Zitat von blauer klaus im Beitrag #9
Moin Thomas,
die Idee einen Schmalspur-Klv51 zu bauen hatten wir im Jahr 2000. Der Klv sollte bei der Jagsttalbahn zum Einsatz kommen. Den Klv hatten wir schon (privat) gekauft und Kontakt mit div. Unternehmen auf genommen, die uns das Fahrzeug auf 750mm umspuren sollten. Doch dann änderte sich die Vereinspolitik. Bis dato ist kein echter Verkehr im Jagsttal möglich ... und wird auch nie wieder möglich sein.
Schonmal die Internetseite der Jagsttalbahn besucht?
Kein Verkehr sieht anders aus, auch wenn es nicht viel Verkehr ist. Und "echter Verkehr" (wie auch immer der sich definiert) dürfte in dem dortigen Umfeld derartig ungewollt sein, dass man froh sein muss, dass überhaupt noch was da ist. Möckmühl hatte ja perfekt gezeigt, was Denkmalschutz im Ländle wert ist, wenn sich nur alle einig sind, dass er nichts wert ist... Und Krautheim hatte ja schon alle juristischen Register gezogen.
Ich war mal dabei (bin inzwischen wieder einfaches Mitglied) und bekam meinen Enthusiasmus gerade um die Jahrtausendwende sehr nachhaltig von der Politik und den Anwohnern abgewöhnt, weniger vom Verein. Merke: Den Anwohnern ist die JTB zum größten Teil wurscht und/oder die Touris nerven nur. Und Busunternehmer mögen keinen "echten Verkehr".
Ich habe aber auch mehr als einmal miterlebt, wie jede Menge Leute mit guten Ideen auf der Matte standen, aber in den wenigsten Fällen vorher im Eifer des guten Willens die Angelegenheit konsequent zu Ende gedacht hatten. Selbst Leute aus dem Verein hatten schöne Projekte, die aber im Endeffekt nur Gegenwind ausgelöst haben (noch mehr davon war aber wirklich nicht notwendig). Da war gerade um 2000 so viel in der Art los, dass ich mich gar nicht mehr an die genauen Umstände der Sache mit dem Klv erinnern kann. Aber ich musste vieles verdrängen von diesem K(r)ampf, um wieder schlafen zu können...
Was selbst nämlich der Verein lange nicht realisiert hat: Öffentlicher Bahnverkehr ist in erster Linie eine brutale Verantwortung. Und da ist der Spielraum für noch so wohlgemeinte Projekte ganz oft erheblich enger als man denkt. Ich bin auch ein bißchen enttäuscht, dass von der Jagsttalbahn inzwischen nur noch ein kleiner Rest übrig ist, aber der erwacht gerade recht erfolgreich zu neuem Leben und das halte ich angesichts der Umstände für eine unglaubliche Leistung des Vereines. Ganz besonders, wo man immer Leute hatte - von Hagen von Ortloff bis zu bekanntesten Museumsbahnexperten in Diensten holländischer Meterspursammler, die sehr schnell mit dem "nie wieder möglich" (oder fein formulierter Expertisen für die Gegner) waren. Das war immer ein gefundenes Fressen für die andere Seite und wurde mit großer Geste vorgehalten: Da, schaut, der kennt sich aus, der sagt auch "nie wieder!"
Zitat von RC-Flieger im Beitrag #10
Hi Wolfgang
Das Material rottet jetzt rund um den alten Bahnhof in Unterelchingen ( gehört ihm auch ) vor sich hin. Echt schade drum.
Gruß Thomas
Das ist genau das Problem: Auch wenn der Bahnhof ihm gehört, wird er von den Leuten weiter als öffentliches Gelände wahrgenommen. Ich zähle inzwischen nicht mehr, wie oft ich diese Geschichte erlebt habe: Enthusiasmus, Sammlung, man übernimmt sich und kultiviert am Ende in den Augen der Öffentlichkeit einen Schrottplatz. Wat dem Museumsbahner sin Nachtigall ist dem Bürgermeister sin Uhl. Das ist eine traurige Form von "history repeating" und sie endet immer auf dem Schrottplatz für unwiederbringliche Fahrzeuge. Wahlloses Beispiel: Schönau im Odenwald. Dort am Bahnhof versuchten wohlmeinende Enthusiasten, ein Straßenbahnmuseum (basierend auf Stuttgarter Fahrzeugen) zu etablieren und die Strecke von Neckarsteinach dafür zu nutzen. Mal davon abgesehen, dass da noch nie vorher eine Tram gesichtet worden war - für die Anwohner war da nur eine unschöne Ansammlung von rostigen Straßenbahnen. Und so endeten Jahre und lange Auseinandersetzungen später unwiderbringliche Fahrzeuge der END und der "Zacke" im Container.
Nota bene: Auf eigenem, abgezäuntem, nicht öffentlichem Gelände darf man deutlich mehr. Aber auch da bleibt "das bißchen Eisenbahn" eine ganz andere Nummer, wie der tragische Tod eines Bekannten vor Jahren zeigt: Der hatte auf eigenem Gelände eine Feldbahn aufgebaut und ist ganz für sich rumgekurvt, da konnte keiner reinreden. Er wurde trotzdem von seiner umkippenden Lok erdrückt. Und das war eine "putzige" Feldbahnlok...
Soviel mal als kleiner Exkurs, schuldig im Sinne der Themaverfehlung. Und nix für ungut.