Zitat von SAH im Beitrag #25
Guten Abend,
einen Fächer fürs Radsatzinnenmaß müsste auch eine "normale" Blechnerei anfertigen können, oder?
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Mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn
Ich bin hier völlig bei @Draisine das Thema artet aus und driftet ab. Wenn man das individuelle Radsatzinnenmaß ermitteln will, muss man es messen.
Mit einem Messgerät.
Das einem einen Messwert wiedergibt. Lehren sind keine Messmittel und geben keinen Messwert zurück.
Einzige, sinnvolle Wahl (Preis, Aufwand, Verfügbarkeit, Angemessenheit), die mir da einfällt, ist ein Messschieber. Der kann das bei eingebauten Achsen und der kann noch 1001 andere Dinge. Der gehört zur absoluten Standardausrüstung, direkt nach dem Schraubendreher und Hammer. Ich wüsste gar nicht, wie man ohne klar kommt.
Als Schieblehre zum Anreißen von Holz (Natürlich NICHT mit den Messspitzen!) oder zum sauberen Verlegen von Parallelen Gleisen tut er es auch ganz hervorragend. Und zum sauberen Messen des Parallelgleisabstands dann auch wieder.
Das Gerät ist Messmittel und Verstelllehre in einem und wer es nicht hat, sollte sich einen kaufen. Gute Werkstattmessschieber fangen bei ~30€ an. Alles darunter ist eher nicht so vertrauenswürdig.
Ein Leben ohne Messschieber ist möglich, aber sinnlos!
Jetzt kommen wir aber zum nächsten Punkt: Eigentlich interessiert uns das Radsatzinnenmaß überhaupt nicht. Mir ist völlig egal, welches individuelle Radsatz-Innenmaß die Achsen haben, solange sie die 2L NEM 310 einhalten. Hier könnte jetzt eine Lehre ins Spiel kommen. Direkt vorweg: Lehren sind keine Messmittel, Lehren erzeugen keinen Messwert! (Eine Fühlerlehre, die hier Pate für die Radsatzfächerlehre stand, ist so ein Grenzfall, weil man in enge Spalten nicht mit Messmitteln reinkommt. Diese Idee bitte schnell vergessen! Unsere Maße können problemlos mit einem günstigen, ausreichend präzisen Messmittel ermittelt werden!)
Aber wenn Lehren keine Messmittel sind, was sind sie dann? Es sind Maßverkörperungen und Kontrollmittel. Sie haben eine Größe und diese Größe kann man gegen etwas anderes vergleichen. Und nach dem Vergleich weiß man, ob das andere Ding größer oder kleiner als die Lehre ist, aber nicht, wie groß es ist, weil eine Lehre das nicht leisten kann.
Jetzt kommt der Trick: Die beiden NEMs beschreiben ein unteres und ein oberes gültiges Maß. Ist der lichte Raum zwischen den Rädern innerhalb dieses Größenbereichs, ist der Radsatz i.O. Wenn man jetzt zwei Maßverkörperungen hat, die diesen Maßen entsprechen, kann man seine Radsätze schnell und effizient auf Einhaltung "seiner" NEM kontrollieren - ohne das man nähere Kenntnisse über das eigentliche Radsatzinnenmaß erhält. Denn das interessiert nicht. Wichtig ist einzig und alleine die Einhaltung der NEM.
Wenn man jetzt einen Flachprofil aus Messing nehmen würde und das eine Ende auf ~3-5mm Länge auf das untere Maß der passendem NEM arbeiten würde und dann mit einem Absatz die nächsten x mm mit oberen Maß versehen würde, hätte man eine hocheffiziente Kontrolllehre, die man kurzerhand in jeden verbauten Radsatz an jeden Fahrzeug stechen kann:
Wenn der erste Absatz reinpasst und klappert, dann ist das Innenmaß größer als das zulässige Mindestmaß der NEM und wenn der zweite Absatz nicht rein passt, dann ist es kleiner als das Maximalmaß = Alles wunderbar und es besteht kein Handlungsbedarf. Vom exakten Radsatzinnenmaß haben wir jetzt immer noch keine Ahnung, aber das interessiert uns auch immer noch nicht. Es geht nur darum, den Radsatz als i.O ider n.i.O zu klassifizieren.
An das zweite Ende könnte man die andere NEM fertigen und hätte zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.
Und jetzt kommt der lustige Teil! Ein Messschieber ist auch eine Verstelllehre. Sauber auf das untere Maß eingestellt, kann man beliebig viele verbaute Radsätze abklappern und effizient auf Einhaltung prüfen, danach verstellt auf das obere Maß und klappert die Radsätze nochmal ab. Alle auffälligen werden demontiert und korrigiert. Da brauche ich bei meiner zu erwartenden Menge an Radsätzen im Jahr kein deidiziertes Werkzeug, sondern nur, wie Eingangs erwähnt, einen gescheiten Werkstattmessschieber, weil der unglaublich vielseitig ist und 1001 Sache kann! Für mich wird das Thema auch erst dann interessant, wenn ein Fahrzeug ständig entgleist und dann messe ich einfach direkt nach, eine EIngangskontrolle findet nicht statt, ich setze da auf die Industrie!
Wer natürlich ständig Radsätze kontrolliert, weil er sehr viel bastelt, sehr viel für andere macht, Händler ist oder auf Börsen schnell und unkompliziert prüfen will, für den wäre so eine kleine Lehre das Richtige!

Sorry,