Moin zusammen,
ich habe heute beim Schwimmen – ich gehe recht viel schwimmen, da kann man erstaunlich gut nachdenken – noch einmal grundsätzlich über die Platzfrage meines Kraftwerks nachgedacht. Anlass war unter anderem ein Einwand meines Freundes, mit dem ich zusammenwohne, der verständlicherweise ein besonderes Augenmerk auf den verfügbaren Wohn- und Stauraum hat und früh die Befürchtung geäußert hat, dass mein geplantes Kohlekraftwerk immer größere Ausmaße annimmt.
Und ganz unrecht hat er damit nicht: Ein klassisches Kohlekraftwerk um 1910 erschöpft sich ja nicht im Maschinenhaus, das ihr hier bereits gesehen habt. Hinzu kämen großflächige Kohlelager, Kessel- und Heizhäuser, Asche- und Nebenanlagen, Fördertechnik sowie ausgedehnte Betriebsflächen. In Summe ergibt das eine sehr große und sehr wuchtige Anlage.
Dabei soll das Kraftwerk zwar ein elementarer Bestandteil der Gesamtanlage sein, aber eben nicht das dominierende Thema. Der Schwerpunkt liegt weiterhin klar auf Stadt und Hafen, zwischen denen das Kraftwerk angesiedelt sein soll – als funktionales Bindeglied, nicht als flächenfressender Hauptakteur. Um einen realistischen Betrieb darzustellen, würde ein Kohlekraftwerk jedoch deutlich mehr Raum beanspruchen, als diesem Anspruch gerecht wird.
Nach einigem Einlesen, Abwägen und auch etwas Selbstkritik habe ich mich daher entschlossen, das Konzept auf ein Gaskraftwerk um 1910 umzustellen. Das ist kein moderner Ansatz, sondern orientiert sich an zeittypischen technischen Betriebskonzepten, wie sie insbesondere im städtischen und stadtnahen Umfeld vorkamen. Rückblickend hätte man das sicher früher noch tiefer durchdenken können – ich schiebe das jetzt einfach mal auf mein Alter und meine Neigung, mir mehr vorzunehmen, als platztechnisch sinnvoll unterzubringen ist. Einen kompletten Flugzeughangar für die Anlage werde ich schließlich auch nicht zur Verfügung haben.
Am grundsätzlichen Aufbau der Anlage ändert sich dadurch weniger, als man zunächst vermuten könnte. Die Maschinenhalle bleibt in ihrer Funktion und Wirkung erhalten; sie beherbergt weiterhin die Turbinen und Generatoren. Lediglich das Betriebskonzept ändert sich: Gas wird leitungsgebunden angeliefert und in einem Gasspeicher bzw. Gasometer bevorratet. Von dort aus erfolgt die Weiterverteilung innerhalb des Kraftwerks sowie gegebenenfalls an externe Abnehmer. Dadurch entfällt die aufwändige Kohlevergasung vor Ort, was die Anlage deutlich kompakter und platzsparender macht.
Dieses Konzept erlaubt eine dichte, modulare Bebauung: Gaslager/Gasometer dienen als vertikale Landmarken, die übrigen Nebenanlagen sind kompakt angeordnet. Gebäude wie Umspannwerk, Anlieferstellen und Werkseinrichtungen bleiben notwendig, lassen sich aber modular und platzsparend integrieren. Trotz des reduzierten Flächenbedarfs bleibt der Spielwert erhalten: Anlieferungen, Umschlag und Rangierbetrieb sind weiterhin abwechslungsreich und spannend darstellbar.
Gerade für den Standort zwischen Stadt und Hafen ist dieses Konzept sehr plausibel. In einer fiktiven größeren norddeutschen Stadt um 1910 kann ein stadtnahes Gaskraftwerk, das industrielle Abnehmer sowie Hafenanlagen versorgt, gut funktionieren – auch wenn Kohleverstromung insgesamt dominierend war.
Das ist vor allem deshalb wichtig, weil die gesamte Anlage so konzipiert sein muss, dass sie modular in einen Schrank passt. Dieses Zugeständnis war letztlich auch Voraussetzung dafür, dass ich mir den Bau solch großer industrieller Strukturen überhaupt erlauben kann. Mit einem Kohlekraftwerk würde ich am Ende vermutlich bei sechs oder sieben Modulen allein für diesen Komplex landen, was weder betrieblich noch konzeptionell sinnvoll erscheint. Das Gaskraftwerk reduziert die Modulzahl deutlich, ohne den Spielwert zu mindern.
Parallel dazu arbeite ich weiterhin am finalen Grundriss. Geplant ist eine Lage an einem Kanal, der später im Hafen mündet und sich stadtseitig grachtartig fortsetzt. Zwischenzeitlich stand die Idee im Raum, das Kraftwerk vom Kanal durchschneiden zu lassen, um zusätzliche Brücken, Leitungsbrücken und Sichtachsen zu schaffen. Ob das sinnvoll ist oder ob eine einseitige Kanallage die bessere Lösung darstellt, muss ich noch abwägen. Vieles davon sind derzeit noch grobe Skizzen und Gedankenspiele.
Mir ist bewusst, dass das Ganze nicht in jedem Detail einem konkreten historischen Vorbild entspricht. Wie so oft im Modellbau geht es aber um einen tragfähigen Kompromiss zwischen Vorbildnähe, Platzbedarf, Spielwert und persönlichem Geschmack. Am Ende muss das Konzept für mich schlüssig funktionieren.
Mich würde interessieren, wie ihr die Umstellung auf ein rein leitungsgebundenes Gaskraftwerk um 1910 einschätzt. Haltet ihr diesen Ansatz für nachvollziehbar, oder seht ihr noch Punkte, die man anders oder besser lösen könnte?