Hallo allerseits,
kürzlich habe ich für zusammen etwa 100 Euro zwei recht interessante Modelle auf Ebay erstanden:
Hierbei handelt es sich um eine Bachmann Spectrum SD-45 (rechts) und eine Life-Like Proto 2000 U28B (links), beide der Eisenbahngesellschaft Great Northern im Zustand entspechend der späten Epoche 3.
Nun, der Umbau auf Wechselstrom. Inspiration dafür, einen Umbau zu versuchen, war diese Video des Kanals ocpfe:
Wenig überraschend sind die Modelle nicht auf den Einbau eines Schleifers vorbereitet. Das heißt, dass die Getriebeabdeckungen an den Drehgestellen bis knapp über die Schienenkante reichen und auch die Zahnräder entsprechend weit in den Bereich eines möglichen Schleifers ragen. Obwohl ich die SD-45 zuerst umgebaut hatte, möchte ich mit der U28B beginnen, da der Umbau hier um ein Vielfaches einfacher war. Leider habe ich keine Fotos vom Umbau, da mir die Idee für diesen Beitrag erst letzte Woche beim Einbau von Pufferkondensatoren kam. Aber ich werde es zumindestens versuchen, so genau wie möglich zu beschreiben, falls das jemand nachbauen möchte:

Die Achsen in den zweiachsigen Drehgestellen werden über drei mittige kleine Zahnräder angetrieben. Dabei sitzt eines der Zahnräder (jeweils innen) sehr tief, während die Zahnräder zum Antrieb der äußeren Achsen recht hoch sitzen. Dies erlaubt die Montage eines kurzen Schleifers direkt über der äußeren Achse, da dieser dann unterhalb der Zahnräder komplett einfedern kann. Somit verfügt das Modell weiterhin über einen Antrieb auf allen vier Achsen. Verwendet habe ich hier den Schleifer 7175 von Märklin. Die Trägerplatte habe ich entfernt, und den Schleifer an den Haltelaschen mit reichlich Sekundenkleber in eine entsprechend gefräste Aussparung im Getriebedeckel geklebt. Da der Schleifer bis unter den Schneeräumer ragt, habe ich diesen auch ein wenig gekürzt, da der Schleifer sonst bei Weichen die Lok aus dem Gleis hebt (Rollmaterial mit RP25-Rädern kommt übrigens wunderbar über uralte K-Gleis-Weichen, wenn man am Entgleisungsschutz etwa 2 mm dicke Papierstreifen einklebt. Uralt-Märklin fährt auch weiter drüber). Mit ein wenig schwarzer Farbe sieht man das praktisch nicht mehr.

Nun, die Stromführung. Diese ist bei den Life-Like Proto 2000 Modellen fantastisch gelöst. Die Stromabnahme erfolgt über Bleche an den Achslagern. Hier ist jeweils ein Kabel ausgehend von der NEM-Schnittstelle in eine Lasche eingesteckt. Genau, hier und auch an der Schnittstelle ist nichts gelötet, sodass ich einfach ein Kabel am Schleifer befestigt und an der Schnittstelle umgesteckt habe. Vorbildlich! Bei der Gelegenheit habe ich auch die Beleuchtung auf Tower-LED umgerüstet, wobei ich die vordere ein wenig kürzen musste (natürlich musste auch ein 1k Ohm Widerstand rein, sonst macht's bumm). Damit das Ganze nicht durch die Gegend fliegt, habe ich die Schnittstelle auf einer Pappeinlage über dem Motor befestigt. Dann hieß es nur noch, Lokpilot Basic rein, und die Lok fuhr wunderbar.

Na ja, nicht ganz. Auch der LoPi Basic 5 ist auf den Einbau eines Pufferkondensators vorbereitet. Der Platz ist aufgrund des engen Gehäuses und recht massiven Zinkrahmens eher begrenzt, aber mit ach und krach gingen ein 470 µf und 6 47 µf Elkos inklusive Ladeschaltung rein.

Nun also die Bachmann SD-45. Hier sitzen auf den Achsen recht große Zahnräder, und dazwischen jeweils nur ein sehr großes Zahnrad. Hier blieb mir nichts anderes Übrig, als das Zahnrad an einer Achse zu entfernen, wodurch das Model jetzt auf fünf Achsen angetrieben ist. Da das Modell eine sogenannte "Split-Chassis"-Konstruktion (dazu gleich mehr) aufweist, gibt es keine echte Achsen, sondern nur einzelne Räder, welche in die Plastikzahnräder gesteckt werden. Das Zahnrad habe ich hier mit einer abgeschnittenen Messingniete ersetzt, da ich nichts besseres zur Hand hatte und diese zumindestens den gleichen Durchmesser wie die Achsen aufwies. Bis jetzt hat's zumindestens funktioniert. Aber erstmal mehr zum Schleifer. Mit dem Entfernen der zwei Zahnräder zur und auf der Achse war genug Platz, dass der Schleifer einfedern konnte. Zumindestens nachdem ich die Nachbildung des Tankes ein wenig angepasst hatte. Auch dieser Schleifer ist einfach in den ausgefrästen Getriebedeckel eingeklebt.

Oha. Bei der Verkabelung bekommen wir es nun voll mit der in der englischsprachigen Modellbahngemeinschaft berüchtigten "Split-Chassis"-Konstruktion von Bachmann zu tun. Im Endeffekt besteht das gesamte Modell aus zwei Hälften mit einem Motor in der Mitte. Somit ist also ständig eine Hälfte des Rahmens mit + und die Andere mit - bestromt, Kabel oder Schnittstellen sind nicht in Sicht. Das Ganze wird über einige wenige Nylontabs zusammengehalten; die "Achsen" sind wie bereits erwähnt in Plastikteile gesteckte Räder. Joa. Also ist die Herausforderung hier nicht einmal der Umbau auf Wechselstrom, sondern überhaupt erstmal eine Schnittstelle zu schaffen. Das Modell ist so ziemlich die Definition des Gegenteils von "für DCC vorbereitet". Somit habe ich zunächst beide Rahmenteile elektrisch verbunden, alle anderen Kontakte vom Rahmen isoliert und dann mit Kabeln durch den Spalt in der Mitte zu einer Schnittstelle zusammengeführt. Apropos Schnittstelle, die braucht natürlich mehr als 5 mm Höhe; da musste ich erstmal einen entsprechenden Platz in den Rahmenteilen ausfräsen (die Anzahl der Lunker im Guss ist... beeindruckend). Dann noch die Beleuchtung auf LED umrüsten, und das Ganze hat gerade so ins Gehäuse gepasst. Nach ein paar Stunden Einstellen von CVs für den recht eigenwilligen Motor im auch hier verwendeten LoPi 5 Basic fuhr die Lok nun Digital auf Märklin-Gleisen.

Auch hier wollte ich noch Pufferkondensatoren einbauen. Mehr als 6 47 µf Elkos haben allerdings nicht reingepasst, diese sind unter dem Rahmen oberhalb der Kardanwellen in zwei Dreiergruppen angebracht. Wenigstens flackert das Licht jetzt nicht mehr...
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass so ein Umbau durchaus machbar ist. Insbesondere bei der bastelfreundlichen Life-Like Lok war der Umbau mit nur geringem Aufwand verbunden. Wichtig ist hier, dass die Getriebeanordnung den Einbau eines Schleifers zulässt, sonst verliert man angetriebene Achsen (wobei das bei Roco allerdings auch nicht anders ist...). Eine vorbereitete NEM-Schnittstelle ist natürlich auch hilfreich und erleichtert den Umbau enorm. Mit der angesprochenen Modifikation der Weichen fahren die Loks auch auf (sauber verlegten!) Märklin-Gleisen verlässlich. Einzig die Zugkraft lässt aufgrund des Fehlens von Haftreifen ein wenig zu Wünschen übrig. Was die "Split-Chassis"-Konstruktionen von Bachmann betrifft, kann ich nur sagen: Finger Weg! Aber das dürften die DC-ler schon wissen.
Grüße, Mike

. Mal schauen.....




