bei mir liegt jetzt schon eine ganze weile eine Minitrix 110 aus dem Startset 11490 auf der Werkbank. Ich hatte vor zwei Jahren mal einen LoPi5 Micro, den Mehrprotokolldecoder, für das Ding gekauft und dachte, dass es mit der Schnittstelle schnell geht. Eine halbe Runde gings dann auch, dann aber gar nicht mehr, analog aber nie Probleme gehabt. Dann habe ich mir mal einiges über die möglichen Problemquellen durchgelesen und mal das Hirn angeschaltet. Da waren dann tatsächlich auch, dummerweise, noch zwei Entstörkondensatoren sowie ein Polyswitch drinne die ich ausgebaut und überbrückt habe. Es ging dann leider immer noch nichts vor oder zurück und der Decoder meldete nur noch Überstrom durchs blinken der Lichter. Gestern habe ich mir dann meine Arbeit nochmal angeguckt und hatte den gedanken, dass meine Brücke über den Polyswitch vielleicht eine elektrische Verbindung zu Motorkontakt geschaffen hat, die jetzt einen Kurzschluss verursacht. Die Brücke mit Entlötlitze wieder ausgebaut und eins der Lötpads gleich mit .
Nachdem ich mich dann heute wieder beruhigt hatte nochmal alles angeschaut und mir die Leiterbahnen aufgemalt um festzustellen ob mein "geschafftes" noch irgendwie zu retten ist. Dabei ist mir dann aufgefallen, dass auf beiden Leiterbahnen zum Motor noch jeweils ein oder zwei Bauteile stecken. Nach kurzer Suche im Internet dann herausgefunden, dass es sich dabei wohl um kleine 100nF Keramikkondensatoren handelt. Meines Wissens nach sollten eigentlich zwischen Decoder und Motor keine Kondensatoren mehr stecken. Jetzt weiß ich allerdings nicht so ganz ob ich die einfach ausbauen muss oder auch alle drei überbrückt werden müssen? Hier mal die Bilder von der Platine:
wenn Du ausgebaute Kondensatoren durch eine Brücke ersetzt, baust Du einen Kurzschluß. Bei einem Polyswitch passiert das nicht. Da darf auf Wunsch gebrückt werden.
Einer der Kondensatoren darf bleiben, der direkt an den Motoranschlüssen. Alle anderen sind zu viel und werden ersatzlos ausgebaut. Leider scheint auch hier die Entstörung heftig überdimensioniert zu sein, Stichwort: PIKO C4.. Falls der an den Motoranschlüssen auch schon weg ist: bei einem Fünfpoler 2,2-4,7nF keramisch, bei einem Dreipoler 4,7-10nF. Mehr ist nicht nötig, ganz ohne wird das Bürstenfeuer heftig. Der Polyswitch ist harmlos, solange der bei Überlast nicht auslöst ist es aus Sicht des Dekoders ein Stück Draht. Löst er aus hat die Lok ein gravierendes Problem mit dem Motor.
Wenn ich euch beide jetzt richtig verstanden habe, baue ich die beiden auf dem Bild rot markierten (C1 und C2) ersatzlos aus. Der blau markierte C3 darf drinne bleiben, der sitzt quasi auf der Oberseite der Platine wo unten der Polyswitch war. Der Verbindet sich mit zwei Leiterbahnen aber auch mit beiden Motorkontakten, macht das hier keine Probleme? Oberseite:
Im August letztes Jahr hatte ich nach 1001-digital und einer Niederländischen Seite (Het NProject) mehrfach gelesen, dass der Polyswitch gerne einfach des Decoders wegen auslöst und ihn deshalb ausgebaut. Der Decoder wurde auch immer schnell heiß, was allerdings immer noch der Fall ist. Auf der Unterseite wo die orange und graue Linie gestrichelt sind habe ich zwei Drosselspulen ausgebaut und mit einer Drahtbrücke ersetzt. Ich habe jetzt auch in lila mal eingezeichnet wo der Polyswitch war bevor ich den ausgebaut habe. Unterseite:
Und ich habe doch tatsächlich gerade noch in einem alten Chatverlauf Bilder von der Platine gefunden bevor ich irgendetwas ausgebaut habe, falls sich jemand mal ein Bild davon machen möchte ob ich damals schon etwas falsch gemacht habe. Originalplatine Oberseite:
Zitat von Stahlblauberlin im Beitrag #3Einer der Kondensatoren darf bleiben ... ganz ohne wird das Bürstenfeuer heftig.
M.W. hat dieser Kondensator wenig mit dem Buerstenfeuer zu tun, noch reduziert er dieses. Der ist schlicht zur Entstoerung da, um die umschlossenen Flaeche zwischen den Motorzuleitungen so klein wie moeglich zu halten. Das di/dt kreist dann vornehmlich in einem kurzen Leiterabschnitt. Die Stoerabstrahlung wird dadurch (deutlich) geringer.
Der Abblockkondensator nahe der H-Bruecke auf dem Decoder uebernimmt diese Funktion. Nur leider ist der Leitungsweg vom Motor zur H-Bruecke i.d.R. etwas laenger, sodass die Entstoerwirkung nicht so gut ist wie ein C direkt an den Motoranschluessen.
Ich habe mir eine komplette Tauschplatine fuer diesen Loktyp mit Decoder direkt drauf gebaut (incl. 5x 330uF Pufferung).
Zitat von EricToGo im Beitrag #6 Also müsste ich eigentlich ja alle drei Cs rausnehmen können ohne diese zu überbrücken richtig?
Ja, allerdings ist die Motorzuleitung bei dieser Platine extrem lang (gelb eingezeichnet) und auch noch weit auseinander. Das wirkt wie eine Sende-Antenne. Aus diesem Grund lass diesen Kondensator drin.
Zitat von EricToGo im Beitrag #6 Und für den Fall aller Fälle würde mich mal interessieren woher man so eine Tauschplatine bekommt.
Fuer den Fall der Faelle, kann ich Dir eine Tauschplatine zukommen lassen.
So, einen Tag weiter; Ich habe die C1 und C2 ausgelötet und dann nochmal versucht. Leider nicht so ganz erfolgbehaftet. Der Decoder wird in der Lok immer noch sofort heiß, das Licht funktioniert einwandfrei, keine Überstromwarnung durch blinken oder Ähnliches. Den Motor hatte ich bisher nicht wieder eingebaut, da das schon ein ziemlicher Akt war den aus dem Gehäuse raus zu bekommen, deshalb kann ich nicht sagen ob die Lok tatsächlich fährt. Ich habe bisher auch noch keine neue Brücke über den Polyswitch eingesetzt, was ja aber eigentlich keine Probleme machen sollte.
Nach einem Ausprobieren wird der Decoder tatsächlich auch in einer anderen Lok sofort heiß. Es könnte wohl also tatsächlich auch einfach sein, dass der Decoder irgendeinen Defekt hat. Licht ging in beiden Loks mit dem Decoder und optisch kann ich keine Schäden erkennen. Ich werde dem Decoder wohl später mal einen CV8 spendieren und gucken ob das vielleicht irgendwie hilft. Das macht mich jetzt allerdings etwas nervös die Minitrix 110 mit einem anderen Decoder zu testen. Gerne würde ich es vermeiden eventuell noch einen Decoder zu zerschießen.
Bevor du einen anderen Dekoder einbaust die Lok erstmal durchmessen. 1. keine leitende Verbindung von einem der Motoranschlüsse zu einem der Gleisanschlüsse. 2. Stromaufnahme des Motors messen, von der Schnittstelle aus. Mit einem 9V-Block sollten etwa 100 mA maximal erreicht werden. Deutlich darüber deuten auf ein Motorproblem (meist verölter und verdeckter Kollektor) oder ein schwergängiges Getriebe hin. Weniger darf es natürlich immer sein. Ohne nennenswerte Last darf ein Dekoder übrigens nicht wirklich warm oder gar heiß werden. Ich würde tippen das die Motortreiber einen weg haben. Alle Messungen bei vollständigem Fahrwerk OHNE Dekoder!! Falls der Dekoder wirklich defekt ist: Guck dir mal den D&H PD10mu an, den verbaue ich auch in sparsamen H0-Lokomotiven. Sehr schönes Fahrverhalten ohne an der Lastregelung was einstellen zu müssen mit den allermeisten Motoren. Auch ziemlich ausgefeilte Schutzschaltungen, da muss man es wirklich drauf anlegen.
Mit meinem Multimeter konnte ich bei der Widerstandsmessung konnte ich keinerlei leitende Verbindung messen zwischen den Motor- und Gleisanschlüsse. Ich fürchte mein Multimeter (Baumarkt) kann leider keine Stromaufnahme messen. Der Decoder wird tatsächlich auch schon heiß ohne, dass der Motor überhaupt eingebaut ist. Ich vermute, dass es der Kondensator auf dem Decoder ist, der heiß wird. Zumindest kann ich da mit dem Finger die wärme fühlen.
Ein Kondensator wird so ohne weiteres nicht heiß, nur bei extremen Wechselstrombelastungen die hier (Siebung der Betriebsspannung) nicht auftreten sollten. So eine winzige Baugruppe wie ein Dekoder macht es nicht einfach die Wärmequelle aufzuspüren. Durch die Leiterplatte wird die Wärme auch sehr schnell auf dem ganzen Dekoder verteilt. Das sich der Kondensator besonders warm anfühlt kann gut daran liegen das man da Metall berührt das Wärme deutlich besser leitet als Kunststoff. Auf Dekodern wird in erster Linie bei Last der Gleichrichter bzw. die Gleichrichterdioden warm, gefolgt von der Spannungsregelung für den Prozessor. Ein Multimeter ab 15,- hat übrigens praktisch immer schon mindestens einen Strommessereich, wenn deines das nicht bietet solltest du dir dringend eines besorgen. Guck dann so in der Preisklasse bis 30,-, sowas z.B.: https://amzn.eu/d/fYyh750 reicht dicke aus.
Ja es wird wohl irgendwie sich verteilen auf dem Decoder. Ab dem Moment in dem ich die Stop-Taste an meiner MS2 drücke sind es wirklich nur 2 oder 3 Sekunden bevor der Decoder unter dem Finger heiß ist. Nach 10 Sekunden hätte man sich wahrscheinlich schon den Finger verbrannt. Von kaputten Gleichrichtern habe ich schon einmal gelesen auf der Suche nach möglichen Ursachen für mein Problem, hatte aber eigentlich gehofft, dass es das nicht ist.
Mein Multimeter ist kein sonderlich gutes. Es hat bisher immer für alle meine Unterfangen gereicht, aber besonders die letzten Tage habe ich doch gemerkt, dass eine Neuanschaffung wohl mal nötig wäre.
Das hatte mich auch schon gewundert. Meine alte MS1 hat auch immer sofort nach dem kleinsten zirpen sofort abgeschaltet. Nach einer kurzen Suche habe ich herausgefunden, dass es hier auf dem Forum eine Diskussion über das schlechte Kurschlussverhalten der MS2 gibt. Scheint also ein verbreitetes Problem zu sein.
Einmal kann das MS2-Problem zuschlagen, das andere kann sein das der Kurzschluß nicht "perfekt" ist. Wenn durch die diversen Übergangs- und Leiterwiderstände der Strom knapp unter der Abschaltschwelle bleibt kann keine Zentrale abschalten. Deshalb rate ich ja an entsprechender Stelle immer dazu Zentralen/Booster so knapp wie möglich auszulegen. Beispielrechnung: Die MS2 dürfte bei 2A abschalten, bei 18V am Gleis. 18V/2A macht 9Ohm. Hört sich viel an, aber gerade bei den kleinen Spuren schnell mal zusammen. Bleibt der Strom knapp unter der Schwelle werden irgendwo knapp 36W in Wärme umgewandelt... das ist schon ein Elektroniklötkolben...