ich habe noch in der Modelbahnschule Nr 4/2001 noch einen Artikel zum Thema gefunden. Dort heißt es
"Es sind so gut wie keine verlässlichen amtlichen Angaben erhalten geblieben"
und
"die zur Länderbahnzeit verwendeten Farben waren auc nicht so bestbar wie wir es heutzutage gewohnt sind. Durch Erhitzung beim Dampflokkessel, Alterung und Verschmutzungveränderten sich die Farben der Lokomotiven. Wohl kaum eine Maschine glich im Farbton einer anderen. Zeitgenössische Darstellungen auf Zeichnungen oder Gemälden können auch nicht als Definition herangezogen werden. Im Laufe der Zeit haben sich die Farben auf den Bildern durch UV-Einwirkung verändert ..."
Ich denke, daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Dazu kommt, dass jede Verwaltung ihre eigene Farbgebung hatte. Zu manchen kann man mehr, zu anderen weniger lesen. Die wenigen erhaltenen Farbkarten geben wohl einen Eindruck der Farben. Aber für eine genaue Wiedergabe reicht auch das nicht. Ich habe noch keine gesehen ...
Übrigens, es gab nicht nur Colorierung, sondern bereits um 1900 die Farbfotografie.
Deine Beschaffung dieses lesenswerten Buches war für mich Anlaß, mal wieder hineinzuschauen. Auf S. 205 beschreibt Kurt Pierson den Lokomotivanstrich der preußischen Dampflokomotiven („vgl. Schutzumschlag“) wie folgt:
Kessel und Aufbauten: Lokomotivgrün = sattes, glänzendes Grün zwischen Wiesen- und Olivengrün
Alle roten Bestandteile der Loks beschreibt er mit „hellrot“ (!).
Das steht im Gegensatz zu den Ausführungen etwa von Wolfgang Diener und Wagner/Bäzold/Zschech/Lüderitz. Sie beziehen sich auf Vorschriften über die einheitliche Bezeichnung und Nummerierung von 1883, in denen von „dunkelgrün“ und „rotbraun“ die Rede ist.
Wem soll man nun glauben?
Die Bezugnahme auf amtliche Vorschriften hat natürlich Gewicht, aber die Beschreibung eines Zeitzeugen hat es auch. Kurt Pierson wurde 1910 geboren und hat schon als Kind auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin Personenwagen gereinigt. Er hat mit einfachsten Kameras preußische Dampfloks fotografiert, als das sonst kaum jemanden interessierte. Beruflich war er dann in der Eisenbahnindustrie tätig und hat auch einige Bücher zu Eisenbahnthemen verfasst. Sollte sich ein solcher Eisenbahn-„Nerd“ bei der Beschreibung der Farben derart geirrt haben? Ich kann mir das kaum vorstellen.
Wie es wirklich war, werden wir kaum herausfinden können. Aber ich bin nicht bereit, die frühere Farbgebung von Fleischmann, Piko und vielen anderen von vornherein als falsch abzutun.
Wer die aktuell bei den Herstellern übliche Farbgebung schöner findet, dem empfehle ich dieses Video von Frits Osterthun mit der preußischen S10.1 Bauart 1914 (ich hoffe, der Link funktioniert): https://youtu.be/A6P98ggqviU?si=9eJuVrZlWqZ0U3x1 Die Lok stammt vom Kleinserienhersteller Gebhard Reitz, der leider kürzlich verstorben ist, und der die Farben sicherlich nicht leichtfertig gewählt hat. Ist das nicht eine prachtvolle Erscheinung? Dieselbe Lok in dunkelgrün wäre nicht halb so interessant. Aber das ist natürlich Geschmacksache.
Zitat von Settebello im Beitrag #28Das steht im Gegensatz zu den Ausführungen etwa von Wolfgang Diener und Wagner/Bäzold/Zschech/Lüderitz. Sie beziehen sich auf Vorschriften über die einheitliche Bezeichnung und Nummerierung von 1883, in denen von „dunkelgrün“ und „rotbraun“ die Rede ist.
Hm,
sie beziehen sich an den zitierten Stellen auch auf Anstrichvorschriften aus den späten 1890ern und die Lieferbedingungen für preußische und elsaß-lothringische Loks von 1908. Überall ist von dunkelgrün die Rede. Die Ausgabe von 1908 mit Farbkarten.
Auch der "Lokvogel", Sonderausgabe 2/2008 zitiert diese Quellen.
Zitat von Settebello im Beitrag #28Das steht im Gegensatz zu den Ausführungen etwa von Wolfgang Diener und Wagner/Bäzold/Zschech/Lüderitz. Sie beziehen sich auf Vorschriften über die einheitliche Bezeichnung und Nummerierung von 1883, in denen von „dunkelgrün“ und „rotbraun“ die Rede ist.
Hm,
sie beziehen sich an den zitierten Stellen auch auf Anstrichvorschriften aus den späten 1890ern und die Lieferbedingungen für preußische und elsaß-lothringische Loks von 1908. Überall ist von dunkelgrün die Rede. Die Ausgabe von 1908 mit Farbkarten.
Nein, beide beziehen sich auf Vorschriften von 1883, die von Dir genannten erwähnen sie nicht.
Der Link ist ja sowas von spannend, auch wenn es nicht Bilder aus Deutschland sind. Gleich das erste Bild ist spannend. Nicht wegen der Lok, sondern wegen der ersten beiden Wagen. Unter der Annahme, dass die beiden ersten Wagen im gleichen oder zumindest ähnlichem Grün gestrichen wurden, zeigt es die mögliche Spanne der Farbnuancen. Gerade der erste Wagen erinnert mich sehr an das Grün der württemberg. C von Roco. Ich glaube, es ist einfach nur vieles möglich ...
Deutsche Eisenbahnen 1835 1985 transpress Seite 78, 79 und 80. Preußische G 8, G 9 und G 10. Schwarze Rauchkammer, helle Farbgebung (aber nicht so hell wie Fotografieranstrich) und dunkle Zierstreifen und Kesselringe. Das ist mir schon auf vielen Fotos aufgefallen. Zumindest für Preußen gehe ich davon aus, dass noch um die Jahrhundertwende ein helles Grün und ein helles Rot verwendet wurde. Vermutlich wurde es schnell schmutzig und und deshalb hat man irgendwann dunklere Farben verwendet. Zu Reichsbahnzeiten dann ja sowieso ein anderes Farbschema. Damit wären beide angesprochenen Farbvarianten richtig, je nach Direktion und Einsatzzeit. Da ich in meiner Jugend selber viel schwarzweiß fotografiert habe und auch selber entwickelt, denke ich, dass ich Grautöne beurteilen kann.