Hallo,
ich bin ein Neuling im Stummi-Forum, mein Name ist Uwe, Jahrgang 1974. Ich bin in Kirchhain/Hessen einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt aufgewachsen und war schon immer von Eisenbahn fasziniert, allerdings eher von den in Kirchhain abzweigenden Nebenbahnen (Wohratalbahn, Ohmtalbahn) als von der elektrifizierten Main-Weser-Bahn. Das freundliche Personal am Bahnhof hat mich damals ab und zu auf Führerstandsmitfahrt auf der Bahnhofs-Köf mitgenommen, daher mein Forum-Name. Ich habe mich als Jungspund auch ein wenig mit Modellbahnerei beschäftigt, aber dann 30 Jahre Pause gemacht. Jetzt ist die Zeit gekommen für einen Wiedereinstieg. Ich hatte begonnen, einen Baubericht im "Kleine Spuren"-Unterforum zu posten, aber man mich ermutigt, den Bericht hier unter "Anlagenbau" zu veröffentlichen.
Anscheinend ist hier ein "Grundlagenfragebogen" gewünscht:
1. Titel
Traktionswandel in Mittelland
2. Spurweite & Gleissystem
Spur Z - Märklin
3. Raum & Anlage
Multifunktionszimmer mit etwa 10 Quadratmetern, davon ca. 1.5 Quadratmeter verfügbar für Modellbahnerei - klassische Rechteck-Platte 1.75m x 0.75m
4. Technisches
4.1 Modellbahn vs. Spielbahn
Spielbahn
4.2 Hauptbahn und/oder Nebenbahn
Nebenbahn, ohne konkretes Vorbild aber inspiriert von den langen Nebenbahnen um Rahden und der Gegend um Wesergebirge und Mittellandkanal.
4.3 Mindestradius (sichtbar / verdeckt)
Märklin Z R2
4.4 Maximale Steigung
Spur-Z-Loks haben keine Haftreifen und sind Leichtgewichte, daher keine Steigungen außer am Hafenanschlussgleis mit etwa 25 Promille.
4.5 Maximale Zuglänge
Theoretisch 80cm im sichtbaren Bahnhof , praktisch 50 cm wegen kürzerem Schattenbahnhof (reicht für vier Vierachser-Umbauwagen plus Lok).
4.6 Anlagenhöhe der Hauptebene
etwa 1 Meter
4.7 Anlagentiefe (minimal, maximal)
75cm uniform
4.8 Eingriffslücken / Servicegang
Nicht nötig, Anlagentiefe und Relief erlaubt Zugriff auf Schattenbahnhof
4.9 Schattenbahnhof / Fiddle Yard
Auf gleicher Ebene im Anlagenhintergrund mit zwei Durchgangsgleisen und ein Stumpfgleis für Triebwagen, plus eine seitliches Stumpfgleis als "fiddle yard" zur Zugumbildung.
4.10 Oberleitung ja / nein
Dem Vorbild entsprechend Nein.
5. Steuerung
Analog
6. Motive
6.1 Epoche
Epoche III, frühe 60er Jahre mit einsetzender Verdieselung. Denkbar auch spätere Epoche mit Dampf-Museumsbetrieb.
6.2 Bahnhofstyp(en)
Durchgangsbahnhof mit abzweigender Strecke
6.3 Landschaft
Relativ wenig, Bahnhof und Ort auf Flussterasse, Fluss nur angedeutet im Hafenbereich, wenig erhöhtes Gelände zur Verdeckung des Schattenbahnhofs auf gleicher Ebene im Hintergrund
6.4 Szenerie
Ländlich mit etwas Industrie/ Gewerbe
6.5 Bw (Bahnbetriebswerk), Lokeinsatzstelle (Kleinst-Bw)
Kleinst-Bw
7. Sonstiges
7.1 Vorhandene Fahrzeuge
BR 24, BR 86, VT98, Donnerbüchsen, Umbau-Dreiachser, Umbau-Vierachser, diverse Güterwagen - Anschaffung von V60, V100, V160 anvisiert
7.2 Gleisplan
Einfaches Oval mit Bahnhof vorne und Schattenbahnhof hinten, Schwerpunkt auf Zugkreuzungen und Rangierbetrieb. Streckenverzweigung links vor Schattenbahnhof wieder zusammengeführt. Durchgangsverkehr und Spitzkehrenbetrieb möglich, aber leider keine Wendemöglichkeit.
7.3 Betrieb als Einzelspieler oder zu mehrt
Einzelspieler
7.4 Budget
Limitiert, sollte alles inklusive 2000€ nicht übersteigen.
7.5 Zeitplan
Nur kein Stress
Historische Hintergründe und Anlagenplanung:
Wie gesagt, bin ich Wiedereinsteiger nach 30 Jahren Abstinenz. Als Kind hatte mich mein alter Herr mit einer Lima-HO-Startpackung zu Weihnachten angefixt, aber der Platzbedarf war zu groß und daher kam nur eine Teppichbahn während der Ferien in Frage. Als Jugendlicher haben ich von einem Verwandten, der Spur-Z-Material geerbt hatten aber damit nichts anfangen konnten, ein paar Weichen, Gleise, Wagen und eine 89 und eine 24 erhalten, was den Bau einer kleinen aber permanent aufgebauten "Platte" mit Nebenbahn- Durchgangsbahnhof und Oval samt rudimentären Landschaftsbau erlaubte - die aber mangels ausreichend Taschengeld - oder lag es an den schon damals hohen Preisen ? - nie wirklich fertig wurde. Irgendwann kam als wohlgemeintes Geschenk meiner Mutter noch eine Württembergische C in Fotoanstrich hinzu, ein Börsen-Fundstück - aber die passte so gar nicht zum Anlagenthema und wurde daher mein bisher einziges "Vitrinenobjekt".
Der Anlagentorso und das Rollmaterial lagen dann 30 Jahre lang auf dem Dachboden bei meinen Eltern, während ich rumstudierte, ins Berufsleben eintrat und eine Familie gründete. Jetzt, 30 Jahre später, ist ein Kinderzimmer frei geworden - Sohnemann studiert ebenfalls. Aber es gibt Umnutzungskonflikte - das Bett muss bleiben für Übernachtung im Besuchsfall, meine bessere Hälfte will schon lange ein Deko- und Nähatelier - und der Familienrat hat mir letztendlich eine Wand und etwa 1.5 Quadratmetern Fläche für meinen MoBa-Wunsch zugestanden - endlich Gelegenheit, das Spur-Z-Material zu sichten und das schöne Hobby wieder aufzunehmen!
Der Anlagentorso wurde abgebaut und einige wiederverwendbare Weichen und Gleise gewonnen. Dem Fahrgerät hatte das Dachbodenklima wohl nicht gefallen, der Trafo war jedenfalls hin. Die - völlig verharzten und bewegungsunfähigen - 89, 24 und C habe ich auf einer Börse tatsächlich an eine Bastler verramschen können und ich habe mir dafür eine 86 gebraucht gekauft - meine Lieblingslok. Um an weitere Schienen und einen neuen Trafo zu kommen, habe ich mir dann eine Start-Packung gekauft - damit hatte ich dann wieder eine 24, aber die neue Version mit Glockenanker-Motor. Diese Fahrzeuge bestimmten dann auch die Suche nach einem Vorbild, dazu gleich mehr.
Ich bin vom Modelbahner-Typ her eher ein "Rangierer". Es ist mir wichtig, Züge nicht bloß auf einem wie auch immer verschlungenen Gleisplan "sinnlos im Kreis" fahren zu lassen, es sollte einen halbwegs vorbildnahen Betrieb mit glaubhaften und nachvollziehbaren Transportaufgaben geben - aber ohne in das andere Extrem des Betriebs nach historischem Fahrplan zu fallen. Schwerpunkt liegt auf Güterverkehr mit entsprechender Infrastruktur, aber auch Zugkreuzungen im Personenverkehr etc. Eine gewisse historische Genauigkeit muss schon sein, ohne allerdings allzu sklavisch dem bahntechnischen Realimus oder der "Nietenzählerei" zu huldigen. Es geht eben was möglich gewesen wäre - d.h. zum Beispiel die Verwendung einer 86 oder eines Hochbordwagens in DR-Ausführung für ein Epoche III-Thema geht durch, weil die Fahrzeuge auch in dieser Epoche im Einsatz waren und die Unterschiede in Beschriftung etc. minimal sind. Aber eine 212 in ozeanblau-beige oder ein Sps-719 Rungenwagen (erst ab den 70er Jahren gebaut) geht auf einer Epoche III-Anlage gar nicht. Ich bin also sozusagen ein Realo-Spielbahner. Ich fahre auch gerne selber, von Automatisierung und Digitalisierung halte ich nicht viel - da man seine Aufmerksamkeit augentechnisch ja nur auf einen Zug konzentrieren kann, bringt mir ein Mehrzug-Automatik/Digitalbetrieb wenig "Lustgewinn" - mal abgesehen vom Preis und meinen nicht vorhandenen technischen Fähigkeiten.
Das vorhandene Rollmaterial, der beschränkte Platz und ein beschränktes Budget - zwei Kindern muss derzeit das Studium finanziert werden - zwingt zu einem Anlagenthema mit überschaubaren Anforderungen - die klassische eingleisige Nebenbahn halt. Die elektrifizierte doppelgleisige Paradestrecke mit Großstadtbahnhof und abzweigender Nebenbahn samt Schattenbahnhof auf Ebene Zwei muss auf den Lottogewinn warten. Aber da ich sowieso Nebenbahnfan bin, passt das schon.
Nach meinen Recherchen über die Einsatzgebiete der BR 24 bei der DB schränkt sich das potentielle Anlagenthema auf die Epoche III bis in die frühen 60er Jahre in Norddeutschland ein, v.a. die langen Nebenbahnen rund um das Bw Rahden, wo die Steppenpferde bis 1965 im planmäßigen Einsatz waren. Im Netz habe ich auf Fotonachweise von 86er im Einsatz im Raum Rahden gesehen, passt also. Ich habe mich also entschlossen, eine Anlage zu planen, die gedacht am Südrand der Norddeutschen Tiefebene im Übergang zum Weser-Bergland liegt - also relativ flaches, beginnend hügeliges Gelände durchquert von einem schiffbaren Fluss bzw. dem Mitellandkanal.
Zentrales Element ist somit eine ländliche Kleinstadt in Norddeutschland mit Durchgangsbahnhof einer "wichtigen" Nebenbahn (über die auch "Heckeneilzüge" Bremen-Frankfurt verkehren), der gleichzeitig Abzweigbahnhof einer weniger wichtigen Nebenstrecke ist und somit auch auch Spitzkehrenbetrieb erlaubt. Dieser "Mini-Eisenbahnknoten" rechtfertigt auch ein Mini-Bw. Dazu gibt es reichlich Lade- und somit Rangiermöglichkeiten, u.a. einen Flusshafen, Holzverladung, Brennstoffhändler, kleine Fabrik oder alternativ Landhandel, landwirtschaftliche Produkte wie Vieh, Rüben, Getreide, Milch. Im Anlagenhintergrund verbirgt sich ein kleiner Schattenbahnhof und auf der rechten Seite ein "fiddle yard", um Zugumbildungen für einen "realistischen" Güterverkehr zu ermöglichen. Der Übergang in den nicht-sichtbaren Bereich muss ohne Tunnels erfolgen, das sich diese in dem relativ flachen Gelände nicht glaubwürdig rüberbringen lassen. Die Strecken verschwinden also im Wald, hinter Gebäuden oder Brücken und Dämmen.
Zu Planungszwecken habe ich mir die Software "3D Modellbahn-Studio" gekauft und mehrere Studien und Varianten für mein Projekt entwickelt, um zu sehen was auf den maximal 1.75m x 0.75m Grundfläche machbar ist. Ich stelle hier die 13. und finale Version vor, die ich als reale Anlage umsetzen möchte. Die ersten Gleise liegen schon, aber dazu mehr im nächsten Beitrag.





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