Nach dieser ausschweifenden und z.T. emotional geführten Diskussion um das Dach der Ae 6/6 habe ich mir nun sehr viele Vorbildfotos angeschaut und muss sagen, dass die Darstellung des Daches für mich nicht so schlimm erscheint. Je nach Blickwinkel sehen auch die Dächer der echten Ae 6/6 zu den Ecken hin leicht abgerundet aus, so etwa hier:
https://www.bahnbilder.de/bild/schweiz~e-loks~ae-66-sbb-ae-610/311415/ae-66-11424-neuchtel-steht-neben.html
Was mich aber wirklich stutzig macht ist die Tatsache, dass das Modell der Ae 6/6 von Piko hier so gelobt und als die beste Nachbildung bezeichnet wird. Auf den Fotos, die ich im Interenet finden kann, sieht das Dach fast genauso wie bei ESU aus:
Piko Ae 6/6 11485 - Youtube -
PIKO 97207 - Schmidt Wissen -
Wenn man das Video und die Fotos betrachtet, fällt doch auf, dass das Dach über den Führerräumen genau so geschwungen ist und zu den Ecken hin leicht abfällt.
Wenn das Dach von ESU nun so verkehrt und unstimmig sein sollte, dann müsste es das Dach von PIKO konsequenterweise auch sein. Wie kann es nun sein, dass das ESU-Modell wegen dieser vermeintlichen Abweichung hier so zerrissen wird, das PIKO-Modell hingegen trotz der geleichen Abweichung hoch gelobt wird ? Das passt für mich nicht zusammen.
Wenn ich dann noch berücksichtige, dass das PIKO-Modell über 360 Euro in der ANALOGEN (!) Ausführung kosten soll, so frage ich mich ernsthaft, wo der Mehrwert gegenüber ESU sein soll. Die ESU-Lok bekommt man für 100 Euro mehr mit Sound, Kurvensensor, beweglichen Stromabnehmern, sehr schönem Maschinenraum mit freiem Durchblick und von der Optik der Gehäuseform mindestens gleichwertig.
Was ich ebenfalls widersprüchlich finde, ist dass ernsthaft das uralte Modell von Märklin in den Vergleich mit einbezogen wird. Da gefällt vielleicht die Dachform manchen Leuten besser, aber dafür ist die Detaillierung der Drehgestelle und der Dachausrüstung sehr grobschlächtig, die auf die Fenster auflckierten Streben zwischen den Frontfenstern sehen auch sehr primitiv aus und die nur auflackierten Chromzierleisten und SBB-Buchstaben sehen ebenfalls sehr einfach und vorbildwidrig aus. Denn wenn man das Vorbild sieht, fällt sofort auf, dass Leisten und Buchstaben erhabene, ausfgeschraubte Teile sind und nicht nur ausflackiert sind, die Seitenwand eben nicht glatt wie bei Märklin ist. Das ware für mich immer Kriterien gegen die Märklin-Lok. Denn dieses und die Fenster fällt auch Laien direkt auf; während einige unter euch ja angemerkt haben, dass das Dach hingegen ohne diese Diskussion gar nicht aufgefallen wäre. Ich hätte da auch nichts festgestellt.
Im Vergleich dazu sieht das ESU-Modell meiner Meinung nach deutoich vorbildgerechter und detaillierter aus, ist einfach viel zeitgemäßer.
Es erscheint mir unpassend, einerseits die Konstruktion von ESU dermaßen zu kritisieren, weil ein hohes Maß an Vorbildtreue verlangt wird (und darauf lege ich auch Wert und gebe filigranen, hochdetaillierten Neuentwicklungen immer den Vorzug), andererseits aber andere Modelle mit den gleichen vermeintlichen "Schwächen" (PIKO) oder Uraltkonstruktionen mit viel auffälligeren Abweicheungen (Märklin) zu loben. Zumal das ESU-Modell unabhängig davon, wie man zu den Dachkanten steht, bezüglich der sonstigen Umsetzung eigentlich perfekt aussieht.