Willkommen 

Kugellager zur Stromanbnahme

#1 von 1er , 10.09.2021 15:39

Hallo Forum,

in Spur 1 war es bis vor einigen Jahren üblich, dass auch die Kleinserienhersteller ihre Loks und Personenwagen mit Radschleifern zur Stromabnahme ausgerüstet haben. Vor etwa 10 Jahren hat als erstes die Fa. km1 damit begonnen, zunächst bei ihren Loks nicht mehr die Räder zu isolieren, sondern isolierte Halbachsen zu verwenden und Kugellager in den Achslagersteinen aus Kunststoff einzusetzen. Da Kugellager nicht lötbar sind, gab es dann eingeklemmte Kontaktstreifen als Lötpunkte für die Fahrzeugverdrahtung.

Kugellager sind jedoch grundsätzlich nicht zur Stromübertragung vorgesehen, weil sie einen isolierenden Schmierfilm aufbauen und die rotierenden Kugeln nicht permanent Kontakt zum Aussenkäfig haben. In der Praxis machen sich Störungen eigentlich nur bei zweiachsigen Wagen durch flackernde Beleuchtung und bei Loks mit wenig Achsen beim Programmieren bemerkbar. Die Fa. Märklin hat nach einem ersten Versuch umgehendarauf reagiert und baut parallel zum Kugellager Bronzeschleifer ein.

In einem anderen, sehr stark an einen bestimmten Hersteller angelehnten Forum, hat man das grundsätzliche Thema ganz schnell auf tatsächlich aufgetretene Schäden an Kugellagern abgebogen. Das spielt in der Praxis jedoch keine Rolle, weil sich die Stromabnahme auf mehrere Radsätze verteilt, die Ströme - auch bei Loks - vergleichsweise gering sind, sich Fahrleistung zum überwiegenden Teil in ganz geringem Umfang bewegt und evtl. kurzfristige Stromunterbrechungen durch PowerPacks und die Fahrzeugmasse kompensiert werden.

Meine ersten Erfahrungen mit Kugellager-Radsätzen gehen damals noch in IIm Ende der 80-er auf die LEBU RhB Wagen zurück: da schon damals digital (erst Salota, dann Zimo alt) unterwegs, voll Begeisterung Innenbeleuchtung eingebaut und angeschlossen. Im Stillstand noch die Begeisterung, welche jedoch bei der ersten Radumdrehung verschwand, genauso wie das Licht im Wagen. Später bot LBG ebenfalls Kugellager-Austauschradätze an, mit denen es auch nicht wirklich besser war. Durch Spurwechsel hat mit das Thema dann erst wieder in den letzten Jahren bei der Spur 1 eingeholt.

Dass Kugellager zweifellos große Vorteile haben, ist jetzt nicht mein Thema; nur braucht`s halt zusätzlich eine federndes Element, wenn Strom sicher drüber soll.

Wie sind hier die Erfahrungen/Meinungen in den großen Spuren ?

Grüße
vom 1er


steve1964 hat sich bedankt!
 
1er
RegionalExpress (RE)
Beiträge: 82
Registriert am: 07.09.2007
Homepage: Link
Gleise auch wieder H0
Steuerung 1: IB1/Funky/Railware 4


RE: Kugellager zur Stromanbnahme

#2 von steve1964 , 10.09.2021 16:14

Hallo an den 1er, erst mal danke für den Beitrag,
ich wäre nur prinzipiell skeptisch wegen der Überschläge.

Der von dir erwähnte isolierende Schmierfilm im Lager - die Kugeln sollen ja schön flutschen -
könnte einen flackernden Kontakt bewirken und Funkenüberschläge, die dann die Oberflächen
der Lager bzw. Kugeln angreifen könnten. Es entstehen bei so einem Spannungsüberschlag,
auch im Niedrig Volt Bereich, genügend hohe Temperaturen, um eine Beschichtung anzukokeln.

Könnte dann irgendwann eine angerauhte Oberfläche im Lager ergeben, die sich auf die Gleitfähigkeit
eher negativ auswirkt.

Falls man die Kugellager als Innenlager einbaut, ergäbe sich aber über die Radnabe noch ein zusätzlicher
Kontaktpunkt, über den ebenso elegant Spannung übertragen werden kann, etwa mithilfe einer
kleinen Messingbuchse. Oder einer Aderendhülse.
Dies geht aber natürlich natürlich nur bei solchen Radsätzen, bei denen die Lauffläche nicht
gegenüber der Nabe isoliert ist.

Viele Grüße
Steve


Ich baue, also bin ich.


 
steve1964
Metropolitan (MET)
Beiträge: 3.607
Registriert am: 15.02.2010
Gleise M, K, C, Roco Line, Geo Line, GT, Peco Code 55, Jouef, Fleischmann Messing, Hübner, Märklin 1
Spurweite H0, 1, N
Stromart AC, DC

zuletzt bearbeitet 10.09.2021 | Top

RE: Kugellager zur Stromanbnahme

#3 von Pirat-Kapitan , 10.09.2021 23:18

Zitat von 1er im Beitrag #1

Wie sind hier die Erfahrungen/Meinungen in den großen Spuren ?


Moin,
ich fahre in meinen Personenwagen in der Regel 4 Kugellager von LGB seit über 20 Jahren. Keine Probleme mit der Nürnberger Produktion.
Bei Produktion von Märklin gab es anscheinend mal eine Serie mit schlechter Qualität, aber davon habe ich keine.
Magnus-Kugellagerachsen sowie solche von Piko habe ich ebenfalls im Einsatz (knapp 10 Jahre), ebenfalls keine Probleme.
Aristo Kugellagerachsen (Schneepflug) haben in meinen Augen eine schlechtere Qualität als meine LGB-Achsen, aber davon habe ich nur die unter meinem Schneepflug und das ist m.E. nicht zwingend repräsentativ.

Wagen mit 4 Kugellagerachsen sind bei mir nicht gepuffert, bei Wagen mit nur 2 Kugellagerachsen habe ich in der Regel einen Puffer verbaut, aber das liegt an meinen Weichen, die nach über 20 Jahren nicht mehr die ursprüngliche Qualität der Stromleitung aufweisen.

Natürlich kann man das Ganze theoretisch betrachten, ich habe nur praktische Erfahrungen (Merke: Praxis ist, wenn es nach allen regeln der Theorie nicht funktionieren darf, aber es funktioniert doch).

Schöne Grüße
Johannes

PS: Spur IIm (45mm), Edelstahlgleis / Messinggleis vernickelt. Gleisspannung 22,5VDCC / 10(20)A.


Spur G im Garten, H0m im Hause. Lenz LZV100 mit Rocrail, Manhart-Funky und RocoWLM.


Pirat-Kapitan  
Pirat-Kapitan
InterCity (IC)
Beiträge: 817
Registriert am: 13.05.2018
Gleise Edelstahl / TT-Bettungsgleis Tillig
Spurweite G
Stromart Digital


RE: Kugellager zur Stromanbnahme

#4 von 1er , 14.09.2021 21:32

Hallo und danke für Antworten.

@ Steve
Neben der von Dir erwähnten Phase des Überschlages gibt es dann noch die beiden anderen Zustände "null Durchgang", wenn der Schmierfilm nicht durchbrochen wird und "voller Durchgang", wenn gerade eine oder zwei Kugeln den Schmierfilm ganz durchdringen. Während der Drehbewegung entsteht dann ein überwiegend zufälliger Mix aus diesen drei Zuständen und erzeugt einen ziemlich "willenlosen" elektrischen Durchgang, zumindest aber keinen konstant niederohmigen Kontakt.
Zu Schäden im Kugellager will ich zum Jahresende mal einen kleinen Vergleichstest an Trennstellen machen und anschließend die Kugellager aufschneiden. Dann sieht man klarer, was diesen Aspekt angeht.

@ Johannes
Ja, so ist das mit der Praxis :-)
Es sind mir bisher auch noch keine defekten Kugellager untergekommen, aber flackernde Wagen schon öfters. Vielleicht achte ich auch nur genauer drauf, weil es oft Betrieb im Dunkeln gibt.
Und klar, die Zweiachser sind auch bei mir gepuffert. Schau mal hier
http://files.ig1.de/LED_KM1LB.mp4
Nur besser wäre es natürlich, gleich ein gut leitendes Lagers zu nehmen, denn hin und wieder kommt ein Fahrzeug auch mal stromlos zum Stehen und dann nutzt eine Pufferung auch nichts mehr.

@ alle
Bin mal gespannt, ob es noch weitere Meinungen gibt. Danke schon mal.


 
1er
RegionalExpress (RE)
Beiträge: 82
Registriert am: 07.09.2007
Homepage: Link
Gleise auch wieder H0
Steuerung 1: IB1/Funky/Railware 4


RE: Kugellager zur Stromanbnahme

#5 von Schwanck , 14.09.2021 22:23

Moin,

mit diesem Thema ist auch das große Vorbild konfrontiert. Dort spricht man von "Frostkontakten", was nichts mit Kälte zu tun hat sondern mit dem Hersteller von speziellen Erdkontakten an den Achslagern moderner E- und V-Lokomotiven und Triebwagen. Sie dienen zum Schutz der Wälzlager, die durch die Strombelastung Schaden nehemen können - genau das Thema! Der Gockel weiß 'ne Menge darüber.


Tschüss

K.F.


Schwanck  
Schwanck
ICE-Sprinter
Beiträge: 7.083
Registriert am: 22.08.2006
Ort: OWL
Spurweite H0, 1
Stromart Digital


   

Kadeekupplung #830 geeignet für lange Boxcars auf R3?
TIMESAVER & INGLENOOK GLEISPLAN - IDEEN ?

  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 204
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz