Spur H0

RE: C-Gleis schlanke Weiche und Kurzschluss

 von heineken , 07.06.2012 14:08

[s]Kurzer Zwischenruf aus der Waggonfabrik:
Ich melde mich in der Angelegenheit heute Abend mal detailliert.[/s]

In Kurzform:
Die Biegung des Schleifer-»Bauchs« ist entscheidend (u.E. nach für C- und K-Gleis leider durchaus differierend). Etwas »mehr Bauch« fürs K-, weniger fürs C-Gleis. Eingestellt werden kann der Bauch durch den Winkel am zur Lokmitte weisenden Schleiferhalter (das rundgedrehte Metallteil im Radsatzgetriebegehäuse).
Dennoch wird bei uns an einem Schleifer »v4« gearbeitet.

In Langform:
Der Puko-Schleifer unter der Maxima ist ja »etwas« anders als das, was man bisher kennt. Hauptgrund für eine völlige Neudenke des Schleifers ist /war die Anforderung, sowohl die – betrachtet in der Höhenabwicklung – zwischen Antriebsstrang /Radsatzwellen und Schleiferposition sich befindende Zug-Druckstange (ZDS) als auch den Allachsantrieb (potientiell Gewinn von Einbauraum durch wegfallendes Radsatzgetriebe) auch in den 3L-Versionen zu erhalten.

Die ZDS ist eine der wesentlichen Komponenten für die vorbildgerechte Tiefzuganlenkung. Erst mit entsprechender Konstruktion ist überhaupt an ein vorbildgerechtes Fahren ohne Haftreifen zu denken.
Sinnvollerweise kennt eine ZDS je einen Anflanschpunkt an Lokkasten /Chassis und Fahrwerk (Drehgestellrahmen). Damit vollzieht die ZDS bei Bogenfahrt allerdings annähernd auch nur die Winkelhalbierende des Drehgestellausschlages.
Bekannterweise sind nun aber in Gleisachse liegende Kontakte zur Stromaufnahme beim Vorbild eher selten – zumindest bei Hauptbahnen. Weshalb die Kombination aus Tiefzuganlenkung mit ZDS, Mittelleiterbetrieb und Beibehaltung des Allachsantriebs (!) eine Lösung erforderte, die mit Puko-Schleifern bekannter Bauart nicht zu bewerkstelligen ist.
Alternative wäre die Anbringung zweier kurzer Schleifer (siehe NEM 340), jeweils einer unter jeder ZDS. Kurze deshalb, weil durch den, bezogen auf den Drehgestellauscchlag geringeren Ausdrehwinkel der ZDS ein »langer« Schleifer unvermeidlich zu Kurzschlußproblemen zwischen Puko und Schienenprofilen /Radscheibeninnenseiten führen würde.
Daß »kurze« Schleifer nicht ganz problemlos sind bei einigen Gleiselementen, hier sei insbesondere das K-Gleis genannt, dürfte spätestens seit Existenz eines bestimmten zweiachsigen Schienenbusmodells bekannt sein.

Die für die Maxima gewählte Lösung vereint die bisherige funktionale Zweiteilung des Puko-Schleifers – in einem einzigen Teil: Federbleche für das Höhenspiel und den »Anpressdruck« auf die Pukos sowie starres Schleiferblech für die eigentliche Stromabnahme. Dabei ist nun die Vorspannung des Schleifers, bildlich gesprochen der Bogen oder »Bauch«, den das Teil im entspannten Zustand (Lok nicht auf dem Gleis) aufweist, entscheidend für den »Anpressdruck« wie das Betriebsverhalten auf den div. 3L-Gleissystemen. Und hier gibt es nach unserer Erfahrung auch erhebliche Unterschiede zwischen K- und C-Gleis: »Mehr Bogen« bei K, weniger bei C. Auch spielt die ggf. bestehende Abnutzung der Puko durchaus eine Rolle.
Was es in Summe für einen Hersteller nicht gerade einfach macht, da man bei Auslieferung schließlich nicht weiß, in welcher Infrastruktur das Modell überwiegend eingesetzt werden soll.
Das Maß der Vorspannung ergibt sich im Wesentlichen aus dem Winkel, den das Schleiferblech am zur Lokmitte weisenden Schleiferhalter besitzt. Der Biegewinkel am anderen Ende kommt nach unserer Erfahrung erst danach zur Justage.

Wie kommt es nun aber zu einem Kurzschluß auf der schlanken Weiche?
Nun, erstmal ist festzustellen, daß es u.W. wenigstens drei Bauarten »schlanker« Weichen (wirklich schlanke Weichen sind ja was anderes … – aber das gehört nun eher nicht hierher):
– K-Gleis mit beweglichem Herzstück
– K-Gleis mit starrem Herzstück
– C-Gleis
Interessanterweise gibt es bei der erstgenannten eine ganz Reihe, deren Zungenschienen potentialfrei sind. D.h. hier kann das Problem gar nicht entstehen. Bei den anderen ist nun entscheidenend, mit welchem »Anpressdruck« und »Bauch« das Schleiferblech über die bei Befahren der Weiche immer entstehende Kreuzung mit einer der beiden Zungenschienen entlangfährt. Sind beide zu groß, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Kurzschluß auszulösen, groß.
In Zahlen gesprochen können wir glücklicherweise festhalten, daß das Problem bei vierstelliger installierter Basis nur sehr vereinzelt auftritt. (Wobei wir hoffen, daß die Maschinen nicht nur in Vitrinen oder Schachteln ihr Dasein fristen. – Andererseits: Fahren so wenig 3L-Fahrer über schlanke Weichen?)

Etwas gänzlich anderes, allerdings mit gleicher Auswirkung (Kurzschluß), stellt die Problematik des Radsatzinnenmaßes bei Befahren der schlanken C-Weiche dar: Hier liegen Wohl und Wehe, sprich Zungenschiene und Puko, bedenklich nahe beieinander. Sodaß bei »zu geringem Radsatzinnenmaß« und unglücklichem Stand des Radsatzes /Drehgestells im Gleis (es [s]schwimmt[/s], äh schlabbert bei der Modellbahn ja in selbigem – im Gegensatz zum Original) hier ein Kurzschluß zwischen Radscheibeninnenseite und Puko entstehen kann. Glück im Unglück für uns als Hersteller, daß wir hier bei weitem nicht die Einzigen sind, die das hin und wieder erleben dürfen. Selbst bei div. Produkten des Herstellers des Gleissystems tritt sowas ja auf. Das Radsatzinnenmaß einfach aufzuweiten würde zwar dieses Problem entschärfen (und nicht gänzlich lösen!) – dafür kämen derartige Fahrzeuge dann aber nicht mehr in der K-Bogenweiche durch den abzweigenden (inneren) Strang. Da die Radsatzlenker hier das Maß einer Wufpassung »Salami in den Hausflur« aufweisen, würde nur eine Aufdickung der Radscheibenbreite helfen (in Richtung »Bonbonrad«). Allerdings haben ja bspw. die 24cm Blechwagen dann schon wieder Probleme mit dem Kurzschluß auf der schlanken C-Weiche.
Da bleibt dem Hersteller nur, einen möglichst viele Einsatzbereiche abdeckenden Kompromiß zu finden. Und der liegt beim dreiachsigen Maxima-Drehgestell bei ziemlich genau 13,85mm zzgl. Toleranz.

Soviel zum Status Quo.

Was uns als Hersteller an der Lösung nicht so recht gefallen mag, ist genau die möglicherweise bestehende Notwendigkeit, dem Schleiferblech anwenderseitig eine andere Biegung geben zu müssen.
Wir testen dazu bereits seit geraumer Zeit mit modifizierten Schleifern – wobei hier der Augenmerk auf die Betriebsfestigkeit eines ganz bestimmten Verarbeitungsschrittes bei diesem Teil (es ist eben nicht mehr »nur« ein Blech) liegt.
Desweiteren ist da auch noch – ich glaube, das wurde auch in einem der vielen Beiträge in anderen Threads schon mal kommuniziert – der Plan, die derzeit noch lötbehaftete Schleiferanbindung lötfrei und »schnellwechseltauglich« zu gestalten. Hier warten wir leider immer noch auf einen dazu notwendigen Änderungslauf in einem Formwerkzeug.
Beides soll zusammengefasst im Rahmen der laufenden Produktpflege in die Produktion einfließen.

Wir nehmen das Thema jedenfalls sehr ernst. – Weil wir mit dieser Schleiferform auch noch einiges vorhaben.
(Ja, auch das ASF und den Breuer 3L-tauglich zu machen )

heineken

Themen Überblick

Betreff Absender Datum
RE: C-Gleis schlanke Weiche und Kurzschluss Goshiny 06.06.2012 22:46
RE: C-Gleis schlanke Weiche und Kurzschluss Goshiny 07.06.2012 06:59
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RE: C-Gleis schlanke Weiche und Kurzschluss martinweindel 02.01.2013 20:28
 

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