Umbaubericht: Schwarzwaldbahn (Hobbytrade DoStos & Brawa 146.2 - mit stromführenden Kupplungen)

#1 von acb1980 , 11.02.2022 19:46

Hallo liebe Stummis,

das folgende Projekt liegt schon lange in meiner Schublade, jetzt habe ich es endlich fertig gestellt. Umgebaut wurde eine vollständige Schwarzwaldbahn-Garnitur von Hobbytrade (1x Steuerwagen, einmal 1./2. Klasse und einmal 2. Klasse Doppelstock-Wagen) mit dazu passender Brawa 146.2 in AC.

Eckdaten des Umbaus:

  • Hobbytrade Doppelstockwagen "Schwarzwaldbahn" in AC (73143)
  • Brawa Elektrolok BR 146.2 in AC (43919)
  • Decoder (ESU LoPi 5 FX) im Steuerwagen
  • Führerstandsbeleuchtung (1x SMD LED)
  • Stromführende Kupplungen (3polig von Krois)
  • Relais zum Schalten der Innenbeleuchtung
  • Beleuchtung der Zwischendecks & Türbereiche (6 SMD-LEDs pro Waggon)
  • Je Waggon ein 470uF Kondensator als „Flackerschutz“

Umbauberichte zur Schwarzwaldbahn oder den Hobbytrade Doppelstockwagen im Allgemeinen gibt es ja einige im Netz, allerdings ist mir noch keiner mit stromführenden Kupplungen untergekommen. Aus diesem Grund dachte ich, werde ich meinen Umbau mal ausführlich dokumentieren und veröffentlichen, vielleicht haben ja auch andere Interesse an einem Umbau mit stromführenden Kupplungen.

Meine Personenzüge erhalten alle einen Funktionsdecoder im Steuerwagen, welcher über ein Relais die Beleuchtung des gesamten Zuges (über stromführende Kupplungen) schaltet. Die stromführenden Kupplungen sind dreipolig uns führen Masse, Bahnstrom und den geschalteten Lichtstrom. Auch die Loks sind mit einer stromführenden Kupplung ausgestattet, wobei dort nur Masse und Bahnstrom angeschlossen sind.

Jeder Personenzug hat bei mir somit zwei Schleifer und ist über die gesamte Länge voll verbunden, um bestmöglichen Kontakt zu gewährleisten. Eine Schleiferumschaltung wäre möglich, ist aktuell aber nicht geplant. Da ich bislang nur einen Booster habe sind auch Trennstellen trotz des großen Abstands zwischen den Schleifern in Lok und Steuerwagen (noch) kein Problem. Später werde im im Zweifel die Schleifer in den jeweils ersten Waggon hinter der Lok verlegen (macht das Programmieren der Steuerwagen schwieriger, daher mach ich das nicht solange ich es nicht brauche).

Umbau Steuerwagen
Los geht der Umbau mit dem Steuerwagen. Dort wurde ein ESU LokPilot 5 FX 21MTC eingesteckt, welcher das Dreilicht-Spitzensignal, das Schlusslicht, das Fernlicht und die Zugzielanzeige direkt über die vorhandene Platine steuert. Zudem habe ich zwei weitere Funktionsausgänge und den Rückleiter auf eine kleine Lochrasterplatine „ausgelötet“.
Von der Lochrasterplatine wird eine SMD-LED für die Führerstandsbeleuchtung und das Relais für die Innenbeleuchtung versorgt. Da ich ungerne direkt am Decoder löte, habe ich die Lochrasterplatine eingesetzt und mit kurzen Kabeln die relevanten Anschlüsse vom Decoder auf die Platine gebracht - dort kann ich dann anschließend z.B. auch direkt Widerstände anlöten ohne Gefahr zu laufen, den Decoder zu beschädigen.

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Um die stromführenden Kupplungen zu montieren, muss die Inneneinrichtung vollständig vom Fahrgestell gelöst werden. Das lässt sich recht einfach mit einem kleinen dünnen Schraubenzieher bewerkstelligen, wenn man direkt neben den Rastnasen ansetzt und ein wenig hebelt. Das Plastik lässt sich gut biegen und findet am Ende auch wieder in die Ursprungsform zurück. An beiden Wagenenden gibt es dann noch zusätzliche Rastnasen, die sich aber relativ leicht lösen lassen.

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Die drei Litzen der stromführenden Krois-Kupplungen passen wunderbar durch das Loch im Drehgestell, welches eigentlich für den Schleifer vorgesehen ist. Die Litzen sitzen dadurch auch schön stramm, sodass keine Gefahr besteht, dass sie später ins Gleis hängen.

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Etwas nervig ist die Tatsache, dass die Kupplungen von der Inneneinrichtung gehalten werden und, solange diese entfernt ist, immer wieder aus der Führung rutschen. Glücklicherweise ist die Feder aber so fest, dass sie dabei nicht wegspringen kann.

Das Relais, ein 470uF Kondensator, ein Gleichrichter und die gesamte Verteilung im Steuerwagen wird in der großen Toilette in der Mitte untergebracht. Dafür habe ich kleine Löcher für die Kabel in die Grundplatte der Inneneinrichtung gebohrt.

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Folgende neun Kabel treffen sich in der Toilette:
  • Die drei Pole der stromführenden Kupplung
  • Bahnstrom und Masse vom Schleifer & den Radschleifern
  • Funktionsausgang und Rückleiter vom Decoder
  • Zuleitung zur Innenbeleuchtung im Steuerwagen


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Die Kabel werden an zwei Verteilerplatten angeschlossen, eine davon enthält auch den Gleichrichter und den 470uF Kondensator für die Innenbeleuchtung. Auch das Relais findet in der geräumigen Toilette super eine Position, die auch von außen nicht sichtbar ist (an der Stelle ist kein Fenster). In der Leitung zur Innenbeleuchtung befindet sich noch ein zusätzlicher Widerstand, um die sonst viel zu helle originale Beleuchtung ein wenig zu dimmen.

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Vollständig bestückt (noch ohne Figuren) sieht der Steuerwagen dann so aus:

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Das im Bild rechts Zwischendeck wird durch zusätzliche LEDs im Dach beleuchtet, der Umbau erfolgt dort analog der Zwischenwagen (siehe unten).

Umbau Zwischenwagen
Die beiden Zwischenwagen (2. Klasse und 1./2. Klasse) sind letztlich identisch im Umbau. Interessant sind in diesem Zusammenhang aber zwei Dinge, die mir beim Demontieren aufgefallen sind:
  • Die Gehäuse der Wagen waren vertauscht. Der Wagen mit dem gelben Strich für die erste Klasse im Oberdeck hatte das Oberdeck der zweiten Klasse, der andere das der ersten Klasse
  • Ein Unterdeck hat ein Fahrradabteil, eines ist durchgängig bestuhlt. Beide Gehäuse haben aber das Piktogramm für die 12 Fahrräder…


Auch bei den Zwischenwagen geht es damit los, dass diese erst einmal vollständig demontiert werden (das Bild ist leider etwas unscharf geworden, ist mir aber zu spät aufgefallen):

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Auch hier werden die stromführenden Kupplungen montiert und unter der Inneneinrichtung miteinander verbunden, zudem wird auf einer Seite bereits der Gleichrichter für die Innenbeleuchtung eingefügt. Dieser „versteckt“ sich somit später unter der Treppe ins Obergeschoss (links im Bild).

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Wichtig: die Inneneinrichtung ist asymmetrisch. Es ist also wichtig, auf welcher Seite die Stromzufuhr noch oben eingebaut wird. Ich habe beim ersten Mal alles noch einmal umlöten müssen…
Fertig (und mit Figuren besetzt) sieht das Unterdeck dann folgendermaßen aus:

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Das Beleuchtung unter dem Oberdeck wird noch um zusätzliche LEDs erweitert, damit auch der Türbereich richtig beleuchtet wird. Hierbei habe ich 0603er LEDs in kaltweiß verwendet. Diese passen recht gut zu der von Hobbytrade verwendeten kaltweißen Beleuchtung. Auf einen vollständigen Umbau auf warmweiß habe ich verzichtet, da mir der Aufwand zu groß war und auf der Schwarzwaldbahn durchaus auch Wagen mit kaltweißer Beleuchtung fahren (wenn auch nur sehr wenige und nie drei in einem Zug - Steuerwagen gibt es mit kaltweiß glaube ich gar keine).

Aus den Gehäusen habe ich die Abdeckung der Klimaanlagen ausgebaut und auch dort SMD LEDs für die Beleuchtung der Zwischenebenen eingebaut. Außerdem ist in einer dieser Abdeckungen auch der 470uF Kondensator für jeden Wagen untergebracht. Angeschlossen werden diese Teile später direkt im Gehäuse an der Innenbeleuchtung des Oberdecks.

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Nachdem die Inneneinrichtung wieder vollständig montiert und auch die Abdeckungen der Klimaanlagen wieder an ihren Plätzen sind, sieht das Ganze dann so aus:

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Hier ist auch (rechts bei der Zuleitung) der zusätzliche Widerstand zu sehen, den ich vor die gesamte Innenbeleuchtung aller Waggons eingebaut habe, um die sonst viel zu helle Innenbeleuchtung etwas zu dimmen. Die Wirkung ist schon deutlich besser, es reicht aber leider noch immer nicht ganz um das Durchscheinen der Gehäuse bei völliger Dunkelheit zu verhindern.

Umbau der Lok
Als Zuglok kommt eine Brawa 146.2 mit Fahrtziel „Karlsruhe“ zum Einsatz, die wunderbar zu den Waggons passt. Auch hier wurde (wie oben bereits beschrieben) eine stromführende Kupplung eingebaut.

Leider ist die Lok ziemlich „verbaut“. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, die Litzen der stromführenden Kupplung „minimal invasiv“ durch das Gehäuse nach oben zu führen. Dafür hätte ich die gesamte Platine ablöten und später wieder anlöten müssen (wie stellt sich Brawa eigentlich die Wartung und Schmierung dieser Loks durch Laien vor?!).

Der Aufwand, alles auseinander zu bauen war mir zu groß, allerdings bot sich der Schleifer unter der Lok auch sehr zum direkten Anlöten der Litze an. Dann ist mir aufgefallen, dass das Drehgestell auch einen passenden Lötpunkt für die Masse am Drehgestell hat - also habe ich einfach beide Litzen direkt dort angelötet.

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Es ist ziemlich eng und schwierig an dieser Stelle zu löten, sodass das Plastik auch einen kleinen Punkt abbekommen hat, aber alles in allem war es denke ich doch die richtige Entscheidung und hat mir eine Menge Aufwand erspart. Der rote Kreis markiert die Lötstelle für den Schleifer, der blaue die Lötstelle für die Masse.

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Decoder-Mapping
Die Brawa-Lok hat für Fernlicht und Führerstandsbeleuchtung nur eine Funktionstaste, obwohl beide Funktionen auf beiden Seiten vorhanden sind. Je nach Fahrtrichtung wird daher die Funktion immer auf dem jeweils vorderen Führerstand aufgerufen. Ist die Unterdrückung eines Führerstands aktiv, wird sowohl das Spitzen- und Schlusslich als auch die Führerstandsbeleuchtung und das Fernlicht unterdrückt.

Aus diesem Grund habe ich den LokPilot FX im Steuerwagen identisch programmiert und auch dort die Funktionen für Fernlicht und Führerstandsbeleuchtung auf die selben Funktionstasten gemappt. Aktiv sind sie nur, wenn der Zug Steuerwagen voraus fährt. An der Lok ist die Beleuchtung zu den Waggons hin dauerhaft über die zentrale unterdrückt.

Normalerweise würde ich das nicht machen, da in diesem Fall aber Lok und Waggons immer miteinander verkehren werden habe ich mich für diese Lösung entschieden und den Zug so vollständig aufeinander abgestimmt.

Das Endergebnis
Die so aufgewertete Garnitur der Schwarzwaldbahn kann sich denke ich sehen lassen. Der Rollwiderstand ist (dank weniger Schleifer) deutlich reduziert und die durchgehende elektrische Verbindung des Zuges sorgt für einwandfreie Fahrweise.

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Insgesamt muss ich sagen, dass ich diesen Umbau als eher einfach einstufen würde. Die Waggons lassen sich gut öffnen und auseinandernehmen, man hat überall genügend Platz, um alles sauber zu verstecken und es müssen keine Kabel zwischen Boden und Gehäuse verwendet werden, die später sichtbar irgendwo herumhängen (da es bereits die Stromzuführung ins Dach gibt). Ich hoffe, dass euch der Umbaubericht gefällt und den ein oder anderen vielleicht auch anregt, seine Hobbytrade Doppelstockwaggons ebenfalls mit stromführenden Kupplungen auszustatten.


Viele Grüße

Sven

Angefügte Bilder:
Sie haben nicht die nötigen Rechte, um die angehängten Bilder zu sehen

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Stromart AC, Digital

zuletzt bearbeitet 11.02.2022 | Top

   

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