Hallo,
generell ist die Modellbahnerei zumindest in H0 an einem Punkt, wo nahezu alle Standard- und Brot-und-Butter-Lokomotiven irgendwie auf dem Markt vorhanden sind. So ganz allmählich werden die Marktlücken doch rarer. Da bleiben für einen großen Hersteller wie Märklin, der sich ja immerhin als Universalanbieter versteht, nur folgende Strategien:
- Doppelentwicklungen
Man entwickelt halt, was einem wichtig erscheint, gleich wie gut oder schlecht die Modelle von der Konkurrenz erscheinen mögen. Man kann dann nur hoffen, dass der Absatz im Markt noch groß genug ist, dass sich das Modell rentiert. Klar ist jedenfalls, dass sich die Nachfrage im Markt nach einem bestimmten Modell teilt, sobald es zwei vergleichbar gute Modelle gibt und damit u.U. für beide Hersteller nicht mehr genug bleibt, damit ein Modell schwarze Zahlen schreibt. Vor diesem Hintergrund kann ich z.B. nur den Kopf schütteln, wenn da parallel zur neuen Roco 64 und der noch im Angebot befindlichen GFN 64 eine neue eigene 64 entwickelt würde. Auch wenn die Märklinisten die bevorzugen werden - im DC-Bereich hat die keine Chance. Daher tue ich mich schwer mit der Erwartung, dass Märklin so etwas bringen wird und würde es auch nicht fordern. Verrücktheiten hat es allerdings in der Vergangenheit gegeben.
- Doppelentwicklungen bei Standardloks, wo das Konkurrenzmodell mehr oder weniger veraltet ist
Das sind sich öffnende Marktlücken - hängt etwas vom Einzelfall ab. Ich fand den Antrieb und die Laufsicherheit von Rocos 23 auch nicht berauschend, da wird es m.E. wirklich Zeit für etwas Neues - jedenfalls bevor z.B. Fleischmann das Modell final erledigt. Solch eine Lücke hat Märklin übrigens auch mit dem Schibu beseitigt. Wie ihr mir zustimmen werdet - eine sinnvolle Maßnahme.
- Nischenmodelle aktueller Fahrzeuge oder Nachkriegsfahrzeuge
Wären z.B. Modelle von Prototypen wie Voith Maxima oder eine Henschel DE2000, eine BR 66, auch die rareren Franco-Crostis fallen darunter. Märklin macht das ja schon mal von Zeit zu Zeit, dass sie sowas produzieren (z.B. bei der BR 10), aber richtig Marge wird das auch nur in Ausnahmefällen geben. Als Tupfer im Programm wichtig und sinnvoll, zum Masseschinden nicht so richtig geeignet.
- Länderbahnmodelle
Das ist der einzige Teilmarkt, der noch mehr Lücken als Masse hat, da Länderbahnmodelle bisher nahezu nur dann entwickelt wurden, wenn sie auch für Ep. II und öfters sogar für Ep. III verwendbar sind. Es gab aber viele Länderbahnloks und zwar die älteren, für die das nicht der Fall war. Problem am Länderbahnmarkt ist, dass der Käufermarkt klein ist und Modellbahnanfänger i.d.R. nichts mit Länderbahn am Hut haben. D.h., hier gilt dann das gleiche wie im vorigen Punkt.
Wenn Ihr mich also fragt, was m.E. sinnvoll wäre, gibt es nicht so viele Möglichkeiten:
- die 23 wie oben erwähnt
- aktuelle Triebwagen
In den letzten Jahren hat es im Großbetrieb eine massive Beschaffungswelle moderner Triebwagen gegeben. Märklin hat immer mit solchen Entwicklungen mitgehalten, daher wird es höchste Zeit, auch so was ins Programm zu nehmen. Da es aber wichtige Typen wie LINT 41 (GFN), Talent (Brawa) oder Desiro (Piko) schon gibt, sehe ich derzeit noch einen Bedarf beim zumindest bei uns häufig vorhanden LINT 27.
- eine BR 58 (vielleicht)
häufige Maschine beim Vorbild, Qualitätsniveau der angekündigten Rivarossi Lok noch nicht abzusehen - AC?, Roco-Modell veraltet, nie für AC, nicht mehr im Angebot.
Bei ausländischen Modellen halte ich mich zurück und würde sie i.d.R. nicht kaufen. Keine Ahnung, ob sich so etwas rentiert. Ami-Loks bestimmt nicht, denn die Typen, die man auch in Deutschland kennt, gibt es schon.
Viele Grüße
Ulrich
Nachtrag:
- DDR-Fahrzeuge:
Meiner Meinung i.d.R. für Märklin nahezu uninteressant. Die Ex-DDR ist fast durchgängig Gleichstromland und Märklin hat es nicht geschafft, da einen Fuß auf den Boden zu bekommen, wie mir kürzlich ein Händler in Quedlinburg bestätigte. Da blieben also nur Loks wie die 143, die anschließend im wiedervereinten Deutschland Karriere gemacht haben. Reine DDR-Loks, die den Westen nie oder nur bei kurzen grenzüberschreitenden Fahrten gesehen haben, sind im Westen Exoten und für sie gilt daher formal das, was ich oben über Nischenmodelle gesagt habe. Ich bezweifle, ob selbst ein einziges Modell sich ordentlich verkaufen würde - insbesondere ohne ordentliche Verkäufe unter Trix ein absolut toter Markt.