacht)? „A4üm 203“ halte ich persönlich sogar für ausgeschlossen, denn die Ep.III-Anschrift war links oben am Wagenkasten zwischen Tür und Fenster angebracht, die UIC-Nummer dagegen kam mittig unten auf den Längsträger oder die Seitenwand. Was würde es schließlich bringen, „oben“ etwas dazuzuschreiben, was in Kürze ohnehin wegkommt – oder „unten“ eine veraltete Angabe neu anzubringen? Aber gut, vielleicht denke ich auch zu logisch.


Was das Schrifttum betrifft: Internetseiten werden von privater Seite erstellt. Ist wirklich jeder mit der Materie „wasserdicht“ vertraut? Kam es vielleicht zu Tippfehlern, Abschreibfehlern, Zeilenverrutschern oder ganz einfacher Unkenntnis? W*k*lügia ist eh ein (Un-)Fall für sich... da schmiert Hinz und Kunz drin rum, und selbsternannte „Relevanzpäpste“ geben dem Rest die (Un-)Gnadenschüsse...

Sammlerwerke, Modellbahnkataloge und sonstige Druckerzeugnisse der Hersteller sind erst recht keine ernstzunehmenden Quellen. Die Firmen wollen ihr Zeug verticken, und schreiben auch dann „Die passende Lok zu diesen Wagen finden Sie auf Seite...“ wenn es der größte Humpppfff ist. Die Bundesbahn bespannte ihre Züge mit denjenigen Loks, die Kriterien wie Anhängelast, Streckenprofileignung und Fahrberechtigung der Personale erfüllten – und nicht dem lückenhaften Sortiment einer Spielzeugeisenbahnfirma entsprachen. Also Vorsicht; schnell mal das Druckklischee zu ändern, brachte billige Variantenvielfalt. Auf die Korrektheit guckt eh keiner... „sieht man aus einem Meter Abstand beim Fahren auf der Anlage doch sowieso nicht...“
Was Märklin aufs Blech lithographierte, muß nicht unbedingt der Wirklichkeit entsprochen haben. Soll ja öfters vorgekommen sein (noch vorkommen).

Andere Nachschlagewerke? Ich habe zwar neuere Taschenbücher von transpress und GeraNova, aber die sind alle zu DB AG-Zeiten erschienen, zeigen ein bißchen „Produktfarbe“ und viel Verkehrsrot, aber nix Altes mehr. Ein Buntbildchen und eine halbe Seite Reklametext ohne technische Daten. Unbrauchbar für Recherchezwecke. Stefan Carstens widmet sich nur den Güterwagen, etwas Vergleichbares zu Personenwagen wüßte ich nicht. Obermayer ist da wohl auch heute immer noch die „Bibel“.


Zu den im Obermayer genannten Bauarten:

Der „Amh/A4üm-62“ ist in der hinteren Bestandsliste nur mit einem einzigen Exemplar aufgeführt, und das ist zum Stichtag „Bestand 31.12.84“ schon nicht mehr vorhanden. Ich halte es deshalb für ein Erprobungsfahrzeug, das so nicht in Serie ging. Deshalb wurde es wohl auch nicht in den redaktionellen Teil aufgenommen.
In der hinteren Liste stehen einige Einzelgänger und Splittergattungen, die entweder aus dem Betrieb gingen oder nicht zur Serie wurden.

Beim weiteren Durchsehen fand ich übrigens doch noch eine -63er-Bauart, den „B4üm-63“/„Büm 234“/„Bm 234“. Allerdings blätterte ich beim ersten Mal nicht bis zur zweiten Klasse, weil Deine Liste nur „Am...“ enthielt.

Beim 203er findet sich im redaktionellen Teil der Ursprung als „A4üm-61“, in der hinteren Bestandsliste blöderweise „AB4üm-61“ - aber das ist definitiv ein Setzfehler des Taschenbuches, denn mit 10 Abteilen ist der 203er ohne Wenn und Aber ein 1.-Klasse-Wagen!
Die Angabe -63 taucht jedoch nicht auf.

Die Bindestrich-Zahlen sind mit Sicherheit die Konstruktionsjahre. Bei Vorkriegs- und vielen Nachkriegsbauarten wurden die ersten Fahrzeuge auch im selben Jahr ausgeliefert, bei nicht wenigen Nachkriegsbauarten dauerte es allerdings auch 1-3 Jahre bis zum ersten Bau. Warum? Tja... Vermutungen: Korrekturplanungen, fehlende Finanzmittel (die DB beschaffte in 20 Jahren Zeug wie ein Weltmeister), Kapazitätsengpässe der Hersteller, Sonstiges, …? Der Phantasie sei freier Lauf gegönnt.


Deine Frage hält ganz schön auf Trab. Du suchst Dir aber auch immer die „leichtesten“ Themen aus... Junge, Junge!

Da kann ich nur sagen: weiter so !
Gute Nacht.


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Viele Grüße, Reiner


 
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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#6 von TheK , 29.11.2017 02:12

Zitat

Im Obermayer sind offenbar nicht alle Bauarten aufgeführt; dies kann man anhand der Liste am Ende des Buches selbst nachschauen (Bsp. A 4üm-62 / Am 204).



Ah, der Versuchs-Exot – ein Am 203, der in Voraussicht auf die TEE-Wagen eine Klimaanlage hatte. Deswegen hießen die Eurofima-Wagen dann auch "Avmz 205". 1981 wurde der Sonderling dann in die Bauart Am 203 umgebaut.

Zitat

Die (aus Erfahrungen mit anderen Themen) mit Vorsicht zu genießenden Angaben im Internet widersprechen sich gegenseitig, indem A 4üm-61 und A 4üm-63 als Vorgängerbeschriftung für Am 203 bezeichnet werden; und damit meine ich nicht die w*k*-Seiten und davon Abgeleitete.



Von einem "A4üm-63" ist mir nichts bekannt. Dagegen hießen die ersten TEE-Wagen für den Rheingold noch "Av4üm-62" (bzw. Ap4üm); spätere dann Av4üm-63. Beides später zum Avümh 111 (bzw. Avmz 111) zusammengefasst.

Zitat

Da wir gerade dabei sind, das "-61" bedeutet doch im Jahr 1961 konstruiert, oder?



Richtig, wobei mehrere Bauarten aus dem gleichen Jahr theoretisch mit Buchstaben, teilweise aber auch mit abweichenden Jahreszahlen bezeichnet wurden.

Zitat

Was die von mir bisher gefundenen Baureihenbezeichnungen betrifft, so beziehe ich mich (bislang!) auf die gängigen Sammlerkataloge, die die Katalogangaben des Herstellers wiedergeben. Und diese Angaben unterscheiden sich leider auch manchmal von den Wagenaufschriften. Das ist schon ein großes Fass.



Ja, und leider neigen die Hersteller vereinzelt dazu, Bauarten zu erfinden – von falschen bis völlig unsinnigen Wagennummern gar nicht zu reden.

Zitat

Korrigiert werden müssen Angaben wie "A 4üm 203" und die Kombination von UIC-Nummer und "A 4üm". Wobei: ist es *absolut sicher", dass es dies nie gegeben hat?



Jup, das ging in einem Schritt und war sogar so ziemlich die größte Änderung in den Gattungen damals – vierachsige Wagen explizit als solche zu kennzeichnen, war im Grunde ja schon lange unsinnig. im Gegenzug wurde dann zum Beispiel die Bauart "D2ie" für Donnerbüchsen-Packwagen geschaffen (bisher "Di").

Insofern gibt es drei Syntax-Formen:
- C4ü pr 08 (Länderbahnwagen, mit Leerstelle und der Herkunftsbahn als zwei-Buchstaben-Kürzel).
- Ci-21a (die klassische alte Syntax von Hechten bis TEE, mit dem Baujahr am Bindestrich. Oder hier eine Donnerbüchse).
- Avüz 111.1 (die UIC-Bezeichnung, immer mit einer dreistelligen Gattungsnummer; vereinzelt mit Unternummer).

Zitat

Und zum Schluss noch: gibt es außer dem Obermayer noch ein anderes, verfügbares Nachschlagewerk zu deutschen Reisezugwagen?



Meinen Obermayer hab ich auf Amazon für "nix" gefischt


Gruß Kai

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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#7 von Iceman , 29.11.2017 23:54

Zitat von SAH im Beitrag Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht
Und zum Schluss noch: gibt es außer dem Obermayer noch ein anderes, verfügbares Nachschlagewerk zu deutschen Reisezugwagen?


Hallo,

sicher: "Die deutschen Reisezug- und Güterwagen" aus dem EK-Verlag: EK Shop


Grüße

Matthias

Niemals eine Möchtegern-Dampflok ohne funktionierende Schieberstange und Treibstangen-Fangbügel auf meiner Anlage!

Bastelvorschlag: Röhrenladung selbstgemacht Teil 06 Stand 31-08-23


 
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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#8 von SAH , 03.12.2017 21:28

Guten Abend Zusammen,

@Kai: möglicherweise hat da irgendwer bei den Bezeichnungen A 4üm-63 die Endziffern für das Baujahr interpretiert: laut Obermayer wurde der A 4üm-61 erst ab 1963 gebaut?

@A 4üm mit UIC-Nummer: Ich kann leider nicht mehr nachvollziehen, woher ich diese Angabe habe, also muss ich wohl selbst die Eselsmütze aufziehen ops:

@A 4üm 203 (Zugpaclung 42758): diese Zuordnung kommt nicht vom Märklinkatalog und steht auch nicht so auf dem Modell; wohl aber in einem bekannten Sammlerkatalog -->

@A 4üm 202 (Primex 4011): Quelle unbekannt --> Iah!

Was ich jetzt noch vermisse: wo kann man die Nummernreihen von Ep III der A 4üm-61 nachlesen? Im Obermayer leider nicht. Dies ist deshalb nötig, weil es nun 12 xxx, 14 xxx und 19 xxx-Nummern
in der Aufstellung des Ausgangsbeitrags gibt.

Insgesamt eine sehr kompakte und aufschlussreiche Artikelserie!

@Reiner: Wagen der DB nennst Du schon schwierig? Wie wird das erst, wenn es zu den SNCB/SNCF-Wagen geht

mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#9 von TheK , 05.12.2017 03:42

1963 wurde die Fensterbreite in der zweiten Klasse geändert, es gibt daher AB4üm-63 und B4üm-63. Nur den A betrifft das natürlich nicht, aber wenn man die Reihe so schreibt....

Primex 4011 findet sich beim Lokmuseum, da steht definitiv Aüm 202. Die späteren Am 202 werden ab 11 806 nummeriert (die 5 davor waren Versuchswagen), bis 12 020. Die späteren ARm 216 liegen dabei einfach mitten drin. Die Am 203 folgen dahinter.

14 509 (ABC4ü und 19 369 (C4ü waren Schürzenwagen, hier also Käse. Das erste schieben wir mal der Zeit zu, Märklin 4023 war ja auch kurioserweise grün. Bei dem neuen Wagen eventuell Ablesefehler?

Das französische System ist übrigens recht ähnlich, wobei die erste Stelle dort die Region ist. Zudem haben die zur Klassenreform 1956 viele Nummern geändert (die DB meines Wissens nur, wenn ein Wagen in dem Zuge deklassiert wurde). Belgien habe ich keinen Plan. Ganz einfach sind die Niederlande, da kann ich dir fast zur Nummer aus dem Kopf die Bauart sagen - das wichtigste ist 6000 Inland, 7000 RIC.


Gruß Kai

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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#10 von SAH , 05.12.2017 20:09

Guten Abend Kai,

vielen Dank für Deine Ausführungen! wie es scheint, sind die hier angesprochenen Fragen geklärt: das letzte Detail (A4üm aus 43969 mit der Betriebsnummer 12 024) wurde dann nun auch geklärt.
Woher der Ablesefehler stamm, kann ich nicht mehr rekonstruieren.

mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#11 von TheK , 07.12.2017 00:45

Zitat

Woher der Ablesefehler stamm, kann ich nicht mehr rekonstruieren.



Wahrscheinlich von einem der beiden B4üm-63 in dem Set. Ich hab nämlich gerade entdeckt, dass die Nummer 19 369 nach dem Krieg für einen davon wiederverwendet wurde, den späteren 51 80 22-41 034-5.

Noch mehr komische Wagennummern?


Gruß Kai

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RE: Korrekte Baureihenbezeichnungen gesucht

#12 von SAH , 07.12.2017 12:47

Moin Kai,

Zitat

Zitat

Woher der Ablesefehler stamm, kann ich nicht mehr rekonstruieren.


Wahrscheinlich von einem der beiden B4üm-63 in dem Set. Ich hab nämlich gerade entdeckt, dass die Nummer 19 369 nach dem Krieg für einen davon wiederverwendet wurde, den späteren 51 80 22-41 034-5.
Noch mehr komische Wagennummern?




Schauen wir mal: zur Zeit 754 verschiedene Baureihen nur bei Personenwagen, die durch Artikelserien wie dieser hier reduziert werden. Ich bin sicher, da wird sich noch was finden.
BTW: noch ca. 290 Modelle mit unbekannten Betriebsnummern; das gibt eine eigene Artikelserie.
Bei Güterwagen wird richtig lustig

mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


Stephan-Alexander Heyn
www.sheyn.de/Modellbahn/index.php


SAH  
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