Umbauten / Eigenbauten

RE: Eigenbau einer Kamera-Lok

 von DrK , 07.05.2021 14:35

Sehr, sehr schön. Wie in dem anderen Fred zu der Spannungspufferung erwähnt habe ich vor zig jahren (es ist über 20 Jahre her) auch so etwas gefummelt. Allerdings gab es damals noch nicht solche Gimmicks wie winzige Funkkameras für fast gar nix. Die damaligen ausreichend kleinen (und immer für H0 noch fast zu großen) CMOS-Kameras hatten keine gute Bildqualität und Lichtempfindlichkeit, so daß ich nach längerer Suche und Tests auf eine sehr spezielle und entsprechend teure CCD-Cam aus dem Security-Bereich ausweichen mußte. Natürlich ohne Sender, dazu mußte ich eines der damals verbreiteten Videotransmitter-Set, das auf 2,4 GHz sendete, ausschlachten - und diese Sender waren vergleichsweise groß, eigentlich viel zu groß für H0, die in der Lok unterzubringen war eine echte Fruckel-Herausforderung. Für ein gute Bildqualität war ein vergleichsweise großes Objektiv erforderlich, da die kommerziell verwendeten deutlich kleineren sog. Stecknadelobjektive eine viel zu schlechte Bildqualität lieferten, was einen derart schicken Einbau wie bei Dir definitiv unmöglich machte. Überhaupt war selbst diese Cam deutlich größer und nahm die gesamte Breite der Lok ein - die Platine war fast so breit wie die Lok und das Objektiv vergleichsweise riesig. Schon beeindruckend, welchen Fortschritt die Technik seither gemacht hat. Natürlich war die Stromaufnahme der CCD-Cams auch deutlich größer als die der CMOS-Cams.
Ein weiteres Problem war (und ist) der Blickwinkel. Verbreitet waren und sind Weitwinkel bzw. Fischauge, ähnlich wie bei Deiner Lösung. Deren Bildqualität war aber eher beschränkt und auch die Verzerrungen der Weitwinkel - wie auch Dein Video schon zeigt - finde ich nicht sehr prickelnd. Außerdem sieht man so nur wenig Details von dem, was man wirklich sehen will, nämlich dem, was vor der Lok liegt, zumal natürlich auch die Auflösung der Cam nicht so hoch war wie heute. Bei einem gerade noch erträglichen und einen guten Kompromiß darstellenden schwachen Weitwinkel trat bei Kurvenfahrten bei unseren völlig unmaßstäblich engen Radien aber das Problem auf, daß der Blick natürlich nicht in die Kurve ging sondern bestenfalls tangential geradeaus, in Kurven also überhaupt nicht zu sehen war, "wohin" die Lok fährt. Da Du anscheinend deutlich größere Radien hast und die Cam ein deutlich stärkeres Weitwinkel besitzt wirkt sich dieses Problem nicht so deutlich aus, wenngleich an einigen Stellen auch zu erkennen. Also habe ich die Cam schwenkbar/drehbar montiert und mechanisch an das Drehgestell gekoppelt. Dies genügte aber immer noch nicht, da diese Schwenkung/Auslenkung iVm dem Blickwinkel zu gering war. Also habe ich zusätzlich eine mechanische Mimik gefruckelt, die eine überproportionale Auslenkung/Drehung bewirkt, d.h. die Cam dreht sich weiter ein als das Drehgestell. Nur so ist ein gerade noch ausreichender Blick in die Kurve möglich, bei dem sich das Kurveninnere eher im Bildbereich, wenn auch nicht im Bildmittelpunkt, befindet. Letztlich muß man als Selbstbauer im Rahmen der technischen Möglichkeiten eine individuell befriedigende Lösung finden.
Der damals erforderliche separate Videosender benötige ebenfalls ungleich mehr Strom als die heutigen Geräte, so daß die Spannungspufferung deutlich höhe Anforderungen stellte als heute erfüllt werden müssen, ohne daß ich wie heute möglich auf billige und effiziente China-Module hätte zurückgreifen können. Da schon der Sender den größten Teil des Innenraums der Lok beanspruchte war weder ein Akku noch dicke Elko-Packs möglich (und Supercaps wie heute gab es damals noch nicht).
Kamera, Sender und Elektronik für die flackerfreie Spannungsversorgung nahmen den gesamten Innenraum (bis fast herab zu den Pukos) einer alten Märklin-V200 ein. Dagegen geht es bei Dir ja ausgesprochen freizügig und luftig zu, da ist ja noch Platz ohne Ende. Aber da die Kamera und das Objektiv (nicht zuletzt auch wegen dessen Bewegungen) viel zu groß waren, um das Gehäuse aufzusetzen bzw. dies das Absägen des vorderen Teils des Gehäuse erfordert hätten, habe ich das Projekt schließlich nicht weitergeführt, zumal nach dem Lösen aller Probleme und einigen Video-Fahrten und Aufzeichnungen die Sache nicht mehr wirklich spannend war.
Die von Dir angesprochene Problematik, in abgedeckten Bereichen der Anlage hineinsehen zu müssen, betrifft vermutlich die Mehrheit der Modellbahner. Da die fest eingebaute Lok-Cam nur eine beschränkte Lösung darstellt, hatte ich mir ein Modell mit fernsteuerbar schwenkbarer Kamera überlegt, was im Ergebnis aber an der damaligen Größe der Kamera und der komplizierten mechanischen Konstruktion scheiterte. Die Alternative wären das Anbringen mehrerer schwenkbarer Kameras in den Innenräumen gewesen, was damals aber viel zu teuer gewesen wäre. Heute wären aber beide Möglichkeiten umsetzbar.

Danke für das Video, da ich sehr neugierig auf die Bildqualität war. Damit kann man leben, ungleich besser als die früheren CMOS-Cams. Aus der Video(übertragungs)technik bin ich mittlerweile völlig draußen, daher meine Frage, auf welche Weise und mit welcher Frequenz das Signal übertragen wird.

DrK
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