Ein Bosnsicher Vierachser

#1 von LBP-H/LBMStE , 11.03.2022 10:20

Grüß euch!
Ich möchte euch hier eines meiner ersten Eigenbaumodelle zeigen :)

Mein erster größerer Eigenbau stellt einen vierachsigen Personenwagen der ehemaligen bosnisch-herzegowinischen Landesbahnen (BHLB) im Zustand der 1970er Jahre unter der Regie der Jugoslawischen Staatsbahnen JZ dar. Die Konstruktion begann zunächst ohne einen zugrundeliegenden Plan, mir standen lediglich Fotos aus Büchern und dem Internet zur Verfügung.
Allerdings gab es Anhaltspunkte: Da die zugrundeliegende Fahrzeugtype seinerzeit von der Grazer Waggonfabrik gebaut wurde, welche auch die vierachsigen Waggons der österreichischen Schmalspurbahnen (Mariazellerbahn, Zillertalbahn, Salzkammergut-Lokalbahn etc.) konstruierte, war ein Vergleich mit Fahrzeugskizzen von diesen naheliegend. Ich nahm also einen Drehzapfenabstand von 8 Metern, welcher bei unseren Waggons einst der Standard war, als Grundlage meiner Bemaßung. Da das Original auf Bosnischer Schmalspur von 760 mm lief, waren Spurweite und Breite des Fahrzeugs ohnehin ein Kompromiss. Die Drehgestelle stammend von LGB, welche vom Aussehen her ganz gut passten. Der zu geringe Achsstand wurde mal so hin genommen. Mit diesen Drehgestellen war es immerhin möglich, mit einem maßstäblichen Drehzapfenabstand und ohne Verkürzungen durch den bei mir vorhandenen R1 Radius zu kommen. Später hatte ich die Gelegenheit, an Fahrzeugskizzen der zugrundeliegenden Wagentypen zu kommen - und siehe da, meine Annahmen waren gar nicht so falsch! Lediglich der Wagenkasten ist einige Millimeter zu kurz geraten, was jedoch bei der Länge gar nicht auffällt.

Der Bau war jedenfalls sehr viel learning by doing. Das Fahrzeug entstand größtenteils aus 3mm starken Hobbycolor-Platten aus dem Baumarkt, die der Versteifung dienenden Längsträger entstanden noch aus 5x10mm Holzleisten (zugegeben etwas grob, jedoch wurde ihnen mit darunter geklebten Polystyrolstreifen das Aussehen von eisernen Doppel-T-Trägern verliehen!). Die Wände wurden allesamt verklebt und teilweise mit kleinen Flachkopf-Nägeln verbunden, da sich recht bald erste Auflösungstendenzen zeigten. Bei den recht weichen Hobbycolor-Platten muss man jedoch ständig aufpassen, keine Abdrücke zu hinterlassen - ein großer Vorteil ist jedoch die einfache Handhabung dieser Platten. Als Werkzeug diente mir daher fast ausschließlich das gute alte Stanleymesser! Die erhabenen Zierleisten entstanden aus Streifen von 0,5 mm Polystyrol.

Ein ganz eigenes Thema war das Dach mit den eingezogenen Enden, es entstand aus einem mit Karton beklebten und zurecht geschliffenen Kern aus Styrodur. Allerdings war aufgrund diverser Probleme ein Neubau des Daches notwendig, wobei hier gleich ein Kanal für die später zu ergänzende Innenbeleuchtung eingearbeitet wurde. Aber auch dieses zweite Dach, nun leichter gebaut, verzog sich nach dem Verkleben der einzelnen Abschnitte aus Karton. Ein grantiger Schlag mit der Faust und eine dadurch entstandene Dehnfuge zwischen zwei Segmenten (mit einer Deckleiste kaschiert) sorgten hier jedoch für überraschende Abhilfe. Ganz perfekt, vor allem an den Enden, ist das Dach noch immer nicht - aber für den Anfang reichts!

Die Lackierung war mangels Erfahrung wieder von Rückschlägen begleitet, jedoch meisterte ich auch diese Hürde. Passenderweise fand ich schlussendlich im Baumarkt eine Dose Acryllack im richtigen Farbton (Tannengrün). Der Innenraum wurde mit Revell-Farben in halbwegs passenden Farbtönen lackiert und teilweise mit DC-Fix in Holzoptik beklebt. Die Fenster sind hinterklebte Streifen durchsichtiger Folie (Heftordner), die Fensterrahmen wurden mittels grauem DC-Fix imitiert. Die Drehgestelle wurden noch ziemlich brutal mittels in den Innenraum ragender M3-Schrauben an hölzernen Querbalken befestigt. Zusammen mit Beilagscheiben ergab sich jedoch ein recht gutes Fahrverhältnis auch auf meinen unsauber verlegten Schienen im Garten.

Der „Bosnier“ erhielt noch eine angedeutete Inneneinrichtung und rudimentäre Detaillierung der Plattformen. Die markanten Übergangs-Scherengitter entstanden wie die Zierleisten aus 0,5 mm Polystyrol, die Trittbretter und die Attrappe der typischen Bosna-Kupplung entstanden aus den 3mm-Platten. Das Sprengwerk entstand aus mit Superkleber verklebten Stücken von hartem 1,5 mm-Schweißdraht, die Griffstangen aus 1,2 mm Eisendraht.

Aufgrund der mehrmaligen Rückschläge und teilweise monatelangen Pausen ergab sich auch die relativ lange Bauzeit von 2016 bis Dezember 2021. Aber nun ist er (bis auf die Beschriftung und die Beleuchtung) endlich fertig - und ich bin recht zufrieden mit ihm. Die Probefahrten und Einsätze im Garten (ausschließlich auf R1!) hatte er mit Bravour bestanden und bereichert nun den Fuhrpark meiner kleinen Gartenbahn.
Weitere Fahrzeuge nach bosnischen Vorbildern - es gab auch Erste Klasse-Wagen mit Einzelabteilen, Speisewagen und sogar Schlafwagen! - sind jedenfalls schon in Planung… :)

Beste Grüße

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RE: Ein Bosnsicher Vierachser

#2 von UKR , 11.03.2022 12:18

Moin,

Schick geworden, der wäre sicher auch reizvoll in H0e, eine gewisse Ähnlichkeit würde ich der Optik nach zu den Wagen der Mansfelder Bergwerksbahn herstellen.

Harzliche Grüße

Ulrich


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