Hallo,
Zitat von Michael Knop im Beitrag #16
falls die Schaltung unter den genannten Bedingungen "Funktioniert", weist das in meinen Augen auf eine nicht ausreichende Entstörung von Motoren hin
Das Problem lässt sich gut mit Funktechnik vergleichen: Ein Sender speist über eine Leitung eine Antenne. Damit sich auf der Leitung keine stehenden Wellen bilden, sind Sender, Leitung und Antenne im Idealfall aufeinander abgestimmt. Üblicherweise haben alle Beteiligten eine definierte Impedanz – meist 50 Ohm. Ist die Antenne korrekt angepasst, entspricht ihre Eingangsimpedanz der Leitungsimpedanz, wodurch Reflexionen weitgehend vermieden werden. Bei analogen Funksignalen handelt es sich dabei um sinusförmige Schwingungen einer Frequenz, auf die ein Nutzsignal aufmoduliert wird.
Übertragen auf die Modellbahn ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Hier haben wir ebenfalls einen Sender, eine Leitung und eine nicht näher definierte „Antenne“ (also die Gleisanlage). Der Sender liefert ein Rechtecksignal mit etwa 8 kHz und speist damit die Anlage. Ein Rechtecksignal setzt sich mathematisch aus vielen sinusförmigen Anteilen (Grundfrequenz plus Oberwellen) zusammen.
In Kombination mit den nicht genau definierten kapazitiven und induktiven Eigenschaften der Gleisanlage entstehen dadurch Reflexionen, Oberwellen und Überschwinger. Diese sind systembedingt und daher in solchen Anlagen unvermeidlich. Während in der Hochfrequenztechnik zur Unterdrückung von Oberwellen häufig Pi-Filter in der Endstufe eingesetzt werden, kommen bei DCC in der Regel einfachere RC-Netzwerke zum Einsatz.
Ein Snubber muss nicht zwingend direkt an der Quelle sitzen, um wirksam zu sein. In einem verteilten System wie einer DCC-Anlage treten Reflexionen und Überschwinger nicht nur am Ausgang der Zentrale, sondern an jeder Stelle auf, an der es Impedanzsprünge gibt – insbesondere an den offenen oder weit entfernten Gleisenden. Diese Reflexionen laufen als Signalanteile wieder zurück durch die Leitung und können sich mit dem ursprünglichen Signal überlagern.
Ein Snubber am Gleisende wirkt genau an diesem Punkt: Er reduziert dort die Reflexionen, indem er die hochfrequenten Signalanteile bedämpft und einen definierten Abschluss für diese Anteile schafft. Dadurch werden die reflektierten Wellen bereits an der Entstehungsstelle abgeschwächt, bevor sie sich überhaupt wieder im System ausbreiten können. Man kann sich das wie eine Dämpfung am „Reflexionsort“ vorstellen, nicht zwingend an der Quelle. Ein Snubber an der Zentrale könnte zwar ebenfalls Wirkung zeigen, adressiert aber primär die dort auftretenden Effekte. Für Reflexionen, die am Leitungsende entstehen, ist eine Bedämpfung genau dort oft wirksamer. Entscheidend ist also weniger die Position „an der Quelle“, sondern die Frage, wo die relevanten Impedanzsprünge und Reflexionsstellen im System liegen.
Das ist natürlich bei den völlig undefinierten Eigenschaften der Antenne (Gleisanlage) schwierig zu beurteilen. Sagen wir es mal so, ein Snubber kann nützlich sein, muss es aber nicht, aber schaden tut er auch nicht, wenn R und C richtig dimensioniert sind.
Fritz