Loknummer: E 44 098
Betroffenes Ersatzteil: Motor Art Nr. 30 4413 oder 30 4425 (für 37440), wahrscheinlich baugleich, Hersteller Bühler,Art Nr, 1.16.0311.319, nicht mehr verfügbar, auch nicht gebraucht in der Bucht.
Geschichte:
Ich mag diese Lok sehr, wahrscheinlich gerade wegen dem fehlenden Digitalschnickschnak, wer´s mag. Gewisse sentimentale Erinnerungen als Zug- oder Schublokomotive eines Wendezuges vor oder nach Silberlingen mit Hasenkasten auf meinem Schulweg in den frühen 80ern prädestinierten sie um 2008 herum als zweite Lokomotive meiner kleinen Anlage. Sie ist bärenstark. Die Bewegung dieses Modells ist so authentisch wie das damalige Vorbild. Kein Vergleich zu dem eher plumpen Primex Modell.
Problem:
Sie wurde immer langsamer. Das konnte ich schon bemerken, als ich sie in den mehrere Jahre dauernden Winterschlaf einmottete, da ich die Anlage aus Platzgründen weg machen musste. Nach einem Umzug allerdings baue ich an einer neuen Anlage, auf der diese Lok natürlich auch präsent sein soll. Jedoch, sie ruckelte. Die LEDs leuchteten, aber sie bewegte sich wie eine rheumatöse Schildkröte. Bis sie endgültig beschloss, nur stehen zu bleiben. Natürlich wollte ich das nicht so lassen, also ab damit in den Service von Märklin. Der Kostenvoranschlag übertraf den Beschaffungswert einer Gebrauchten in der Bucht, aber was solls. Ich bekam dann bald ein Päckchen mit dem Hinweis, es hätte sich erst bei der Reparatur herausgestellt, daß der Motor kaputt ist und dazu nicht mehr lieferbar. Unrepariert zurück. Zumindest haben sie noch einen Satz Haftreifen beigefügt. Danke dafür! Nun wenn der Motor das Problem ist, dann mal los.
Symptome:
Nachdem ich die Gute aufgemacht habe, habe ich mal den Motor ausgebaut. Schwungmasse und Kardanschlitze. Nahezu unlößbar mit der Antriebsachse verbunden. Hier gibt es eine Anleitung mit Abziehern, aber das ist wahrscheinlich auch etwas für Spur I Motoren und für Freunde des Physischen. Nach Anlegen einer geringen Gleichspannung fing der Motor auch an zu laufen, jedoch irgendwie unrund, vibrierend. Eine Erhöhung der Spannung führte nicht zu der erwartenden linearen Drehzahlsteigerung. (Dafür braucht man kein Messgerät). Der Motor wurde auch sehr warm, gefühlt so an die 50°. Beim Verbinden mit dem Lokdecoder zeigt sich auch, daß der in ungefähr die gleiche Temperatur hat. Ein deutlicher Hinweis auf erhöhte Stromaufnahme. Das führte auch zu einer Erwärmung des massiven Gußteils, das den Motorraum darstellen soll.
Ursache:
Wie auch schon an anderen Stellen hier im Forum erwähnt ist die Bauart des Motors mit Graphitbürsten. Sie verdrecken mit ihrem Graphitabrieb den Kollektorspalt, sodaß die Magnetspulen des Ankers durch die Leitfähigkeit des Graphits mit Strom durchflossen werden, wenn sie eigentlich genau nicht sollten. Dadurch erzeugen sie ein Magnetfeld, das gegen den Dauermagneten gerichtet ist und damit abstoßend wirkt. Dadurch erklärt sich auch die Erwärmung, der Stromverbrauch sowie die nicht lineare Erhöhung der Drehzahl sowie das Vibrieren.
Lösung:
Die Lösung beseht hier nicht im Auseinandernehmen des kleinen Motors und einer mechanischen Reinigung des Kollektors und der Kollektorspalten (wer´s will, kann dennoch). Vielmehr ist es recht trivial. Beim Versuch mit einer Subkutanspritze Aceton auf den Kollektor aufzubringen und die gelöste Masse etwas vom Kollektor abzunehmen trat bei dem Test nachher zwar eine Besserung ein, jedoch kein Verschwinden. Vibration, Erwärmung waren immer noch da, allerdings vermindert. Was ist dann naheliegender als den Motor komplett in ein Acetonbad einzulegen, das vorher erwärmt wird (keine Microwelle!, Wasserbad!) . Einen Tag mit gelegentlichem Herausnehmen und Drehen der Schwungmasse und die gelbliche Färbung des Acetons zeigten dann auch die gewünschte Wirkung, nach vollständiger Trocknung (gegebenenfalls Föhn). Lineare Beschleunigung, kalter Motor, kalter Decoder.
Nachwort: Aceton ist nicht gesundheitsförderlich. Gute Belüftung ist unbedingt erforderlich! Gebrauchtes Aceton gehört NICHT in die Kanalisation, sondern kann wiederverwendet werden, indem man die Acetonspülung in verschliessbaren Gefäßen aufbewahrt. Die Motorachse muß danach in den lagern geölt oder gefettet werden.
