RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#1 von Florian Schmidt , 16.01.2007 14:37

Eines vorweg: manche Modellbahner werden sich fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt in diese eigentlich überholten Modelle noch Arbeit zu investieren. Immerhin wurde auch die Verkürzung falsch umgesetzt, nämlich nicht im korrekten Längenmaßstab 1:100, sondern durch das Weglassen von Abteilen. Auch in Sachen Detailierung war bereits zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Wagen deutlich mehr möglich, als Märklin umgesetzt hat.

Aber ich denke es lohnt sich durchaus noch. Zum einen sind Lackierung und Beschriftung dieser Wagen sehr ansprechend, zum anderen fällt die "fehlerhafte" Verkürzung nicht so störend auf, wenn die Wagen in artreinen Zugeverbänden laufen. Zudem hat dieses Wagenmaterial auch eine sehr große Verbreitung und ist preiswert zu bekommen.

Diese Wagen gelten wegen der Schraubverbindung als schwer umbaubar, hier im Forum wurde immer wieder diskutiert, wie man die Wagen zumindest mit Nachrüst-Schächten KK-tauglich machen bzw. zumindest für den Einsatz stromführender Kupplungen ertüchtigen kann. Doch ein Umbau-Spezialist aus unserem Modellbahnclub hat nun einen Weg zum Umbau auf echte KK-Kinematik entwickelt.

Benötigt werden hierzu die KK-Nachrüstsätze von Gützold bzw. die "kleinen" von Symoba, die aber mit denen von Gützold baugleich sind.

Versuche mit der "großen" Kinematik von Symoba, die eigentlich für solche Vierachser vorgesehen ist, schlugen fehl, die Wagen durchfuhren R2-Gegenbögen nicht entgleisungsfrei. Doch mit der "kleinen" Kulissenführung sind sie sogar R1-tauglich!



Die Kinematik sitzt da, wo zuvor der Wagenkasten auf dem Chassis verschraubt wurde. Das Schraubloch wurde seitlich sowie nach hinten aufgeweitet, so daß die neue Kupplungsdeichsel ausschwenken kann. Ggf. ist der Untergrund in diesem Bereich auch zu glätten.

Der Haltebügel der alten Bügelkupplung muß natürlich vom Drehgestell abgetrennt werden

Hier wurde ein Wagen der älteren Serie umgebaut, bei dem der Drehzapfen noch an der Stelle sitzt, wo er auch hingehört. Keine Ahnung, wer Märklin den Unfug mit der außermittigen Lagerung eingeredet hat - so gut wie jeder andere Hersteller schafft es schließlich, R1-taugliches Wagenmaterial mit richtig gelagerten Drehgestellen zu konstruieren.

Dieser "Kompromiß" ist auch schon in der Vor-KK-Zeit umgesetzt worden, die betreffenden Wagen können jedoch trotzdem nachträglich auf KK umgebaut werden, ggf. ist vom Drehgestell im vorderen Bereich (wo vorher der Haltebügel für die Kupplung saß noch etwas Material wegzunehmen.



Die Schraubverbindung entfältt ersatzlos. Doch die Wagenkästen sind ja auch dem Chassis eingerastet. Wie auf dem Bild zu sehen, mußte auch die Gewichtsplatte etwas verkürzt werden.

Deutlich sind auch die Stellen zu sehen, an denen am Wagenboden Material weggenommen werden mußte.



Im Bereich der Einstiegsräume muß die Inneneinrichtung entsprechend gekürzt werden, um Platz für die Kinematik zu schaffen.



Nacharbeiten ist ggf. auch im Bereich der Gummwülste erforderlich, es empfiehlt sich, sie von hinten flacher zu feilen, also Material wegzunehmen, damit verbessert sich auch der exakte Sitz dieser Teile, der bei den älteren Wagen ohne KK leider nicht so präzise war.

Weitere Verbesserungen sind denkbar. So könnte man die fehlende Verglasung der Wagenübergänge ergänzen; auch ein nachträglicher Einbau von Schlußbeleuchtung ist bei diesen Wagen mit vertretbarem Aufwand möglich.

Gruß
Florian



 
Florian Schmidt
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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#2 von silz_essen , 16.01.2007 15:04

Hallo Florian, hallo Kurzkupplungsnachrüster,

ich habe die 28er Schnellzugwagen (#4139/4140), sowie den 30er Eilzugwagen (#4145) und den alten bayrischen Schnellzugwagen (#4135/4136/4137) auf ähnliche Weise umgebaut:
Zunächst bekamen die Wagen lang ausgezogene Faltenbälge. Die sind bei mir von Roco, da es zum Zeitpunkt des Umaus noch keine entsprechendenvon Märklin gab. Lediglich der A4yse ist inzwischen dank der entsprechenden Gummiwulstübergänge des WRüg-39 (Schürzenspeisewagen) zum A4ysgb, sprich zu einem Eilzugwagen mit Gummiwulstübergängen und Wendezugleitung (ja, auch so etwas gab's beim Vorbild) mutiert.
Dann wurde genau an der Stelle, wo bei den alten Märklin Wagen die Befestigungsschraube sitzt, das Loch auf 8mm aufgebohrt.
ACHTUNG: Der Aufbau läßt sich so nicht mehr fest mit dem Fahrwerk verbinden. Aber wenn man den Wagen oben und unten, sprich wenn man Boden und Dach umfaßt, kann man ihn immer noch gefahrlos transportieren.
Von oben wurde dann analog zur Idee von Florian die KKK eingeklebt. Die Inneneinrichtung wurde unten etwas abgefräst, damit die Kulisse paßt. Und fertig ist die Laube.

Übrigens ganz ähnlich kann man auch die uralten B4y-30 von Liliput-Österreich umbauen. Lediglich muß hier in die seitenbeweglichen Trittstufen eine entsprechende Ausnehmung gefeilt werden. Funktioniert ebenfalls einwandfrei.

Und noch zum guten Schluß: Die Ribu-leitenden Kurzkupplungsschächte haben das gleiche Befestigungsmaß wie die Gützold/Symoba Schächte, sodaß man einfach stromführende Kuppplungen einsetzen kann. Nur so als Idee...

Gruß
Martin



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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#3 von raoul ( gelöscht ) , 16.01.2007 15:31

Hallo Florian (sorry, hab mich da zuerst verschrieben),

Vielen Dank für die Umbauanleitung! Ich möchte das später dieses Jahr mal selbst in Angriff nehmen...

MFG,

Raoul

Edit: Nur zur Sicherheit, es handelt sich um diese, oder?



raoul

RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#4 von silz_essen , 16.01.2007 15:46

Hallo Raoul,

genau um diese Kulissen geht es.

Gruß
Martin



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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#5 von Florian Schmidt , 16.01.2007 15:46

Hallo Raoul,

es sind genau diese Kulissen!

Gruß
Florian



 
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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#6 von Harald , 16.01.2007 18:32

Hallo Florian,

was kostet der Umbau an Geld und Zeit ?

Ich bin auch Fan dieser alten Wagen.....



Vielel Grüße von

Harald



 
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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#7 von Florian Schmidt , 16.01.2007 23:45

Hallo Harald,

bei meinem Händler kostet so ein Paar 5,50 €, das dürften auch die meisten anderen Händler so nehmen. Ich hab mal bei Ebay Auktionen gesehen, wo höhere Beträge für solche Umrüstsätze geboten worden, aber das ist ja auch nichts neues.

Ich werde in den nächsten Tagen nochmal zusätzliche Bilder hier reinstellen, von den mir bekannte Fahrwerksvarianten dieser Wagen, da gab es m.W. drei Versionen.

Gruß
Florian



 
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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#8 von silz_essen , 17.01.2007 10:27

Hallo Harald,

kurz zu Deiner zweiten Frage: Zeit.
Wagen auseinandernehmen: 1 Minute
Zwei Löcher bohren: 1 Minute (wenn Du das Loch V-förmig auffräsen willst, so wie Florian es beschrieben hat: < 5 Minuten)
Zwei Kulissen einkleben: je etwa 1 Minute plus Abbindezeit des Klebers
Beschwerungsblech ggf. kürzen und Inneneinrichtung anpassen: < 5 Minuten
Wagen wieder zusammensetzen: 1 Minute
Alles in allem also (ohne Abbindezeit des Klebers) etwa eine viertel Stunde pro Wagen.
Ich würde mir an Deiner Stelle auf alle Fälle von Symoba eine Lehre zum Einbau der Kulissen besorgen. Damit ist die ganze Justage nämlich ein Kinderspiel. Ich habe die Kulisse auf ein kurzes Gleisstück geklebt, sodaß sie nicht verrutschen oder kippen kann. Damit habe ich schon "ganze Flotten von Fahrzeugen" umgebaut.

Gruß
Martin



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RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#9 von Münch ( gelöscht ) , 17.01.2007 10:54

Hallo Florian und andere!
Mit den gezeigten KK-Kulissen von Symoba habe ich ziemlich viel Erfahrung;im laufe der Jahre habe ich ca 100 Loks und mehr als 300 Wagen auf diese kupplung umgebaut.Aus meiner Sicht ergeben sich folgende Probleme:
1.die Rückstellfeder im Kupplungsgehäuse wird auf Dauer dann zur Schwachstelle,wenn extrem hohe Zuggewichte angehängt werden oder die Hebelwirkung sehr groß ist.
Man sollte daher immer versuchen,die kürzest mögliche (!)Lösungsvariante für den Aufnahmezapfen des Normschachtes einzuplanen.
Bezogen auf die gezeigten Wagen wäre es daher sinnvoll(auch wenn das sehr viel mehr Arbeit macht),den Kupplungskasten in eine vorher
entsprechend der Größe ausgefräste/ausgeschnittene Öffnung im Wagenboden zu setzen,so daß der Kupplungskasten mit dem Wagenboden nach unten fluchtet.Generell ist es für die dauerhaft sichere Funktion am besten,wenn der kupplungskasten unterhalb des Wagenbodens angeklebt wird,sofern es der Platz erlaubt.
Wer etwas bastlerisches Geschick hat,kann den Kupplungskasten sogar direkt in Drehgestelle einbauen,der Ausschwenkeffekt ist zwar dadurch geringer,aber auch ältere vierachsige Güterwagen lassen sich dadurch in der Optik(deutlich geringerer Kuppelabstand möglich)wesentlich verbessern.
Auch die alten Rheingoldwagen von Liliput konnten mit diesen
kulissen umgebaut werden.
2.befestigung:der dünne deckel des Kupplungskastens darf nicht (!!) mit handelsüblichem Plastikkleber,wie er z.B. für Häuserbausätze von Faller angeboten wird,verklebt werden.Dies führt mit der Zeit zu leichten Verwerfungen und bewirkt dadurch ein leichtes Klemmen der Kupplung.
Ich verwende nach entsprechend negativen Erfahrungen nur noch
geeignete Zyanoacrylatkleber .
mfg



Münch

RE: Ältere Märklin 1:100er D-Zugwagen mit KK

#10 von Florian Schmidt , 19.01.2007 13:31

Wie versprochen gibt es nun die Bilder der - mir bekannten - Fahrwerksvarianten der Märklin D-Zugwagen ohne KK. Die gezeigten Wagen sind alle bereits umgebaut.



Wagen der ersten Lieferserie, Drehgestelle mit Blechrahmen. Die KK-Kinematik wurde in eine paßgenau ausgefräste Aussparung im Wagenboden auf der Metallplatte verklebt. Zwischen Metallplatte und Kinematik mußte etwas Füllmaterial eingesetzt werden.



Wagen der zweiten Lieferserie, Drehgestelle Vollkunstoff mit Drehpunkt an richtiger Stelle. Die Kinematik wurde von innen eingesetzt, das Schraubloch entsprechend aufgefräst.



Wagen der dritten Lieferserie, mit Drehpunkt an der falschen Stelle und verkürztem Drehgestell. Hier ist vorsichtig zu arbeiten, um nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Material vom Drehgestell zu entfernen, damit einerseits die KK-Deichsel genug Bewegungsspielraum wird, aber gleichzeitig das Drehgestell nicht instabil wird.

Gruß
Florian



 
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