Hallo liebe Feldbahnfahrer,
ich komme mit der REL A mal in dieses Unterforum, obwohl sie aus Klemmbausteinen gebaut ist, in der Hoffnung, dass es keinen stören möchte.
Vor kurzem ist meine REL A nach vielen Jahren des Tiefschlafes fertig geworden. 
Zuerst zum Vorbild: "REL" bedeutet "Ruhrkohle Einheits Lok". Diese batteriebetriebenen Elektroloks für die Zechen der Ruhrkohle AG im Ruhrgebiet wurden Anfang der 1990er Jahre bei der Schalker Eisenhütte in Gelsenkirchen entwickelt und gebaut. Elektrik kam von Siemens, die Batterie lieferte Hagen. Eine REL A war ca. 6m lang, 1m breit und 1,80m hoch und wog 15 Tonnen. Höchstgeschwindigkeit war 25km/h und die maximale Zuglast 140t. Die Spurbreite war in bestimmten Grenzen einstellbar.
Natürlich war das Haupteinsatzgebiet, die Kohleloren von den unterirdischen Abbaufeldern zum Förderschacht zu transportieren. Aber es gab unter der Erde auch Personenzüge: in den ausgedehnten Gruben wurden die Kumpel zu ihren Arbeitsplätzen gefahren und bei Schichtende auch wieder zurück zum Schacht. Es gab richtige Bahnhöfe, und Gerüchten zufolge konnte man da unten auch von Stadt zu Stadt fahren.
Als der Kohlebergbau im Ruhrgebiet eingestellt wurde, fragte so mancher Feldbahnverein sich, ob man da von den Loks, weil die werden ja nicht mehr gebraucht, vielleicht eine haben könne...? Die Loks waren modular konstruiert, die Module passten in einen Förderkorb. Deswegen gibt es heute noch einige Exemplare davon im Privatbesitz. Auch wenn die "Aufräummannschaften" in den stillgelegten Zechen dem Vernehmen nach beim Transport nach oben nicht immer vorsichtig damit umgegangen sind.
Darauf gekommen bin ich, weil ich ein Eisenbahnmodell suchte im Maßstab zu den Puppen meiner Frau. Kleinere japanische Puppen sind 1:12, das war da eine gute Wahl. Ich habe mir ausgerechnet, wie breit die Legoschienen denn dabei im Vorbild wären und kam auf ungefähr 600mm. Also Feldbahn, Moorbahn oder Grubenbahn. Das klang doch erst Mal gut.
Nun bin ich bei den ersten Vorbildern, die ich im Web zu Gesicht bekam, nicht recht glücklich gewesen. Die kleinen Feldbahn-Dieselloks treffen meinen Geschmack nicht so ganz. Als ich dann endlich auf die REL A gestoßen bin, war ich begeistert: die sieht doch wie eine richtige Elektrolok aus!
Aus der Idee, die Püppchen meiner Liebsten in kleinen offenen Wagen spazieren zu fahren ist schließlich nichts geworden. Die Lok wollte ich trotzdem fertig bauen.
Beim Aufbau des Modells habe ich mich an die Module des Vorbilds gehalten. Eine REL A besteht aus zwei Halbrahmen mit je einer Achse, zwei Führerhäuschen an den Enden, einer Ansteuerung des Motors in der Mitte auf den kombinierten Halbrahmen, und zwei Batterieboxen ebenfalls auf Letzteren.

Fangen wir mit einem kleinen Führerhäuschen an. Türen hat eine REL A nicht, also fällt der Blick im Inneren sofort auf den Fahrersitz. Viel Platz ist da drin nicht, mehr als eine Person geht nicht hinein. Unter dem Fahrersitz liegt auch ein Feuerlöscher, und die kleine rote 1x1 Fliese deutet das entsprechende Hinweisschild dafür an. Unter dem Frontfenster befindet sich eine kleine Bedienkonsole. Kleine Konsolen gibt es auch rechts und links an der Wand des Führerhauses, allerdings war aus der verfügbaren Literatur nicht herauszubekommen, wo genau der Fahrtregler sitzt.
Die Akkukästen waren einfach zu bauen. Ich habe in beide davon je einen Halter für einen 18650er Li-Ion Akku eingebaut. Im Bild ist der Deckel abgenommen. Die 6 AAA-Zellen in einer Lego-Batteriebox sind ja wohl, was Kapazität angeht, ein schlechter Witz. Deswegen "hacke" ich die Boxen, löte innen an die Kontakte Tamiya-Stecker an und versorge die Batterieboxen mit zwei externen Li-Akkus. 18650er habe ich eine gewisse Zahl, weil ich die verbrauchten Akkublöcke aus unserem Staubsaugerroboter auseinandernehme. In der Regel ist in denen nur eine Zelle wirklich am Ende. Der Rest lässt sich gut für größere Modellbahnloks weiter benutzen. 

So, wie in den Akkuboxen wirklich Akkus sind, ist die gehackte Lego-Batteriebox ohne Batterien in der Motorsteuerung versteckt. Das Oberteil der Steuerung ist abnehmbar, um den Empfänger in der Box einzuschalten.
Wegen dem relativ großen Radstand des Modells bin ich mit einem Eisenbahnmotor nicht ausgekommen. Ein Motor ging in einen Halbrahmen auch am Besten schräg hinein. Da dachte ich mir, mache ich doch einen Tatzlagerantrieb daraus! Im Modell dreht sich die zweite Achse in zwei Blindlöchern im Halbrahmen und dient so als Lagerung des Motors.
Die schwarzen Radlager sind beim Vorbild mit dicken Gummiplatten gefedert. Statt hartem Gummi habe ich Fensterdichtband genommen. Am Anfang, als die beiden Halbrahmen neu waren, hat das wirklich gefedert. Inzwischen ist das Modell aber so schwer geworden, dass die Lagerblöcke am Rahmen aufsetzen. Da müsste ich vielleicht doch mal richtige Gummiplatten reinmachen.


Und um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich eine solche Lok im Orignal anfühlen könnte, sagt die kleine Miu-chan aus der Sammlung meiner Frau jetzt "Konichiwa" (japanisch für "Guten Tag") und steigt in das Führerhaus ein. Man sieht ganz gut, dass 1:12 Puppe und 1:12 Lok ganz gut zueinander passen.
Ich habe gestern ja einen kurzen Fahrtag auf der Parkettbahn gemacht und die Kleine auf ihrem Platz gelassen. Sie machte so den Eindruck, als ob ihr das Fahren in einer Grubenlok Spaß gemacht hätte. 
Literatur:
Bahn-Express - Magazin für Werkbahnfreunde,
Kiel 1992, Heft 2/92,
S. 202-206.




