RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#51 von Zweistein , 28.08.2025 22:58

@sts: Ich bin ja selber schuld. Warum halte ich mich auch nicht an die Bauanleitung.
Die Eisengießerei ist ein sehr schöner Bausatz, nur habe ich keine Verwendung für eine Eisengießerei. Alternativ hatte ich damals auch das Auhagen-Baukastensystem Werkhalle in Betracht gezogen. Aber die Eisengießerei gefiel mir optisch dann doch besser.

@fbstr: Danke. Werde ich mal machen. Allerdings hat eine etwas andere Dachdeckung vielleicht auch ihren Reiz. Ich werde mir einfach mal einige verschiedene Dachplatten zur Ansicht bestellen. Leider gibt es hier keinen MoBa-Händler mehr, wo man sich das mal vor Ort ansehen könnte.

@SupmaKni: Welches dünne Klebeband würde sich denn da eignen, wo nicht nach einigen Jahren die Klebeschicht austrocknet und das Klebeband dann abfällt so wie bei Tesa, Malerkrepp, Gaffaband u.a.?

@Gess: Bevor du das zu einem Dienstleiter bringst, schau mal im Internet nach, ob es in deiner Gegend ein FabLab gibt. Es hängt davon ab, was und wieviel du drucken möchtest. Es gibt auch Drucker für wenig Geld. Wenn du nicht nur in Ausnahmefällen mal was 3D-drucken möchtest, dann ist ein eigener Drucker wahrscheinlich günstiger als ein teuerer 2D-Druckdienst.

Ich drucke schon den ganzen Nachmittag Kleinzeugs, damit ich für die noch zu druckenden Wände die neue Filamentrolle einlegen kann die gestern schon geliefert wurde. Auf der aktuellen Rolle befindet sich nur noch die letzte Lage auf dem Pappkern, aber es wird und wird nicht leer. So Kleinzeugs (Fässer, Kisten, Europaletten, sowas kann man nie genug haben) braucht ja nur ganz wenige cm Filament, kostet aber einiges an Zeit zum Drucken (0,25er Düse, 0,05mm Layerhöhe). Aber der Vorteil bei so Kleinzeugs ist, daß ich das Filament bei einem Direktextruder fast vollständig verbrauchen kann.

Die beim Eisengießerei-Bausatz vorhandenen Bodenkästen kann ich ja nicht überall verwenden, da aufgrund des Austausches der Fenster diese sonst bis zum Boden reichen würden. Also habe ich neue Bodenkästen gedruckt, so daß die Unterkante der neues Fenster in normaler Fensterhöhe sind. Dann muß natürlich auch noch zur Überwindung des Höhenunterschiedes zu dem Bereich, wo Schuppentore sind, eine Treppe oder Rampe hin.

Die Treppe vom Inneren des Giebelhauses ins Innere des Lagerschuppens. Hier habe ich die Innenwände bereits mit Ziegel bzw. Putz versehen. Das Geländer ist ebenfalls gedruckt. Die Inneineinrichtung ist hier herausgenommen, da ich sonst mit dem Smartphone nicht ins Gebäude rein gekommen wäre für diese Perspektive.



Und hier eine Stellprobe des halben Gebäudeteils direkt zur Hintergrundkulisse für den Übergang von dem hohen Bodenkasten hinter den Lagerschuppen-Toren und dem niedrigen Bodenkasten hinter den neuen Fenstern. Über die Rampe können die BW-Arbeiter dann mit der Ameise ihre Waren transportieren.



Die Bodenplatte bei dem vorderen Wandteil muß ich noch drucken, ebenso die Wandverkleidung im Innenbereich.


Gruß
Siggi

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zuletzt bearbeitet 28.08.2025 | Top

RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#52 von SupmaKni , 29.08.2025 06:32

Hallo Siggi.

Zitat von Zweistein im Beitrag #51
ie Eisengießerei ist ein sehr schöner Bausatz, nur habe ich keine Verwendung für eine Eisengießerei. Alternativ hatte ich damals auch das Auhagen-Baukastensystem Werkhalle in Betracht gezogen. Aber die Eisengießerei gefiel mir optisch dann doch besser.


Die Eisengießerei ist mMn. einer der schönsten Bausätze überhaupt, das Auhagen Baukastensystem ist zwar auch gut, aber lange nicht so schön wie die Gießerei. Gut dass du die genommen hast.

@SupmaKni: Welches dünne Klebeband würde sich denn da eignen, wo nicht nach einigen Jahren die Klebeschicht austrocknet und das Klebeband dann abfällt so wie bei Tesa, Malerkrepp, Gaffaband u.a.?[/quote]
Puh, jetzt fragst du was. ich habe das genommen was gerade da war. Eine konkrete Empfehlung kann ich dir nicht geben.

Gruß Heiko


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#53 von sts , 29.08.2025 08:31

Zitat von Zweistein im Beitrag #51
Die Eisengießerei ist ein sehr schöner Bausatz, nur habe ich keine Verwendung für eine Eisengießerei. Alternativ hatte ich damals auch das Auhagen-Baukastensystem Werkhalle in Betracht gezogen. Aber die Eisengießerei gefiel mir optisch dann doch besser.


Hallo Siggi,

da kann ich Dir und Heiko nur zustimmen, die Wahl auf die Eisengießer war definitiv richtig. Auch die ersten Stellproben sehen schon vielversprechend aus.

Beste Grüße
Stefan


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#54 von Djian , 30.08.2025 11:14

Hallo Siggi,

bevor ich auf die einzelnen Punkte eingehe, fasse ich zusammen: ich bin beeindruckt, ich ziehe den Hut!
Wie du die dir zur Verfügung stehende Fläche überlistest eine Modellbahn zu werden ist schon bemerkenswert. Allein die Anpassungen beim Gleisbau ... da ist doch kaum ein Gleisstück von der Stange. Ich denke 99,9% hätten an der Stelle aufgegeben, mich eingeschlossen. Das ist mehr als Improvisation, das ist Jazz. Der unorthodoxe, aber total durchdachte und in der Konsequenz logische Unterbau ... da steckt eine große Portion Hirnschmalz drin.
Zur Drehscheibe: ich habe hier schon viele gut gemachte gesehen, aber deine ragt da wirklich heraus. Da war eine Teildraufsicht bei Sonnenlicht, die war von einer echten nicht zu unterscheiden. Ich habe selten so gut gemachten Beton gesehen.
Und beim Lokschuppen ist das Tüpchelchen auf dem "i" die Holzvertäfelung der Decken. Da denkt auch keiner dran und so wirkt der Schuppen in der Einsicht bereits ohne Werkzeuge und Utensilien komplett. Also für Farben hast du ein Händchen. Dass du, wie du bei mir geschrieben hast, dich noch nicht traust an Fahrzeugalterungen heranzuwagen verwundert mich ein wenig. Gut, da gibt's eine Hemmschwelle, weil Fahrzeugen im Gegensatz zu Gebäudemodellen, das Prädikat "wertvoll" anhängt (obwohl Gebäudemodelle ein Vielfaches eines Güterwagens kosten). Wenn du damit anfangen willst, schnapp dir ein paar zweiachsige O-Wagen. Davon benötigst du für dein Kohlegleis ja doch drei bis vier Stück und sie stehen im Vordergrund. So wie ich dich einschätze wird das reichen um Blut zu lecken.
Zu den Oberlichtern von Faller.: da kannst du dich an den Hersteller direkt wenden. Hilfreich ist, wenn du die Bauanleitung noch hast, da sind ja alle Spritzlinge abgebildet. Faller hat ja schon immer Kit-bashing betrieben und so würde es mich nicht wundern, wenn diese Spritzform heute noch in Verwendung ist. Einfach mal die Anleitung kopieren, den Spritzling markieren und nett anfragen. Wenn sie dir helfen können, werden sie es tun.
Bei dir werde ich auf jeden Fall dranbleiben, weil tolle Details und 1a Baubeschreibungen.

Schöne Grüße aus Ostholstein
Matthias


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#55 von Mottimuc , 01.09.2025 13:21

Hi Siggi,

WOW! vor einigen Jahren wäre mein Eindeutiger Wunsch gewesen, diesen Thread in die RUHMESHALLE zu verschieben. Eine Sektion im Forum, die grandioser Modellbahnkunst vorbehalten war.
Wirklich sehr großes Kino, was Du aus dem schnöden Fleischmann Lokschuppen rausgeholt hast.

Viele Grüße
Michael

BTW: wie steuerst Du Deine Anlage? Hast Du vor die Fleischmann Drehscheibe ggf digital aufzurüsten / umzubauen?

Viele Grüße
Michael


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#56 von Zweistein , 01.09.2025 17:04

@SupmaKni, @sts: Freut mich daß ihr das genauso seht. Ja, die Eisengießerei und der baugleiche Lokschuppen sind sehr schöne Bausätze. Und mit etwas Kitbashing auch sehr flexibel umzugestalten für die verschiedensten Zwecke.

@Djian: Naja, die Gleise der Wendel sind von der Stange. Der Rest aber Flexgleis und Flexweichen. Damit hat man dann viel mehr Freiheiten und das Tillig Elite Flexgleis ist auch sehr leicht zu verlegen. Und Improvisieren mußte ich ja zwangsläufig bei meinen beengten Platzverhältnissen.
Ich mache immer auch beim Bau Testfotos. Fotos sind entlarvend, d.h. da fällt dann sofort auf, wenn was fehlt, so wie bei der Holzdecke im Inneren des Ringlokschuppens.
Bzgl. Altern von Fahrzeugen: natürlich juckt es mich in den Fingern. Aber ich beherrsche mich, da ich sonst mit der Anlage gar nicht mehr weiter komme. Irgendwann später mal werde ich das sicher angehen. Im hinteren Gebäudekomplex soll ja eine Lokwerkstatt rein. Das Gleis dort ist nicht angeschlossen, da dort nichts fahren soll, sondern dort möchte ich eine Schrott-Lok darstellen und die wird natürlich auch entsprechend bemalt. Dafür nehme ich aber keine der teuren Dampfloks der MoBa-Hersteller, sondern einen günstigen Revell-Bausatz. Davon habe ich auch schon 3 Bausätze a' 13 € seit einigen Jahren hier im Schrank liegen. Fahren muß die Lok dort ja nicht. Billige Kohlewagen von einer MoBa-Börse wären natürlich auch ein gutes Übungsobjekt. Aber bis dahin muß erst mal das Behaldlungs-Segment fertig sein, sonst können die Kohlewagen ihre Ladung ja nicht los werden. Und bevor ich am Behandlungs-Segment weiter baue, muß erstmal das Werkstatt-Segment dahinter fertig werden.
Je mehr ich über die fehlenden Dächer nachdenke, desto mehr juckt es mich in den Fingern, da selber was zu basteln.

@Mottimuc: so "schnöde" ist der Fleischmann-Lokschuppen eigentlich gar nicht. Aber einiges paßte doch irghendwie optisch nicht so ganz.
Meine Anlage wird "mit Händen und Augen" wie früher in der Jugendzeit gesteuert, also analog über ein Gleisbildstellpult klassisch mit Knöpfchen, Schaltern und LEDs. Das Stellpult und die Beleuchtung werde ich allerdings per Arduino ansteuern. Die Drehscheibe wird auch nicht auf digital umgerüstet, da es keinen Sinn macht, mir nur für die Drehscheibe eine Digitalzentrale anzuschaffen. Der Drehschalter funktioniert ja zuverlässig. Meine Loks sind alle ohne Decoder und die meisten Loks haben auch gar keine Digital-Schnittstelle (älteres Material aus der Jugend und von MoBa-Börsen).

Zum aktuellen Stand:
Der Drucker druckt, und druckt, und...
Die Böden mit den angepaßten Höhen sind inzwischen fertig gedruckt und verklebt bis auf die Einfahrt in die Wagenrepartur. Das Dachgebälk ist auch schon gedruckt und teilweise auch schon bemalt. Das stabilisiert dann auch ie Dächer, da ich die Dächer ja nicht aufklebe, sondern sie bleiben abnehmbar.



Zur Zeit druckt seit gestern abend die erste der Seitenwände:



In ca. 2 Stunden soll sie fertig sein. Da ich mit einer 0,25er Düse und 0,05mm Layerhöhe drucke, dauert das entsprechend lange. Ich drucke auch mit langsamer Geschwindigkeit und stehend, da die Ziegel dann akurater werden und sich nach dem Bemalen nicht mehr von der Bausatz-Ziegelwand unterscheiden. Im Durchgang ist Stützmaterial, da bei Brücken meistens die Layer mehr oder weniger etwas hängen. Die Wand ist lediglich 2,5mm dick. Mit dem Brim und der langsamen Druckgeschwindigkeit läßt sich das aber trotzdem noch gut stehend drucken.
Danach kommen dann die Innenwände und Rückwände dran. Das ganze wird also noch eine ganze Weile dauern.


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#57 von sts , 02.09.2025 08:29

Zitat von Zweistein im Beitrag #56
Je mehr ich über die fehlenden Dächer nachdenke, desto mehr juckt es mich in den Fingern, da selber was zu basteln.

Servus Siggi,

das hört sich doch gut an, die eigenen Kreativität ist immer am Besten.
Ist der Druck jetzt beendet?

Viele Grüße
Stefan


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#58 von Zweistein , 02.09.2025 12:49

@sts: Ja, der Druck wurde gestern abend noch beendet. Es druckt inzwischen schon die nächste Wand, dieses mal "nur" ein 11h-Druck. Da kommen dann noch etliche weitere, denn der Gebäudekomplex ist lang.

Daher mache ich erstmal weiter mit dem Rückblick. Von der Kehrschleife/H0e-Oval im Untergrund ist vorne ja ein kurzes Stück Dreischiebengleis zu sehen. Ich will schließlich auch meine H0e-Fahrzeuge sehen und diese können ja nicht ins BW. Meine Anlage spielt in Epoche III. Zu der Zeit hatten erst wenige Leute ein Auto, insb. nicht einfache BW-Arbeiter. Aber irgendwie müssen die ja auch zu ihrer Arbeitsstelle kommen. Also mußte es einen Haltepunkt am BW geben, der ja schon auf den Bildern zu sehen war.
Das Haltepunkt-Segment ist bei einer Länge von 120 cm lediglich 20 cm tief und läßt sich vorne herausziehen. Da sich dahinter der H0e-Schattenbanhof befindet, mußte zwischen Untergrund und BW-Ebene auch genügend Eingriff-Höhe vorhanden sein. Das ergab dann einen gewaltigen Höhenunterschied bei nur 20 cm Segmentbreite.
Die Ausgangssituation sah also so aus:



Meine Anlage spielt nicht im Hochgebirge, sondern eher im nördlichen Bereich, wo die Gletscher der Eiszeit das Land abgeschliffen hatten und als Felsen nur Findlinge herumliegen (Zweistein = 2 große Findlinge als touristische Attraktion in der Stadt). Aber auch hier gib es Höhenunterschiede (Holsteinische Schweiz, es gibt sogar einen "Berg" mit Skilift). Bei der minimalen Tiefe des Segmentes kam da also nur eine Stützmauer in Frage, denn schließlich soll ja auch noch Platz bleiben für den Bahnsteig. Da das Gleis bereits aufgrund des Platzmangels parallel zur Anlagenkante liegt, durfte da aber nicht einfach eine gerade Mauer hin. Das hatte ich bereits bei der Planung berücksichtigt und einen leichten Knick, soweit es die Gleise im BW erlaubten, eingeplant. Die Stützmauer mußte oben im BW auch gleichzeitig die Absturzsicherung für die BW-Arbeiter bilden, so daß sich bis zur Mauerkrone eine Höhe von satten 19 cm ergab, und das bei nur 20 cm Segmentbreite. Das war eine Herausforderung, das glaufhaft darzustellen. Die Stützmauer mußte also irgendwie aufgelockert werden. Damit die BW-Arbeiter vom Haltepunkt zu ihrer Arbeitsstelle kommen können, mußte es rechts also eine Treppe zur BW-Ebene geben.

Damit ich die Wirkung verschiedener Mauerkonstruktionen schnell und einfach auf ihre optische Wirkung hin testen konnte, hatte ich mir für die Stellproben die Mauerteile einfach mal aus Styrodur-Trittschalldämmung zurecht geschnitzt. Die dünne Styrodurplatte läßt sich sehr einfach mit dem Cutter zurecht schneiden, ist aber andererseits, im Gegensatz zu Papier oder dünner Pappe, auch in sich stabil genug für die Stellproben. Die einzelnen Stücke hatte ich dann einfach mit Tape zusammen gehalten.

Hier sind die ersten groben Schnitzaktivitäten zu sehen. Der Messwagen durfte natürlich auch nicht fehlen, denn damit wurde die Einhaltung des Lichtraumprofiles überprüft.



Was auch gut zu erkennen ist, daß eine so hohe Mauer ohne optische Unterbrechung übel aussieht (links). Daher hatte ich bei etwas mehr als der halben Mauerhöhe noch einen Absatz eingefügt. Mit etwas Grünzeug auf diesem Absatz sieht die Mauer dann schon nicht mehr so gigantisch aus.
Allerdings gab es noch ein optisches Ungleichgewicht zwischen rechter und linker Seite. Da der rechte Treppenaufgang nur für BW-Arbeiter erlaubt ist, mußte es auch noch einen Zugang zum Haltepunkt auf der linken Seite geben, da sich dort noch eine Straße befindet, um die Einfahrt in die Wendel zu tarnen. Mit einer zweiten Treppe hätte der Haltepunkt aber zu symmetrisch ausgesehen. Also kam dort eine Rampe hin. So können dann auch Radfahrer bis auf den Bahnsteig fahren, wo es dann auch einen Fahrradständer gibt. Die üblichen runden Tunnelportale hätten hier auch deplaziert ausgesehen, so daß ich dort lediglich eine Unterführung geplant hatte. Und damit die Höhe über den beiden Unterführungen nicht so gigantisch wirkt, kam dort noch jeweils ein Fußweg bzw. links ein Rad/Fußweg hin.

Hier dann mal die Stellprobe aus der Vogelperspektive.



Die Frage ist auch, welche Steigung man den Radfahern noch zumuten kann. Aufgrund der zu überwindenden Höhe und der geringen möglichen Länge des Radweges ist die Steigung doch schon recht heftig. Da ich keine für Radwege maximal erlaubte Steigung ergoogeln konnte und Straßen, auf denen ja auch Radfahrer fahren, häufig auch Steigungen von über 25% haben, war ich dann nach rein optischen Gesichtspunkten vorgegangen. Und für den Bahnsteig mußte ja uch noch genug Platz bleiben.



Die Graupappe zeigt eine Steigung von ca. 25%, d.h. unter der Berücksichtigung, daß wegen des Bahnsteiges die Fläche dort noch etwas höher wird, würde ich es bei einer Steigung von 25% mal gerade so bis über das Tunnelportal schaffen.

Die Steigung des Radweges sah damit aber doch zu heftig aus. Daher hatte ich noch etwas geschnitzt und sowohl rechts bei dem Treppenaufgang als auch links bei dem Radweg die vorderen Mauertreppen um eine Stufe erniedrigt. Das ganze sah dadurch dann etwas harmonischer aus.



Der Radweg links hatte jetzt nur noch eine Steigung von ca. 20% und kam dadurch beim linken Portal nur knapp über die Tunnelröhre.
Ich hätte dann also direkt über dem Tunnelportal in mehreren Serpentinen (quer zum Tunnel) weiter nach oben gemußt, denn wie auf dem Bild zu sehen endet das Tunnelportal bereits bei etwas mehr als der halben Höhe zur BW-Ebene. Es war also noch eine recht große Höhe von dort aus zu überwinden. Durch den über dem Tunnelportal querenden Radweg würde auch das Mäuerchen über der Tunnelöffnung deutlich niedriger, was besser wirkt als eine zu hohe Mauer über dem Portal.

Auf der rechten Seite müßte ich wegen des um eine Stufe tiefer gesetzten Fußweges ebenfalls über dem Tunnelportal in einer Serpentine eine längere Treppe einbauen, im Bild oben symbolisiert durch das schräge Stück Trittschalldämmung über dem rechten Portal.

Weitere Schnitz-Tests ergaben aber nun, daß Serpentinen über dem linken Tunnelportal scheußlich aussehen.
Ich hatte daher jetzt für die Radfahrer dort auch eine Öffnung als Unterführung hingesetzt (das Loch im Styrodur rechts überm Tunnelportal). Vorn dort zweigt der Radweg ab über das Bahn-Tunnelportal (da wo Mr. Preiser steht) und endet dann eben vorne an der Anlagenkante. Die Unterführung führt für den Betrachter unsichtbar dann hinauf zu der Straße, die die BW-Einfahrt quert und als linke Hintergrundkulisse zum Kaschieren der Wendel dient. Das zerknüllte Zeitungspapier symbolisiert den Hang hinauf zur BW-Ebene und darüber hinaus zur querenden Straße.



Die Radfahrer-Rampe hatte ich auch noch optisch aufgelockert, indem ich da mehrere kurze waagerechte Absätze eingebaut hatte, als "Verschaufzone". "Barrierefeiheit" war in Epoche III noch kein Thema. Selbst auf Großstadtbahnhöfen gab es kaum Aufzüge und die damals sehr hohen Stufen zwischen Bahnsteig und unterstem Wagentritt waren für ältere Leute nur schwer zu überwinden. Ferner benötigte die Mauer noch Stützpfeiler, die ich hier in der Stellprobe durch schmale aufgeklebte Styrodur-Streifen angedeutet hatte.

Die nächste Frage war, was nehmen als Mauer. Die Plastik-Mauerplatten sagten mir nicht zu und die sehr schönen Hartschaum-Mauerteile waren für die geringe Tiefe des Segmentes leider viel zu dick. Auch wäre es damit schwierig geworden, die ganzen Abstufungen daraus zu schnitzen und vor allem wieder ohne sichtbare Schnittkante zusammen zu setzen. Im Internet fand ich dann Silikonformen für ein Mauer-Modulsystem, aus dem man mit kleinen Gips-Mauermodulen individuell eine Mauer zusammen setzen konnte, incl. Rundungen (von Miniaturwelten.com, gibt es leider nicht mehr).
Mit Silikonform und Dentona-Gips ausgestattet ging es ans Werk. Zunächst wurden die verschiedenen Mauersteinsegmente, Stützpfeiler und Abdecksteine gegossen:



Anschließend ausformen:



Das ging leichter als vermutet und fast ohne Bruch. Nur ein einziges langes dünnes Stück aus Abdecksteinen brach. Aber auch solche Bruchstücke liessen sich noch gut bei der Mauer verwenden, denn die Mauer sollte ja nicht akurat gerade und neuwertig aussehen, sondern sie sollte schon viele Jahre auf dem Buckel haben und daher auch stellenweise schon etwas beschädigt sein.

Dann kam eine Fleißarbeit: das abschleifen/feilen von Graten damit die Ritzen zwischen den Bausteinchen nicht allzu groß werden. Das ganze muß aber nicht akurat werden, denn die Fugen können später noch verfugt werden. Das Schleifen ging daher auch recht fix. 2-3 Kreise übers flach auf dem Tisch liegende Schleifpapier ziehen (auch alle Kanten des Steinchens) und mit der Feile in die Ecken. Dann eine Paßprobe mit dem daneben liegenden Steinchen machen. Rechts auf dem Bild sind mal einige der Stein-Segmente zusammen gelegt.



Die erste Serie der Steinchen hatte noch etliche Luftblasen und war daher, da sowieso Ausschuß, für Probefärbungen bestens geeignet. Dies war schließlich das erst mal, daß ich so eine Silikonform für Gips verwendet hatte
Ich hatte beim ersten mal den Gips wohl zu dick angerührt. Murphy hatte nämlich dafür gesorgt, daß gerade dann, als ich die Küchenwaage mal brauchte, die Batterie leer war.
Also mußte ich den Gips "nach Gefühl" anrühren. Und da konnte ich mir nicht vorstellen, daß so ein dünnflüssiges Süppchen überhaupt jemals fest wird. Also hatte ich noch "ein Löffelchen extra" von dem Gips reingehauen.
Naja, bei der zweiten Gießaktion hatte ich den Gips dann ziemlich dünnflüssig angerührt und damit war das Ergebniss besser. Und es wurde tatsächlich richtig fest!

Danach konnte dann die Massenproduktion beginnen, denn die Stützmauer ist ja ziemlich groß und benötigte entsprechend viele Steinchen.



Aber mit dem Inhalt dieses Schälchens kam ich natürlich nicht sehr weit. Etliche weitere Schalen voll Mauersteinchen mußten noch gegossen werden.


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#59 von Gess , 05.09.2025 10:58

Lieber Siggi

Vielen Dank für Deinen ausführlichen und spannenden Baubericht. Sehr eindrücklich, wie viel Gedanken Du Dir bei der Planung und Gestaltung des Haltepunktes gemacht hast. Ich glaube, da hast Du bei den knappen Platzverhältnissen wirklich das Maximum rausgeholt!

Ich war mir gar nicht bewusst, dass der 3D Druck so lange dauert. Einen ganzen Tag drucken für ein Bauteil ist schon heftig

Liebe Grüsse
Philipp


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#60 von Zweistein , 05.09.2025 16:52

@Gess: Planung ist wichtig, wichtiger sind aber Stellproben. Erst da kann ich dann erkennen, ob meine Planung funktioniert, meist mache ich dann noch ein paar Änderungen oder nur Anpassungen.
Eine Europalette ist in 9 Min. gedruckt. Es ginge aber auch bei den Wänden schneller (z.B. mit 0,4er Düse, 0,2mm Layerhöhe und hoher Druckgeschwindigkeit), aber das geht dann auf Kosten der Detailgenauigkeit. Noch länger als der Druck dauert aber die 3D-CAD-Konstruktion. Nur gut, daß OpenSCAD ein parametrisches CAD ist. Da brauche ich dann bloß ein paar Parameter ändern (bei den Wänden z.B. die Wandgröße, Anzahl der Fensterausschnitte) und schon habe ich ein neues Druckobjekt.

Die einzelnen Mauer-Module mußten nun auf eine stabile Unterlage geklebt werden. Dazu hatte ich einen Holzkern aus 4mm Sperrholz erstellt. Dieser Holzkern dient gleichzeitig auch als Stabilisierung der Gleistrasse, denn diese hat unten drunter keinen Rahmen, sondern liegt einfach nur flach und lose auf dem Grundrahmen auf, damit ich das ganze Haltepunkt-Segment leicht herausziehen kann. Der Segmentkasten ist bei diesem Segment also nicht wie üblich unter dem Segment, sodern oben auf dem Segment. Da hinter der Mauer auch der H0e-Schattenbanhof liegt, hatte ich zusätzlich noch den Mittelteil der Mauer als herausnehmbares Teil konstruiert damit ich bei Entlgeisungen dort leichter dran komme. Das habe ich bisher aber noch nicht genutzt, da sich herausgestellt hat, daß das Herausnehmen des gesamten Haltepunkt-Segmentes bis zum jetzigen Baustadium noch viel einfacher und schneller geht.



Die zwei Leisten unten sind auf dem Treassenbrettchen des Haltepunkt-Segments aufgeklebt. Dieser Bereich wurde später mit dem Bahnsteig bis zur Leistenoberkante ausgefüllt. Der Holzkern der Stützmauer kann dann von oben einfach eingesteckt werden. Der Einsteckspalt ist so schmal, daß der Mauerkern dort stramm einklemmt und somit von alleine ohne weitere Abstützungen oder sonstige Befestigungen stehen bleibt. Zum Herausnehmen braucht man dieses Mauerteil also lediglich nach oben abziehen.



Der nächste Schritt war nun die Festlegung der Mauerabstufungen (rote Kreise) bei der Rampe. Hier mal ein Vergleich zwischen Legeprobe Holzkern mit provisorisch aufgelegten Mauerbausteinen und des Styrodur-Modells, welches ich für die erste Stellprobe verwendet hatte.



Mit dem vorhandenen Mauerstein-Gießsystem boten sich da zwei Möglichkeiten an.
Entweder alle 6 cm eine hohe Mauerabstufung von 4 Mauersteinreihen:



oder alle 3 cm eine niedrigere Mauerabstufung von 2 Mauersteinreihen. Diese Variante wäre mehr Arbeit, weil einige Mauerbausteine der Länge nach halbiert werden müßten:



Mr. Preiser dient hier nur als Größenvergleich, d.h. er wird später nicht auf der Mauerkrone laufen müssen. Der Radweg für die Reisenden wird dahinter liegen. Diese Mauerabstufungen bilden also die Brüstung für die Rampe.
Nach eingehender Betrachtung der beiden Möglichkeiten hatte ich mich entschlossen, die Mauerstufen zweireihig zu machen. Bei 4 Steinreihen wäre die Stufe dann wohl doch zu groß gewesen. Hier eine Passprobe davon:



Dann hatte ich den Holzkern hinter dem Radweg auch schon passend zurechtgesägt. Als Sägeschablone diente hier wiederum die geschnitzte Styrodurmauer. Und wieder eine Stellprobe:



Auch ein Teil des Radweges wurde bereits angeklebt. Ich gönne meinen Preiser-Radfahren Verschnaufpausen, indem ich zwei waagerechte Zwischenstufen eingebaut hatte.
Die 2-3 Grad, die der Rest der Rampe dadurch steiler wird, düfte aber nicht ins Gewicht fallen.

Der Holzkern der Stützmauer wuchs langsam, aber unaufhaltsam.
Und nochmal eine Paßprobe des Holzkernes zusammen mit dem bisherigen Styrodur-Modell:



In dem Maße, wie der Holzkern wuchs, konnte das bisherige Styrodurmodell dann demontiert werden:



Wichtig war auch, immer wieder mit meinen selbstgebauten Messwagen das Lichtraumprofil zu überprüfen, insb. auch da hier die Tunnelöffnung in einer Kurve liegt.

Auf der rechten Seite sollte ja ein Treppenaufgang zum BW hin. Ich hatte zunächst geplant, dies analog zum Radweg in eine Stufe der Stützmauer einzuarbeiten, aber die Vorderkante der Mauer würde dann recht dicht am Gleis liegen, so daß der Bahnsteig an dieser Stelle extrem schmal würde.
Nun kam mir aber noch die Idee, die vorderste Mauer wegzulassen und die Treppe direkt hinten an der Mauer zu befestigen und sie vorne nur mit Stahl-Stützen abzustützen. Dadurch wäre unter der Treppe noch Platz und die Preiser könnten einen breiteren Bahnsteig nutzen.
Also steht wieder eine Stellprobe an um zu entscheiden was besser aussieht.

Variante mit Treppe und Mauer (das Stryrodurteil als Muster):



Und hier die Variante mit Treppe "frei schwebend" direkt an der Mauer befestigt, symbolisiert durch den dünnen Holzstreifen, wobei die Treppe vorne mit Stahlstützen abgestützt würde:



Anhand der Stellprobe konnte wieder mal eine Entscheidung gefällt werden: mit Mauer sieht besser aus mit Mauer, auch wenn der Bahnsteig an dieser Stelle dann extrem schmal wird. Aber es läßt sich dann ja noch ein kleines "Kein Durchgang"-Schildchen aufstellen.

Nachdem das geklärt war, konnte der Treppen-Rohbau weiter gehen. Dazu mußte erstmal der Holzkern der Mauer ausgesägt werden. Dann wurden die Auflagen (Sylvesterraketenhölzchen, lassen sich auf einem Neujahres-Spaziergang reichlich sammeln) und darauf dann die dünnen (0.5 mm Flugzeugsperrholz) Treppenunterlagen geklebt:



Das ganze Bauteil wurde anschließend an die rückwärtige Mauer geklebt. Das rechte Tunnelportal hatte ich neu gemacht, denn nach der Berechnung der Höhe der Treppe bei 2 mm Stufenhöhe und 3 mm Trittbreite hatte sich nämlich ergeben, daß es optisch besser paßt und die Berechnung der Treppensteilheit und Aufteilung der Anzahl Stufen besser aufgeht, wenn der Weg über dem Tunnelportal ein ganzes Stück höher gesetzt wurde.



Und hier dann die nächste Stellprobe mit Treppenstufen. Diese waren nur lose aufgelegt um zu sehen, wie das später wirken wird. Und ich mußte mir ja nun auch überlegen, wie der Treppenbereich über dem Portal aussehen soll. Es war ja noch ein Stück Höhe bis zum BW zu überwinden.



Man kann noch so gut planen, aber irgendwas vergißt man immer. Ich hatte nämlich festgestellt, daß ich da was vergessen hatte. Also hieß es "anstückeln".
Den vorderen Mauerteil hatte ich hier aus dem dünnen Flugzeugsperrholz ausgeschnitten (geht ganz leicht mit einem Cutter), da hier zum einen die Mauer nicht so dick werden soll und zum anderen da auch keine große Stabilität nötig war.
Treppenauflagen eingeklebt, links daneben noch ein bischen "gestückelt" und fertig war der obere Teil des Treppenrohbaus. Mr. Preiser zeigt uns die Proportionen.



Beim linken Portal hatte ich die Mauer noch etwas abknicken lassen, weil es da doch arg eng wurde durch den Gleisbogen und den daraus resultierenden inneren Überhang bei langen Wagen.



Damit war der Rohbau der großen Stützmauer mit Treppenaufgang und Radweg nun fertig gestellt. Hier der Überblick:



Uff, der Beitrag ist ja recht lang geworden, und das nur für den Holzkern der großen Mauer. Ich hoffe das wird nicht zu langweilig wenn ich das so ausführlich beschreibe.


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#61 von Gess , 06.09.2025 19:17

Hi Siggi

Danke für den interessanten Baubericht. Da kann man ordentlich was lernen. Ich dachte mir beim ersten Bild des linken Tunnelportals schon, das das schon arg eng aussieht. Eine super Idee, die Mauer an der Einfahrt etwas abzuknicken. Das ist nicht nur funktional, ich finde, es sieht sogar noch besser aus.

Liebe Grüsse
Philipp


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#62 von Thoralf , 06.09.2025 19:32

Hallo Siggi,

... bin vielleicht ein bisschen spät, aaaaber:
hatten solche Stützmauern (speziell die ollen gemauerten aus Epoche 1-3 ?) nicht ein bisschen Neigung/Schräglage? Zumal da gewählte Form "roh behauene Natursteine" das auch statisch braucht... Aus Beton kann man alles gießen, aber Mauern mit DEM Höhenunterschied? Rein geologisch stellt sich ja die Frage was HINTER der Mauer ist - und warum dann das statisch notwendig ist.

(übertreibe ich wieder? )

Grüße aus Tannenrode
Thoralf


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#63 von Zweistein , 06.09.2025 21:40

@Gess: Um auszutesten wie eng das ist, ist so ein Messwagen sehr nützlich. Du darfst dabei nicht vergessen, daß der Meswagen keine normalen Wagenmaße hat, sondern die Maße des Lichtraumprofils, d.h. höher und breiter ist als ein normaler D-Zug-Wagen bei maßstäblicher Länge. Wenn der Messwagen also nirgendwo aneckt, dann passen die Fahrzeuge erst recht durch (sofern sie das NEM-Lichtraumprofil einhalten ).

@Thoralf: Die Abstützung ist unsichtbar hinter den Mauersteinen mit Stahträgern bzw. Betonstützen gemacht. Die Steine sind nur eine Verblendung für die Optik
Ich kenne aus meiner Jugend (Epoche 3) eine hohe gemauerte Stützmauer an einer tief liegenden Straße, die ebenfalls senkrecht stand. Oben hinter der Stützmauer befand sich eine weitere Straße und hohe Häuser.
Nun, der eigentlich Grund für die senkrechte Mauer ist natürlich der knappe Platz.

Der Holzkern der Mauer war nun fertig und es konnte an Mauern gehen. Dazu hatte ich mal grob die vorhanden Mauer-Module ausgelegt, denn nun mußte ich überlegen, welche Module wofür geeignet wären:



Hier sind mal einige der verschiedenen Mauerteile zu sehen, die aus den Silikonformen gewonnen werden können. Was auf jeden Fall noch gemacht werden sollte, sind kleine Lampen eingelassen in die Mauer bei Fahrradrampe und Treppe, zusätzlich zu den normalen Bahnhofsleuchten auf dem Bahnsteig. Das wurde noch ein schönes gefummel. Als ob das "Einzelsteinverlegen" nicht schon genug Fummelei wäre...
Wie gut daß ich die Rohbauteile als drei getrennte, noch nicht auf dem Haltepunkt-Segment verklebte Module gebaut hatte. Da konnte ich das alles dann bequem am Basteltisch bandscheibenschonend erledigen.

Für die Lampen in der Mauer boten sich entweder diese "Schießscharten" (mitte rechts, oberer Sonderstein) zweckentfremdend an oder der quadratische Sonderstein rechts oben. Dieser könnte aber vielleicht schon zu hoch sein.
Den Wasserabfluß-Sonderstein hatte ich seiner Bestimmung gemäß verwendet, denn so eine hohe Mauer braucht eine Drainage. Und wer weiß, wieviel die BW-Arbeiter auf der oberen Ebene mit Wasser herumpanschen.

Womit ich noch nicht so ganz glücklich war sind die vom Hersteller angedachten Mauerstützen. Ich hatte mal drei Varianten ausprobiert, dabei auch mit Zweckentfremdung der Mauerkronen-Steine. Aber so das "Aha"-Erlebnis war noch nicht dabei. Ich hatte mir dann noch Spörle-Silikonformen bestellt. Damit hatte ich dann auch gleich mal einige Testgießungen gemacht.
Folgende Stütze (ganz rechts im Bild) paßte dann ganz gut zu der Mauer. Wenn die Form nur zur Hälfte mit Gips gefüllt wird beim Gießen, dann bleibt die Stütze auch flach genug für meine Zwecke.



Dann wurde gemauert...
Steine giessen, anschleifen, Steine aufkleben, Steine giessen, Steine aufkleben...

Da ich bei einigen Gießformen ja nur ganz bestimmte Steine brauchte und dafür nicht die ganze Silikonform füllen wollte, hatte ich den Gips mit der Spritze gezielt eingefüllt. Dünnflüssig genug dafür war der Gießgips ja.



Die Mauer sollte ja nicht mehr ganz neu aussehen, sondern schon ein paar Risse haben. Beim Treppenaufgang unten hatte ich dann eine leichte "Beule" auf den Holzkern gegipst.
...Die Wahrheit ist, daß ich beim Bauen des Holzmauerkerns geschlampt hatte. Die Mauermodule waren an einer Stelle der Modulübergänge nicht paßgenau. Nach dem Mauern wäre dort eine zu große Ritze entstanden. Also hatte ich die Stelle mit Gips unterfüttert.



Und dann wurde gemauert... Steinchen für Steinchen...
Und zwischendurch immer wieder neue Steine gegossen. Man unterschätzt den Bedarf an Steinen doch ganz gewaltig.
Nach dem Durchhärten dann weiter gemauert. Aufgeklebt hatte ich die einzelnen Steinchen mit Ponal. Das hält sehr gut. Ums Schleifen und Feilen kommt man nicht herum, aber das ganze ist eine ziemlich staubige Angelegenheit (siehe oberer Bildrand). Irgendwann war dann das Mittelteil der Mauer soweit fertig gemauert.



Problem dabei ist nur: Das war erst das Mittelteil und das war das einfachere!
Anschließend folgten noch zwei weitere Mauermodule und die waren wegen der Ecken und Winkel (Treppe, Radweg, Tunnelportal) deutlich aufwändiger.

Hier ist das Treppenmodul fertig gemauert:



Das Wegstück und die Innenwand der Brüstung hatte ich verputzt. Dazu hatte ich etwas von dem fürs Steine gießen angerührten Gipses verwendet und kurz vorm Anziehen des Gipses diesen mit einem kleinen flexiblen Malerspachtel aufgebracht und anschließend glatt gestrichen (dazu ein Tröpfchen Wasser verwendet).



Dort wo die Mauer eine Beule hat, haben sich die Abdecksteine gelöst. Mit Gipsbrei und Streumaterial ist von dem Holzkern trotzdem nichts mehr zu sehen.



Selbst nachdem der Großteil der Mauerwände schon fertig gemauert war, hielten die nötigen Details nochmal ganz schön lange auf.
Das Mauerende an der Treppe mußte einen Abschluß bekommen. Die sog. Ecksteine des Mauersteinsystems ließen sich hier nicht verwenden, da sie viel zu breit sind. Aber die Wunderkiste enthielt noch etliche andere Mauersteinchen. Also mal sehen, was man davon verwenden kann: am kleinsten und somit wohl am ehesten geeignet sind diese Zwillingssteinchen (oben). Sie sind aber immer noch zu breit für eine dünne Mauer. Also wurden sie mit einer kleinen Kneifzange gekürzt (unten):



... und eingebaut:



Auch diese Ecke bekommt einen passenden Eckstein als Mauerkrone:



Der Zwischenstand: Das Portal bekam einen Betonsturz aus einer Holzleiste und eine "Säule" aus Ecksteinchen, Scheibchen für Scheibchen zu einem Ecksteintürmchen aufgemauert.



... Und ich hatte etwas vergessen! ...

...und zwar den Wasserabfluß im unteren Mauerteil! Fiel mir erst auf, nachdem die Mauer fertig war.
Also die Mauer nochmal aufstemmen und den Wasserablaufstein einfügen? Lieber nicht, denn das Ponal macht das ganze steinhart. Also lieber nur ein Löchlein bohren und ein Abflußrohr, ein kleines Stückchen eines dünnen Plastik-Trinkhalmes von einen kleinen Tetrapack Eistee (ich hatte mir rechtzeitig einige "gesichert" für meine Bastelkiste), einkleben. Uffs, hoffentlich hat die Panne keiner gemerkt...



Der Mauerabsatz bekam einen gemauerten Wasserabflußkanal auf dem Absatz, allerdings hat das sich hindurchquetschende Unkraut die meisten Steine bereits gesprengt (sanft mit einem Hammer "bearbeitet" und die Bruchstücke einzeln eingeklebt). Hätte ich mir eigentlich sparen können, denn nach dem Begrünen sieh man davon nichts mehr. Aber ich wollte nirgendwo Holz durchschimmern sehen.



Die ersten Treppenstufen wurden eingepaßt:



Der rechte Mauerteil wurde auch fertig gemauert. Nun mußte dort nur noch der Radweg links über dem Tunnelportal bis zur vorderen Anlagenkante verlängert werden und vorne eine weitere kleine Stützmauer als Sichtblende gemauert werden, damit man nicht so elendig weit in den Tunnel rein schauen kann. Aufgrund des doch recht engen Bogens (425er) mußte das Tunnelportal hier ja recht breit gemacht werden, damit auch lange Wagen noch dort durchfahren können. Dazu hatte ich dünnes Flugzeugsperrholz verwendet, welches sich leicht biegen läßt. Stabilisiert wurde der Bogen dann mit kleinen Leistchen (Silvester-Raketenhölzchen).


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#64 von Zweistein , 08.09.2025 19:41

Nun mußten bei den Mauer-Modulen nur noch die Ritzen verschwinden. Ich hatte ja zunächst vorgehabt, die Steinchen einigermaßen Paßgenau zurecht zu schleifen vor dem Aufkleben. Das hat sich dann aber schnell als illusorisch erwiesen, denn dann wäre ich wahrscheinlich jetzt immer noch nicht fertig damit. Also mußten die großen Ritzen auf andere Weise verschwinden.
Vielfach wird das "ausspachteln" der Fugen mit Gips empfohlen. Daher hatte ich zuvor einen Test gemacht mit meinen damals aufgeklebten Steinchen auf dem Testholzstück mit dieser "Ritzen-verschwinde-Methode". Das hat sich aber zum einen als zu unsauber herausgestellt, da man auch immer etwas über die Steine spachtelt und es ist auch viel zu aufwändig. Da wäre ich bei so extrem vielen Ritzen ja Irre geworden. Also mußte eine praktischere Methode her.
In den Anleitungen zum Gipsgießen steht immer drin, daß man den Gipsbecher und Spachtel, wo trockener Gipsstaub anhaftet, nicht unterm Wasserhahn abspülen soll, weil Gips auch unter Wasser aushärtet. Das kann man sich doch auch mal zunutze machen, d.h. man muß den Gips zum Aushärten nicht unbedingt anrühren!
Also hatte ich das ganze Mauermodul in eine große Fotoschale gepackt (Modulbauweise hat große Vorteile!) und mit trockenem Gipspulver bestreut.



Anschließend wurde das Gipspulver kräftig in die Ritzen eingerieben:



Das überschüssige Gipspulver wurde dann wieder gründlich abgefegt, aber ohne es aus den Ritzen zwischen den einzelnen Steinchen wieder herauszufegen. Das mußte gründlich und vorsichtig geschehen, damit sich die Mauerfugen in den einzelnen Modulen nicht auch zusetzten, sondern der Gips nur in den Ritzen zwischen den Modulen blieb.



So sieht die Mauer mit dem trocken eingeriebenen Gipspulver, bereits abgefegt, dann aus:



Nun wurde das ganze mit Wasser aus einem Blumenzerstäuber gründlich übersprüht:



Dann brauchte ich nur noch die Aushärtezeit des Gipses abwarten:



Nach dem Durchtrocknen wurden die Löcher für den Wasserauslass mit einem spitzen Zahnarztinstument wieder freigekratzt:



Na das sieht doch schon besser aus als die unferfugte Mauer. Und diese Verfugungs-Methode ist einfach und schnell.
Im direkten Vorher-Nachher-Vergleich ist die Wirkung dieser simplen Verfugungsmethode sehr deutlich zu erkennen. Und die Mauermodule brauchten auch nur sehr grob zurecht gefeilt werden.



Das gleiche wurde dann mit den beiden anderen Mauerteilen wiederholt, die Treppen eingeklebt und die Wege gegipst:





Die Passanten sind erstmal nur provisorisch dort. Deshalb lehnen die Radfahrer auch an der Wand, da sie keinen Standfuß so wie Reisende haben.
Und hier die ganze Mauer in der Übersicht, noch unbemalt:



Und noch ein paar Impressionen (mit Mischlicht aufgenommen, daher die gelbliche Verfärbung):







Die Treppe hinauf zum BW:


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#65 von fernbahner , 08.09.2025 20:43

Moin,

Na das nenne ich doch mal eine Mauer

Chris


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#66 von Gess , 08.09.2025 21:02

Hi Siggi

Wow, das sieht richtig gut aus. Die Mauer hast Du mit Gips und Grips veredelt

Liebe Grüsse
Philipp


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#67 von Zweistein , 10.09.2025 17:05

Die Sichtblende für die linke Tunneleinfahrt wurde noch nach vorne zum Anlagenrand hin verschlossen und das "Geländeloch" mit Trittschalldämmungs-Resten von der Schnitzerei der Stützmauer-Stellprobe ausgestopft:



und anschließend mit dem Cutter zurecht geschnitzt:



Das Haltepunkt-Segment bekam links einen geraden Abschluß, an dem die Stützleisten für den Fahrradtunnel angeklebt wurden und der Tunnel bekam sein Dach:



Die Sichtblende wude dann auch noch gemauert. Hier zeigt sich der große Vorteil so kleiner Mauermodule, denn damit kann man auch gut im Bogen mauern.



Als "Dach" für den Radwegtunnel hatte ich Furnierholz genommen und auch mit Trittschalldämmungsresten unterfüttert, da das ganze ja aufgrund der ganzen Gipsmauersteinchen schon schwer genug geworden war (nur das linke Mauermodul wiegt bereits 1 kg!!!). Da wollte ich dort dann nur eine möglichst dünne Gipsschicht als Geländehaut drauf spachteln.



Dann wurde die Geländehaut aufgegipst:



Die restlichen Mauern wurden auch noch verfugt. Hier ie Übersicht über das winzige Stückchen "Gelände":



Der Fahrrad-Tunnel wurde auch noch ausgemauert, allerdings mit einer Mauerplatte aus der Bastelkiste:



Wie gut daß ich immer von den einzelnem Bauschritten Fotos mache, denn so konnte ich sehen, daß ich vergessen hatte, die Ritzen in der Fahrrad-Unterführung zu verspchteln (ist inzwischen nachgeholt ). Fotos sind eben sehr entlarvend.

Auch die beiden Tunneleinfahrten der Bahn benötigten noch Wände. Ich wollte hier keine normale "Tunnelröhre" nehmen, da dies nicht so ganz in den städtischen Bereich neben einem BW paßte, sondern es sollte eher so sein wie ein eckiger gemauerter U-Bahntunnel. Dazu hatte ich das Segment kopfüber auf den Basteltisch gestellt und dünnes Flugzeugsperrholz aufgeklebt.



Die Tunneldecke hatte ich nur gespachtelt (Betondecke), denn davon sieht man sowieso nix mehr. Bei den Wänden sieht man nur was, wenn beleuchtete Fahrzeuge in den Tunnel einfahren. Die Seitenwände sollten gemauert sein. In meiner Bastekiste fanden sich dann noch geeignete Mauerplatten. Diese wurden zuvor noch bemalt. Ich verwende da immer die Revell Email-Farben. Nach der Grundierung wurden die Mauerseine einzeln bemalt. Dazu brauchte ich nicht besondes sorgfältig vorgehen, sondern nur mit dem Pinsel einzeln über die Steine wischen. Durch die Nachbehandlung wurde das ja noch verwischt.



Anschließend kamen lasierend noch verschiedene "Washes" (Vallejo) drauf, welche anschließend mit einem harten Borstenpinsel "verrieben" wurden um weiche Übergänge zu bekommen. Ich hatte die Mauer nach hinten Richtung Tunnelinneres dunkler gemacht, um den Übergang in die "Tunnelschwärze" optisch zu unterstützen. Falls man doch mal direkt in den Tunnel schauf, fällt es nicht so auf, daß die Tunnelmauer nur ein ganz kurzes Stückchen lang ist. Kommt auf dem Foto wegen der Blendung leider nicht so deutlich raus. Rechts ist es in der Realität noch deutlich dunkler, schon fast schwarz.



Nach dem Trocknen wurden die Tunnelmauern dann eingeklebt. Auch die Tunneldecke hatte ihren Grundanstrich plus deutliche Rußspuren (als schwarzes Washing) bekommen.


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#68 von sts , 11.09.2025 14:51

Servus Siggi,

man sieht der Tunneleinfahrt mit dem Radwegtunnel die viele Arbeit schon an, die Du investiert hast, aber es hat sich gelohnt, ist ein echter Hingucker.
Ein monumentales Stück Mauerwerk...

Beste Grüße
Stefan


Bahnbetriebswerkfest, Rosenmontagszug, WUMA, etc.


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#69 von Zweistein , 11.09.2025 15:59

@sts: Danke für dein Lob.
Und die Arbeit an der Mauer war damit noch lange nicht beendet.

Denn als nächstes mußte die Mauer bemalt werden. Dazu wurde die Mauer erstmal vollständig mit grauer Farbe grundiert, damit sich die Poren des Gipses schlossen und der Gips nicht mehr so saugfähig war. Anschließend wurden die Steinchen mit verschiedenen Grundfarben versehen. Davon sieht man nach den weiteren Behandlungen zwar fast nichts mehr, aber unterschwellig ergibt sich trotzdem eine nicht einheitliche Steinchenfarbe und damit lebendigere Mauer. Die Steinchen bauchen auch nicht genau "ausgemalt" zu werden, sondern es genügt ein kurzer Pinselstrich grob plaziert auf jedes Steinchen. Ich hatte dafür verschiedene Vallejo-Farben benutzt. Mit den nachfolgenden Washes wird die Mauer noch deutlich dunkler, da es ja kein heller Sandstein werden sollte. Aber erstmal hell anfangen, Abdunkeln geht einfacher als aufhellen.



Beim Absatz hatte ich auch schon mal etwas Erdfarbe und Fugenfarbe aufgebracht. Da kamen aber auch noch mehr Schichten drauf.



Nun folgte das erste Washing. Für diesen 1. Durchgang hatte ich erstmal Valejo Opaque hellgrau mit beige gemischt und noch einen ordentlichen Schuß Valejo Sepia Wash zugegeben. Das ganze dann zusätzlich noch 1:2 mit Wasser verdünnt. Ich wiederhole den Vorgang lieber 2-3 mal statt gleich mit zu viel Farbe da dran zu gehen. Bei den weiteren Durchgängen kann man den Farbton auch variieren, was mehr Schattierungen ergibt.
Mit dieser sehr flüssigen Mischung hatte ich die Mauer satt "getränkt", damit auch alles gut in die Ritzen läuft, und immer nur stückweise, damit es zwischendrin nicht antrocknet.



Direkt anschließend, also bevor es anfängt anzutrocknen (!), wurd die überschüssige Suppe (also 80-90% der Farbe!) wieder weggewischt. Dabei bleibt die Farbe nur in den Ritzen vorhanden. Gleichzeitig werden auch schon die reinen Steinchenfarben gebrochen. Es soll ja schließlich keine "bunte" Mauer entstehen, sondern die Steine sollten schon eine ziemlich einheitliche Farbe und nur Farbnuancen haben.



Für diese Arbeitsschritte sollte man immer eine große Rolle Küchenkrepp bereit legen, denn der Küchenkrepp-Verbrauch ist hoch! Die meiste Farbe landet in den Küchentüchern (und an den Fingern... )



Da die Valejo-Farben oberfächlich recht schnell trocknen (als ich am Ende der mauer ankam, was der Anfang der mauer bereits getrocknet), hatte ich das nächte Washing gleich hinterher geschoben.
Diesmal ging es nicht nur um die Fugen, sondern auch die Steinchen selber sollten einen Washing-Schleier bekommen, aber auf keinen Fall zu gleichmäßig. Dieses mal hatte ich Valejo Washing Umber und hellgrau gemischt und wieder mit Wasser verdünnt (schwächt die ohnehin schon sehr flüssigen lasierenden Washings nochmals ab) und nur stellenweise auf die Mauer aufgebracht.



Anschließend wurde dieses mit einem harten trockenen Borstenpinsel durch tupfen und kreiseln unregelmäßig verteilt. Regelmäßigkeit ist der Tod einer solchen Mauer!



Direkt danach hatte ich mit Küchenkrepp einige Stellen vorsichtig betupft und somit etwas überschüssige Farbe wieder aufgenommen, insb. auf den glatten größeren Abdecksteinen, damit das ganze unregelmäßig wird.
Auf dem Bild es noch nicht getrocknet und das Ergebnis war dann noch nicht richtig zu beurteilen. Auch das Mischlicht (Neonlicht und Halogen) auf dem Basteltisch zeigte die Farben nicht korrekt im Foto.
Aber auf jeden Fall war die Mauer noch viel zu hell. Es sollte ja kein Sandstein werden. Aber das wird sich mit den folgenden Behandlungs-Durchgängen noch ändern. Vor den nächsten Durchgängen mußte das jedenfalls erstmal wieder gründlich trocknen.



Zunächst fehlte der Mauer noch der Dreck, sie liegt schließlich direkt nebem einem Dampf-BW. Also hatte ich nochmal Washes unregelmäßig mit einem weichem Pinsel aufgetragen, oberer Bereich mehr Umbra, unterer Bereich mehr schwarz, und mit einem harten Borstenpinsel etwas einmassiert (links) und so das schwarz und umbra inneinander überlaufen lassen und mit Küchenkrepp wieder unregelmäßig abgetupft (rechts).



Im nächsten Schritt wurde mit einem weißen Wash (Diaphoto-Lasurfarbe von Schminke, also eine sehr transparente sehr wässrige Farbe) wieder stellenweise aufgehellt. Gleiche Methode wie oben, also mit hartem Borstenpinsel tupfend einmassiert...



...und mit Küchenkrepp das überschüssige wieder abgetupft:



Da die Farbe hier noch nass war, sieht es auf dem Foto fleckiger aus als im Original.
Anschließend wurde noch etwas "veralgt". Schließlich gibt es da Wasserabflüsse in der Mauer, das beim Wasser fassen der Dampfloks überlaufende Wasser muß ja irgendwo hin abgeführt werden. Ferner sollte die Mauer auch noch stellenweise begrünt werden. Dort ist es dann auch feuchter.
Zum veralgen wurde ein Wash "Moosgrün" (Modellmates, hatte ich mal auf einer Messe gekauft) fleckenweise aufgetupft, einmassiert und das überschüssige wieder mit Küchenkrepp entfernt. Davon hatte ich jetzt aber kein Foto mehr gemacht. Ist ja genau der gleiche Arbeitsschritt wie oben, nur mit anderer Wash-Farbe.

Als nächstes wurden dann einige Lichter mit dem "Dry Brush" gesetzt. Dazu hatte ich einen alten harten Borstenpinsel genommen, die Borstenspitzen ganz leicht mit wenig Farbe (Valejo Opaque hellgrau mit etwas beige gemischt) benetzt und auf Küchenkrepp wieder abgewischt bis der Pinsel trocken war. Dann damit ganz leicht über einige Kanten drüber fahren.
Dry Brush ist immer problematisch, denn allzuleicht läßt man zu viel Farbe im Pinsel und dann sieht es nicht mehr wie "Lichter" aus, sondern wie draufgeklatschte Farbe. Für die helleren Lichter hatte ich daher mal eine andere Methode ausprobiert. Ich hatte ja beim Bemalen der Mauer mit sehr hellen pastellfarbtönen angefangen. Diese verschwanden durch die folgenden Schichten zwangsläufig größtenteils. Also hatte ich versucht, diese teilweise für die Lichter wieder hervor zu holen, indem ich mit einem äußerst feinen Schleifpapier (wird zum Schleifen von Lacken verwendet) ganz leicht über die Mauer gegangen bin. Dabei hatte sich auch als Vorteilhaft erwiesen, daß der verwendete Gips bereits eine hellgraue Grundfarbe hatte. Ich brauchte also keine Angst haben, bis auf den Gips durchzuschleifen und dadurch "Gipsweiß" zu sehen.



Damit war die Mauer dann erstmal fertig bemalt.

Hier ein paar Impressionen der Mauer.
Der Mittelteil:



Die Treppe zum BW:



Mauerabsatz und Stützpfeiler:



Der obere Teil des BW-Treppenaufgangs:



Der untere Teil der Treppe mit dem ausgebäulten Mauerteil und den hern herausgebrochenen Steinchen der Mauerkrone:



Das letze Bild wurde bei diffusem Tageslicht auf dem Basteltisch gemacht, die anderen Bilder mit einer Halogen-Schreibtischlampe. Dadurch wirken die Farben auf den Fotos ein bischen anders.


Gruß
Siggi

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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#70 von Gess , 11.09.2025 17:19

Hi Siggi

Wow, das sieht echt phänomenal aus. Das sind ja dann doch einige Arbeitsschritte, aber das Resultat kann sich wahrlich sehen lassen. Ich weiss nicht, ob ich so viel Geduld hätte. Oder ich hätte Angst, die Mauer mit einer unglücklichen Farbgebung zu versauen Hast Du das Prozedere vorher schon an "Testmaterial" ausprobiert oder hast Du Dich gleich an die echte Mauer gewagt?

Liebe Grüsse
Philipp


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#71 von Railwolf , 12.09.2025 17:20

Hallo Siggi,

die Farben der Steine sahen mir zuerst viel zu bunt aus, am Ende ist es aber überzeugend. Gibt aber doch eine mächtige Steinburg...

Kleine augenzwinkernde Anmerkung:

Zitat von Zweistein im Beitrag #39
Fleichmann hat bei dem Bausatz übrigens nicht nur vorne, sondern auch hinten Kamine vorgesehen. Ich habe aber nur vorne die Kamine eingebaut. So werden die Lokführer gezwungen, die Loks "fotogen" mit Rauchkammer nach vorne im Schuppen abzustellen.

Soweit ich informiert bin, haben viele BW die Rauchabzüge hinten - damit hat man nämlich die Dampfmaschine, die ja vorn an der Lok ist, im breiteren Teil des tortenstückförmigen Standes und damit mehr Platz zum Arbeiten. Und die großen Fenster geben gutes Licht.
Das fällt bei dir natürlich flach, weil hinter den Fenstern eine hohe Mauer ist, von daher kann deine Entscheidung nachvollzogen werden. Auch wenn's zum Arbeiten enger wird.


Mit vielen Grüßen

Wolf 🐺


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#72 von dlok , 12.09.2025 21:00

Hallo Siggi,

Erstens GRATULATION für deine Arbeit.

Viele Details wurden durchgedacht und dann sorgfältig realisiert.

Die Behanldung der Drehbühne und deren Grube finde ich vorbildlich .

Auch die Suche nach realistischen Gruben und Beleuchtung, sowie sauberes Boden ... ach nein ... genau umgekehrt: schmutzige und abgezehrte Fläche (aber nicht übertrieben)

Das Ganze überzeugt mich, und auch die Erklärungen .

Auch wenn ich nicht betroffen bin, schätze ich deine Sorgfalt, um sowohl mit 2 wie mit 3 Leiter fahren zu können, ohne dass es an der Detaillierung schadet. Nochmals BRAVO.

Keine Angst, um was die Rauchabzüge betrifft: Ich kenne (in der Schweiz) mehrere Beispiel mit denen nur bei den Türen ... oft zog man auch die Maschine draussen, um sie anzufeuern, um weniger Rauch und Russ in der Rotonde einzusammeln. Und wichtiger: Bei der Bahn gibt es nichts, was es nicht gibt.

Weiter so: viel Spass und Erfolg ... das werde ich in der Zukunft auch regelmässig überprüfen


Mit besten Grüssen aus der Westschweiz.

Laurent

PS: Masstab 1:1 und 1:87 passen gut zusammen
- Gruss aus der Schweiz: Was wurde bisher/sonst getan?
- Anlageplanung
- Anlagebau


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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#73 von SupmaKni , 13.09.2025 09:06

Hallo Siggi.

Anfangs war ich ja skeptisch was die Mauer betrifft, alles sehr wuchtig und massiv und dann dieser Mauerbausatz... aber die Mauer hast du sehr gut hinbekommen. Dein Konzept gefällt mir ja sehr, die 3. Dimension wird bei der Moba leider oft vergessen.
Es wäre vielleicht mal wieder Zeit für ein Bild in der Totalen um den Fortschritt besser zu sehen
Gruß Heiko


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dlok, Zweistein und Gess haben sich bedankt!
 
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RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Rückblick: Die große Mauer

#74 von Zweistein , 14.09.2025 19:17

@Gess: Ja, Geduld braucht man bei sowas. Ich hatte das kurz an den kleinen Teststücken ausprobiert gehabt.

@Railwolf: Egal ob Steinmauer oder Ziegelwand, der erste Anstrich sieht immer zu bunt aus. Man darf sich davon nicht abschrecken lassen, denn die anschließenden Washes egalisieren das dann.

Zitat von Railwolf im Beitrag #71
Das fällt bei dir natürlich flach, weil hinter den Fenstern eine hohe Mauer ist,

Das ist eine gute Ausrede. Dann merkt keiner, daß ich das nur so gemacht hatte, damit die Dampfloks fotogener im Schuppen stehen.

@dlok: Danke dir für dein Lob.

@SupmaKni: Freut mich daß es dir auch gefällt.

Hier habe ich noch ein paar Mauer-Impressionen von der teilfertigen Mauer (Licht und Grünzeug fehlen ja noch), dieses mal aufgenommen auf dem Basteltisch in vollem Sonnenlicht. Dadurch wirkt die Mauer zwar zu gelblich, aber Sonnenlicht ist doch immer noch das schönste Fotolicht.







Und hier wie gewünscht eine Übersicht kurz bevor die Sonne wieder hinter den Häusern verschwand:



Der Abfluss ist schon ziemlich verrostet:


Gruß
Siggi

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zuletzt bearbeitet 15.09.2025 | Top

RE: Bahnbetriebswerk Zweistein: Stellprobe Gebäudekomplex zum Hintergrund

#75 von sts , 15.09.2025 07:50

Hallo Siggi,

eine absolut wahnsinnige Mauer hast Du da sehr realistisch in Szene gesetzt.

Zitat von Zweistein im Beitrag #74
aufgenommen auf dem Basteltisch in vollem Sonnenlicht.

Auf dem ersten Bild erscheint die Steinmauer doch sehr hoch, aber das liegt höchstwahrscheinlich am Aufnahmewinkel.
Zitat von Zweistein im Beitrag #74
Der Abfluss ist schon ziemlich verrostet:

Der Abfluss sieht schon sehr realistisch aus. Bin auf die letzten Detailarbeiten gespannt.

Viele Grüße
Stefan


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Zweistein hat sich bedankt!
 
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