An Aus


Einfacher Spurwechsel im Bogen

#1 von Xrot , 12.04.2022 05:59

Liebe Mobafreunde,Bild entfernt (keine Rechte)
Hier möchte ich eines der Segmente meiner in Planung/im Bau befindlichen H0 Anlage vorstellen, vorläufig das einzige vorzeigbare Segment. Es handelt sich um ein Stück der Bahnhofsausfahrt in Richtung einer doppelspurigen Strecke (in Richtung rechts in Bild 1, im Tunnel verschwindend), der Nordrampe der Gwitterstock Alpentransversalen in Waldbünden. Ein Auszieh-/Abstellgleis verläuft vom Bahnhof Schilfhausen HB (links) her kommend parallel zu den zwei Streckengleisen und endet (rechts) an einem Prellbock. Der Gleisverlauf der zwei Hauptgleise auf dem Segment zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Übergang von einem Bogen (Radius 1,5 m) auf der Bahnhofseite zu einer Geraden Richtung Strecke mit sogenanntem Übergangsbogen dazwischen
  • Übergang von ebenem Gleisverlauf im Bahnhof zu 1% Gefälle Richtung Strecke mit sogenannter Ausrundung dazwischen
  • Überhöhung im Bogen
  • Einfacher Spurwechsel (mit 2 Weichen) im Bereich des Bogens/Übergangsbogens


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Bild 1: Google Earth Ansicht des Segmentes. Nach links geht es in einem Bogen zum Bahnhof, rechts durch den Tunnel zur freien Strecke.


Die Geometrie des Gleisverlaufs ist in Bild 2a dargestellt. Von links nach rechts verläuft die doppelspurige Strecke in einem Kreisbogen (rot), durch ein Stück Übergangsbogen (violett, 75 cm lang) und endet schliesslich in einer Geraden (blau, 30 cm lang). Der Gleisabstand zwischen innerer und äusserer Spur beträgt 5,0 cm. Der Übergangsbogen wurde mit Hilfe der NEM 113 konstruiert [1], wobei die Werte f = 16 mm und L = 75 cm verwendet wurden (Bild 2a).


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Bild 2: Schematische Darstellung der Geometrie des Gleisverlaufs (nicht massstäblich dargestellt). (a) Geometrie der doppelspurigen Strecke. Der im Bild markierte Winkel von 26° bezieht sich auf den Segmentübergang. Der Bogen setzt sich auf dem nächsten Segment mit gleichem Radius fort. (b) Geometrie des Spurwechsels. (c) Höhenentwicklung des Trassees. Grosse fette Zahlen geben die Distanz zwischen horizontaler Grundplatte und der Trasseeplatte in Millimeter an. 90 cm vom rechten Segmentende entfernt beginnt die getrennte Überhöhung der inneren und äusseren Spur. (d) Einzelne Schienenstränge: Einfach verlegbare Schienen und Backenschienen (rot), Herzstücke der Weichen (blau) und Weichenzungen/Zwischenschienen (grün).


Der Spurwechsel verläuft auf einem Kreisbogen mit Radius 2,5 m (Bild 2b). Dieser Radius resultierte aus einem Trial-and-error Ansatz ("Versuch und Irrtum") mit dem Ziel, dass die beiden Weichen etwa den selben Herzstückwinkel aufweisen sollen und dass dieser Winkel in der Nähe von 5° zu liegen komme. Dieser Winkel entspricht einer 1:12 Weiche (4,8°). Die Lage des Mittelpunkts des 2,5 m Kreises wurde empirisch (numerisch) ermittelt und zwar so, dass der Kreisbogen einerseits tangential an der Geraden (bzw. am Anfang des Übergangsbogens) der äusseren Spur anliegt und andererseits den Kreisbogen der inneren Spur tangential berührt. Der Spurwechsel von Weichenzungenspitze zu Weichenzungenspitze wird so 78 cm lang. Mir gefällt die resultierende Geometrie des Spurwechels sehr gut: Ein Zug, der von rechts aus der Geraden her kommt, durchläuft erst einen Kreisbogen mit Radius 2,5 m, bevor er direkt (ohne Zwischengerade oder sonstige Wiederaufweitung des Radius) in den engeren Kreisbogen mit Radius 1,5 m übergeht [2].

In altmodischer Weise wurden die Koordinaten der Gleisführung berechnet und als Punkte auf ein 5 mm Sperrholzbrett übertragen, das als Trassee dienen wird [3]. Nachher wurde das Trassee entsprechend ausgesägt. Nach NEM 122 verwende ich eine Trasseebreite von knapp 9 cm für meine doppelspurige Strecke (50 mm Gleisabstand + 38 mm Grösse "b") [1].

Danach wurde der Segmentkasten gebaut. Das Segment hat eine unregelmässige Form, aber die Länge ist grob 130 cm und die Segmentbreite im rechten Bereich 35 cm. Als Segmentbasis dient eine 12 mm horizontale Sperrholzplatte. Da unmittelbar unter diesem Segment die Abfahrt in den Schattenbahnhof geplant ist, muss der Unterbau des Segments so dünn wie möglich ausfallen, um nicht mit der darunter liegenden Rampe in Konflikt zu geraten. Deshalb wird die Versteifung der Platte, der eigentliche Kasten, auf der Oberseite der Grundplatte gebaut und nicht wie üblich darunter. Die Gleise werden also quasi im Innern des Kastens verlaufen (Bild 3) und nicht oben drauf. Entwässerungsgräben entlang der Strecke wurden wo nötig (im rechten Bereich ausserhalb des Tunnels) in die 12 mm Platte gefräst, wiederum um die Platte so hoch wie möglich legen zu können. Löcher, die in Zukunft einmal die Sommerfeldt Oberleitunsmasten aufnehmen werden, wurden auch bereits zu diesem Zeitpunkt in die Platte gebohrt, da es in dieser Rohbauphase noch sehr einfach ist, ein senkrechtes Loch zu bohren.


Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 3: Ansicht der linken Segmentseite. Sichtbar sind die Grundplatte, Segmentseitenwände (bzw. die Versteifung der Grundplatte) und die Überhöhung der Strecke im Bogen.


Nun wurde das Trasseebrett in den Kasten eingebaut. Am rechten Ende wurde das 5 mm dicke Trassee direkt auf die 12 mm Platte geschraubt. Richtung links wurden zunehmend mehr und mehr 1mm dicke Unterlagsscheiben zwischen die Basis- und Trasseeplatte eingeschoben bevor verschraubt wurde und zwar so, dass pro 10 cm Distanz eine 1 mm Steigung entstand. Bild 2c zeigt, wieviele Unterlagsscheiben an welcher Stelle verwendet wurden bzw. wie gross der Abstand zwischen Grund- und Trasseeplatte ist in Millimeter. Im Übergangsbogen beginnt die Überhöhung, die mit 4 mm pro 9 cm Trasseebreite beim Beginn des Kreisbogens ihr Maximum erreicht [4]. Gegen das linke Ende des Segmentes beginnt ausserdem die Ausrundung zur Horizontalen. Ebenfalls beginnt gleich nach dem Spurwechsel (90 cm vom rechten Segmentende entfernt) die getrennte Überhöhung (2 mm pro 4,5 cm Trasseebreite) der inneren und äusseren Spur, was am linken Segmentende ersichtlich wird (Bild 3). Ausserdem sieht man in Bild 3, dass 5 Unterlagsscheiben à 1 mm Höhe durch ein 5 mm dickes Sperrholzbrett ersetzt werden können.

Nachdem der Sperrholzgleiskörper soweit fertig gestellt war, wurden die Gleise (Altas Flexgleis Code 100) entlang der oben erwähnten markierten Punkte verlegt [3,5]. Im Weichenbereich wurden vorerst nur die äusseren Schienenstränge verlegt (rot in Bild 2d). Darauf wurden die Herzstücke (blau) und die Weichenzungen/Zwischenschienen (grün) angefertigt. Dazu verwendete ich die Werkzeuge von Fast Tracks Hobbyworks und folgte den Anleitungen, die per Video zur Verfügung stehen [6].

Meine Vorgehensweise zur Ermittlung der Gleisgeometrie entspricht mit ziemlicher Sicherheit nicht dem Vorgehen bei der realen Bahn. Dort würden vermutlich Standardweichen so verbogen, dass sie in die doppelspurige Geometrie passen. Daraus ergäbe sich dann die Geometrie des Spurwechsels. Bei mir ist es umgekehrt: Ich lege erst die Geometrie des Spurwechsels fest (Kreisbogen), was dann die Geometrie der Weichen festlegt. Das heisst, die Weichen sind bei mir Spezialanfertigungen. Da ich die Weichen sowieso selbst bauen wollte, spielt das hier keine Rolle, sie wären so oder so Einzelanfertigungen.

Es ist interessant, dass Bernd (Weichen-Bernd, Spezialist der Fahrdynamik) ein ganz ähnliches Segment gebaut hat [Link]. Dabei griff er tatsächlich auf Standardweichen zurück (Tillig, 2200 mm Radius, 9,4°), die entsprechend angepasst wurden. Da sich Bernd konsequent am Vorbild orientiert, müsste seine Vorgehensweise logischerweise der des Vorbilds entsprechen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich hier bei Bernd und seinen gleichgesinnten Kollegen für ihre Beiträge bedanken und feststellen, dass diese Beiträge selbst auf Spielbahner wie mich einen entscheidenden Einfluss haben, auch wenn ich hier die Konzepte der Fahrdynamik nicht konsequent anwende.

Zum Abschluss möchte ich gerne noch zwei Bilder einstellen, um die Harmonie des Bogens (Bild 4) und die Wirkung des Übergangsbogens zu testen (Bild 5). Für mich sieht das gut aus, obwohl sich die Gleisführung wie oben erwähnt bei den Weichen nicht am Vorbild orientiert.

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 4: Auch aus einer Perspektive mit extremer Verkürzung sieht der Bogen des Gleisverlaufs für mich harmonisch aus, keine offensichtlichen Knicke oder sonstige Unstetigkeiten erkennbar. Sichtbar ist auch das leichte Gefälle (1%) der Strecke, verglichen mit dem horizontalen Abstellgleis auf der linken Seite.

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 5: Zug auf dem äusseren Gleis zum Testen der Optik. Alle Wagen sind 303 mm lang.


Anmerkungen

[1] NEM: Normen europäischer Modelleisenbahnen des Verbandes der Modelleisenbahner und Eisenbahnfreunde Europas (MOROP)
https://www.morop.org/index.php/de/nem-normen.html

[2] Theoretisch wären Übergangsbögen einerseits zwischen Gerade und 2,5 m Kreis und andererseits zwischen 2,5 m und 1,5 m Kreis wünschenswert. In der Praxis ging mir das jedoch etwas zu weit und ich verzichtete darauf.

[3] Ich verzichte bei meiner Gleisverlegung auf Geräuschdämmung (Kork, Gummi etc.), weil ich das Fahrgeräusch der Eisenbahn sehr mag und weil ich in einem freistehenden Haus wohne ohne Nachbarn in unmittelbarer Nähe. Ausserdem fahre ich von Hand und immer nur einen Zug gleichzeitig. Richtigen Betrieb gibt es bei mir nicht, sagt mir nichts. Ich widme mich einem Zug nach dem anderen und fahre den dann auch persönlich.

[4] Die Grösse der Überhöhung wurde nicht fahrdynamisch berechnet. Hier wollte ich einfach einen Wert, der nach NEM 114 zulässig und gross genug ist, dass man die Überhöhung auch wahrnimmt. Bin halt Spielbahner.

[5] Warum Code 100 und nicht ein realistischeres Gleis? Für mich spielen zwei Faktoren mit. Erstens sind meine Fahrzeuge zum Teil sehr alt, aus den 60-er Jahren. Für diese alten (und auch alle anderen) Fahrzeuge hat sich Code 100 bestens bewährt. Zweitens finde ich die Optik des Code 100 Gleises gut genug. Ich baue generell nicht strikt massstabgerecht, es muss nur so einigermassen stimmen. In diesem Sinne passt Code 100.

[6] Fast Tracks Hobbyworks Inc., Port Dover, Ontario, Canada. https://www.handlaidtrack.com/


Liebe Grüsse über den Atlantik, Thomas

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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#2 von Weichen-Bernd , 13.04.2022 19:53

Hallo Thomas, hallo zusammen,


Zitat von Xrot im Beitrag #1
Liebe Mobafreunde,


...

Zum Abschluss möchte ich gerne noch zwei Bilder einstellen, um die Harmonie des Bogens (Bild 4) und die Wirkung des Übergangsbogens zu testen (Bild 5). Für mich sieht das gut aus, obwohl sich die Gleisführung wie oben erwähnt bei den Weichen nicht am Vorbild orientiert.


Bild 4: Auch aus einer Perspektive mit extremer Verkürzung sieht der Bogen des Gleisverlaufs für mich harmonisch aus, keine offensichtlichen Knicke oder sonstige Unstetigkeiten erkennbar. Sichtbar ist auch das leichte Gefälle (1%) der Strecke, verglichen mit dem horizontalen Abstellgleis auf der linken Seite.


Bild 5: Zug auf dem äusseren Gleis zum Testen der Optik. Alle Wagen sind 303 mm lang.

...




ich lese immer Spielbahn? Das Segment, dass Du aufgebaut hast ist absolut großartig! Das ist ganz klar Modellbahn der Sonderklasse. Vor allem ist zu sehen, dass es auf die Gesamtheit der Gleisführung ankommt. Nur echte Vorbildweichen zu verwenden ist noch lange keine echte Modellbahn, wenn vor und hinter den Weichen die Gleise keine Harmonie ergeben. Diese Harmonie und stetige Gleisführung ist bei dem Segment klar zu erkennen.

Ja, mit der Fahrdynamik im Modell ist das so eine Sache. Im Modell braucht man sie gewiss nicht, aber es ergibt sich, wie beim Vorbild, so auch im Modell, genau daraus rechnerisch eine besonders schöne Linienführung.

Und was mich besonders überrascht - Gedankenübertragung scheint auch über den großen Teich zu funktionieren: Vor einigen Tagen hatte ich diese beiden Bilder bereits hochgeladen, um Bogenweichen im Übergangsbogen und in der Überhöhungsrampe darzustellen. Hier das Foto zur IBW i.U. 60-500-1:12 und zur ABW i.U. 60-500-1:12:



Sowie der Weichenhöhenplan, den ich zur besseren Erkennbarkeit etwas farbig gemacht habe:



Besonders Interessant ist, dass Du die Planung und Realisierung so raffiniert gelöst hast, und dass mit Selbsbauweichen im Übergangsbogen.


Viele Grüße

Bernd

H0-Planung mit Fahrdynamik im Modell: http://stummiforum.de/viewtopic.php?f=24&t=90128#p979782

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zuletzt bearbeitet 14.04.2022 | Top

RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#3 von Xrot , 14.04.2022 16:46

Hallo Bernd,

Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Freut mich sehr, dass Du mit Deiner Antwort so in die Tiefe gehst. Was mich immer wieder überrascht, ist dass ein Modellbahnzug selbst auf einem recht engen Bogen mit konstantem Radius eigentlich ganz gut aussieht (zumindest von der Innenseite des Bogens betrachtet), es sind eigentlich immer die Übergänge von der Geraden in die enge Kurve, die schlecht aussehen. Ein Übergangsbogen kann da tatsächlich Wunder wirken.

Zitat von Weichen-Bernd im Beitrag #2
ich lese immer Spielbahn?
Ja, ich komme ganz klar von der Ecke der Spielbahner. Am Fahrregler drehen, Lokführer spielen, ist meine Sache. Dazu kommen Freude am Basteln/Handwerken (obwohl laienhaft) und Interesse an Technischem. Und hier kommen eben Deine Beiträge rein, die mich aus technischer Sicht interessieren. Und in Deinem Fall begeistert mich vor allem die Ästhetik in der Gleisführung, die Du mit Deiner Technik erreichst, mehr als die Vorbildtreue, obwohl die beiden Aspekte hier natürlich gekoppelt sind. Ich finde Deinen Ansatz total genial. Mit ganz wenigen Regeln (Stauchung, Verengung der Radien verglichen mit Vorbild) kriegst Du wunderschöne (eben dem Vorbild entsprechende) Mobagleisgeometrien hin. Finde ich super.

Ob meine Anlage, wenn sie mal in vielen Jahren befahrbar ist, eine Spielanlage werden wird oder nicht, wird sich zeigen und wird Ansichtsache sein. So klar lässt sich das ja auch nicht einordnen. Vorlaufäufig sind meine Segmente Bastelobjekte, die mir zum Spass am Werkeln dienen. Der Weg ist das Ziel.


Zitat von Weichen-Bernd im Beitrag #2
Hier das Foto zur IBW i.U. 60-500-1:12 und zur ABW i.U. 60-500-1:12
Dein Bild des Spurwechsels vom Vorbild ist ja genial. Genau diese IBW/ABW Situation wollte ich aber bei mir im Modell vermeiden, nicht weil das vorbildwidrig wäre (im Gegenteil, siehe Dein Bild), sondern weil die Radien bei der Moba immer viel zu klein ausfallen und dann ein Spurwechsel bei der Befahrung von Zügen auf einem Bogen-Gegenbogen-Bogen Abschnitt (siehe Dein Bild in der Verkürzung) schnell mal nur gerade mässig aussieht. Auf jeden Fall ist der Verlauf der Überhöhung sehr interessant. Die Aussenspur steigt bereits in der Geraden leicht an als Vorbereitung auf die doppelspurige Überhöhung im Spurwechsel. Macht Sinn, aber ich wäre da nicht selbst drauf gekommen. In meinem Modell habe ich das nicht gemacht, weil mir die Ausrundung zur Horizontalen in dieser Beziehung eigentlich entgegenkam. Die Ausrundung findet durch die doppelspurige Überhöhung auf natürliche Weise auf der Innenspur eher statt als auf der Aussenspur.


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#4 von Xrot , 17.04.2022 17:44

Hallo zusammen,

Ich möchte gerne etwas näher auf den Gleis- und Weichenbau eingehen. Wie gesagt, verwendete ich als Ausgangsmaterial Atlas Code 100 Flexgleis, ergänzt durch einige Code 100 Profile von Fast Tracks [1]. Bild 1 zeigt, dass die Profile von Atlas und Fast Tracks sehr ähnlich aber nicht identisch sind. Beide lassen sich aber ausgezeichnet löten und beide Profile passen in die Kleineisenimitation der Atlas Schwellen.


Bild entfernt (keine Rechte)
Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 1: Code 100 Schienenprofile im Vergleich. Märklin M-Gleis kam auf diesem Segment nicht zum Einsatz, kann aber als Standard dienen, den viele kennen.


Um die H0 Spurweite beim Weichenbau einzuhalten, verlegte ich in regelmässigen Abständen Atlas Schwellen, deren Kleineisen die Schienen in Position hielten (Bilder 2 und 3). Im Bereich der Weichenzungen (Bild 4) ging das natürlich nicht und dort musste ich sorgfältig darauf achten, dass die Spurweiten stimmten. Dazu verwendete ich einen reicht rollenden Wagen und testete auf beiden Ästen der Weiche, ob es irgendwo klemmte oder ob zu viel seitliches Spiel vorhanden war.


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Bild 2: Mittlerer Bereich der linken Weiche. Ersichtlich sind Schwellen des Atlas Code 100 Flexgleises, die abwechslungsweise den quasi-geraden und den abzweigenden Ast der Weiche bezüglich Spurweite in Position halten.

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Bild 3: Bereich zwischen den beiden Weichen im Rohbau (oben) und in weiter bearbeitetem Zustand (unten). Am linken und rechten Rand der Bilder sieht man "PC Board" Schwellen [1] auf denen die Schienen festgelötet sind.

Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 4: Weichenzungen der linken Weiche.


Auch im Bereich der Herzstücke (Bild 5) wurde ausgiebig mit vielen verschiedenen Drehgestellen und Wagen getestet bevor die Schienen an mehreren Stellen auf "PC Board" Schwellen [1] aufgelötet wurden (Bilder 3 und 5). Schliesslich wurden die Radlenker (Bild 6) eingelötet [2]. Auch dieser Schritt ist sehr kritisch und die genaue Lage der Radlenker entscheidet, ob das Rollmaterial das Herzstück ohne Probleme passiert oder nicht. In meinem Fall konnte ich die Position der Radlenker so wählen, dass praktisch alle meine Fahrzeuge—von Märklin aus 1960 bis moderne Modelle mit DC Achsen—die Herzstücke unfallfrei befahren können. Selbstverständlich liegt der Schwerpunkt bei mir auf dem modernen Rollmaterial, aber wenn ich mit leichter Anpassung auch ältere Fahrzeuge einbeziehen kann, dann wird das gemacht. Ich denke, dass Code 100 Gleis in dieser Beziehung ziemlich versöhnlich ist.


Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 5: Herzstück der linken Weiche [3].

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 6: Radlenker wurden aus normalem Schienenprofil hergestellt [2].



Anmerkungen

[1] Fast Tracks Hobbyworks Inc., Port Dover, Ontario, Canada. https://www.handlaidtrack.com/

[2] Der Fast Tracks Anleitung folgend wurden bei mir die Radlenker aus normalem Schienenprofil hergestellt. Beim Vorbild sieht man in der Regel spezielle Profile [a], aber vereinzelt wird/wurde auch Schienenprofil verwendet [b].
Quellen:
[a] Falk2, Stützbock- und Verbundradlenker. Wikimedia Commons, 2012.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:...ndradlenker.jpg
[b] Schienenlasche, Schmalspurweichen in Amstetten. schienenlasche.de.
https://www.schienenlasche.de/

[3] Zu meiner Verteidigung will ich anmerken, dass dies meine ersten zwei selbstgebauten Weichen sind. Ich habe also gar keine Erfahrung. Beim nächsten mal werde ich versuchen, die Herzstückspitze noch länger, spitzer und dünner hinzukriegen. Beim Überfahren meines Herzstückes kann es eben schon einmal etwas Gerumpel geben. Macht mir aber nichts aus, denn die Weiche ist wirklich sehr betriebssicher. Besser als erwartet. Und darauf kommt es mir vor allem an.


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#5 von Weichen-Bernd , 24.04.2022 11:41

Hallo Thomas, hallo zusammen,

Zitat von Xrot im Beitrag #3

... Was mich immer wieder überrascht, ist dass ein Modellbahnzug selbst auf einem recht engen Bogen mit konstantem Radius eigentlich ganz gut aussieht (zumindest von der Innenseite des Bogens betrachtet), es sind eigentlich immer die Übergänge von der Geraden in die enge Kurve, die schlecht aussehen. Ein Übergangsbogen kann da tatsächlich Wunder wirken.



Aus dem Blickwinkel der echten Eisenbahn ist die Stelle, an der sich der Radius oder das Gleiselement ändert, immer auch die Stelle, die die Fahrgeschwindigkeit im Gleis begrenzt. Durch den Übergangsogen, meist die Klothoide, wird diese Stelle gewissermaßen in die Länge gezogen. Deshalb ist die Länge des Übergangsbogen in echt auch immer von der Überhöhung und von der geplanten Höchstgeschwindigkeit abhängig. Im Modell ist das im Prinzip gleich, nur dass hier zusätzlich die Überhöhungsrampe lang genug sein muss, damit die Modellfahrzeuge auf dem in sich verdrehten Gleisstück nicht entgleisen.

In S-Kurven wirken die Übergangsbögen besonders schön und in Kreisbögen mit Überhöhung, die von der Bogenaußenseite betrachtet werden können, ist die Überhöhung besonders gut zu erkennen. Bei der Anlage von Viktor sind deshalb S-Kurven und Bereiche mit Blick auf Bögen mit Überhöhung von der Außenseite vorgesehen hier in mehreren Bildern sehen kann.

Zitat von Xrot im Beitrag #3

... Ja, ich komme ganz klar von der Ecke der Spielbahner. Am Fahrregler drehen, Lokführer spielen, ist meine Sache. Dazu kommen Freude am Basteln/Handwerken (obwohl laienhaft) und Interesse an Technischem.



Ich will doch hoffen, dass die meisten Modellbahner Freude am Spielen mit der Modellbahn haben. Wobei das ja jeder etwas anders sieht. Ich selbst betrachte das so wie Du. Ich spiele also auch sehr gern den Lokführer, der die wenigen Züge, die bei mir gleichzeitig fahren können, selbst steuert.

Für die ersten Selbstbauweiche sind diese sehr schön geworden. Weiter so! Wie werden denn die weiteren Segmente aussehen?


Viele Grüße

Bernd

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zuletzt bearbeitet 24.04.2022 | Top

Einfacher Spurwechsel im Bogen

#6 von maybreeze , 24.04.2022 11:47

Servus Thomas und Bernd,

Hohe Schule des Gleisbaus wird hier geboten - ein echt technisches Vergnügen für Mitleser! Wie einfach mach' ich mir's doch beim Parkettbahnen ...


Liebe Grüße aus Wien
Klaus
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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#7 von BR180 , 24.04.2022 12:07

Zitat von Xrot im Beitrag #4

[3] Zu meiner Verteidigung will ich anmerken, dass dies meine ersten zwei selbstgebauten Weichen sind. Ich habe also gar keine Erfahrung. Beim nächsten mal werde ich versuchen, die Herzstückspitze noch länger, spitzer und dünner hinzukriegen. Beim Überfahren meines Herzstückes kann es eben schon einmal etwas Gerumpel geben. Macht mir aber nichts aus, denn die Weiche ist wirklich sehr betriebssicher. Besser als erwartet. Und darauf kommt es mir vor allem an.


Du mußt Dich überhaupt nicht verteidigen, Deine Weichen sind der Hammer.
Great Job, phantastic


Gruß Maurice

Mein kleines Switchinglayout: viewtopic.php?f=170&t=185809


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#8 von Xrot , 29.04.2022 06:34

Hallo Bernd,
Du erwähnst da einige interessante Dinge: Welche Elemente in der Gleisführung die Geschwidigkeit bestimmen, S-Kurven, die auch auf der Moba gut aussehen etc. Danke dafür! Apropos S-Kurven: Ich stiess heute zufällig (aus völlig anderem Grund) auf dieses Bild [1] und nach Deinem Kommentar fiel mir sofort die unterschiedliche Neigung jedes einzelnen Wagens in der S-Kurve auf. Sehr cool! Das auf der Moba nachzustellen ist natürlich etwas ganz spezielles. Und selbstverständlich ist mir @Viktors Anlagenbau ein Begriff! Ich verfolge seinen Thread seit dessen Beginn. Wunderschöne Gleisführung! Aber es ist interessant von Dir zu hören, welche Elemente absichtlich für die Optik eingebaut wurden. Ich bin sicher, die wenigsten von uns haben sich jemals Gedanken über sowas gemacht. Während Realitätsnähe bei mir eher optional ist, spricht mich gute Optik auf jeden Fall an.

Hallo Klaus,
Danke für den Besuch in unserer Werkstatt! Und, "es sich einfach machen" ist super. Mach ich auch. Aber ich werkle halt auch gerne etwas und dann kommt so ein Segment heraus.

Hallo Maurice,
Auch Dir Danke fürs Vorbeischauen! Und Danke für das Lob.

[1] Georg Trüb, Re 4/4 II # 11132 and # 11111 in multiple control with the heavy and long 17 car VSOE, www.railpictures.net, 2015. https://www.railpictures.net/photo/791142/

Edit: Grammatikfehler korrigiert.


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zuletzt bearbeitet 25.10.2022 | Top

RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#9 von Xrot , 29.04.2022 07:00

Hallo zusammen,


Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 1: Frontansicht rechte Seite des Segmentes.


Da mir sowas Spass macht, habe ich fürs Weichenstellen eine Mechanik (Bild 2) gebaut, die die Schwerkraft des Stellhebels benutzt (Bild 3), um die Weiche in Position zu halten und um die Weichenzungen an die Backenschienen zu pressen. Die beiden Weichen werden von Hand gestellt, der Einbau eines Weichenantriebs ist nicht vorgesehen. Den Weichenstellhebel bastelte ich aus einem Kupferrohr und einem Stapel verklebter grosser Unterlagsscheiben, die das Gewicht beisteuern (Bild 4). Beim Vorbild kann es bei einfachen Weichenkonstruktionen ohne Verschluss und ohne Verriegelung ähnlich aussehen.


Bild entfernt (keine Rechte)
Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 2: Mechanik zum Weichenstellen. Oben: Stellhebel zeigt nach links, Weichenstellung gerade. Unten: Stellhebel nach rechts, Weiche auf Ablenkung. Der eingebaute Kippschalter, der beim Weichenstellen schaltet, hat im Moment keine Funktion. In ferner Zukunft wird er vielleicht gebraucht werden, um die Weichenstellung elektronisch anzuzeigen oder auszuwerten (z.B. zur Freigabe einer Fahrstrasse).

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 3: Weichenstellhebel an der Vorderkante des Segments.

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 4: Weichenstellhebel im Rohbau.


In meiner Kindheit befand sich direkt vor unserem Haus eine handgestellte Weiche, die zu einer kleinen Bahnstation (= Bahnhof) der Berner Oberland-Bahn (BOB) gehörte und dessen Stellhebel bei jeder Zugkreuzung in der Station vom Stationsvorstand zweimal umgelegt werden musste (auf Ablenkung und wieder zurück auf gerade). Der Weichenstellhebel sah etwa so aus wie der in meinem Modell.


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#10 von Xrot , 02.05.2022 23:32

Liebe Stummis,

Hier ein kleiner Beitrag zum Thema Elektrik beim Segment und z.T. bei meiner Moba generell.

Vorab, ich fahre analog. Dafür gibt es mehrere Gründe, aber der Hauptgund ist, dass ich mich (bei allen Aspekten meines Lebens) gerne auf das Wesentliche beschränke. Digital ist für mich zwar etwas Cooles, aber es ist für mich nicht wesentlich für die Moba. Ich fahre sowieso nie mehr als eine Lok gleichzeitig. Beruflich hatte ich viel mit Elektronik zu tun, beim Hobby möchte ich die Elektronik auf ein Minimum beschränken.

Weiter zum Elektrischen: ich fahre meistens mit Oberleitung. Das heisst, beide Schienen sind in der Regel geerdet, der Fahrdraht steht unter Spannung vom Fahrregler. Da ich Schweizer bin, kenne ich im wesentlichen nur Elektrolokomotiven. Als Kind kannte ich Dampfloks nur als Kinderspielzeug [z.B. so]. Ich habe gerade mal nur eine einzige Kindheitserinnerung an eine echte Dampflok. Entsprechend sind praktisch alle meine Loks auf der Moba elektrische Maschinen, die mit Bügel ausgerüstet sind. Schon als Kind war das gesamte Streckennetz meiner Märklinanlage mit Oberleitung versehen.

Auf diese Weise kann ich übrigens sowohl meine alten Märklin Loks mit AC Achsen als auch moderne DC Loks auf dem selben Gleissystem fahren lassen. Ich fahre (auch Märklin Loks) mit einem DC PWM (Pulsweitenmodulation) Fahrregler. Für Märklin Loks, liefert ein externes 24 VAC Netzgerät per Knopfdruck die Spannung für den Richtungswechsel.

Das Segment, welches in diesem Thread vorgestellt wird, wird nur Elektrolokomotiven sehen. Deshalb habe ich mir erst gar nicht die Mühe gemacht, die rechte von der linken Schiene elektrisch zu trennen und deshalb müssen hier die Herzstücke bei Weichen auch nicht polarisiert werden. Und deshalb ist eben auch der Kippschalter in der Weichenmechanik überflüssig, wie im Post #9 oben bemerkt. (Die 2L Fahrer werden sich darüber gewundert haben. Sorry für die Verwirrung. Ist mir erst nachträglich aufgefallen.)

Im Moment bin ich daran, die Fahrleitung für das Segment zu bauen. Für den Fahrdraht verwende ich 0,5 mm, für das Tragseil 0,4 mm, für die Hänger 0,25 mm Kupferdraht von der Spule. Zuerst wird der Fahrdraht auf einer Seite des Segmentes festgeschraubt (hinten beim Tunnelportal in Bild 1) und über das ganze Segment gespannt. Das Gewicht des Hammers vorne sorgt für die vorläufige Abspannung. Die seitliche Abspannung im Bogen erfolgt mit temporären Hilfsdrähten (Bild 2). Nun werden die Positionen der Masten und anderen Befestigungspunkten auf dem Fahrdraht mit Filzstift markiert (Bild 3). Danach wird der Fahrdraht vom Segment entfernt und auf dem Arbeitstisch unter Zugspannung (wieder per Hammer) mit Band aufgeklebt (Bild 4). Die Positionen der Masten werden verifiziert und die Aufteilung der Hänger ausgearbeitet. Auf Vorbildaufnahmen sehe ich, dass etwa vier bis sechs Hänger zwischen zwei Masten zu liegen kommen. Ich entscheide mich für eine Distanz von 10–12 cm zwischen zwei Hängern und für einen kleineren Abstand von 7.5 cm bei Masten (Bild 5). Die Positionen der Hänger werden zuerst grob mit Band auf dem Tisch markiert und anschliessend mit Filzstift (schwarz auf Bild 6) auf dem Band genau aufgezeichnet (rechtwinklig zum Fahrdraht). Danach wird das Tragseil parallel zum Fahrdraht im Abstand von 2,5 cm gespannt und aufgeklebt. Nun können die Hänger eingelötet werden. Zuerst löte ich die Hänger unmittelbar links und rechts des Mastes, danach den Hänger in der Mitte zwischen zwei Masten. Während die Hänger bei den Masten eine Länge von 2,5 cm haben, reduziere ich die Länge des Hängers in der Mitte auf etwas unter 2 cm. Das heisst, das Tragseil wird gegen den Fahrdraht gedrückt, bis es sich im gewünschten Abstand befindet und mit Band fixiert, bevor verlötet wird. Der 0,25 mm Draht für den Hänger wird übrigens ebenfalls zuerst in der richtigen Position und oben beim Tragseil überstehend aufgeklebt. Nach dem Verlöten wird der überstehende Draht mit einem Seitenschneider abgeschnitten.


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Bild 1: Abmessen des Fahrdrahtes des rechten Gleises unter provisorischer Abspannung.

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Bild 2: Provisorische seitliche Abspannung des Fahrdrahtes im Bogen.

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Bild 3: Markierung auf dem Fahrdraht, die die Position eines Mastes angibt.

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Bild 4: Fixierung des Fahrdrahtes auf dem Arbeitstisch.

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Bild 5: Einige Dimensionen, die ich zum Fahrleitungsbau verwendet habe. Markiert in rot sind die Position eines Mastes und die Mitte zwischen zwei Masten. Das Bild ist perspektivisch verzerrt, wodurch horizontale Dimensionen kleiner erscheinen als vertikale und wodurch eine zunehmende Verkleinerung von links nach rechts festzustellen ist.

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Bild 6: Alle Drähte werden vor dem Verlöten auf dem Tisch in ihrer richtigen Lage mit Band fixiert. Die genaue Lage des Hängers wird vor dem Verlöten auf dem Klebeband aufgezeichnet.


Für dieses Segment brauche ich vier Fahrleitungen, eine für jedes der drei Gleise und eine vierte für den Spurwechsel. Im nächsten Schritt werden die Drähte im Segment eingebaut werden müssen. Bericht und Bilder werden folgen.


Liebe Grüsse über den Atlantik, Thomas

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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#11 von Xrot , 13.05.2022 23:43

Liebe Mitleser,

Die Fahrleitungen sind nun fertig im Segment eingebaut. Während die Fahrdrähte auf der linken Seite fix festgelötet wurden, wurden sie rechts hinter dem Tunnelportal mit Federn abgespannt. Für beide Seiten wurden entsprechende Teile aus Holz vorbereitet. Das Teil der linken Seite ist ein kleines Brettchen mit eingelassenen Kupferdrähten (Bild 1a) an die die Fahrdrähte angelötet werden konnten (Bild 1b/c). Dieses Brettchen wurde darauf zusammen mit allen angelöteten Drähten auf dem Segment eingebaut, d.h. am linken Segmentende in entsprechender Höhe über den Geleisen angeschraubt.


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Bild 1: Brettchen zur Aufnahme der Fahrdrähte, welches in allen drei Fotos (a—c) kopfüber auf dem Tisch liegt.


Eigentlich wollte ich den Fahrdraht auf der rechten Seite mit Zugfedern abspannen. Aber ich konnte auf die Schnelle keine passenden finden. Entweder waren sie zu schwach oder, wenn stark genug, zu lange (wesentlich über 5 cm lang). Auf der andern Seite besass ich mehrere starke 2—3 cm lange Druckfedern, die im gespannten (komprimierten) Zustand noch kompakter sind und gut passen [1]. Also fertigte ich einen Holzklotz mit vielen Löchern an (Bild 2), der an Schweizer Käse erinnert.


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Bild 2: Holzklotz zur Aufnahme der Abspannfedern.


Das Teil nimmt die Abspannfedern (Bild 3a) auf, wie schematisch in Bild 3b dargestellt.


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Bild 3: (a) Feder und (b) Mechanismus zum Abspannen der Fahrdrähte.


Die Fahrdrähte wurden unter einem horizontalen Messingrohr durchgeführt (Bild 4) und nach oben zum Holzklotz umgelenkt, der dann in Bild 5 sichtbar ist und über dem horizontalen Umlenkrohr hinter dem Tunnelportal angebracht wurde. Bild 5 zeigt links eine komprimierte Feder, die den entsprechenden Fahrdraht abspannt. Rechts sieht man eine entspannte Feder noch ohne angelöteten Fahrdraht.


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Bild 4: Bereich, wo später der Holzklotz mit den Federn eingebaut wurde.

Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 5: Gespannte (links) und entspannte Feder (rechts).


Bilder der eigentlichen Fahrleitung folgen in Kürze.


Anmerkung:
[1] Die Abspannfeder sollte doch den Fahrdraht mindestens so stark abspannen, wie dies mein Hammer zustande brachte (siehe Bild 1 in Post #10). Die ca. 7—8 mm Komprimierung (je nach Gleis etwas unterschiedlich) der verwendeten Federn entspricht einer Zugkraft von ca. drei Hämmern (= 1,9—2,3 kg je nach Gleis). Die Bruchkraft des verwendeten 24 AWG Kupferdrahtes (= 0,5 mm) ist 5,2 kg. Alle Werte experimentell ermittelt/verifiziert.


Liebe Grüsse über den Atlantik, Thomas

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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#12 von GSB2001 , 14.05.2022 00:17

Das finde ich immer wieder toll an diesem Forum. Man lernt viele unterschiedliche persönliche Sichtweisen und Herangehensweisen kennen. Davon kann man doch nur profitieren. Sicherlich nicht in Gänze, aber an irgendeinen Teilaspekt wird man sich irgendwann mal erinnern und ihn für das eigene Vorhaben nutzen können.

Gruß
Tom


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#13 von fbstr , 14.05.2022 08:04

Erst einen schönen Gleisverlauf präsentieren, dann einen sehr interessanten Weichenstellhebel zeigen und nun noch die geniale Oberleitungsverspannung

Echt klasse!


Gruss
Frank
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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#14 von Xrot , 15.05.2022 05:36

Hallo Tom und Frank,

Danke für die Rückmeldungen! Ich freue mich, wenn das eine oder andere hier als lesenswert erachtet wird.



Hallo zusammen,

Ebenfalls danke an alle anderen, die hier mitlesen und z.T. ihre Spuren hinterlassen (Klaus, Bernd). Bild 1 zeigt nochmals die ganze Abspannerei hinter dem Tunnelportal aus besserer Perspektive. Die drei verwendeten Federn spannen die Leitungen beider Streckengleise und des Spurwechsels ab. Die Fahrleitung des Abstellgleises wird durch ein Sommerfeldt Spannwerk 388 gespannt, das übrigens eine hervorragende Spannkraft erzeugt (Bild 2).


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Bild 1: Aufbau der Abspannung der Fahrleitungen.
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Bild 2: Spannwerk beim Abstellgleis.


Doch nun zu den eingebauten Fahrleitungen: Die Positionen der Fahrleitunsmasten wurden bereits vor dem Bau in der Designphase festgelegt. Folgende Punkte wurden berücksichtigt:

  • So wenig Masten wie möglich;
  • Masten bei den Weichenzungen beider Weichen, um den Spurwechsel einfach überspannen zu können;
  • Distanz zwischen zwei Masten nicht zu gross, nicht über 50 cm (Distanz zwischen Weichenzungenspitzen beträgt 78 cm).
Also wurden die vier roten Masten (Bild 3) im Abstand von 50 cm symmetrisch im Bereich des Spurwechsels angeordnet. Die nötigen Abzüge im Bogen zwischen den Masten legten die Mastpositionen des Abstellgleises fest (orange). So komme ich mit total sechs Masten aus, um drei Gleise und einen Spurwechsel auf rund 130 cm Länge zu überspannen.


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Bild 3: Segment nach Einbau der Fahrleitungen. Masten der Streckengleise sind im oberen Bild in rot hervorgehoben, Bogenabzüge in orange. Die Lage zwischen Weichenzungenspitze und Herzstück (blau) legte die Positionen der roten Masten fest.


Bild 4 zeigt die beiden Mastenpaare der Strecke. Die Masten wurden als kleine Bastelei bereits im Voraus vorbereitet (hier beschrieben [Link]). Verwendet wurde der Sommerfeldt Streckenmast 320 mit Gitterausleger, der Arm 302 und die Isolatoren 168 (oben) und 167 (Seitenhalter). Auf der Bogenaussenseite der Strecke wurden die Masten mit H-Profil 081 verlängert (mit Messingstreifen verstärkte Lötstelle beim rechten Mast über dem Gitterausleger hier zu sehen [Bild]), da dort eine Speiseleitung verlaufen wird.


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Bild 4: Fahrleitungsmasten.


Gegen einen hellen Hintergrund sind die Drähte der Fahrleitung besser zu sehen (Bild 5). In Bild 5 erkennt man die straffe Abspannung des Fahrdrahtes, obwohl die Qualität der Bilder sehr zu wünschen übrig lässt. Da ich nicht nur mit angelegtem Bügel (mit voller Bügelfederkraft) fahre, sondern die Loks auch den Strom aus der Leitung beziehen, ist eine gute Abspannung unerlässlich. Der Fahrdraht darf kaum nachgeben, sonst ist die Stromübertragung zum Bügel nicht gewährleistet. Erste Testfahrten verliefen sehr erfolgreich. Ich bin sehr begeistert, denn es ist jetzt das erste Mal, dass die Loks aus eigener Kraft die selbst gebauten Weichen befahren können. Man erinnere sich, dass ich weder Mittelleiter noch voneinander isolierte Schienenstränge habe (kein 2L).


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Bild 5: Fahrdrahtstudien, die die stramme Abspannung des Fahrdrahtes zeigen.


Als nächstes wird ausgiebig mit allen Loks getestet. Wenn alles gut läuft und eventuelle Anpassungen abgeschlossen sind, werden die überstehenden Drähte abgeschnitten, alles verschmirgelt und farblich behandelt. Vorläufig sind die überstehenden Drähte hilfreich, wenn man nochmals nachjustieren muss: Draht ist nach Erhitzen verschiebbar. Andere naheliegende Lötstellen müssen natürlich z.B. mittels Fasszange zur Kühlung geschützt werden, damit beim Erhitzen nicht alles auseinanderfällt. Ausserdem werden noch die Speiseleitungen eingezogen werden müssen, die ganz oben auf den langen Fahrleitungsmasten zu liegen kommen werden (z.B. in Bild 4 oben links zu sehen).

Zum Schluss noch ein Bild, das mir gut gefällt und das am Rande (am oberen Rande) doch noch ein wenig mit Fahrleitung zu tun hat (Bild 6).


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Bild 6: Gestaltung der hintern Wand des Segmentes. Die Mauern und Felsen sind aus Gipsabgüssen entstanden.

Edit: Tippfehler korrigiert.


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zuletzt bearbeitet 15.05.2022 | Top

RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#15 von Xrot , 18.05.2022 07:44

Inzwischen sind die Testfahrten abgeschlossen. Ich hatte viel Spass damit. Ich freute mich wie ein Kind, dass die Fahrzeuge nun auf den Drehknopf des Fahrreglers reagieren. Alle Tests verliefen positiv; keine Nachjustierungen waren nötig. Am meisten freute mich, dass alle Loks die beiden Weichen problemlos meistern. Keine einzige Entgleisung oder Klemmsituation. Zu meiner Überraschung gibt es eigentlich sogar kaum ein wahrnehmbares Gerumpel beim Überfahren des Herzstücks. Was allerdings gar nicht geht und zu Entgleisungen führt, ist der Versuch einer Aufschneidung einer Weiche. Meine starre Mechanik zum Weichenstellen hat nirgends eine Federwirkung und gibt überhaupt nicht nach: eine Lok, die die Weiche aufzuschneiden versucht, bleibt entweder stecken oder klettert über die Weichenzunge und entgleist.

Auf dem angehängten Bild sieht man den Stadler GTW 2/6 der WOB (Waldbündner Oberland-Bahn) bei seiner Testfahrt. Der nicht-leitende originale Piko Stromabnehmer wurde durch einen Sommerfeldt Bügel 944 ersetzt.

Bild entfernt (keine Rechte)

Sommerfeldt Stromabnehmer setzte ich schon lange mit Begeisterung ein. Aber sonst habe ich vor dem Bau dieses Segmentes noch keine Sommerfeldt Produkte verwendet. Meine erste Erfahrung hier ist sehr, sehr positiv: die Masten sind sehr stabil und neigen sich kaum unter Spannung im Bogen. Ich hatte eben schon Bedenken, dass meine eher starke Abspannung ein Nachjustieren erfordert oder sogar zu merklich krummen Masten führen könnte. Auch die Funktion des Abspannwerks überzeugt mich total: die verwendete Mikrofeder ist für ihre Grösse extrem stark. Ausserdem lassen sich alle Teile sehr einfach löten.

Weitere Bedenken bereiteten mir das Kreuzen zweier Fahrdrähte. Der Fahrdraht des Spurwechsels kreuzt beide Fahrdrähte der doppelspurigen Strecke von der Innenseite der inneren Spur zur Aussenseite der äusseren Spur. Aber bei meinen Tests blieb keiner der Stromabnehmer je irgendwo hängen. Das Kreuzen zweier Drähte bereitet also überhaupt keine Probleme.


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#16 von Xrot , 22.05.2022 05:49

Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)

Inzwischen sind die Drähte für die Speiseleitung eingezogen und die entsprechenden Detailarbeiten bei der Verankerung der Leitung am Tunnelportal abgeschlossen. Die Leitung wird imaginär vom Anschlusskasten hinter der Mauer zur Tunnelröhre geführt und von dort der Tunnelwand entlang durch den Tunnel gezogen.

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Für den Halter der Isolatoren am Mast wurde übrigens ein Stück Kupferdraht mit dem Hammer flachgeklopft und das entstandene Band entsprechend zurechtgebogen und am Mast angelötet.

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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#17 von Xrot , 28.05.2022 16:00

Hallo liebe Segmentbauer und andere Interessierte,


Umittelbar unter dem hier präsentierten Segment werden nach Planung weitere unabhängige Segmente zu liegen kommen, die einen Schattenbahnhof und die Rampe dazu aufnehmen werden sollen. Das oberirdische Segment wird einfach auf den darunterliegenden Segmenten aufliegen. Jedoch wird das Spurwechselsegment fest mit seinem linken und rechten Nachbarn auf gleicher Ebene verschraubt werden müssen. Für diese Verbindungen werden die beiden Segmentenden mit Flanschen versehen. Bild 1 zeigt die Flanschverbindung auf der Bahnhofseite. Im Profil erkennt man die Form des Gleiskörpers im Schnitt wieder (Bild 1 Mitte).


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Bild 1: Flanschverbingung zum Nachbarsegment. OBEN: Segmentübersicht mit Flansch zur Bahnhofseite im Vordergrund. MITTE: Flansch im Profil. UNTEN: Zwischen dem schwarzen Brettchen und dem H-Profilträger, an dem die Tragseile befestigt sind, besteht eine Lücke, in die der Brückenträger passt (siehe unten im Text).


Gegen das Segment zur freien Strecke hin (hinten im Übersichtsfoto in Bild 1) ist der Flansch leicht wegzutarnen, da die Strecke dort im Tunnel verläuft. Das andere Segmentende wird mit einer abnehmbaren Strassenbrücke kaschiert. Diese ist in Bild 2 zu sehen. Die Brücke wurde aus dünnem Sperrholz gefertigt, das Geländer aus Draht und Schienenprofilen gelötet, und gewisse Details mit dem 3D Würstchenleger gedruckt.


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Bild 2: Strassenbrücke zur Kaschierung des Segmentübergangs zum Bahnhof hin.

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Die merkwürdig zur Seite abstehenden Drähte werden bei Gelegenheit noch ein Wellblech tragen, das als Schutz vor der Eisenbahnhochspannung dienen soll, wie an vielen Orten in der Schweiz zu sehen [1]. Ein 3D Probeausdruck kann man schon mal im Bild rechts begutachten, während Bild 3 unten zeigt, wie die Brücke auf dem Segmentübergang zu liegen kommen wird.



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Bild 3: Brücke auf Segmentübergang.


Wer sich nicht nur wie ich gerne handwerklich beschäftigt, sondern lieber richtigen Modellbau betreibt, der orientiere sich bezüglich Brückenbau z.B. an der Arbeit von Marco (@Billy-Ray69/Atticrailway) [Bild, Bild, Link] oder Ueli (@hans hirsch/Jurabahn) [Link], dessen Vorbildaufnahmen der Brücke bei Laufenburg mich übrigens für das Design meiner Brücke inspirierten [2].


Quellenverzeichnis
[1] Herbert Graf, ... SBB und RhB Strecken... [bei] Zizers.... Bahnbilder.de, 2014
https://www.bahnbilder.de/bild/schweiz~r...b-strecken.html
[2] hans.hirsch, Stahlträger-Brücke. flickr, 2016.
https://www.flickr.com/photos/47445822@N02/24621143994/


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#18 von Xrot , 18.06.2022 06:20

Sali zämme,

Das erste Bild unten knüpft an meinen obigen Beitrag #9 an und zeigt die Weichenstellmechnik. Um diese zu kaschieren, bastelte ich einen wieder entfernbaren passgenauen Einsatz, der Stützmauern und Vegetation darstellt. Ich finde, die Gestaltung ist mir nicht so richtig gelungen, aber mir gefällt es vorerst mal gut genug. Ich will zuerst mal eine Anlage bauen, bevor ich bereits fertig gestellte Teile wieder abreisse und nochmals neu anfertige.

Das eingesetzte Teil soll wieder entfernbar sein, um im Bedarfsfall an die Weichenmechanik einfach heranzukommen.


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Die selbe Situation bei der anderen Weiche. Mit der Gestaltung dieses Teils bin ich aber sehr zufrieden. Ist auch einfacher, weniger Vegetation.

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Die Stützmauern sind aus Gips gegossen unter Verwendung einer Gussform von Sterling Models und auf dünnes Sperrholz aufgeklebt. Für die genaue Einpassung in die Lücke im Segment verwendete ich eine Mischung aus Gips, Holzleim und Wasser, die sich giessen lässt (zähflüssig), gut aushärtet, weniger brüchig als reiner Gips ist und gut auf dem Trägersperrholz haftet. Oberflächen, auf denen die Holzleimmischung nicht kleben soll (Trennstelle herausnehmbares Teil — festes Teil), werden mit elektrischem Isolierband abgedeckt, das wieder entfernt werden kann, nachdem der Gips ausgehärtet ist und das herausnehmbare Element entfernt wurde.

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Edit: Letztes Bild ersetzt.


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zuletzt bearbeitet 19.06.2022 | Top

RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#19 von hohash , 22.06.2022 07:38

Hallo Thomas,

ich muss jetzt auch mal endlich ein Lebenszeichen an dieser Stelle hinterlassen! Was du hier zauberst, ist feinster Modellbau.

Da bleib ich gern am Ball, mein Fuß ist in deiner Tür geparkt.


LG Andreas
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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#20 von Xrot , 28.06.2022 18:01

Zitat von hohash im Beitrag #19
Was du hier zauberst, ist feinster Modellbau.

Hallo Andreas,
Freut mich sehr, Dich auch hier begrüssen zu dürfen. Und danke für die Blumen! Ob es sich allerdings bei mir um Modellbau handelt oder eher um Gebastel, ist Ansichtssache. Siehe auch meine Bemerkungen unten bezüglich Schweiz/Waldbünden.



Hallo Mobafreunde,
Das hier präsentierte Segment wurde kürzlich als Kulisse für ein Fotoshooting des Thello Zuges herangezogen [Link], bei dem unter anderem dieses Bild entstand:
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Bild 1: Thello Nachtzug.


Links neben der Lokomotive sieht man ein Zwergsignal, eine kleine Bastelei, auf die ich in diesem Beitrag etwas näher eingehen will. Es ist ja klar, dass man auf einer Eisenbahnanlage auch Signale haben will. Und ich als alter Bastler kann der Versuchung einfach nicht widerstehen, mich bei sowas mit einem Selbstbau zu beschäftigen. Auf der anderen Seite ist der Bau von ganz winzigen Dingen nicht so meine Stärke. So arbeite ich z.B. viel lieber mit 1,8 mm LEDs, die man in der Hand halten kann, als mit winzigen SMD LEDs der Grösse eines Staubkorns. Auch mein 3D-Drucker/Würstchenleger tut sich schwer mit kleinen Teilen und kleinen Details. Nach mehreren Fehlversuchen einigten sich der Drucker und ich auf eine Schirmgrösse des Zwergsignals von 6✕6 mm (Bild 1c). Die SBB Originalgrösse schätze ich auf etwa 40✕40 cm, sodass mein 1:87 Modell etwas zu gross ausgefallen sein dürfte. Man erinnere sich aber, dass sich die Strecke auf diesem Segment in Waldbünden und nicht in der Schweiz befindet. Obwohl die Waldbündner und Schweizer Signalbilder die gleichen sind, ist die Signalbauweise in den zwei Ländern nicht identisch. Dies ist ganz klar in einem direkten Vergleich zu erkennen (Bild 2a,b).


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Bild 2: Vergleich der Bauweise eines Zwergsignals aus a) der Schweiz [1] und b) Waldbünden. c) Dimensionen des Waldbündner Zwergsignalschirms. d) Das Signal ist aus zwei Teilen aufgebaut. Das Drucken von dünnen Abblendschirmen für die drei Linsen fällt dem Drucker schwer. e) Ein besseres Resultat erzielt man, wenn der Abblendschirm als gefüllter Block gedruckt und das Loch für die Linse (von hinten) nachträglich aufgebohrt wird. f) Drei 1,8 mm LEDs beleuchten das Signal von unten. g) Die schwarz bemalten LEDs sind im Gleisbett eingelassen. Die unbemalten LED Linsen sind als gelbliche Kreise erkennbar. (Bild 2a: Bewilligte Reproduktion. Copyright Kecko [1])


Im Moment habe ich erst einen dieser Zwerge gebaut. In Bild 3 ist ersichtlich, dass ich insgesamt vier dieser Signale benötige, um die Weichen des Spurwechsels für eventuelle Rangierbewegungen abzudecken (Spurwechsel gehört zum Bahnhof). Beim genauen Hinschauen sieht man, dass aber zumindest die LEDs für alle vier Zwerge bereits im Gleisbett eingelassen sind. Ebenfalls sieht man, dass zusätzlich zu den vier Zwergsignalen zwei Vorsignale auf dem Segment verbaut sind.


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Bild 3: Standorte der Signale auf dem Segment: rote Kreise Zwergsignale, blaue Kreise Vorsignale. Ein Vorsignal hängt von der Decke des Tunnelportals (siehe Bild 4).

Bild 4 zeigt die beiden Vorsignale vor der Einfahrt in den Tunnel. Auch diese Signale sind im Selbstbau entstanden und vom 3D Drucker gedruckt worden. Das Vorsignal mit Mast ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt: Signalschirm, zwei Masthälften, drei Leitersprossen, Signalkasten, Kabelrohr. Details sind in Bildern 5–8 zu sehen. Inspiration für den Entwurf der Signale fand ich in verschiedenen Unterlagen [1–5].


Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 4: Vorsignale Richtung Tunnel.



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Bild 5: Signalschirm eines Vorsignals (12✕12 mm). Im rechten Foto sind zwei der insgesamt vier grau bemalten 1,8 mm LEDs von der Seite gesehen gut sichtbar.


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Bild 6: Mast des Vorsignals. a) Der Mast wird aus zwei Hälften zusammengesetzt. b) Fünf 0.2 mm Kupferdrähte zur Betreibung der LEDs werden nebeneinander (ohne einander zu berühren) über eine Masthälfte gespannt, bevor die zweite Hälfte draufgeleimt wird. c) Fertiger Mast. Auf die zweimal drei Dornen, die nach hinten vom Mast abstehen, wurden drei Sprossen aus Evergreen Profilen geklebt.


Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 7: Signalkasten.


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Bild 8: Sockel des Mastes im Detail. Um verschiedene Komponenten (beim Vorbild z.T. aus verschiedenen Materialien bestehend) optisch voneinander abzusetzen, wurden verschiedene Farbtöne bei der Bemalung verwendet: Metallmast grau-rostbraun, Anschlusskasten metallgrau, Betonsockel dunkelgrau-schwarz.


Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)
Bild 9: Das Vorsignal kann vier Signalbilder zeigen (von links nach rechts): Warnung, Fahrbegriffe 1*, 2* und 3*.

Erklärung Fahrbegriffe:
1* = Ankündigung freie Fahrt
2* = Geschwindigkeitsankündigung 40 km/h
3* = Geschwindigkeitsankündigung 60 km/h


Die Kabel der verschiedenen Signale werden durch ein Loch zur Unterseite der Grundplatte geführt und dort in einer ausgefrästen Rille verlegt. Um ein Durchhängen der Kabel und Hängenbleiben an losen Kabeln unter dem Segment zu vermeiden, wurde die Rille nach Verlegen der Kabel mit Holzleim gefüllt. Das ist einer der Vorteile der Segmentbauweise: Man kann das Segment einfach kopfüber auf den Tisch legen (eventuell mit nötigen Abstützungen) und dann bequem auf der Unterseite arbeiten.


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Bild 10: Unterseite des Segments. Die Positionen der Löcher zu Signalen und Spannungsversorgung sind markiert.


Die Schaltung der Signalbilder erfolgt vorerst ganz einfach über kleine Schalter, die einzelne LEDs ein- oder ausschalten. In ferner Zukunft wird es einmal eine komplexere Schaltung geben, mit der Fahrbegriffe direkt geschaltet werden können (vielleicht sogar in Abhängigkeit gewisser Faktoren wie Fahrstrassenstellung etc.). Vorerst fahren ja noch gar keine Züge, die stehen wie der Thello in Bild 1 nur dumm auf dem Segment herum, da die Nachbarsegmente noch fehlen.


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Bild 11: Vorwiderstände der LEDs und Schalter zum Einstellen gewisser Signalbilder sind auf der Rückseite des Tunnelportals angebracht.



Quellenverzeichnis

[1] Kecko, SBB - Zwerg Signal. Wikimedia Commons, 2016.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:...12597424%29.jpg
(Anmerkung: Originalbild zurechtgeschnitten und in eigenes Bild integriert.)

[2] Original Drawings and Documents. artandtrains.it
http://www.artandtrains.it
( Zwergsignal, Hauptsignal)

[3] Bruno Lämmli, Signale in allen System – Einleitung. www.lokifahrer.ch
https://www.lokifahrer.ch/Signale/CH/allgemeine-Signale.htm
( Kombination Zwergsignal-Abfahrsignal)

[4] Mapio.net, s.r.o., 4 SBB Signale in Reih & Glied in Bassersdorf 1.
https://mapio.net/pic/p-67528353/
( Signalmast)

[5] Nicci 53, Signale der schweizerischen Bundesbahnen. My EEP Forum, 2017.
https://www.eepforum.de/forum/thread/197...n-bundesbahnen/


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#21 von der Wedeler , 09.07.2022 18:04

Hallo Thomas,

ich schließe mich meinen Vorschreibern an und stelle fest, dass das Modul eher etwas von Diplomarbeit für den Fachbereich Verkehrswesen an der ETH Zürich (oder so ähnlich) hat als dass das auch nur annähernd eine "Spielbahn" ist. Modellbau auf höchstem Niveau, äußerst einfallsreich und sehr realistisch. Da muss ich erstmal hinkommen.

Ich mag kaum etwas kritisieren, möchte aber versuchen, ein Nachdenken über die Größe des Tunnelquerschnitts anzuregen. Ist der nach NEM gestaltet? Ich hänge hier mal ein Bild eines real existierenden Tunnels an, um zu verdeutlichen, was ich meine:



Der Querschnitt ist nur unwesentlich größer als das Fahrzeug. Er lässt Platz für die Oberleitung, die aber bei reduzierter Kettenwerkshöhe noch etwas abgesenkt wird. Nur bei Neubaustrecken wird der Tunnelquerschnitt so groß vorgesehen wie es die heutigen Regelwerke für Strecken mit Oberleitung vorgeben. Bei Altbaustrecken war das nicht so. Außerdem wurden die alten Tunmel mit sehr viel Handarbeit ausgebrochen, da war man froh um jeden gesparten Quadratmeter.
Also wenn es machbar ist würde ich vorschlagen, den Tunnelquerschnitt im Modell zu reduzieren, zumal sich hinter dem Portal offenbar kein enger Gleisbogen befindet.

Lieben Gruß aus Wedel,
Heiko


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#22 von Xrot , 10.07.2022 20:04

Hallo Heiko, Liebe Leser,

Vielen Dank für Deinen Kommentar, Heiko. Ich schätze diese Art Deiner Rückmeldung wirklich sehr und möchte entsprechend darauf eingehen.

Als erstes muss ich sagen, dass ich nicht gerade als massstabgetreuer Modellbauer bekannt bin. Mein Gebastel verfehlt immer wieder mal den Massstab, z.T. ganz erheblich. Die Gesteinsbrocken der Portalmauer sind z.B. mächtig gross geraten.

Ich erlaube mir, Dein Bild nochmals einzustellen, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Meine Re420 sieht im riesigen Tunnelportal tatsächlich schon ganz schön verloren aus.

Bild entfernt (keine Rechte)


Hinter dem Portal verläuft die Strecke erstmal noch 30 cm gerade bevor eine 90° Kurve anschliessen wird. Eine nachträgliche Verengung der Tunnelöffnung wäre machbar und werde ich in Betracht ziehen.

Wie gesagt, bin ich eher der Freihand-Handwerker (𝝅✕Handgelenk), aber auf der anderen Seite wäre ich auch nicht ich, wenn ich mir nicht doch einige Gedanken zum Portal gemacht hätte. Also kramte ich mal in meinen Unterlagen, um zu sehen, wie ich denn auf die Masse gekommen bin.

Die NEM 105 kam nicht zur Anwendung. Warum, kann ich jetzt nachträglich nicht mehr nachvollziehen. Ich entwarf vor langem einmal ein Tunnelportal (im Bogen) nach NEM 105, dessen Form der Öffnung mir gar nicht gefiel. Diese Erfahrung beeinflusste mich vielleicht, NEM diesmal (für gerade Strecken zu Unrecht) einfach links liegen zu lassen. Stattdessen orientierte ich mich an Vorbildfotos. Dabei stösst man unvermeidlich auf das Portal in Göschenen [1], das mir sehr gut gefällt und dessen Tunnelöffnung ich dann analysierte. Bei der Öffnung scheint es sich einfach (mehr oder weniger) um eine kreisrunde Bohrung zu handeln. Um die relativen Dimensionen abzuschätzen, zeichnete ich verschiedene Hilfslinien ein und fand, dass das Verhältnis Tunnelhöhe zu Fahrleitungshöhe etwa 4:3 betrage. Die Position der Fahrleitung ist im Originalbild [1] klar zu sehen, auf meinem Bild unten ist sie mit einem hauchdünnen gelben Strich gekennzeichnet. Das Verhältnis Tunneldurchmesser zu Fahrdrahthöhe wird in meiner Bildanalyse als 320:180 angegeben (= 16:9). Bei einer Fahrleitungshöhe von 7 cm ergäbe das dann nach meiner Rechnung einen Innendurchmesser der Tunnelröhre von 12,5 cm, was mit der Dimension auf dem Segment übereinstimmt. Dass die Fahrleitung beim Tunnel abgesenkt wird, habe ich nicht in Betracht gezogen, sodass meine Tunnelröhre etwas zu gross geraten sein dürfte. Auf der anderen Seite ist auch der Gleisabstand mit 5 cm etwas zu gross, was eine etwas grössere Röhre verlangt. Da alles auf einer Schätzung basiert (𝝅✕Handgelenk), kann ich schon ziemlich daneben liegen. Nach NEM 105 wäre der Tunneldurchmesser in meinem Fall 10,8 cm.

Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)

Zum Schluss aber noch dieses Vorbildfoto des Portals bei Göschenen mit Lok [2]. Auf diesem Bild scheint mir nun die Tunnelröhre im Vergleich zur Lok doch auch recht gross zu sein, vergleichbar mit meinem Tunnel, würde ich sagen. Es könnte also schon sein, dass meine Schätzung—auf dem Gotthardnordportal basierend—in der richtigen Grössenordnung liegt. Auch in diesem historischen Bild des ursprünglichen Portals erscheint der Zug sehr klein im Vergleich zur Tunnelöffnung [3]. Hier hat man fast schon den Verdacht, dass das Bild absichtlich unrealistisch verzerrt wurde, um den Tunnel mächtiger erscheinen zu lassen. Ich weiss es nicht.

Zusammenfassend würde ich schliessen, das mein Portal für typische Verhältnisse zu gross geraten ist (siehe z.B. Heikos Bild), aber über das Ausmass der Unstimmigkeit im direkten Vergleich zu Göschenen bin ich mir nicht im Klaren. Ich scheine mich da durchaus noch innerhalb meiner Toleranzgrenzen zu bewegen.

Eine Frage ist, ob das Portal bei Göschenen für Schweizer Tunnels typisch ist. Die eigentliche Röhre des Gotthardtunnels könnte weiter innen wesentlich kleiner sein als beim Portal. Bei Gelegenheit werde ich mir das einmal genauer anschauen, auch das Südportal des Gotthards.

Und schon ist diese Antwort auf Heikos Post wieder eine Diplomarbeit geworden. Ich kann nicht anders.


Quellen
[1] Kecko, Railway tunnel portal Göschenen. flickr, 2014.
https://www.flickr.com/photos/kecko/15197555872
[2] Gérard Perrot, North portal of the Saint Gothardt Tunnel at Göschenen. Structurae, 2005.
https://structurae.net/en/media/96839-no...el-at-goschenen
[3] Lee Krystek, The Gotthard Rail Tunnels. The musuem of unnatural mystery, 2016.
http://www.unmuseum.org/7wonders/gotthard.htm


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#23 von Xrot , 14.07.2022 22:53

Hallo Heiko, Hallo alle Interessierte,

Des Rätsels Lösung ist genau in dem selben Bild ersichtlich, das ich von Anfang an herangezogen hatte [1]. Man muss nur genau hinschauen. Der Tunnel verengt sich tatsächlich nur wenige Meter hinter dem Portal. Einerseits habe ich nun wirklich Pech gehabt, genau das Portal als Vorbild zu wählen, das gemessen an der Grösse einer Tunnelröhre nicht typisch ist. Andererseits gibt es eben doch ein Vorbild für meine übergrosse Portalöffnung. Bin also doch nicht ganz so weit vom Vorbild entfernt. Ich kann nun (vorbildinspiriert) meine eigene Tunnelröhre einige Zentimeter hinter dem Portal verengen. Das Bild unten zeigt die Situation nicht sehr überzeugend, aber schaut Euch das Originalbild bei grösst möglicher Vergrösserung an.

Bild entfernt (keine Rechte)
Quelle
[1] Kecko, Railway tunnel portal Göschenen. flickr, 2014.
https://www.flickr.com/photos/kecko/15197555872


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RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#24 von Xrot , 16.07.2022 16:23

Liebe Mitlesende,

Danke fürs Vorbeischauen! Und, Andreas, ich sehe Du liest hier mit: Die Rätsel, die es auf meiner Anlage zu lösen gibt, können sich natürlich nicht mit den mysteriösen Geschichten ("Big Trouble In Little ... ähm ... Nugget Town!"), die sich auf Deiner Anlage abspielen, messen. Aber eben wie bereits an vielen Orten bemerkt: Jeder macht aus dem Mobahobby, was ihm/ihr Spass macht. Und ich beschäftige mich halt gerne mit Recherche, Basteln und "Diplomarbeit" schreiben. Und in diesem Sinne nun gleich zum nächsten Abschnitt. Ich möchte hier den Prellbock vorstellen, an dem gleich links neben dem Tunnelportal das Abstellgleis endet.

Bild entfernt (keine Rechte)


Wenn man Führerstandsmitfahrten auf YouTube anschaut, sieht man, dass die hier gewählte Bauweise des Prellbocks in der Schweiz ziemlich weit verbreitet ist [1]. In dieser Bauweise ist ein Metallgestell auf den Schienen festgeklemmt, das bei einem Aufprall gegen einen Sandkasten geschoben wird [2,3]. Das Resultat nach einer unabsichtlichen Funktionsprobe kann man auf einem Bild der Berner Zeitung [4] begutachten.

Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)

Das Metallgestell wurde aus Schienenprofil (Code 100) hergestellt.

Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte)

Die Betoneinfassung des Sandkastens ist aus Holzschwellen entstanden, die mit Gips verputzt wurden.

Bild entfernt (keine Rechte)

Bolzen sind Tropfen aus Epoxidkleber.

Bild entfernt (keine Rechte)

Auf dem folgenden Bild sieht man, dass dank der warmen Frühlingssonne im Tal bereits die ersten Blumen blühen, während meine Schneeschleuder Xrot e 51 eben von einem Einsatz auf der Griesslijoch Hochgebirgsstrecke zurückgekehrt ist und am Prellbock abgestellt wurde.

Bild entfernt (keine Rechte)

Und zum Abschluss noch ein Bild eines abgestellten Liegewagens.

Bild entfernt (keine Rechte)

Quellen
[1] lorirocks777, Brig - Kandersteg - Basel Cab ride during winter. YouTube, 2020.
https://www.youtube.com/watch?v=t1_kU54SCcc
[2] Giorgio Hoenig, Die Gotthard Nordrampe. gotthardmodell.ch, 2007-2021.
https://www.gotthardmodell.ch/anlagen/ak...prellboecke/?L=
[3] Hans Hirsch, Prellbock mit Gerätekasten. flickr, 2020.
https://www.flickr.com/photos/47445822@N02/50213907481/
[4] Arthur Sieber, Zu weit gefahren: Zug rammt Prellbock. Berner Zeitung, 2017.
https://www.bernerzeitung.ch/region/bern.../story/19659938


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zuletzt bearbeitet 16.07.2022 | Top

RE: Einfacher Spurwechsel im Bogen

#25 von Deutzfahrer , 16.07.2022 16:46

Moin Thomas,


das sieht richtig gut aus -

sehr interessanter Prellbock !

Gruß übers Wasser


Gruß aus Münster

Jürgen


hier gibts: " Ein paar Wikinger und Co."

viewtopic.php?f=48&p=1837696#p1837696

und hier: " Ein paar Lokomotiven "

viewtopic.php?f=2&t=159760


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