"Laminatka" von Piko: Umbau auf AC

#1 von etr , 14.02.2026 14:15

Liebe Forumskollegen

Die sehr spezielle, formschöne "Laminatka" (versch. Baureihen der CD und ZSSK, früher CSD) hat Piko gekonnt ins Modell umgesetzt. AC-Versionen gibt es von diversen (aber bei Weitem nicht allen) Ausführungen. Was mich dabei nicht so glücklich macht: der Piko Dekoder (wieder einmal) und der (meist vorhandene) Zwangssound. Als recht versierter Umbauer habe ich mir die ZSSK-Maschine schon vor längerer Zeit vorgeknöpft.

Auf dem offiziellen Ersatzteilweg ist leider kein AC Getriebeboden separat erhältlich (obschon es so ein Teil im Prinzip gäbe). Das geht aus dem Ersatzteilblatt hervor. Auf eine Anfrage bei Piko, ob man bereit wäre, mir einen AC Getriebeboden separat abzugeben, erhielt ich - im Unterschied zu sonstigen Anfragen an Piko - nie eine Antwort.

Möchte man zu einem solchen begehrten Getriebeboden kommen, muss man sich das Ersatzteil "Getriebeeinheit vorne kpl. AC" (z.B. 51952-62) anschaffen. Kostet aber > CHF 40.-, was doch recht unverhältnismässig ist, wenn man eigentlich nur einen Getriebeboden will. Zum Trotz habe ich die ZSSK-Lok ohne AC Getriebeboden umgebaut, was im Grunde problemlos geht. Man muss nur das Gestänge unter dem Schleifer-Drehgestell entfernen (auch dafür gibt's eine spezielle AC-Variante, z.B. Art. 51398-70 ("Lenkgestänge AC") und dann am Drehgestellboden etwas Material abscheifen, bis ein Liliput Schleifer gut abgeklebt werden kann. Das Schleiferkabel wird am Rand des Drehgestells ins Lokinnere geführt. Je nach Wahl der Kabelfarbe lohnt es sich, das Kabel noch unauffällig einzufärben, da es von aussen sichtbar ist.



Jetzt wollte ich aber auch mal die "Luxus-Variante" des Umbaus praktizieren. Nach dem Erhalt des Ersatzteils habe ich mich gestern ans Werk gemacht. Es ist vollkommen unnötig, die ganze Lok zu zerlegen und die AC Getriebeeinheit einzubauen. Es genügt, dem teuren Teil das Objekt der Begierde, den AC Getriebeboden, zu entnehmen. Das AC Getriebe hätte den kleinen Vorteil, dass dann später ein Schleiferwechsel ohne Lötarbeiten möglich wäre. Würde aber (nebst der Zerlegung der Lok) bedingen, dass man in der Lage ist, das "Schleiferkabel" an ein kleines Metallteil im Innern des Getriebes aus Kunststoff anzulöten. Zerstörungsgefahr angesichts der Löttemperatur. Ich habe das verworfen, wohl wissend, dass man Schleifer sehr selten auswechseln muss. Wenn man aber schon die ganze Getriebeeinheit gekauft hat, könnte man auch die AC Radsätze verwenden. Man müsste aber nochmals 2 Radsätze dazukaufen, wenn die Lok einheitliche Radsätze (mit höherem Spurkranz) haben sollte.

Wichtiger Hinweis zum Tausch von Radsätzen an diesem Modell: Man muss nur den Getriebeboden abgeschraubt haben und kann dann die Radsätze entfernen bzw. einsetzen. Beim Einsetzen kann es schnell und unbemerkt passieren, dass die feinen Radschleifer das Rad nicht von Innen berühren. Wenn der Radsatz diesbezüglich falsch eingesetzt ist, merkt man das zunächst kaum. Ursprünglich montierte Radsätze sehr genau mustern und sich merken, wie es aussehen muss, wenn die Radschleifer korrekt positioniert sind. Nachträgliche Korrekturen erfordern recht viel Aufwand, deshalb von Anfang an sorgfältig arbeiten.

Jetzt sind folgende Schritte erforderlich:

1. Gehäuse demontieren mittels zweier Schrauben.

Hier zwei Warnungen:
(a) Lok nicht aufs Dach legen (auch nicht mit weicher Unterlage), da filigrane Teile der Dachausrüstung zerstört werden könnten. Am besten sorgfältig in der Hand halten und gleichzeitig schrauben.
(b) Auf Lokseite 1 hat es aussen am Drehgestell ein kleines Teil, das man beim Hantieren mit einem Schraubendreher schnell abbrechen kann (vgl. unten stehendes Bild).



2. Am Drehgestell der Lokseite 1 Lenkgestänge ausklipsen und Drehgestellboden abschrauben.



3. Am Getriebegehäuse hat es seitlich eine Öffnung, die für die Einführung des Schleiferkabels vorgesehen ist. (Im Prinzip auf beiden Seiten vorhanden, man wählt die "Nicht-Zahnrad-Seite".) Durch diese Öffnung (im obigen Bild markiert) fädelt man an von der Aussenseite her ein genügend langes Kabel (ziemlich viel Reserve nötig!) ins Drehgestell ein und zieht es zwischen zwei Drehachsen für Zahnräder neben diesen in Richtung Drehgestellmitte. Das Kabel zieht man auch durch die vorgesehende Öffnung des AC Getriebebodens hindurch und lötet es anschliessend an der (richtigen!) Öse des Piko-Schleifers 59380-42 an. Das unten stehende Bild zeigt diesen Zustand. Jetzt kann man das Kabel ins Lokinnere ziehen, den Drehgestellboden und anschliessend den Schleifer anschrauben. Das Kabel soll die Beweglichkeit des Drehgestells nicht einschränken, aber auch nicht unnötig locker durch die Getriebeeinheit geführt werden. Bei zuviel Spiel könnte es sich bei der Fahrt im Getriebe verheddern. Das ist mir noch nie passiert - auch bei anderen Piko-Loks mit einer ab Werk vorgesehenen Kabelführung nach diesem Prinzip. Obschon ich anfänglich sehr skeptisch gewesen war.



Hinweis: Die Kabelführung im Innern des Drehgestells geht wesentlich einfacher, wenn man den Radsatz unter dem Getriebeturm zuvor herausnimmt. Beim Wiedereinsetzen unbedingt obigen Hinweis zum Tausch von Radsätzen beachten (Radschleifer).

4. Durch die vorgesehenen Führungen wird das Kabel auf die Platine gezogen und dort bei TRKR verlötet. Die Radanschlüsse, die vorher dort waren, sind auf TRKL umzulöten. Der Platz auf der Platine ist etwas eng. Es lohnt sich deshalb, die Platine fürs Löten abzuschrauben. Das erlaubt auch eine einfachere Führung des Kabels auf die Platine.

5. PluX Dekoder seiner Wahl einsetzen und Probefahrt machen. Der ESU LoPi V5 verleiht der Lok mit Werkseinstellungen beste Fahreigenschaften für AC analog (digital wird es bestimmt auch so sein). Auch die Stirn- /Schlussbeleuchtung brennt in AC analog korrekt.

6. Lenkgestänge AC auf der Seite des Schleifer-Drehgestells montieren und Gehäuse wieder aufschrauben. Achtung, dass keine Kabel eingeklemmt werden.

Und fertig ist eine ganz spezielle Lok, die sich wohltuend vom heutigen Einheitsbrei abhebt. Ein dank der durchdachten und auch auf AC ausgelegten Konstruktion einfacher Umbau.



So sieht das fertige Schleifer-Drehgestell in der "Luxus-Variante" aus. Viel professioneller, aber die Funktionalität ist beim Einfach-Umbau (vgl. 1. Bild) in keiner Weise eingeschränkt. Wer will, kann also Pikos "Strafe" für Selbst-Umbauer auch elegant umgehen ... Links des Schleifers ist übrigens noch das gekürzte Lenkgestänge der AC-Version erkennbar. In der vollständigen DC-Ausführung würde sich dieses Gestänge natürlich mit dem Schleifer beissen.

Zu diesem Bild muss ich noch sagen, dass der Radsatz mit Haftreifen gemäss Montage ab Werk auf die andere Seite gehört. Das habe ich später nochmals geändert. Es ist wohl kontaktsicherer, wenn die äusseren Lokradsätze ohne Haftreifen sind.

Und hier noch die schöne Lok als Ganzes:



Beste Grüsse

ETR


Der Krümel, Zugschubser, Haennie, X2000 und MYKer haben sich bedankt!
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zuletzt bearbeitet 16.02.2026 | Top

   

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