Moin zusammen,
ich möchte mich an dieser Stelle kurz mal im Forum vorstellen. Mein Name ist Jan und komme gebürtig aus Frankfurts schönster Nachbarstadt.
Mit 6 oder 7 Jahren startete für mich der Einstieg in die Modellbahnwelt als ich von meinen Eltern eine Roco Starterpackung (BR215 mit Güterzug) zu Weihnachten erhielt.
In den nachfolgenden Jahren baute mein Vater mir einen Abschnitt mit eigenem Oval als Anbau und Teil an seine Modellbahnanlage.
So kam ich auf den Geschmack und mit Bahnhof, einem kleinen Güterbahnhof und Lokschuppen wurde es auf der Anlage erstmal nicht langweilig.
Nach und nach bin ich dann in meiner "Jugend" in den Bereich des Fahrzeugmodellbaus gewechselt und baue heute hauptsächlich Fahrzeuge im Maßstab 1/87.
Dennoch bin ich der Modellbahn verbunden geblieben und sammle und baue nach wie vor Loks und Wagen, meist mit einem Bezug zur Stadt Offenbach am Main.
Hierzu zählen Hafen- und Industriebahn, S-Bahn sowie Bahnen der Offenbach-Dieburg Strecke und was es da halt noch so gibt. 
So kam dann auch das nachfolgende Diorama zustande was das Hobby Feuerwehrmodellbau und Modellbahn verbindet...aber lest selbst
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(Bilder © Jürgen Mahnke)
Donnerstag, 22. November 2001 - 22:58 Uhr – Ein Anruf der Notfallleitstelle der Bahn AG aus Frankfurt erreicht die Leitfunkstelle der Offenbacher Berufsfeuerwehr. „Der Triebkopf eines Zuges qualmt, aber brennt nicht! Der Zug hält in wenigen Minuten im Offenbacher Hauptbahnhof. Schicken Sie zur Kontrolle ein Fahrzeug. Es handelt sich nur um eine Kontrolle, der Zug brennt nicht“ betonte der Anrufer erneut. Das sich diese Meldung als falsch herausstellen soll, wird Einsatzleiter Manuel Hoppert beim Eintreffen des Löschzuges am Offenbacher Hauptbahnhof schnell klar. Aus dem hinteren Triebkopf schlagen bereits, weithin sichtbare Flammen heraus. Der ICE 697 „Henriette Herz“ war auf dem Weg von Berlin nach Karlsruhe, als dem Lokführer in Höhe Hanau eine Störung und entgegenkommende Lokführer den qualmenden Triebkopf melden. Der Einsatz dauerte bis in die frühen Morgenstunden an. Erst um 04:02 Uhr kann schließlich „Feuer aus“ gemeldet werden. Ein Einsatz der sich in die Geschichte des deutschen Technikwunders „ICE“ und der Offenbacher Feuerwehr gebrannt hat.
Denn noch bis heute ist vielen Offenbacher Feuerwehrleuten dieser Einsatz im Gedächtnis geblieben. Vielleicht gerade deshalb nahm ich es zum Anlass, diesem Einsatz ein Diorama im Maßstab 1/87 zu widmen. Seit 2018 plante ich die Umsetzung … doch leichter gesagt als getan, denn ein detailliertes Modell des ICE 1 im Maßstab H0 kostete weit über 200,- €. Ein glücklicher Zufall sollte dem ganzen dann etwas Schwung verleihen. Beim Besuch eines Berliner Modellbahngeschäftes im November 2019, fand ich einen ICE 1 der Firma Märklin. Das als „defekt“ markierte Modell war für schmales Geld zu haben. Fahren musste er ja ohnehin nicht mehr, somit war das perfekte Spendermodell gefunden. Schnell war klar, jetzt konnte es losgehen. Die detaillierte Planung begann mit Luftaufnahmen des Offenbacher Hauptbahnhofes, lesen des Berichtes aus dem Feuerwehr-Magazin und einer Holzplatte. Auch die Videokassette „Wenn der ICE brennt“ von Kai-Uwe Wärner und Michael Zier wurde einige Male durch den VHS-Recorder gequält. Eine grobe Anordnung der Gleise, Straßen und der Böschung wurde auf der Holzplatte aufgezeichnet und der Geländebau begonnen. Der erhöhte Bahndamm wurde als zweite Ebene angehoben und anschließend alles verspachtelt, mit Büschen und Bäumen „begrünt“ und mit Farbe bemalt. So nahm das Diorama nun langsam Gestalt an. Der ICE erhielt nun einen dem Brandereignis entsprechenden Look. Hierzu wurde er mit verdünnter schwarzer Farbe in mehreren Schichten bemalt. Auf dem Diorama wurden neben Schläuchen, unzähligen Preiser-Figuren, Laternen und allerlei Kleinigkeiten auch Oberleitungen und Gebäude platziert und verklebt. Ebenfalls wurden einzelne Feuerwehr-Fahrzeuge extra für das Diorama gebaut.
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Nach zwei Jahren und über 300 Stunden Arbeit ist das Andenken, an einen der interessantesten Einsätze der Offenbacher Feuerwehr, fertig gestellt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Uwe Sauer (BF Offenbach), Thomas Picard (BF Offenbach) und vor allem Michael Zier (Dokuteam / „Firemovie“) für die Unterstützung bei der Recherche, den vielen Informationen und Geschichten rund um den Einsatz.
Einen Bericht über den Einsatz, gab es im #throwback am 20. Jahrestag des Einsatzes auf den Seiten der Berufsfeuerwehr Offenbach am Main zu sehen. Zu diesem Termin wurde auch das Diorama fertiggestellt und veröffentlicht.
Doch was bleibt an der Geschichte dieses Einsatzes noch zu erzählen? Bei den Recherchen zu diesem Einsatz, stieß ich auf die Geschichte des Triebkopfes. Informationen wie zum Beispiel das Baujahr, den Taufnamen oder den heutigen Namen kamen so zusammen. Und dann bleibt noch die spannende Frage, was geschah eigentlich mit dem ausgebrannten Triebkopf? Quasi „das Leben nach dem Feuer“…
Noch während des Einsatzes wurde der ICE durch einen Montagetrupp des ICE-Werk Frankfurt getrennt. Da die Arbeiten direkt am Triebkopf zu gefährlich gewesen wären, einigte man sich darauf den Zug zwischen erstem und zweitem Wagen zu trennen. Die Arbeiten dauerten rund drei Stunden. Anschließend wurde der vordere Teil des Zuges durch eine Diesellok in Richtung Frankfurt geschleppt. In den Morgenstunden des 23.11.2001 wurde der hintere Triebkopf, des Triebzuges „Tz 120“ mit der Kennung 401 020, zusammen mit dem ersten Mittelwagen (802 806) des ICE 697 von einer Lok der Baureihe 140 (E40), in den Offenbacher Güterbahnhof geschleppt. Dort führte die Feuerwehr, gemeinsam mit der Deutschen Bahn (DB), noch einmal Kontrollen sowie eine Begehung durch. Einige Tage später wurde der Triebkopf in das ICE-Ausbesserungswerk nach Nürnberg (AW Nürnberg) geschleppt und dort auf dem Außengelände abgestellt. Zusammen mit dem Triebkopf 401 551, dem hinteren Triebkopf des ICE 884, welcher bei der Katastrophe am 03. Juni 1998 in Eschede verunglückte, stand er noch bis 2006 „in der letzten Ecke“ des AW Nürnberg rum. Nach einem Zusammenprall des Triebkopfes 401 573 im April 2006 mit zwei Lokomotiven der Schweizer BLS Lötschbergbahn AG im Bahnhof Thun (Schweiz), wurde dieser ebenfalls ins AW Nürnberg geschleppt und dort wieder aufgebaut. Als Ersatzteilspender dienten die beiden in Nürnberg abgestellten ICE 1 Triebköpfe 401 020 und 401 551. Der in Offenbach ausgebrannte Triebkopf 401 020 wurde anschließend verschrottet.
Ich hoffe mein kleiner Einstand ins Forum gefällt.
Beste Grüße aus Offenbach
Jan 



