@sts: Ja, der Druck wurde gestern abend noch beendet. Es druckt inzwischen schon die nächste Wand, dieses mal "nur" ein 11h-Druck. Da kommen dann noch etliche weitere, denn der Gebäudekomplex ist lang.
Daher mache ich erstmal weiter mit dem Rückblick. Von der Kehrschleife/H0e-Oval im Untergrund ist vorne ja ein kurzes Stück Dreischiebengleis zu sehen. Ich will schließlich auch meine H0e-Fahrzeuge sehen und diese können ja nicht ins BW. Meine Anlage spielt in Epoche III. Zu der Zeit hatten erst wenige Leute ein Auto, insb. nicht einfache BW-Arbeiter. Aber irgendwie müssen die ja auch zu ihrer Arbeitsstelle kommen. Also mußte es einen Haltepunkt am BW geben, der ja schon auf den Bildern zu sehen war.
Das Haltepunkt-Segment ist bei einer Länge von 120 cm lediglich 20 cm tief und läßt sich vorne herausziehen. Da sich dahinter der H0e-Schattenbanhof befindet, mußte zwischen Untergrund und BW-Ebene auch genügend Eingriff-Höhe vorhanden sein. Das ergab dann einen gewaltigen Höhenunterschied bei nur 20 cm Segmentbreite.
Die Ausgangssituation sah also so aus:

Meine Anlage spielt nicht im Hochgebirge, sondern eher im nördlichen Bereich, wo die Gletscher der Eiszeit das Land abgeschliffen hatten und als Felsen nur Findlinge herumliegen (Zweistein = 2 große Findlinge als touristische Attraktion in der Stadt). Aber auch hier gib es Höhenunterschiede (Holsteinische Schweiz, es gibt sogar einen "Berg" mit Skilift). Bei der minimalen Tiefe des Segmentes kam da also nur eine Stützmauer in Frage, denn schließlich soll ja auch noch Platz bleiben für den Bahnsteig. Da das Gleis bereits aufgrund des Platzmangels parallel zur Anlagenkante liegt, durfte da aber nicht einfach eine gerade Mauer hin. Das hatte ich bereits bei der Planung berücksichtigt und einen leichten Knick, soweit es die Gleise im BW erlaubten, eingeplant. Die Stützmauer mußte oben im BW auch gleichzeitig die Absturzsicherung für die BW-Arbeiter bilden, so daß sich bis zur Mauerkrone eine Höhe von satten 19 cm ergab, und das bei nur 20 cm Segmentbreite. Das war eine Herausforderung, das glaufhaft darzustellen. Die Stützmauer mußte also irgendwie aufgelockert werden. Damit die BW-Arbeiter vom Haltepunkt zu ihrer Arbeitsstelle kommen können, mußte es rechts also eine Treppe zur BW-Ebene geben.
Damit ich die Wirkung verschiedener Mauerkonstruktionen schnell und einfach auf ihre optische Wirkung hin testen konnte, hatte ich mir für die Stellproben die Mauerteile einfach mal aus Styrodur-Trittschalldämmung zurecht geschnitzt. Die dünne Styrodurplatte läßt sich sehr einfach mit dem Cutter zurecht schneiden, ist aber andererseits, im Gegensatz zu Papier oder dünner Pappe, auch in sich stabil genug für die Stellproben. Die einzelnen Stücke hatte ich dann einfach mit Tape zusammen gehalten.
Hier sind die ersten groben Schnitzaktivitäten zu sehen. Der Messwagen durfte natürlich auch nicht fehlen, denn damit wurde die Einhaltung des Lichtraumprofiles überprüft.

Was auch gut zu erkennen ist, daß eine so hohe Mauer ohne optische Unterbrechung übel aussieht (links). Daher hatte ich bei etwas mehr als der halben Mauerhöhe noch einen Absatz eingefügt. Mit etwas Grünzeug auf diesem Absatz sieht die Mauer dann schon nicht mehr so gigantisch aus.
Allerdings gab es noch ein optisches Ungleichgewicht zwischen rechter und linker Seite. Da der rechte Treppenaufgang nur für BW-Arbeiter erlaubt ist, mußte es auch noch einen Zugang zum Haltepunkt auf der linken Seite geben, da sich dort noch eine Straße befindet, um die Einfahrt in die Wendel zu tarnen. Mit einer zweiten Treppe hätte der Haltepunkt aber zu symmetrisch ausgesehen. Also kam dort eine Rampe hin. So können dann auch Radfahrer bis auf den Bahnsteig fahren, wo es dann auch einen Fahrradständer gibt. Die üblichen runden Tunnelportale hätten hier auch deplaziert ausgesehen, so daß ich dort lediglich eine Unterführung geplant hatte. Und damit die Höhe über den beiden Unterführungen nicht so gigantisch wirkt, kam dort noch jeweils ein Fußweg bzw. links ein Rad/Fußweg hin.
Hier dann mal die Stellprobe aus der Vogelperspektive.

Die Frage ist auch, welche Steigung man den Radfahern noch zumuten kann. Aufgrund der zu überwindenden Höhe und der geringen möglichen Länge des Radweges ist die Steigung doch schon recht heftig. Da ich keine für Radwege maximal erlaubte Steigung ergoogeln konnte und Straßen, auf denen ja auch Radfahrer fahren, häufig auch Steigungen von über 25% haben, war ich dann nach rein optischen Gesichtspunkten vorgegangen. Und für den Bahnsteig mußte ja uch noch genug Platz bleiben.

Die Graupappe zeigt eine Steigung von ca. 25%, d.h. unter der Berücksichtigung, daß wegen des Bahnsteiges die Fläche dort noch etwas höher wird, würde ich es bei einer Steigung von 25% mal gerade so bis über das Tunnelportal schaffen.
Die Steigung des Radweges sah damit aber doch zu heftig aus. Daher hatte ich noch etwas geschnitzt und sowohl rechts bei dem Treppenaufgang als auch links bei dem Radweg die vorderen Mauertreppen um eine Stufe erniedrigt. Das ganze sah dadurch dann etwas harmonischer aus.

Der Radweg links hatte jetzt nur noch eine Steigung von ca. 20% und kam dadurch beim linken Portal nur knapp über die Tunnelröhre.
Ich hätte dann also direkt über dem Tunnelportal in mehreren Serpentinen (quer zum Tunnel) weiter nach oben gemußt, denn wie auf dem Bild zu sehen endet das Tunnelportal bereits bei etwas mehr als der halben Höhe zur BW-Ebene. Es war also noch eine recht große Höhe von dort aus zu überwinden. Durch den über dem Tunnelportal querenden Radweg würde auch das Mäuerchen über der Tunnelöffnung deutlich niedriger, was besser wirkt als eine zu hohe Mauer über dem Portal.
Auf der rechten Seite müßte ich wegen des um eine Stufe tiefer gesetzten Fußweges ebenfalls über dem Tunnelportal in einer Serpentine eine längere Treppe einbauen, im Bild oben symbolisiert durch das schräge Stück Trittschalldämmung über dem rechten Portal.
Weitere Schnitz-Tests ergaben aber nun, daß Serpentinen über dem linken Tunnelportal scheußlich aussehen.
Ich hatte daher jetzt für die Radfahrer dort auch eine Öffnung als Unterführung hingesetzt (das Loch im Styrodur rechts überm Tunnelportal). Vorn dort zweigt der Radweg ab über das Bahn-Tunnelportal (da wo Mr. Preiser steht) und endet dann eben vorne an der Anlagenkante. Die Unterführung führt für den Betrachter unsichtbar dann hinauf zu der Straße, die die BW-Einfahrt quert und als linke Hintergrundkulisse zum Kaschieren der Wendel dient. Das zerknüllte Zeitungspapier symbolisiert den Hang hinauf zur BW-Ebene und darüber hinaus zur querenden Straße.

Die Radfahrer-Rampe hatte ich auch noch optisch aufgelockert, indem ich da mehrere kurze waagerechte Absätze eingebaut hatte, als "Verschaufzone". "Barrierefeiheit" war in Epoche III noch kein Thema. Selbst auf Großstadtbahnhöfen gab es kaum Aufzüge und die damals sehr hohen Stufen zwischen Bahnsteig und unterstem Wagentritt waren für ältere Leute nur schwer zu überwinden. Ferner benötigte die Mauer noch Stützpfeiler, die ich hier in der Stellprobe durch schmale aufgeklebte Styrodur-Streifen angedeutet hatte.
Die nächste Frage war, was nehmen als Mauer. Die Plastik-Mauerplatten sagten mir nicht zu und die sehr schönen Hartschaum-Mauerteile waren für die geringe Tiefe des Segmentes leider viel zu dick. Auch wäre es damit schwierig geworden, die ganzen Abstufungen daraus zu schnitzen und vor allem wieder ohne sichtbare Schnittkante zusammen zu setzen. Im Internet fand ich dann Silikonformen für ein Mauer-Modulsystem, aus dem man mit kleinen Gips-Mauermodulen individuell eine Mauer zusammen setzen konnte, incl. Rundungen (von Miniaturwelten.com, gibt es leider nicht mehr).
Mit Silikonform und Dentona-Gips ausgestattet ging es ans Werk. Zunächst wurden die verschiedenen Mauersteinsegmente, Stützpfeiler und Abdecksteine gegossen:

Anschließend ausformen:

Das ging leichter als vermutet und fast ohne Bruch. Nur ein einziges langes dünnes Stück aus Abdecksteinen brach. Aber auch solche Bruchstücke liessen sich noch gut bei der Mauer verwenden, denn die Mauer sollte ja nicht akurat gerade und neuwertig aussehen, sondern sie sollte schon viele Jahre auf dem Buckel haben und daher auch stellenweise schon etwas beschädigt sein.
Dann kam eine Fleißarbeit:
das abschleifen/feilen von Graten damit die Ritzen zwischen den Bausteinchen nicht allzu groß werden. Das ganze muß aber nicht akurat werden, denn die Fugen können später noch verfugt werden. Das Schleifen ging daher auch recht fix. 2-3 Kreise übers flach auf dem Tisch liegende Schleifpapier ziehen (auch alle Kanten des Steinchens) und mit der Feile in die Ecken. Dann eine Paßprobe mit dem daneben liegenden Steinchen machen. Rechts auf dem Bild sind mal einige der Stein-Segmente zusammen gelegt.

Die erste Serie der Steinchen hatte noch etliche Luftblasen und war daher, da sowieso Ausschuß, für Probefärbungen bestens geeignet. Dies war schließlich das erst mal, daß ich so eine Silikonform für Gips verwendet hatte
Ich hatte beim ersten mal den Gips wohl zu dick angerührt. Murphy hatte nämlich dafür gesorgt, daß gerade dann, als ich die Küchenwaage mal brauchte, die Batterie leer war. 
Also mußte ich den Gips "nach Gefühl" anrühren. Und da konnte ich mir nicht vorstellen, daß so ein dünnflüssiges Süppchen überhaupt jemals fest wird. Also hatte ich noch "ein Löffelchen extra" von dem Gips reingehauen.
Naja, bei der zweiten Gießaktion hatte ich den Gips dann ziemlich dünnflüssig angerührt und damit war das Ergebniss besser. Und es wurde tatsächlich richtig fest!
Danach konnte dann die Massenproduktion
beginnen, denn die Stützmauer ist ja ziemlich groß und benötigte entsprechend viele Steinchen.

Aber mit dem Inhalt dieses Schälchens kam ich natürlich nicht sehr weit. Etliche weitere Schalen voll Mauersteinchen mußten noch gegossen werden. 