Umbauten / Eigenbauten

RE: Ersatzteile aus'm Drucker, Rettung von 4 Sgns, Bildbericht!

 von TRAXXer , 07.12.2013 23:20

Hallo zusammen,

Anfang des Jahres habe ich bei ebay ein Schnäppchen gemacht. Ein Modellbahnkollege bot vier unterschiedliche Märklin/Trix Sgns (also die Containerwagen) an, ohne Beladung, im Styroporkarton, aber vor allem ohne Drehgestelle und Kupplungen. Ansonsten waren die Wagen neuwertig, also nicht benutzt. Ich habe noch nachgefragt, was den Verkäufer dazu bewogen hatte, die Wagen so zu verstümmeln. Soweit ich mich erinnere, ging es um unterschiedliche Betriebsnummern.
Der Knaller: Da ich anscheinend mehr oder weniger als Einziger das Potential erkannte, konnte ich die vier Wagen für insg. 13,39€ ersteigern.

Sodann begann die Recherche bezüglich der Ersatzteile. Eine entsprechende Anfrage bei Märklin ergab, dass zwei Drehgestellblenden 15€ kosten sollten und die Kupplungskulissen nicht mehr verfügbar waren. Beides absolute Downer, also überlegt wie es weiter geht. Ich habe dann auf gut Glück Drehgestellblenden für Roco-Sgns bestellt, nachdem ich zuvor noch bestehende Märklin-Y25 Drehgestelle mit solchen von Roco und Piko verglichen hatte.

Die Roco-Teile kosten 3,20€ das Stück (gekauft beim Harburger Lokschuppen). Eine wesentlich "geerdetere" Preisgestaltung als bei Märklin flaster: Dazu kam, dass die Roco-Teile interessanterweise wesentlich flacher (als wäre der Rahmen optisch in der Querachse gestaucht), besser detailliert und vor allem mit angestecktem Bremsgestänge versehen sind. Hier also ein absoluter Gewinn. Weiterhin sind sie für Radsätze LKø 11,5mm statt 10,5mm ausgelegt. Allerdings, wie zu erwarten, passten die Roco-Teile nicht im entferntesten auf die Märklin-Aufnahmen (die bekannten mit zylindrischem Drehzapfen und Schraube mit breitem, flachem Kopf).

Was tun? Zunächst experimentierte ich mit einem Alu-Rohr, welches ungefähr auf den Drehzapfen passt und einen Adapter für die Drehgestelle ergeben sollte. Dazu Sekundenkleber. Dieser Versuch klappte jedoch vorne und hinten nicht und war, abgesehen davon, dass die Teile nicht hielten, auch noch schrecklich toleranzbehaftet. Also legte ich die Kartons erstmal beiseite, in Hoffnung auf bessere Zeiten

Nun, diese Zeiten sind jetzt gekommen. Die Tage erhielt ich ein Päckchen von Shapeways (hierzu auch schon einiges in meinem Konstruktionsthread).
Mir war bereits vorher zwischenzeitlich die Idee gekommen, Ersatzteile zu konstruieren und 3D-Drucken zu lassen, allerdings funktionierte ersteres nicht so recht, und zu letzterem konnte ich mich auch aufgrund dessen nicht wirklich aufraffen. Da ich allerdings momentan im Praxissemester bin, in einem Konstruktionsbüro arbeite und eine CAD-Schulung auf Catia bekam, erhielt die Idee neuen Schwung. Also habe ich mich schließlich rangesetzt, anhand von vorhandenen Teilen (Drehgestell von Märklin-Wagen sowie deren Kupplungsadapter) Ersatzteile passend für meine Sgns konstruiert:





Die Kupplungskulisse sollte klar sein, sie entspricht prinzipiell dem Standardteil wie es zum Beispiel im Schiebeplanwagen Rils vorhanden ist (mein Testobjekt).

Der Drehgestelladapter passt obenrum auf den Drehzapfen am Wagen und hat dessen Höhe plus ca. 0,1-0,2mm und ist der Form der Märklin-Drehgestelle nachempfunden. Nach unten wird er in zu erstellende Bohrungen im Drehgestell von Roco eingeklebt, sodass das Drehgestell ganz normal zu befestigen ist.

Bei der Konstruktion habe ich versucht, die Wagen noch ein wenig tieferzulegen. Bekanntlich liegen bei Märklin die Puffer ja um einige Zehntelmillimeter zu hoch, im Vergleich mit einem Piko-Wagen (wo ich mir ja bzgl. NEM-Kompatibilität nicht sicher bin) immerhin um 1,5mm zu hoch! Ich musste lediglich darauf achten, dass der Kupplungsschacht die richtige Höhe kriegt und die Räder nicht an der Unterseite des Wagens schleifen. Ich habe mir zwei verschiedene Drehgestelladapter erstellt, welche sich in der Endhöhe der Drehgestelle relativ zum Wagen nachher um 0,3mm unterscheiden sollen (eine große Höhendifferenz habe ich nachher nicht feststellen können, wahrscheinlich durch die Klebung und andere Ungenauigkeiten).

Mein Schlachtplan ließ sich dann letztlich heute einwandfrei in die Tat umsetzen. Weihnachten hat für mich heute schon teilweise stattgefunden!



Folgend noch eine Beschreibung der von mir durchgeführten Arbeiten:

Das ist so ungefähr die Ausgangssituation, links das bereits aufgefräste Roco-Drehgestell (es mussten in das Drehgestell und das Teil mit dem Bremsgestänge einfach ein großes Loch mit dem Außendurchmesser des Adapterteils gebohrt bzw. gefräst werden. Danke, Dremel), daneben ein Märklin-DG, Drehgestelladapter und Kupplungsaufnahme (Material Black Strong&Flexible von Shapeways)



Zunächst habe ich anhand von einem Wagen alles ausprobiert. Übrigens, Epoxid-2K-Kleber ftw!



So sehen die Drehgestelle mit dem Adapter aus:



Teilweise war ich beim maschinellen Bearbeiten ein wenig zu voreilig. Hier ist der Fräser im Drehgestell stecken geblieben und Letzteres hat sich wiederum in meinem Finger wieder gefunden.



Hier ungefähr die Größe des Loches abzuschätzen:





Übrigens lagen, aus einem mir nicht erkenntlichen Grund, alle Bremsgestänge doppelt bei zu jedem Drehgestell.


Nachdem der erste Wagen erfolgreich fertig gestellt wurde, konnte ich die Passform der Teile festgestellt werden.
Die Höhe der Kupplungen ist recht passabel rausgekommen, ich habe das Tieferlegen berücksichtigt. Wie man sieht, ist der getunte Wagen minimal tiefer als der "original-"Märklin-Wagen. Soweit ich mich erinnere, handelt es sich allerdings um eines der höheren Drehgestelle.



Der Kuppelabstand geht auch in Ordnung, diesen zu erreichen war ein bisschen kniffelig, da ich ja keine Vorlage zur Kupplungskulisse hatte. Man kann den Symmetriepunkt leider nicht so gut erkennen, aber er müsste bei meinem Ersatzteil ungefähr ähnlich dem des Originalteils des linken Wagens sein.



Heute hatte ich wieder Zeit, also konnte die Stapelverarbeitung beginnen:



Nachdem die Bearbeitung mit dem Fräser einmal beendet war, war es eine recht saubere Angelegenheit. Die Kupplungsfedern habe ich übrigens heute morgen noch beim Modellbahnhändler gekauft, bis jetzt hatte ich mich bei anderen Wagen bedient (schändlicherweise).

Die Kupplungsaufnahmen in der Nahaufnahme. Das Material hat eine "staubige" Oberfläche, und es lässt sich noch ein wenig Pulver abreiben. Die Maßhaltigkeit ist aber gut. Im eingebauten Zustand funktioniert auch alles, die Kulisse lässt sich einwandfrei bewegen.



Die verklebten Drehgestelle; die Radsätze stammen übrigens von Thomschke (http://modellbahn-radsatz.de), hier bin ich mir nicht zu schade ein wenig Werbung zu machen. 0,95€ für einen RP25-Radsatz in toller Qualität sind echt eine Ansage.



Hier dann keine Überraschungen mehr, lediglich der Haken für die Kupplungsfeder ist mir ein bisschen Dick geraten.



Zum Einsetzen der Kulissen und vor allem zum Einfummeln der Kupplungsfedern habe ich die Kunststoffabdeckung über den Drehgestellen am Wagenrahmen abgenommen:



...Fertig!




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Die Preise für einen Wagen von Märklin kennt man evtl., ansonsten KLICK.
Mal eine kleine Auflistung, was ich am Ende bezahlt habe (Versandkosten ausgenommen). Die Preise für die selbstgemachten Ersatzteile berechnen sich mehr oder weniger nach dem Volumen:

Wagen: 3,35€/St.
Drehgestelle: 6,40€/2 St.
Radsätze: 3,80€/4 St.
Kupplungskulissen: 3,42/2 St.
Drehgestelladapter: 2,94€/2 St.
Kupplungen, Federn: 1,90/2 St.

Macht zusammen 21,80€ für einen Wagen. Wie gesagt, Weihnachten...

Hier noch ein Foto mit einem Piko-Wagen sowie dem Weihnachtsgeschenk von meiner Freundin von vor 3 Jahren, Container von Electrotren, welche übrigens perfekt auf die Märklin-Wagen passen (ob vorbildgerecht, sei mal dahingestellt):



Hoffe, der Bericht hat gefallen, ich zieh mir jetzt noch 'nen Glühwein rein und geh dann ins Bett. Heute war ein guter Tag... (der FC Köln ist Herbstmeister! )


Schöne Grüße, Niklas

TRAXXer
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