Hallo zusammen!
Es ist schon wieder ein bisschen Zeit vergangen seit meinem letzten Beitrag.
In den letzten zwei Wochen gab es in Japan eine traurige Nachricht.
Viele von euch haben es vielleicht schon mitbekommen: Shunsaku Tamiya, der Gründer von Tamiya, ist verstorben.
Für jemanden wie mich, der in Japan geboren und mit Tamiya-Bausätzen aufgewachsen ist, war das mehr als nur „der Präsident eines Modellbauunternehmens ist gestorben“.
Durch seine Bücher und die unzähligen von ihm entworfenen Bausätze konnte ich seine Gedankenwelt und seine Liebe zum Modellbau kennenlernen – und ich glaube, dass ich einen Teil davon auch in mir tragen durfte.
Neben der Trauer über diesen Verlust verspüre ich vor allem große Dankbarkeit.
Ohne die Bausätze von Tamiya wäre ich wohl nie zum Modellbau gekommen – und hätte auch nie zu diesem Forum gefunden.
Das klingt vielleicht etwas weit hergeholt, aber für mich ist es tatsächlich so.
Ich weiß natürlich, dass dieses Forum dem Thema Modelleisenbahn gewidmet ist, aber erlaubt mir bitte, aus diesem Anlass ein einziges themenfremdes Foto zu zeigen:

Aber nun zum eigentlichen Thema – meinem Anlagenbau.
Die letzten Wochen bestanden aus viel Geduld, Ausdauer und scheinbar endlosen kleinen Arbeitsschritten.
Aber endlich habe ich das Gefühl, dass ich einen kleinen Meilenstein erreicht habe!
Ich habe den Gleisunterbau aus MDF, Kork, Karton und Polystyrolplatten aufgebaut und beginne nun mit dem Verlegen der PECO-Flexgleise.
Für mich ist das alles Neuland – ein ständiges Ausprobieren und Lernen –, aber allmählich bekomme ich mehr Routine.
Ein Knackpunkt bleibt das Löten der Schienenverbindungen.
Ich habe zwar Erfahrung mit Elektronik, aber das hier ist doch etwas ganz anderes als einfach eine Leiterplatte zum Funktionieren zu bringen.
Die Lötstellen müssen nicht nur elektrisch gut, sondern auch optisch sauber und mechanisch stabil sein – da fehlt mir noch Übung.




Dafür habe ich in dieser Zeit ein neues Werkzeug zu meinem Arsenal hinzugefügt:
Ein Motorschleifer von Proxxon – das ist doch eine deutsche Marke, oder? In Japan sind deren Produkte in vielen Baumärkten erhältlich.
Bisher habe ich die Gleise mit einem Seitenschneider gekürzt, aber mit dem Motortool geht es viel schneller und sauberer.
Ich hätte es mir schon viel früher anschaffen sollen – meine Seitenschneider haben inzwischen ziemlich gelitten.

Das kleine Hilfsmittel, das ich dabei auf das Gleis auflege, ist übrigens eine Eigenkonstruktion: mehrere Lagen lasergeschnittener Pappe, mit Sekundenkleber durchtränkt und ausgehärtet.
Es ist erstaunlich stabil – man glaubt kaum, dass es ursprünglich nur aus Karton bestand!
Wenn man stundenlang in Holzstaub und Korkmehl wühlt, mit Leim verklebt und schneidet, fragt man sich irgendwann unweigerlich: „Was mache ich hier eigentlich?“
Ganz ehrlich – ein paar Mal war ich nah dran, die Motivation zu verlieren.
Kennt ihr das auch?
Vielleicht hilft es, ein paar Lieblingsloks aufzustellen?
Oder sich zur Belohnung ein neues Wagenset zu gönnen – als kleine Investition in die Motivation?
Auch der Bau von Gebäude-Bausätzen kann eine schöne Abwechslung sein.
Wobei... endlos kleine Fensterrahmen mit Klarplastik zu hinterkleben, hat definitiv auch seine Tücken 😅

Trotzdem: Wenn ich für ein Foto wie dieses die Fahrzeuge und ein altes Stellwerk aufstelle – nur für euch –, dann fühlt sich das irgendwie belohnend an.
Ohne dieses Forum hätte ich mir wohl nie die Mühe gemacht, solch kleine Szenen überhaupt vorzubereiten.
Das Bedürfnis, Fortschritte zu zeigen und gesehen zu werden, ist mir zu einer echten Stütze geworden.
Vielen Dank dafür!
Damit ist der Bau des Kurvenabschnitts mit Überhöhung nun größtenteils abgeschlossen.
Noch ist die Werkbank voller Holz- und Metallspäne, daher habe ich die Stromversorgung noch nicht getestet –
aber soweit ich das sehen kann, laufen die Fahrzeuge bisher ganz ordentlich.
Gestern habe ich bei einem österreichischen Modellbahnhändler noch ein paar fehlende ROCO LINE-Weichen bestellt.
Wenn ich bis zur Lieferung das nächste Gerade-Stück fertigstelle und anschließe – und keine unvorhergesehenen Probleme auftreten –
dann sollten die Züge bald eine komplette Runde über das Oval fahren können.
Sicherlich werden mit dem nächsten Schritt neue Fragen und Herausforderungen auftauchen.
Ich hoffe, ich darf mich dann wieder an euch wenden!
Bis bald –
mit heißen Grüßen aus dem sommerlichen Tokio 🌞
Haruki
Nachtrag:
Vor Kurzem hat KATO die Neuauflage des „Orient Express ’88“ in Spur N angekündigt.
Vielleicht wurde das in diesem großen Forum schon besprochen – ich bin da noch nicht ganz auf dem neuesten Stand.
Diesmal handelt es sich um die Japan-Ausführung (Bestellnummern 10-561, 10-562), die damals durch das Land fuhr.
Besonders interessiert bin ich aber an der Frage, ob auch die europäische Variante (Paris–Hongkong, Nr. 10-1230, 10-1231) wieder aufgelegt wird.
Denn genau diese Garnitur war es, die mich überhaupt erst in die Welt der europäischen Modelleisenbahnen hineingezogen hat.
Ich möchte gar nicht für mein Heimatland Partei ergreifen (ihr seht ja: ich bin total europalastig!),
aber dieses Modell ist in seiner Schönheit absolut ebenbürtig zu Produkten europäischer Hersteller.
Auch wenn es – leider! – im Maßstab 1:150 gefertigt ist, was sich als Benutzer natürlich nicht ändern lässt...