Ihr Lieben,
ich möchte hier zum Thema mal einen Baubericht über eine selbstgebaute "Cave Coopérative" (also genossenschaftliche Weinkelterei- und verkaufsstätte) beisteuern, wie sie im Süden Frankreichs zum Teil recht verbreitet sind, auch in den Cevennen (Berglandschaft im Languedoc), wo ich persönlich viel gereist bin etc. Ich hoffe, dass ich hier die Fotos vernünftig verlinken kann - müsste aber gut hinhauen.
Ich habe für den Bau mit Keramiplast (lufthärtende Modelliermasse) gearbeitet. Damit kann man die Natursteinstrukturen, wie sie regionstypisch sind und wie ich sie erzielen wollte, am besten arbeiten. Als erstes seht Ihr selbstgestaltete Häusermauern aus Keramiplast. Das Material lässt sich formen wie Knete. Im Ofen mit Umluft (!) bei ca. 60 Grad kann man den Trocknungsvorgang erheblich beschleunigen. Dass das Material dadurch brechen würde, ist Unsinn und passiert allenfalls, wenn man höhere Temperaturen wählt und der Trocknungsvorgang damit zu schnell verläuft. Ich lass die Produkte meist zwei Stunden vorsichtshalber im Ofen. Vermutlich reicht etwa eine Stunde auch schon aus. Das besondere Problem sind Fenster. Da die Masse aber fest wie Knete ist, verfahre ich so, dass ich sie in die Natursteinsilikonformen, die ich leicht eingeölt habe, hinein auswalze und anschließend auf der glatten sichtbaren Fläche, zunächst die Fenstergrößen mit einem Modellliermesser vorsichtig ausschneide. Dazu verwende ich entwedervon mir dafür vorgefertigte Pappschablonen in der gewünschten Fenstergröße oder aber Fensterformen von Auhagen oder französischen Firmen etc.. an denen ich mit dem Messer einfach vorsichtig entlangziehe ohne die Silikonform innen zu beschädigen. Nachdem die Fenster frei geschnitten sind, nehme das Backblech und halte es mit Backpapier fest über der Form, drehe einmal um und ziehe die Form dann von oben ab. So liegt dann das zu trocknende Mauerteil gerade und mit der Natursteinformung nach oben auf dem Backblech.
Sind die Mauerelemente dann getrocknet, hole ich sie aus dem Ofen, lass sie abkühlen und setze sie mit Neoprenkleber zusammen (das Enzige, was ich bei Gips/Kreamik/Porzellan wirklich zum Kleben empfehlen kann). Aber vorher kümmere ich mich um die Fensterrahmen mit Scheiben in den Mauerelementen. Diese habe ich aus Laminatfolie und einem "Sprossen-Material", das ich mir als Rolle aus dem Baumarkt gekauft habe zunächst mit Sprühkleber zusammengeklebt (auf das Sprossenmaterial sprühen, nicht auf die Folie!). Nachdem ich mir da Elemente rausgeschnitten und zuvor die Sprossen in der gewünschten Farbe auch lackiert habe (Graniertechnik) , füge ich sie von innen mit Uhu-Alleskleber oder mit dem Neoprenkleber, sofern es besser hält, an die gewünschte Stelle der Mauer. So in etwa sieht das dann aus:
Foto Mauerwand
Zuvor habe ich alle Mauerwände lackiert in Zwei - bzw. Dreifarbentechnik. Die erste ist eher eine Art washing mit normalem Pinsel, so dass die Fugen mit Farbe (hellocker) auf jeden Fall ausgefüllt sind und dann erfolgt mit dem Borstenpinzel mit durch eien Art Granieren mit ganz wenig Farbe die eigentliche Lackierung der Steine in einem dunkleren Sandton.
Färbung der Mauerteile
Das Haus selbst ist mit dem Neoprenkleber schnell zusammengefügt. Freilich muss alles gerade sitzen. Ich habe meine kleinen Winkelhalter nicht gefunden und musste das ohne sie hinkriegen, war aber okay.
Foto Zusammenbau der Hauswände
Nach oben hin habe ich es durch Pappe verlängert, ebenso den Dachboden aus Pappe gestaltet, auf den später eine aufklebbbare Dachziegelmatte von NOCH kommt (Dachpfanne rot Noch 57320 H0) - leider im Handel kaum noch erhältlich.
Rohbau mit Dachboden
Freilich sieht man immer direkt alle Fehler. Manche kann man verbessern (die Fenterrahmen der oberen Fenster habe ich dünner gestaltet. Das sah nicht vernünftig aus. Manche Baufehler gibt es aber auch in der Wirklichkeit, insbesondere bei Natursteinhäusern, so dass manches auch nicht immer so dramatisch zu betrachten ist. Da gibt es auch mal schiefe Mauern etc...
Im Endzustand mit ein wenig Dioramacharakter und mit wenigen vorgenommenen Ausbesserungen sieht das Haus durchaus gelungen aus, wie ich finde:
Ansicht der Vorderfront des Hauses im Endzustand
Nun aber zu einigen Einzelheiten:
Straßenschilder sind gerade in Frankreich besonders schön, abe rim Modellbau nirgend zu fertig zu kriegen. Also musste ich mein Schild mit dem Straßennamen "Rue de la Gare" selbst fertigen. Das hatte ich lange und mühsam vorbereitet (Runterladen von Fotos etc. aus dem Internet, BEarbeitungd er Fotos, wo nötig). Dann erfolgte die Verkleinerung der Fotos, so dass sie einerseits zwar möglichst klein sind, andererseits aber auch noch irgendwie lesbar. Da muss man Kompromisse machen, was die Größe betrifft. Aber das Ergebnis ist prima geworden. Der Ausdruck erfolgte bewusst auf dickem Papier (mind. 120 g), um ihm einen "Schildcharakter" zu verleihen. Dann habe ich das Schild noch mit Klarlack überzogen, um ihm den Emaillecharakter zu verleihen. Ähnlich habe ich mit dem Schild für die Kooperative gearbeitet - da ist allerdings , was Schriftbild und Farbe betrifft, völlig selbst gestaltet, also ohne ein Foto. Es entspricht dennoch dem Stil solcher Schilder.
Hausfront mit Schildern
Die Trauben bzw. Vermaischung der Trauben in dem Anlagenelement an der Seite des Hauses war eine besondere Herausforderung. Ich hätte theoretisch darauf verzichten können, da es heute Anhängerwagen gibt, die das direkt schon auf dem Weg zur Kelterei erledigen...aber das ist ja nicht so toll. Aus einem alten Waggon habe ich eine passende Apparatur umgestaltet mit Rohr usw., das ins Haus zu den dortigen Kesseln und Apparaturen führt. Diese habe ich mit Chromfarbe von Tamya lackiert.
externe Maischanlage am Haus
Die Trauben habe ich aus Baumblättermaterial gestaltet, das ich violett gefärbt, getrocknet und fein zerzupft und mit grünem Moos unterlegt habe, das ganz leicht durchschimmert, so dass ich eine gute Gesamtwirkung erzielen konnte. Die Wirkung ist auf den Fotos leider nicht so doll, wie beim Modell real sichtbar.
Violette Einfärbung von Baumblattmaterial
Schließlich hier ein Foto von der Inneneinrichtung des Hauses - das Dach ist abhebbar:
Inneneinrichtung des Hauses
Hier ist die gesamte Inneneinrichtung des Hauses auf zwei Etagen verteilt zu sehen. Unten sind ein Tank und ein Kessel, in denen die Maische verarbeitet wird und schließlich zum Teil auch in Fässern oben abgefüllt wird. Ales habe ich entsprechend lackiert. Die Rohrleitungen sind teils aus lackierten Trinkhalmen gestaltet. Für den Stahlboden der Empore, habe ich unter anderem Plastikverpackungsriemen zerschnitten und verarbeitet.
Die Lackierung der Fässer bedarf besonderer Hinweise. Hier habe ich sowohl die Vollmer-Bausatz-Fässer (Vollmer 45246) umlackiert (dunkelbrauner Plastikkram) als auch die Fässer der von Märklin produzierten Weinwaggons (Märklin 4510) mit der Waggon-Aufschrift "Bordeaux".
Um den Plastikcharakter sowohl der einen wie der anderen Fässer wegzubekommen, muss man auch hier mit einer Zwei-Farbentechnik matter Farben arbeiten. Die Grundfarbe habe ich selbst gemischt aus "Holzbraun" (Aquafarben Revell 382 und weiß). Für das "Altern" der Fässer habe ich mit der Graniertechnik (nur ganz wenig Farbe des ausgedrückten Borstenpinsels auftragen) wieder einen guten Effekt erzielt (Umbrabraun 821 von Vallejo Liquid Acrylic). Die Stahlriemen der Fässer habe ich mit "Eisen"-Farbe von Rewell (Aqua-Acryl) fein aufgetragen. Hier ein paar Bilder dazu:
Foto 1
Foto 2
Auch die Märklinwagen habe ich auf diese Weise völlig erneuert und zusätzlich mit anderen neuen Schildern versehen, denn mein Wein kommt ja aus der Weinregion des Languedoc. Auch dazu ein paar Bilder.
Foto 3
Foto 4
Ein Weinkenner ist ganz angetan vom Wein und sucht sich schon mal die beste Flasche aus und schaut sie sich vor dem Eingang mit den braunen Holztüren (aus Styrodur von Hand gefertigt) voller Begeisterung an:
Foto mit Weinkenner
Währenddem warten schon die Languedoc-Weinwagen vor dem Hinterausgang mit Rolltor auf ihre Befüllung mit Schläuchen, die noch angebracht werden müssen:
Foto Ansicht von hinten
Damit beende ich meinen Baubericht und offe, Ihr konntet die Fotos etwas genießen und habt vielleicht Lust auf Wein aus dem Languedoc bekommen.

Herzliche Grüße, Gerhard aus Köln























Meine Wagen von REE models laufen einwandfrei auf dem C Gleis. ( 







