Nach meinen Eindrücken finden sich reine Postzüge auf Modellbahnanlagen relativ selten. Meine Vorliebe für solche Züge hat seinen Ursprung in einer Erfahrung aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, als ich zur Auffrischung meines Studentenwechsels zweimal in den Wochen vor Weihnachten zusammen mit anderen Studenten im Kölner Postbahnhof die nächtens eintreffenden Postzüge entladen habe. Zwar habe ich mich schon damals intensiv mit dem Hobby Modellbahnen beschäftigt und auch für die große Bahn interessiert, detaillierte Erinnerungen bezüglich der zu entladenden Postzüge habe ich jedoch nicht. Die Anforderungen des „Jobs“ waren doch so groß, daß gelegentliche Pausen bis zum Eintreffen des nächstens Zuges für ein kleines Nickerchen genutzt wurden. Ein Bild hat sich mir aber eingeprägt, nämlich das der Dampflok der Baureihe 05 als Zuglok mancher Postzüge. Zu dieser Zeit waren die Lokomotiven dieser Baureihe schon von der Baureihe V 200 im regulären F-Zugdienst abgelöst worden und hatten wohl im Postzugverkehr bis zum endgültigen Ausscheiden noch eine kurze Gnadenfrist erhalten. In Erinnerung daran möchte ich als Erstes auch einen Postzug aus dieser Zeit vorstellen. Lok 05 003 stammt von Märklin, die Postwagen sind eine Mischung entsprechender Modelle verschiedener Hersteller. Beim Betrieb auf meiner Anlage sind einzelne Modelle auch einzelnen Reisezügen beigestellt.
Zahlreiche von der Deutschen Bundespost eingesetzte Bahnpostwagen stammen noch aus der Reichsbahnzeit, manche sogar noch aus der Länderbahnzeit. Soweit jedoch bin ich bei der Zusammenstellung meiner Postzüge nicht zurückgegangen; wohl aber kann ich einen Zug der Deutschen Post bzw. Deutschen Reichspost der Bahnepoche II präsentieren. Gezogen wird er von der 41 001 der DRG, die sich wegen der großen Wagner-Leitbleche und des Tenders T 4´4 32 als eine der wenigen Reichsbahnlokomotiven in meiner Sammlung befindet.
Noch eine Bemerkung zu den Reichspost Kühlwagen: In der Literatur wird deren Existenz durchaus bestätigt; ob es jedoch für den roten und den weißen Märklin-Wagen Vorbilder gegeben hat, möchte ich bezweifeln. Außerdem habe ich keine Hinweise dafür gefunden, in welchen Zügen die Kühlwagen gelaufen sind. Aber ich habe sie nun mal.
Mit Inbetriebnahme der 26,4 m langen Postmrz und der 14 m langen Post2 ss-t/13 wurden die Postzüge der Epochen IIIb/IV uniformer. Auch hatten hier Elloks – im Bild die 139 165-5 – die früheren Dampflokomotiven abgelöst. Alle Modelle wie auch die nachfolgenden wurden von Märklin hergestellt.
Die meisten Großstädte besaßen von den übrigen Bahnhofsanlagen abgesonderte Postbahnhöfe, in denen posteigenen Loks der Rangierbetrieb oblag. Bis auf wenige Ausnahmen kamen hauptsächlich Dieselloks unterschiedlicher Bauarten zum Einsatz. Bei der Präsentation meiner Rangierabteilungen möchte ich auch kurz auf die jeweilige Wagengruppe eingehen.
Die Köf der Deutschen Bundespost mit einer Postwagen-Gruppe der Gattung Bpw -p/8,5. Das Vorbild, ursprünglich von der Königlich Preußischen Post in Dienst gestellt, hat im Laufe der Zeit noch drei weitere Postverwaltungen erlebt: Deutsche Reichspost, Deutsche Bundespost und Deutsche Post der ehemaligen DDR.
Wenn ein ganzer Postwagen zu groß war, kamen auch Halbpostwagen zum Zug. Meist waren es Kombinationen mit Packwagen für Personenzüge. Die aus der V 36 hervorgegangene Lok Han 3 der Deutschen Bundespost hat hier zwei Vertreter dieser Gattung am Haken, einen PwPosti 32 von 1931 und einen PwPosti 34a von 1934. beide im Outfit der Epoche III.
Ebenso aus der V 36 hervorgegangene die Lok Han 4 der Deutschen Bundespost. Die von ihr rangierten gedeckten Güterwagen sind alte Bekannte: aus den Gos 245 der DB wurden 1981 nach Ankauf durch die Post Bahnpostwagen der Gattung 2s-t/11. Ihren braunen Anstrich haben sie offensichtlich behalten.
Mit neuen Wagentypen versuchte die Deutsche Bundespost ihren Bahnpostverkehr zu optimieren. Hinweise über deren Verbreitung bzw. nachhaltige Verwendung habe ich leider nicht gefunden. So ist es durchaus möglich, daß die in Berlin beheimatete Lok 4 – alias V 60 – drei Versuchswagen verbracht hat.
Auch im Containerverkehr hat sich die Deutsche Bundespost noch versucht; die ebenfalls in Berlin beheimatete Lok 5 – alias V 60 – beschließt den Reigen meiner Post-Rangierlokomotiven.
!997 kam das Aus für die Bahnpost. Als Grund wird der Rückgang der Briefpost genannt. Die Einführung der Briefverteilungszentren wird als weiterer Grund genannt. Die Deutsche Bundespost beklagte zudem, daß die Deutsche Bahn keine geeigneten Fahrplantrassen angeboten hat. Sei´s drum, Postzüge klassischer Prägung wird es wohl nicht mehr geben. Deshalb möchte ich zum Abschluß meines kleinen, sehr individuellen Streifzugs durch die Gefilde der Bahnpost dieser noch einmal mit dem Paradezug der letzten Jahre, dem PostIC mit der 103 121-0 an der Spitze, ein würdiges Denkmal setzen.
viewtopic.php?f=6&t=102720 --- Bahnpostwagen der DB und der DR in H0 Die sind (noch) nicht alle in Modellbahn-Wiki erfasst.
| : | ~ analog
Gruß von klein.uhu Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen. (Sokrates) Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Fantasie ist unbegrenzt. (Einstein)
also bei mir läuft ein reiner Postzug am Haken einer V200.1 oder P8 mit. Übrigens ein interessantes Thema, welches viel zu wenig Beachtung findet, insbesondere für die Epoche II, III und IV.
ZitatEbenso aus der V 36 hervorgegangene die Lok Han 4 der Deutschen Bundespost. Die von ihr rangierten gedeckten Güterwagen sind alte Bekannte: aus den Gos 245 der DB wurden 1981 nach Ankauf durch die Post Bahnpostwagen der Gattung 2s-t/11.
Hallo,
dann können sich Wagen und Lok allerdings niemals begegnet sein. Sie wurde 1976 nach Italien verkauft (Quelle).
Grüße
Matthias
Niemals eine Möchtegern-Dampflok ohne funktionierende Schieberstange und Treibstangen-Fangbügel auf meiner Anlage!
herzlichen Dank für diesen Beitrag zu einem schmählich vernachlässigten Thema. Auch mich faszinieren Postwagen und-Züge besonders. Schon in den 80ern als die Auswahl an Modellen noch klein war. Vor etwa 20 Jahren kam hier ein Durchbruch - seither sollte es kein Problem sein, diese Züge nachzubilden.
Erstaunlicherweise hat damals die Post selbst das Thema im Modell ausgeschlachtet - nachdem kurz vorher der Originalverkehr eingestellt wurde.
Ist natürlich eines der Gebiete, wo die modere Bahn nichts mehr zu bieten hat. Da gefallen mir die älteren Epochen besser.
Mit freundlichem Gruß
Stefan
Epoche III/IV Deutsche Bundesbahn Südwestdeutschland 2L-GS analog
Hallo Reinhard, ein schöner Beitrag zu einem hochinteressanten, aber leider oft sehr vernachlässigten Thema. Ich habe mir bei Post Philatelie auch immer wieder mal ein Wägelchen gegönnt und war im Herbst 2005 auf einer Postdampfzug Sonderfahrt von Frankfurt/M. nach Konstanz und zurück. Vorne die 01 1066 und ab Offenburg den Schwarzwald rauf die 194-051-9 als Nachschub bis nach Konstanz. Dazu zwei lange Bahnpostwagen (einer grün, einer blau beige) die man besichtigen durfte und jede Menge Ex-Bahnpostler an Bord....mit all den alten Geschichten. Das war nicht nur eine tolle Fahrt, sondern auch beste Unterhaltung! Wenn gewünscht, kann ich noch ein paar Bilder von dieser Fahrt einstellen.
Viele Grüße Johannes
Typischer Märklin-Chaot - Epochenfrei und Grenzenlos!
#10 von
oberlandbahn
(
gelöscht
)
, 29.01.2018 19:16
ZitatNach meinen Eindrücken finden sich reine Postzüge auf Modellbahnanlagen relativ selten.
Hallo Reinhard,
eine schöne und interessante Zusammenstellung in Bildern und Worten - danke dafür . Ich habe genau 11 Postwagen aus der Epoche 3, einen reinen Postzug habe ich noch nicht zusammengestellt. Ich stelle die Modelle in der Regel in bestehende Züge ein - vom Schnellzug bis hin zum kurzen Nahverkehrszug. Ein schönes Thema ist es .
An Züge mit lauter Postwagen hatte ich bisher auch nicht gedacht.
Naja, so generell ist das auch so nicht sinnvoll. Meistens sind die Briefpostwagen (oder auch die Wagen für Briefpost und Pakete) mit Reisezügen gefahren. "Reine" Postzüge waren dann eher die Expressgutzüge, in denen dann auch Packwagen wie die beispielsweise Behelfspackwagen wie der MPw4yg, 113 968 Hmb, Roco 44592.