Zitat von Hadasch im Beitrag #7
Dampfloks Zeit, Tempo 50 und Fenster offen, das war sicheres Reisen! Man wird dabei fast nostalgisch.
Nostalgisch ja - als unverbesserlicher Epoche III-Fan, sicher wage ich heftig zu bezweifeln! Denke mal an das
Unglück in Langenwang - oder auch an das
Straßenbahnunglück in Döbling: Die Holzaufbauten waren eben in Unfallsituationen extrem gefährlich!
Aber wir haben aus solchen Unfällen gelernt - und sind technikgläubig geworden: alles ist möglich! Das wäre wohl auch nicht so schlimm, wenn wir wirklich 100% im Griff haben. Als Europäer sind wir schon zufrieden, wenn 99,0% erreicht sind, bei Schönwetter auch zuverlässig werkt. Da sind, wie zuvor erwähnt, die Japaner weiter. Sie sind erst zufrieden, wenn 100,1% erreicht sind. Warum sind viele technische Geräte der Neuzeit erst durch japanische "Beteiligung" wirklich marktreif geworden (ich erinnere an die CD, die ursprünglich eine europäische Erfindung war, doch erst Sony hat die Sache zur Vollkommenheit gebracht.
Auch wir überprüfen Strecken regelmäßig, vielleicht sind unsere Toleranzen größer.
Auch japanische Manager bekommen Boni, also Geldgier mit Vernichtungstrieb (es wird ja immer wieder das bewusste totale Niederfahren der Infrastruktur behauptet) könnte auch dort gelten.
Der Vorfall hat gezeigt, dass wohl alle im Rahmen der Regelungen richtig gehandelt haben - im Zusammenklang war es vor allem für die Fahrgäste nicht optimal.
Auf Geduld und Nachsichtigkeit der Fahrgäste zu hoffen ist leider nicht zielführend. Hier gilt es wohl, die Strategien zu überdenken. Ich habe es oben schon geschrieben: Nach einer Stunde will ich als Fahrgast aus einem defekten Zug heraußen sein, insbesondere dann, wenn gut gemeinte, aber nicht ganz sichere Rettungsstrategien greifen. Hier stand der Zug praktisch neben einem Notausgang, selbst eine Evakuierung und neuerliche Heranführung eines funktionierenden Zuges hätte weniger Zeit verbraucht.
Zu überprüfen wären dringend die verschiedenen Kupplungssysteme auf rasche und unkomplizierte Rettungsfähigkeit. Gerettet wird in einer ungewöhnlichen Situation, da muss die 100%ige Nutzbarkeit des Kupplungssystems gewährleistet sein. Komplizierte mechanische "Übungen" bei energetischen Totalausfall sind keine Lösung, auch wenn sie als machbar erklärt werden. Ich stelle mir die Sache lieber nicht vor, wenn der Zug zwei Minuten später im Wienerwaldtunnel hängen geblieben wäre!
Der Vorfall wäre wohl ein exemplarischer für eine deutliche Erneuerung der Rettungsstrategien. Und: Schonungsloses Aufzeigen des Ablaufes des Vorfalles.