RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#26 von Nicowo6785 , 05.05.2025 14:12

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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#27 von Bigboy2 , 05.05.2025 14:24

... dem Foto nach sieht das eher nach einer Beschädigung aus, nicht nach Zinkpest. "Zinkpest" ist ja eine interkristalline Korrosion, die normalerweise die komplette Schmelze betrifft, in der Regel durch geringe Verunreinigungen, vor allem Blei ... Das sowas nur an einer kleinen Stelle von einem Teil auftritt, ist eher selten. Ist denn hier das Material zerbröselt oder hat es nur "Macken" bzw. die Farbe ist abgegangen? Bei letzterem könnte auch eine Verunreinigung durch Kühlmittel bei der NC-Bearbeitung die Ursache sein, so dass die Farbe schlechter hält und das Material grau anläuft. Auch das ist eher unwahrscheinlich, da die Druckgussteile penibel gereinigt und vor der Lackierung vorbehandelt werden.

Nicht alles, was an einem Druckgussgehäuse kaputtgeht, ist Zinkpest ...


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#28 von Michael Knop , 05.05.2025 15:21

Zitat von Nicowo6785 im Beitrag #25
Meine Märklin BR012 Artikelnummer 3710 hatte auch am Gehäuse Zinkpest (oben am Schornstein) aber glücklicherweise nur am Gehäuse und nicht am Rahmen.
Ich werde mal ein bild angängen, habe glücklicherweise noch ein ersatzgehäuse welches unbenutzt war bekommen. Das alte Gehäuse hatte eh ein Falsches Führerhaus montiert. Meine Märklin 3710 ist von 1993. Da bei dem Modell die ersten zwei Zahlen das Baujahr waren in der Seriennummer, die befindet sich vorn unter der vorlaufachse. Das Bild wurde gemacht bevor ich das Teil getauscht habe


Hi,

das ist keine Zinkpest! - da ist allerhöchstens etwas Korrosion, weil die Farbe "verloren gegangen" ist (wie auch immer).

Zinkpest entsteht immer im gesamten Werkstück, nicht nur an "einer Ecke" des Werkstücks.


Dann, nur bei Modellen am etwa 2010 ist die Jahreszahl 2 Stellig (Jahrzehnt und Jahr) in der Seriennummer, vorher war immer nur das Jahr, und das Jahrzehnt war über die Farbe von Aufkleber und Druck "codiert".


Viele Grüße, Michael


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#29 von Michael Knop , 05.05.2025 15:25

Zitat von Bigboy2 im Beitrag #27
... dem Foto nach sieht das eher nach einer Beschädigung aus, nicht nach Zinkpest. "Zinkpest" ist ja eine interkristalline Korrosion, die normalerweise die komplette Schmelze betrifft, in der Regel durch geringe Verunreinigungen, vor allem Blei ... Das sowas nur an einer kleinen Stelle von einem Teil auftritt, ist eher selten. Ist denn hier das Material zerbröselt oder hat es nur "Macken" bzw. die Farbe ist abgegangen? Bei letzterem könnte auch eine Verunreinigung durch Kühlmittel bei der NC-Bearbeitung die Ursache sein, so dass die Farbe schlechter hält und das Material grau anläuft. Auch das ist eher unwahrscheinlich, da die Druckgussteile penibel gereinigt und vor der Lackierung vorbehandelt werden.

Nicht alles, was an einem Druckgussgehäuse kaputtgeht, ist Zinkpest ...



Hi,

Zinkpest ist KEINE interkristalline Korrosion, sondern ein kristallografischer Vorgang, bei dem die Orientierung des Kristallgitter wechselt. Mit diesem Wechsel ist eine Volumensvergrößerung gegeben, weshalb die Werkstücke "wachsen" und aufgrund der damit verbundenen enormen mechanischen Spannungen auch reißen.


Viele Grüße, Michael


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#30 von SAH , 05.05.2025 17:42

Hallo Michael,

Zinnpest ist eine Kristallstrukturumwandlung von β-Zinn in α-Zinn bei unter 13,2°C. Zinkpest ist interkristalline Korrosion verursacht durch Blei und Antimon im Zinkdruckguss.


mit freundlichen Grüßen
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#31 von Michael Knop , 05.05.2025 20:30

Zitat von SAH im Beitrag #30
Hallo Michael,

Zinnpest ist eine Kristallstrukturumwandlung von β-Zinn in α-Zinn bei unter 13,2°C. Zinkpest ist interkristalline Korrosion verursacht durch Blei und Antimon im Zinkdruckguss.



Hi Stephan-Alexander,

Ich beziehe mein oben kund getanes Wissen aus einer Ausbildung zum Werkstoffprüfer und Weiterbildung zum staatlich geprüften Werkstofftechniker in Verbindung mit wissenschaftlicher Literatur, und nicht aus populären Quellen.


Und so habe ich gelernt, das Korrosion immer irgendwie eine Veränderung der chemischen Zusammensetzung des ursprünglichen Materials (zumeist mit Sauerstoff, aber nicht ausschließlich) ist.

Das passiert bei Zinkpest nicht! Hier bleibt die chemische Zusammensetzung unverändert, und wie oben geschrieben, kristallisiert der Werkstoff um.

Und im Gegensatz zur Zinnpest ist Zinkpest nicht vom erreichen bestimmter Temperaturpunkte abhängig, sondern läuft beim vorliegenden des „Erregers“ (zumeist Blei in der Legierung, siehe Kommentar von Dölerich, aber es gibt weitere auslösende Elemente), ab der Erstarrung und folgender Abkühlung auf Raumtemperatur ohne weiteren äußeren Auslöser beständig ab.

Deswegen kann es den oben teilweise genannte Vorgang „die Zinkpest trat plötzlich nach jahrzehntelangem einwandfreiem Zustand auf“ nicht geben.



Viele Grüße, Michael


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#32 von Triebkopf , 05.05.2025 21:20

Hallo zusammen,
Hier mal ein Foto der Wagenboden der Güterwagen aus dem Set 45651. Gut zu erkennen, wie das Material seine Struktur im Volumen geändert hat und dann bei leichtem Druck in ein kleines Puzzle zerbröselt.



Zum Thema Zinkpest lohnt auch ein Blick in die bekannte Online-Enzyklopädie

Viele Grüße
Bojan


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#33 von SAH , 05.05.2025 21:26

Guten Abend Michael,

da Zink aber nur in einer Modifikation (hexagonal dichteste Kugelpackung, zwar ungewöhnlich für ein Metall ist aber Fakt) existiert, kann es keine Strukturänderung unter Volumen zu und damit Dichteabnahme geben. Nachzulesen z.B. im Lehrbuch der Anorganischen Chemie "Holleman-Wiberg" vom deGruyter Verlag.
In den Lehrbüchern für Werkstoffkunde findet man ferner folgende Angaben zu Zink:
Zugabe von 4% Al verhindert ein all zu leichtes Legieren des flüssigen Zinks mit dem Eisen der Gussformen und geringe Anteile von Magnesium verhindern die interkristalline Korrosion.
Die negativen Einflüsse von Blei und Antimon wurden schon angegeben.
Da Du Dir so sicher zu sein scheinst, frage ich Dich nun ganz direkt, in welchem Werk Deine Angaben zu finden sind.
Und bitte nicht schwadronieren, was man wo, wie und womit wie lange gelernt hat, das bringt uns nicht weiter.


mit freundlichen Grüßen
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#34 von SAH , 05.05.2025 21:36

Guten Abend Bojan,

vielen Dank für Deine Bildbeiträge! Sie zeigen deutlich die Auswirkungen.
Im Nachbarforum "FAM" gibt es zum Thema ganze Horrorbilderserien.
Die bekannte "Online-Enzyklopädie" halte ich für weniger geeignet als die richtige Fachliteratur.
Als Einstieg könnte man "Ullmann Handbuch der technischen Chemie" nehmen.


mit freundlichen Grüßen
Stephan-Alexander Heyn


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#35 von Michael Knop , 06.05.2025 08:56

Zitat von Triebkopf im Beitrag #32
Hallo zusammen,


Zum Thema Zinkpest lohnt auch ein Blick in die bekannte Online-Enzyklopädie

Viele Grüße
Bojan




Hi Bojan,

genau diese Quelle meine ich - die ist leider nicht korrekt, bzw. sehr unvollständig.


@ Stephan-Alexander:
da diese Diskussion hier schon mehrfach geführt wurde, nutze bitte die Suche, Dölerich und andere haben auch schon entsprechende Quellen genannt.

Nur eines Noch: Korrosion definiert sich durch Interaktion mit der Umgebung, und es werden neue chemische Verbindungen (Oxide, etc.) gebildet. Und genau das passiert bei Zinkpest nicht, es findet keine Interaktion mit der Umwelt statt, bzw. das Ausschalten dieser Bedingungen verändert nicht den Fortschritt der Zinkpest.



Aber ich bin jetzt hier Raus, da es sich im Kreise Dreht!


Viele Grüße, Michael

PS: das letzte Bild des Wikipedia Artikel (aufgewölbte Oberfläche eines Zinkdruckgussbauteils (Märklin T800 Lokomotive, Rasterelektronenmikroskopie) zeigt eine Gasblase, sie hat aber auch GAR ICHTS mit Zinkpest zu tun! Soviel zur "Qualität" des Artikels!


X2000, Stummilein, K. Malinowski, Thinkle, Triebkopf und MäKa haben sich bedankt!
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zuletzt bearbeitet 06.05.2025 | Top

RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#36 von kurtbroer , 11.03.2026 10:33

Hallo,

ein wenig Off-Topic, passt aber ins (ausgegrabene) Thema und ist, wie ich finde, ein interessanter und kreativer Ansatz, mit Zinkpest-Opfern umzugehen!
Langzeitstudie "Zinkpest" von Robert Müller, automobilia.de, Testobjekt: KBK Buick Super 1946; veröffentlicht in: Caramini online, 02/2026

Gruß


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#37 von memento , 11.03.2026 11:35

Hallo zusammen,

wenn das so ist, daß die Zinkpest bei betroffenen Modellen die ganze Zeit "stattfindet", und nicht erst nach Jahrzehnten "ausbricht" ... wie ist denn das dann in der Praxis?

Will sagen: ich interessiere mich heute für ein konkretes Modell von 1950, welches augenscheinlich keine Zinkpest hat - keine Risse, keine Abbrüche. Kann ich dann sicher sein, daß das bei diesem speziellen Modell nie mehr zum Vorschein kommt, auch wenn andere Modelle der gleichen Baureihe schon oft an Zinkpest "gestorben" sind?

LG
Thomas


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RE: Märklin Modelle ab Mitte 1990er Jahre: "Zinkpest"

#38 von Dölerich Hirnfiedler , 11.03.2026 11:50

Zitat von memento im Beitrag #37


Will sagen: ich interessiere mich heute für ein konkretes Modell von 1950, welches augenscheinlich keine Zinkpest hat - keine Risse, keine Abbrüche. Kann ich dann sicher sein, daß das bei diesem speziellen Modell nie mehr zum Vorschein kommt, auch wenn andere Modelle der gleichen Baureihe schon oft an Zinkpest "gestorben" sind?




Hallo Thomas,

Ja, Du kannst Dir sicher sein. Ein Modell, das über 10 Jahre alt ist und keine Probleme hat wird auch niemals Probleme bekommen.

mfg

D.



Aus einem Märklin-Patentantrag von 1975.


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