Guten Tag,
bevor ich näheres zum Baubericht schreibe vorweg: Ich habe eine gebrauchte Lok gekauft, die schon umgebaut war. Da ich allerdings aufgrund eines Kurzschlusses die komplette Lok zerlegt habe und nochmal neu zusammengebaut habe, ist der Umbaubericht vermutlich auch für all diejenigen interessant, die den Umbau einer ähnlichen Lok von Beginn an machen wollen.
Damit genug vorweg: Auf eBay habe ich letztens die 1044 018-8 in blauer Lackierung gefunden. Das ist die Lok, die schon in blau umlackiert wurde, bevor sie die bekannte "Euro-Lackierung" bekommen hat. Auch, wenn der Betriebszustand irgendwie nur eine Woche lang gehalten hat, gefiel mir die Lackierung. Ohne Gegenangebote hab ich die Lok für 72 € bekommen. Das Angebot versprach viel: Umbau auf eine Plux-Platine von Hübsch, schon inklusive Esu Lokpilot 5. Für den Preis super. Voller Freude habe ich die Lok, sobald sie angekommen ist aufs Gleis gestellt, und schnell stellte sich Ernüchterung ein. Ein kleines "Puff", etwas Geruch nach Verbrannter Elektronik. Also Strom aus, Lok herunger genommen und näher inspiziert. Einmal aufgemacht, Decoder rausgenommen und siehe da: der Decoder hat sich wohl gerade verabschiedet.
Zum Vergleich: hier der alte, und daneben ein neuer Decoder. Man sieht, dass ein Bauteil beim verbauten Decoder defekt ist.
Das ist sehr ärgerlich, versprachen die Bilder und der Text an der Anzeige einen hochwertigen Umbau, bei dem man ohne Bastlen direkt ein brauchbares Modell hat. Laut Schilderung des Verkäufers hat davor auch alles einwandfrei funktioniert.
0. Problemsuche und Bestandsaufnahme
Doch stattdessen gings erstmal an die Fehlersuche.
Das war der "Vorher"-Zustand:
Diverse Dinge durchgemessen: Jeweils von den Motoranschlüssen, Radkontakten etc. auf verschiedene Pins der Platine und den Rahmen. Einen offensichtlichen Fehler gabs nicht, allerdings sind mir folgende Dinge aufgefallen:
- die Platine war nach dem Umbau nur mit einer Schraube fixiert worden. Dadurch konnte man die Platine etwas bewegen, und wenn man dieses Spiel ausreizt, bestand (durch einen Kontakt auf der Platine) Kontakt zum Rahmen.
- Die Kontaktfahnen zum Motor wurden durch Kabel ersetzt (eine sehr vernünftige Entscheidung, wenn ich an das Gefummel denke, was es dauert diese Anschlusslaschen richtig zu verbinden, sodass sie keinen Kurzschluss machen, aber dennoch sicheren Kontakt herstellen), allerdings war eine Lötstelle sehr groß und war nur zehntel-Millimeter vom Rahmen weg.
- durch ungeschicktes Bewegen des Drehgestells haben die Radkontakte Verbindung zum Rahmen (das kann ich hier als Ursache ausschließen, die Lok stand auf einem geraden Programmiergleis, aber dennoch fand ich das eine spannende Erkenntnis).
- Mit Kupferlackdraht wurde vom Vorbesitzer eine LED in die beiden Führerstände eingebaut. Der SMD-Widerstand wurde auf der einen Seite auf der Platine am AUX-Anschluss verlötet, auf der anderen Seite war der Lackdraht angeschlossen. Allerdings konnte ich nicht ausschließen, dass der Kupferlackdraht ggf. eingeklemmt wird und Kontakt zu irgendwas herstellt.
Eines dieser Umstände alleine würde zwar nicht für einen solchen Defekt ausreichen (der Rahmen ist normalerweise Stromlos, für einen Kurzschluss müsste der Rahmen ja zwei Kontakte verbinden). Ich gehe aber davon aus, dass durch den Versand die Platine und ggf. auch der Motor minimal verrutscht sind, und damit die Gleisspannung über den Kontakt der Platine in den Motor geflossen ist und somit der Decoder Schaden genommen hat. Gleich vorweg: Der Verkäufer war nach einer Mail sehr freundlich und verständnisvoll, hat sich für die Umstände entschuldigt und wir haben eine - wie ich glaube - faire Lösung gefunden.
Doch bei der Gelegenheit habe ich beschlossen, all die Probleme, die ich gefunden habe, zu beheben. Normalerweise wäre ich da nicht so perfektionistisch, aber das war tatsächlich der erste Decoder, der bei mir in Rauch aufgegangen ist, und da wollte ich besonders sicher gehen, dass der nächste Decoder nicht dem selben Beispiel folgt. Folgendes habe ich umgebaut:
1. Reduzieren von Kontaktmöglichkeiten des Drehgestells zum Rahmen
Hier sieht man nochmal, dass der innere Radsatz in der Lage ist, den Metallrahmen zu berühren. 
Um das künftig zu vermeiden habe ich zur Feile gegriffen. Als erstes etwa 1mm abgetragen und die Kante angefast.
Damit wird ein Kontakt schonmal unwahrscheinlicher. So viel wegfeilen, bis das ganz unmöglich ist, war nicht möglich (zugegeben: Dafür muss die Lok schon über ziemlich starke Radien und Steigungswechsel fahren, in der Praxis ist das Problem vermutlich damit schon gelöst).
Danach habe ich mir einen blauen Nagellack von meiner Freundin ausgeliehen und all das, was ich abgefeilt habe erst mit einem normalen Nagellack, dann mit einem passenden klaren Decklack lackiert. Dieser isoliert nämlich genauso gut wie jeder beliebige Isolierlack, war aber halt schon im Haus. Das Multimeter hat nach dem Trocknen bestätigt: Die Fläche ist nicht mehr leitend.
Ich denke, dieser Schritt ist erstmal optional, denn wie gesagt - bei normalen Betrieb kann da nichts passieren, und wenn dann löst die Lok halt einen Kurzschluss aus. Denn ohne zweiten Kontakt kann die Gleisspannung nicht in den Decoder. Ich wollte aber auf Nummer Sicher gehen.
2. Motorkabel neu anschließen
Dieses ToDo ist selbsterklärend. Einmal die Kabel von den Motorfahnen abgelötet, übriges Lötzinn abgetropft und wieder mit wenig Lötzinn angelötet.
3. Platine einbauen
Damit hier kein Kontakt mehr möglich ist, habe ich auch hier das Metall, auf dem die Platine aufliegt, entsprechend lackiert. Zusätzlich habe ich dann noch Kapton-Band aufgeklebt. Dabei handelt es sich um ein Klebeband, das speziell für Isolierungen verwendet wird.
Bevor man die Platine anschrauben kann, muss allerdings nochmal eine Feile ran. Dieses Mal muss die Platine überarbeitet werden.
Verbaut ist diese Platine von Arnold Hübsch.
Die Platine von Hübsch kann in mehreren Loks verbaut werden. Ich habe bereits eine in einer BR 151 und einer Ludmilla von Roco eingebaut, um die 8-polige Schnittstelle zu ersetzen. Das funktioniert deshalb, weil Roco bei vielen Loks dieselbe Platine eingebaut hat. Allerdings hat die Roco-Platine breitere Löcher zum festschrauben. Bei der Ludmilla musste ich damals die Löcher nach außen verbreitern, damit alle passen, hier ists umgekehrt. Die Löcher wurden mit einer kleinen Rundfeile nach innen vergrößert, was problemlos funktioniert, weil kein Leiter direkt daneben ist.
Hier sieht man die Platine mal lose aufgelegt auf die isolierten Flächen, bei einem ersten Funktionstest.
Neue Schrauben gabs online. Dabei handelt es sich um Blechschrauben 2,2*6,5.
4. Neue Führerstandsbeleuchtung einbauen
Zuletzt wollte ich, nur um sicher zu gehen, eine neue Führerstandsbeleuchtung einbauen. Ich habe dafür mal ein Setz von LEDs auf einer Mini-Platine mit Vorwiderstand gekauft, bei der nächsten Bestellung würde ich allerdings eine etwas dunklere Version (ggf. mit größeren Vorwiderstand) auswählen.
Diese habe ich im Führerstand verklebt und danach den Führerstand wieder eingebaut. In der Rückwand habe ich eine kleine Ecke weggefeilt, dass die Kabel durchgehen.
Zuletzt werden die Führerstandsbeleuchtungen an AUX 4 und AUX 5 an der Platine angeschlossen.
Hier sieht man auch, dass mit schwarzen Isolierband die Fensteröffnungen von innen so abgeklebt wurden, dass die LEDs der Beleuchtung nicht durchscheinen.
Ergebnis
Und hier ist sie: die fertige 1044 mit neuer LED-Beleuchtung und neuem Decoder.


Das einzige was mich jetzt noch stört, ist dass das obere Schlusslicht leicht mitleuchtet, wenn das Frontlicht an ist - auf beiden Seiten. Auf der Innenseite sind die Lichtleiter an mehreren Stellen ebenfalls mit Isolierband abgeklebt, um Abstrahlung zu vermeiden. Ganz verhindern konnte ich es damit aber nicht.
Ansonsten muss ich sagen, dass die Lok meiner Meinung nach durch diesen Umbau (den ja der Vorbesitzer schon sehr gut gemacht hat) extrem aufgewertet wird im Vergleich zu der Variante mit einer Glühbirne. Insofern bin ich - trotz den Anlaufschwierigkeiten - mit dem Kauf nach wie vor sehr glücklich, da für den Preis die Platine (und ein Lokpilot 5) dabei waren.
Ich hoffe, euch gefällts ebenfalls.
Viele Grüße
Jeremias
