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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#1 von Owli , 05.02.2020 14:52

Hallo zusammen. Ich hoffe, im Anfängerbereich darf ich diese Frage stellen.
Ich bin gerade mit der Planung unserer Anlage (H0, DC) beschäftigt. Immer wieder komme ich an die Problematik mit der Steigung.
Ja, ich kenne die allgemeine Regel mit 3%. Aber wie isses denn nun tatsächlich damit?
Schaffen die Loks wirklich nicht mehr? Ich plane mit Zügen von bis zu maximal 1,5m Länge. Und ich komme bei der Planung des Gleisplans ständig in Bereiche, wo max 3% nur schwer umsetzbar sind. OK, im sichtbaren Bereich sieht mehr Steigung auch nicht toll aus, aber um unsichtbar an Höhe zu gewinnen – ist da denn nicht mehr möglich?
Und wie erklären sich denn dann solche Zubehör-Artikel wie die Auffahrten von Noch, die es bis zu einer Steigung von 8% zu kaufen gibt (die flachste Auffahrt hat schon 3,5%)?
Ich bitte mal um ehrliche Antworten.

Schöne Grüße aus Südhessen,
Jens


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#2 von Preussenhusar , 05.02.2020 14:57

Hallo Jens,

ich weiß nicht, welche Bahn Du hast (Hersteller, Maßstab) und wieviele Waggons Du an welche Lok hängen möchtest.
Für Märklin kann ich sagen, daß 6 mm pro 180 mm Ganzgleis = 3,3 % den Standardmaßen der Pfeiler entsprechen.
aber auch 9 mm = 5 % vorgesehen waren.

Bei 8 % wäre ich skeptisch, daß längere Züge mit kleinen Loks das wirklich schaffen.

Faller hat Pfeiler, die 8 mm ansteigen, was 4,4 % ausmacht. Da kommt so mancher Zug noch gut hoch, digital besser als analog,
weil er evtl regelrecht verhungert.

Sowohl die 6 mm als auch die 8 mm Steigungen habe ich mehrfach verbaut.
Lego hat 9 mm Höhe pro Ganzstein, auch das funktionierte.

Gruß
Stefan


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#3 von SAH , 05.02.2020 15:01

Moin Jens,

sie 3% Regel berrifft in erster Linie die Optik. Die meisten Modellloks sind in der Lage aberwitzig lange Züge zu ziehen. Ob eine bestimmtes Modell für vorgegebene Lasten geeignet ist, hängt vom Typ und den anzuhängenden Wagen ab. Das sind dann mechanische Grenzen der Modelle.

Mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#4 von Owli , 05.02.2020 15:18

Danke schonmal für die Antworten. Ich lese daraus, 3% im sichtbaren Bereich und sonst zur Not auch mal bis zu 8% noch gut möglich, wenn der Zug entsprechend zusammengestellt ist. Das würde mir die Streckenplanung deutlich erleichtern.
Noch die Rahmenbedingungen: Ich plane mit Fleichmann Profigleis (weil davon einiges Material vorhanden ist). Fahren möchten wir dann digital (z21 mit Multimaus). Vorhandene Loks aktuell Piko BR101, BR218 und ein Triebwagen BR646. Später soll mal noch eine Dampflok fahren, und meine Jungs möchten sehr gerne auch einen ICE (3, von Piko) auf der Strecke sehen...


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#5 von Atlanta , 05.02.2020 16:11

Moin Kollegen,

bei vielen Modellbahnherstellern werden Loks mit Haftreifen ausgestattet und das mit der zusätzlichen Erhöhung der Zugkraft beworben.

Beim Original ist im Adhäsionsbetrieb meistens bei 7 % Schluß und bei noch steileren Neigungen werden dann Zahnstangen verwendet.

Die schweizer Bahnstrecke St. Moritz – Tirano ist da beispielsweise zu nennen, sie gilt als steilste Bahnstrecke die im Adhäsionsbetrieb ohne Zahnradunterstützung zu befahren ist.

Es gab oder gibt aber auch "mobil" verlegte Bahnstrecken wo von dieser Regel abgewichen wurde aber dort wurden Getriebelokomotiven in Mehrfachtraktionen eingesetzt, wenn eine Lok alleine nicht auskam, um leere Holzwagons bergan zu befördern und beladen talwärts zurück.
Waldbahnen in den USA bewältigten Neigungen, die im Regulärbetrieb von anderen Ahäsionsbahnen nicht zu bewältigen sind.

Modellbahnfahrzeuge mit Haftreifen machen sich den Reibungswert Gummi auf Stahl zu Nutze der höher liegt als bei Stahl auf Stahl, von daher leisten Modellbahnfahrzeuge mit Haftreifen bedeutend mehr als Fahrzeuge ohne Haftreifen

Bei den US Modellbahnern werden die meisten Modelle ohne Haftreifen ausgeliefert aber wer will kann sich ja welche selber nachrüsten.

Ich habe einige Modelle ohne Haftreifen, denen machen Neigungen über 2 % erheblich zu schaffen, die verhalten sich annähernd wie das damalige Original.

Jede Lok mit Haftreifen ist denen bei Weitem überlegen.

Die Empfehlungen im sichtbaren Bereich auf möglichst geringe Neigungen zu gehen, sind rein optischem Empfinden geschuldet.

Man kann es machen, muß es aber nicht.


Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber eher "historisch" bedingt.

Wird eine Lok beim Befahren großer Neigungen zu sehr angestrengt, macht sich das in der Wärmeentwicklung bemerkbar, der Motor wird heiß.
Früher bei Lokgehäusen aus Metall war ja genügend Kühlfläche vorhanden
Als die ersten Loks in Kunststoffgehäusen ausgeliefert wurden, hatte man aber das Problem mit den viel zu großen Motoren in der Lok und der Luftspalt zwischen Motor und Gehäuse war zu gering, um für ausreichend Kühlung zu sorgen.
Man gab deshalb die Empfehlung, den Motor möglichst nicht heiß werden zu lassen und auf zu hohe Neigungswerten in der Streckenführung zu verzichten oder auch Entlastungsebenen einzuplanen.

Heutzutage trifft das aber größtenteils nicht mehr zu, von ein paar Ausnahmen abgesehen, da die Motoren auch immer kleiner und leistungsfähiger werden und nicht mwhr so schnell heiß werden


LG Ingo

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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#6 von Torbenk1977 , 05.02.2020 16:17

Moin Moin,

also 4 % geht in bei mir sehr gut, und fahre mit Lok auch höstens 175cm.

ich benutze Rampen die fertig sind, keine Selbstbauweise.

Viele Grüße

Torben


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#7 von floete100 , 05.02.2020 16:53

Ein äußerst wichtiger Punkt ist hier noch gar nicht erwähnt: Geht es um Steigung in der Geraden oder Steigung in Kurven oder gar Wendeln? Und wenn Kurven/Wendeln: Welcher Radius? Auf gerader Strecke schaffen Modellbahnloks ganz andere Züge als in der Kurve - bei gleichen Steigungen.

Gruß,
Rainer


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#8 von Wisgurd ( gelöscht ) , 05.02.2020 17:17

Jedes Überschreiten über die 3% birgt die Gefahr, dass irgendwann eine Lok oder ein gesamter Zug diese Steigung nicht mehr bewältigen kann. Insbesondere bei engen Kurvenradien steigt die Gefahr noch.

Wenn du flexibel bei deiner Zuggestaltung bist, sollte das kein Problem bereiten; wenn du aber an deinen von dir zusammengestellten Zügen hängst, würde ich die 3% schon als Obergrenze betrachten.


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#9 von 8erberg , 05.02.2020 18:54

Hallo,

ich bin auch schon mit der vorhin genannten Bernina-Bahn gefahren - Hut ab vor der RhB

Meist werden heute die bärenstarken Triebwagen https://de.wikipedia.org/wiki/RhB_ABe_8/12 genutzt

Auf der Steilstrecke gehts verständlicherweise sehr langsam zur Sache, die Allegra können auch flott (Weltrekord für Meterspurfahrzeuge hält der Triebwagen)

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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#10 von Tenderschieber , 09.02.2020 17:21

Zitat

Ja, ich kenne die allgemeine Regel mit 3%. Aber wie isses denn nun tatsächlich damit?
Schaffen die Loks wirklich nicht mehr?


Es hängt davon ab.

Im Verein fahren wir Züge mit bis zu 3m und 2,5%. Es gibt Loks, die es schaffen, und andere, die es nicht schaffen.

Woran liegt es?
1. Reibung der Lok. Haftreifen sind besser als glatte Räder ohne. Beide Varianten brauchen aber Gewicht. Ohne Haftreifen kannst du mit Mehrfachtraktion fahren, mit Haftreifen besser nicht.
2. Rollwiderstand der Wagen. Abhängig von der Lagerung der Achsen, Stromabnahme der Wagen, Gewicht etc kann die Lok es schaffen oder auch nicht.
3. Getriebe. Wenn die Lok es schafft, schafft es auf Dauer vielleicht die Lok. Das Getriebe muss der Belastung gewachsen sein. Bei vielen Loks ist das nicht der Fall.

Du kannst die Reibung für 1. auch erhöhen, indem du eine Eisenmatte unter den Schwellen verlegst und die Loks so mit Neodym-Magneten versiehst, dass ein gleichmäßiger Anpressdruck entsteht. Wenn du nicht alle Gleise unterfüttern willst, sondern nur die Steigungen, dann muss deine Eisenmatte mit einem wenigstens 20cm langen Keil beginnen und enden, damit die Kraft langsam zunimmt bzw. abnimmt. Beachte bitte Punkt 3 und die Tatsache, dass die Achslager der Loks belastet werden.


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#11 von DG-300 , 10.02.2020 08:32

Wie oben schon Kollegen geschrieben, auf gerade Strecke geht deutlich mehr wie 3%, aber sobald R1 oder R2 ins Spiel kommen wäre ich vorsichtig. Ich habe gerade meine ganze Platte aufgerissen da es dann doch an einer Stelle zu Steil war. Es ist auch nicht immer nur die Zugkraft, sondern auch lange 'Züge können sich in den Kurven nach innen neigen und dann entgleisen, bei Zuviel Steigung. Du solltest auch unbedingt darauf achten das die Steigung langsam anfängt und auch langsam wieder ausläuft das hilft auch. Höhe (Somit Steigung) spart man an Schnittpunkten auch wenn man die darunter liegenden Gleise absenkt, da helfen 1-2cm manchmal verdammt viel.

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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#12 von oligluck ( gelöscht ) , 10.02.2020 09:11

Moin,
für Faustformeln gilt, was üblicherweise für Faustformeln gilt: sie sind Faustformeln

Die 3% werden teils aus optischen Gründen gerne genannt (für meinen Geschmack bereits zu viel Neigung), aber auch, weil nach dem angesammelten Erfahrungsschatz die meisten Züge (Zugloks und Züge einer üblichen, modellbahngemäßen Länge) diese Neigung zu bewältigen in der Lage sind.

Ich würde nie auf die Idee kommen, an meine Köf 30 Oot zu hängen.
Otto-Normalbahner möchte das vielleicht und es ist sein gutes Recht.

Probiere es einfach aus: nimm' deine vermeintlich schwächste Lok und hänge dran, was du glaubst, dass es deinem längsten Zug entspricht.
Dann verwende die übelsten Bogengleise, die du hast ("R1" darf hier gern als rotes Tuch gelten!) und jage dort deinen Zug hoch.

Stellst du dann fest, dass es vielleicht (beispielsweise!) 5% sind, dann wäre das deine Faustformel.

Viele Grüße,
Oliver


P.S.: ich unterstelle, ohne deinen Fuhrpark zu kennen, dass du irgendwo bei "3% plus Sicherheit" landen wirst. Wenn du nicht gerade ein Langer-Zug-Fetischist bist.


oligluck

RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#13 von floete100 , 10.02.2020 09:48

Mein lieber Oliver,

wie schön für Dich, wenn Du es Dir platzmäßig leisten kannst, auf R1 zu verzichten. Das können wohl die wenigsten von uns.

Allerdings - "R1-Wendel BERGAUF" geht in der Tat nicht. Ich hatte eine solche Wendel leichtsinnigerweise geplant - bei gleichzeitigem Betrieb mit langen Zügen . Hatte Abreißen und Neubau zur Folge.

Gruß,
Rainer


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#14 von tstening , 10.02.2020 11:21

Zitat

wie schön für Dich, wenn Du es Dir platzmäßig leisten kannst, auf R1 zu verzichten. Das können wohl die wenigsten von uns.



Auch wenn es hier off-topic ist: Mich interessiert es tatsächlich brennend, mit welchen Platzverhältnisse wir Modlelbahner üblicherweise auskommen müssen. Ist ein eigenes Haus ein Garant für wenig Platzprobleme und demgegenüber eine Wohnung grundsätzlich der Grund für große Einschränkungen? Gab es evtl. dazu schon mal eine Umfrage hier im Forum?

Back-2-Topic:
Ich habe mich auf maximal 2,5% Steigung eingeschossen. Und selbst da habe ich noch so meine Probleme mit dem Roco-Clean-Wagen. Der "klebt" dermaßen stark am Gleis, dass bei weitem nicht jede Lok den durch meine Wendel (R4 und R5) hochziehen kann.

Grüße
Tobi


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#15 von oligluck ( gelöscht ) , 10.02.2020 16:20

Moin Rainer,
ich erwähnte R1 lediglich, um einen Hinweis zu geben, wie jemand (also auch ich!) im besten Fall die mögliche Neigung ermitteln kann.
Ehrlich: wir kämpfen alle mit dem Platz.
Mein Keller reicht auch nur bis zur Wand, dann ist er zuende...

also nichts für ungut

@Tobi:
ob das zu ermitteln wäre?
Ich habe, zugegebenermaßen, etwas Platz. Das jedoch um den Preis, dass ich in der Pampa wohne.
Für schulpflichtige Kinder gibt es den Schulbus, der fährt zweimal am Tag: einmal hin, einmal zurück.

Zum Einkaufen fahre ich 15km, um ins Kino zu kommen, locker doppelt so weit.
Das habe ich mir so ausgesucht, auch inklusive der Nachteile.
Davor wohnten wir in der Stadt, mit 80m². Mit 4 Personen blieb da für die Moba nicht viel Platz, die übliche Platte eben.

Vielleicht wäre eine Umfrage zu dem Thema nicht verkehrt?

Viele Grüße,
Oliver


oligluck

RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#16 von floete100 , 10.02.2020 17:55

So, jetzt nach ganz viel Theorie und Spekulation mal Fakten - von meiner Anlage.

Ich habe zwei Wendeln, jeweils doppelgleisig mit 80 mm Höhengewinn pro 360°:

    Nr. 1 -1,5 Windungen - bergauf R2 (M-Gleis 5200) - bergab R1 (M-Gleis 5100)

    Nr. 2 -2,5 Windungen - bergauf R2 (M-Gleis 5200) - bergab R 500 mm (K-Flexgleis)


Bevor Ihr Euch jetzt wundert "warum größter Radius bergab": Das ging leider nicht anders, weil die DB den Rechtsverkehr pflegt und der Wendeltyp hier "bergauf im Uhrzeigersinn" sein musste. Ich hatte diese Wendel, wie oben in meinem letzten Post #13 geschrieben, auch in R1 und R2 geplant. Damit ging R1 aber bergauf - oder besser gesagt ging nicht . Also hab ich den R2 als Bergaufstrecke genommen und eine Wendel aus Flexgleis sozusagen außen drumgewickelt.

Aber zurück zu meinen Zahlen.
Mit den Radien 360/437,4/500 mm ergeben sich folgende Steigungen:
    Nr. 1 bergauf 2,9%, bergab 3,5%

    Nr. 2 bergauf 2,9%, bergab 2,5%


Diese Strecken befahren - neben vielen kurzen und mittleren Zügen - folgende "Maximalzüge" (im Automatikbetrieb, d. h. ohne händisches Eingreifen):
    Langer Heinrich mit BR 41 und BR 44 als Vorspann, 30 Erzwagen

    Langer Heinrich mit Zugloks w. o., 27 Erzwagen, und als "Schublok" eine weitere BR 44 (motorloser Dummy)

Beide Heinrichs müssen dabei durch die R1-Bergab-Wendel!
    Güterzug mit Diesel- oder E-Lok-Doppeltraktion oder Dampflok mit Vorspann (aktuell 2x 194), 30 zweiachsige gedeckte Güterwagen "Querbeet" (Märklin, Fleischmann, Trix, Roco und Piko)

    Nachtschnellzug meist mit E-Lok-Doppeltraktion, 14 Märklin-Blechwagen (Reisezug-, Schlaf-, Speise- und Packwagen)


Die genannten maximalen Zuglängen kommen nicht durch "mehr geht nicht durch die Wendeln" zustande, sondern durch "länger sind meine längsten Schattenbahnhofsgleise leider nicht".

Übrigens: Björn schrieb in #11"lange 'Züge können sich in den Kurven nach innen neigen und dann entgleisen ...". Das würd ich nicht "entgleisen" nennen, sondern schlicht "nach innen umfallen". Und das geht auch "andersrum": Ich hatte (zum Glück nur) einmal das Aha-Erlebnis, dass mein Langer Heinrich gerade die komplette Wendel Nr. 1 "bergab" ausfüllte, als ein anderer Zug einen Kurzschluss verursachte. Der Domino-Effekt durch das schlagartige Anhalten der Loks haute alle 30 Erzwagen aus den Schienen - natürlich nach außen . Ich kann Euch sagen, das war ne Sch...maloche, dieses Durcheinander zu beheben - noch erschwert durch die Tatsache, dass sämtliche Erzwagen Märklin-Kurzkupplung haben ...

Gruß,
Rainer


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#17 von SAH , 10.02.2020 21:24

Guten Abend Rainer,

herzlichen Dank für Deine ausführlichen Beschreibungen!
Nachvollziehbar und vor allem: damit kann man viel anfangen.
Ich wünschte es kämen öfters derartige Beiträge!


mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#18 von BR 182 - 2015 , 10.02.2020 22:01

Hallo,
wenn du mit Große Dampfloks Fahren möchtest dann würde ich R1 nicht verbauen, sondern erst ab R2.


Viel Spaß mit eure MoBa
Grüße aus Berlin
Burgi


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https://www.youtube.com/channel/UC-tanEC...3jWAd7PA/videos


 
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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#19 von floete100 , 10.02.2020 22:32

[quote="BR 182 - 2015" post_id=2075908 time=1581368479 user_id=25274]
Hallo,
wenn du mit Große Dampfloks Fahren möchtest dann würde ich R1 nicht verbauen, sondern erst ab R2.

[/quote]
Burkhard, was sind bei Dir "große Dampfloks"? Ich hätte da u. a. die Baureihen 01, 03, 10, 18, 39, 41, 44, 45 und 50 zu bieten. Alle müssen bei mir durch R1. Sind alle diese Baureihen "klein"?

Gruß,
Rainer


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#20 von DG-300 , 11.02.2020 10:16

Naja BR 01 /45 sind sicher große Dampflocks


lg Björn

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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#21 von 8erberg , 11.02.2020 11:31

Hallo,

absolut: die benötigen relativ große Drehscheiben und BWs um versorgt und gewartet zu werden, wurden vor hochwertigeren Zügen eingesetzt und kamen wirklich nicht oft auf Nebenbahnen, alleine wegen der Achsdrücke.

OK, bei mir fahren solche Loks auch 360 mm-Radien, allerdings in Spur N.

Peter


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#22 von Railwolf , 11.02.2020 12:30

Hallo,

R1 von Märklin ist nicht R1 von Roco. Sondern entspricht dem R2 bei Roco.

Die 241A von Märklin und einige Loks von, ich sag mal, traditionell zweileiterorientierten Herstellern wie Roco brauchen laut Hersteller einen Mindestradius von 420mm. Manchmal geht es trotzdem durch den 360er, manchmal nicht. Meine Märklin-41 alter Bauart quält sich furchtbar, obwohl sie zu M-Gleis-Zeiten konstruiert wurde und der Hersteller keine Warnung vor 360mm gibt.

Zitat

Beim Original ist im Adhäsionsbetrieb meistens bei 7 % Schluß und bei noch steileren Neigungen werden dann Zahnstangen verwendet.

Die schweizer Bahnstrecke St. Moritz – Tirano ist da beispielsweise zu nennen, sie gilt als steilste Bahnstrecke die im Adhäsionsbetrieb ohne Zahnradunterstützung zu befahren ist.



Das steht so auf der Wikipedia-Seite zu dieser Bahn, stimmt aber nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Steilstrecke kennt einige weitere Steilstrecken, und die steilste Adhäsionsbahn ist demnach in Österreich und hat bis zu 118‰.

Wichtig ist neben der Neigung tatsächlich auch der Bogenradius, weil auf unseren engen Kreisen ganz schnell die meiste Energie nicht mehr in Fahrtrichtung, sondern quer dazu verbraucht wird. Wenn ein Zug einen Halbkreis bildet, zieht die Lok nach Westen, um den letzten Wagen ostwärts zu bewegen, und alle Wagen dazwischen werden gegen die bogeninnere Schiene gezogen. Erfahrene Planer empfehlen deshalb oft, möglichst gerade Rampen vorzusehen, statt die Züge durch Wendeln zu quälen.


Mit vielen Grüßen

Wolf 🐺


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#23 von hlag , 02.03.2020 18:44

Nabend,

dass mit der Steigung würde ich einfach auf einer Teststrecke ausprobieren. Hab mit ner kleinen Lok aus einem Starterset, fünf Waggons, davon zwei voll mit Elkos beladen, knapp 20 % geschafft. Ziel ist es, auf einer Länge von 100 cm vollständig unter der Tischplatte zu verschwinden. Höhendifferenz: 2 cm Platte plus 6,5cm Tunnelhöhe plus 1 cm Dämmmaterial. Sind, berücksichtigt man den vertikalen Radius um die Steigung einzuleiten, über 10% Gefälle.

Mir ging's um die Steigung, die ich einer Ubahn maximal zumuten kann, und auch da erstmal um erste Erfahrungen.

1. Sieht extrem seltsam aus.
2. Die Winz-Lok mit Haftreifen konnte ne ganze Menge ziehen.
3. Bergab, wenn die Waggongs drücken, wäre getrennt zu testen
4., und ganz wichtig: Wenn da Waggons abreißen, bekommen die bei 20% ne ganze Menge Speed.
5. der Vertikale Radius, den eine Lok verkraftet, ist ebenfalls zu berücksichtigen. Knicke sind schlecht.
6. durch Steigungen in Kurven werden die Kräfte, die die Waggons ins Kreisinnere ziehen, deutlich größer. Das Entgleisen in Richtung Kreismitte wird leichter. Dem könnte man durch eine "Untersteilkurve" (Wölbung nach außen) entgegenwirken, das erhöht andererseits das Risiko des Entgleisens nach außen, wenn bei schneller Fahrt die Fliehkräfte zunehmen. Problem: die Fliehkraft ist für alle Waggons im Zug gleich, die Zugkräfte hinter der Lok am größten.

Ich würde einfach ausprobieren, welche Züge ich mit welcher Steigung fahren lassen kann. Wenn ich nur Straßenbahnen und Regionalzuüge fahre, ist die Situation anders als bei drei-Meter-Zügen.

lg Klaus


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#24 von Carl999 , 04.03.2020 09:18

Moin,

zum testen meines Gleiswedels (8mm Gewindestangen / zweilagig verleimtes 4mm Sperrholz) habe ich mir Granitbrocken passend zugeschnitten (geflext) damit sie in Billigst Niederbordwagen passen, gewogen und mit der Grammzahl beschriftet.
So kann man einfach feststellen was z.B. die schwächste Lok hochzieht, bzw. ob die gelanten Züge die Steigung schaffen und aufgrung der Gewindestangen gegebenenfalls auch nachregulieren.
Vom Gewicht her war ich schon überrascht, was selbst kleine Loks so wegziehen.
Als Problem stellten sich allerdings die verwendeten Gleisradien heraus (Normalkreis 1 (Radius 360 mm) und Normalkreis 2 (Radius 424 mm)), wo Züge mit maßstäbl. 4 achsigen (Märklin) Schnellzugwagen aus den Gleisen sprangen, bzw umkippten, was dann nicht ganz so prickelnd ist.


Gruß Carl


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RE: Das leidige Thema mit der Steigung

#25 von floete100 , 04.03.2020 10:19

Einspruch, Euer Ehren ...

Mit dieser Gewichtsmethode kann festgestellt werden, was die jeweilige Lok "schafft". Ob die geplanten Züge die Steigung schaffen, ist damit aber nicht gewährleistet.

Beispiel: Mein Parade-Güterzug mit 30 zweiachsigen gedeckten Wagen ist rein gewichtsmäßig kein Problem. Ich habe mehrere Loks, die den allein meine R2-Wendel hochziehen können (fahre aber schon aus optischen Gründen meist Doppeltraktion oder Vorspann). Trotzdem brachten die ersten Versuche mit dem "echten" Zug eine böse Überraschung: Das Gewicht des langen Zuges warf in der Wendel die ersten zwei, drei Wagen hinter der Lok nach innen aus der Spur. Glücklicherweise hat etwas Blei in diesen Wagen das Problem behoben.

Gruß,
Rainer


Am Ende wird alles gut.
Wenn es nicht gut ist, war es noch nicht das Ende ..

Mein Anlagenthread: Die unendliche Geschichte ...

Mein schwierigstes "Winzprojekt": Inneneinrichtung Kabinentender BR 50


 
floete100
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