Polarisierung einer M-Gleis-Weiche

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Polarisierung einer M-Gleis-Weiche

#1

Beitrag von Der Ruinenbaumeister » So 6. Mai 2012, 12:32

Wieso sollte man beim Pukogleis eine Weiche polarisieren? Die Lok hat schließlich mit den Rädern einer Seite ständig elektrischen Kontakt, beim C-Gleis sogar mit den Rädern beider Seiten. Doch wenn Schleifer und Gleissystem nicht aufeinander abgestimmt sind, kommt es zu Problemen.

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Diese Dampflok von Roco bleibt mit ihrem Flüsterschleifer auf verschiedenen Weichentypen des M-Gleises stehen. Dazu gehört die 30°-Weiche 5119, um die es hier geht. Der Abstand zwischen den Pukos beträgt zwar nicht mehr als 3cm, aber das war genug dafür, dass die Lok bei mäßig langsamer Fahrt stehenblieb. Die einfache Lösung wäre es gewesen, aufs C-Gleis umzusteigen. Aber wieso sollte ich einem Problem ausweichen, wenn ich es lösen kann? Davon abgesehen habe ich noch ein paar gewagtere Umbauten vor, da war dies ein gutes Übungsstück.

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Die Zungenschienen der Weiche mussten herausgetrennt werden. Sie sind im Blech des Gleiskörpers an fünf Stellen festgeklammert, davon zweimal an der Oberfläche und dreimal unterm Herzstück. Außerdem muss der Mittelleiter vorsichtig aus einer Kunststoffschwelle herausgedrückt werden. So lassen sich übrigens auch andere M-Weichen, zum Beispiel die Dreiwegweiche, auseinandernehmen.

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Die Kunststoffschienen habe ich mit der Feile herausgetrennt. Eine Vierkantfeile und eine Dreikantfeile für die Ecken waren nötig. Ich klemmte das Kunststoffstück in einem Stück Holz fest, in dessen Löcher die Noppen an der Unterseite genau passten. So ließ es sich leicht bearbeiten. Anfangs spannte ich es noch mit einer Schraubzwinge ein, für die Feinarbeit war diese dann aber nicht mehr nötig.

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Die Schienenprofile sind aus Rocoline-Gleisen. Ich nahm ein gerades Gleisstück und eines des Radius 2, so dass ich sie nicht mehr zurechtbiegen musste. Die Profilhöhe von 2,1mm war hier optimal. Die 2,3mm des C-Gleises wären schon etwas zu hoch. Die Anschlussdrähte sollten natürlich schon vor dem Einkleben angelötet werden. Als Kleber diente mir Uhu strong&safe.

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Nach dem Lackieren der Schienen, was auch die Spuren der Feile an den Schwellen überdeckt, habe ich das Zungenschienenstück eingesetzt und mit den Blechnasen wieder befestigt. Kleben ist nicht nötig. Schon jetzt kann die Weiche wieder befahren werden. Es empfiehlt sich übrigens, die Anschlussdrähte an den Mittelleiter zu knoten, so dass die Lötstellen nicht belastet werden, wenn man an den Drähten zieht.

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Zum Umschalten zwischen den polarisierten Abschnitten dient mir ein Relais. Ursprünglich dachte ich an ein zweispuliges, bistabiles Relais, aber die Dinger sind teuer. Also griff ich in meine Restekiste und förderte einen Fahrtrichtungsumschalter zutage. Ein Spulendraht war mit dem Metallkörper des Relais verbunden, aber diese Verbindung zwickte ich eben ab. Damit sind Schalt- und Laststromkreis galvanisch getrennt. Ich erprobte das Relais mit einem analogen Trafo und es funktionierte.

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Auf Dauer ist es natürlich umständlich, das Relais immer separat ansteuern zu müssen. Besser ist es doch, Weichenantrieb und Relais parallel zu schalten. Dazu waren noch einige Modifikationen nötig. Der Fahrtrichtungsumschalter ist ja auf 24V ausgelegt, Der Decoder liefert aber nur 18V.

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Der Haken, an dem die Feder ansetzt, lässt sich zurückbiegen, aber auch so spricht das Relais bei 18V nur gelegentlich an. Es musste also eine Feder von geringerer Härte oder Spannung verwendet werden. Ich nahm eine gewöhnliche Schaltschieberfeder, erhitzte sie an 15V und hatte meine gewünschte Feder. Nun betätigt der Decoder Relais und Weiche mühelos zugleich.

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Die beiden Dioden sind nötig, damit das Relais mit jeder Weichenantriebsspule mitbetätigt wird, ohne dass diese sich gegenseitig beeinflussen. Ich verwende die Allerweltsdiode 1N4001. Hier ist es von Vorteil, dass die meisten Weichendeocder Gleichspannung liefern, denn bei Wechselstrom käme nur eine Halbwelle zum Relais durch.

Damit ist mein Umbaubericht vorerst abgeschlossen. Die nächste Weiterentwcklung wäre eine Schaltung, die auch Kurzschlüsse erkennt, beispielsweise wenn die Weiche aufgeschnitten wird. Ich überlege mir derzeit eine. Sie soll so klein sein, dass sie ins Gleisbett passt. Außerdem soll sie nicht nur eine Schienen mit dem Mittelleiter verbinden, sondern auch die andere mit den Außenschienen. Aber das ist noch Luxus, denn der Massekontakt meiner Lokomotiven ist tadellos.
Gruß
Clemens

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Re: Polarisierung einer M-Gleis-Weiche

#2

Beitrag von Kehrdiannix » Di 8. Mai 2012, 22:04

Hallo Clemens,

ein interessanter Umbau!
Da überlege ich mir doch, das irgendwann mal nachzumachen ...


Gruß,
David

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Re: Polarisierung einer M-Gleis-Weiche

#3

Beitrag von Der Ruinenbaumeister » Mi 9. Mai 2012, 14:56

Auf welchen Weichen gibt es denn bei dir Probleme? Ich kenne Kontaktschwierigkeiten bislang von der Dreiwegweiche und der 30°-Weiche bei der Lok mit Flüsterschleifer und von der unpolarisierten DKW 5207 bei allen Lokomotiven.
Gruß
Clemens

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Re: Polarisierung einer M-Gleis-Weiche

#4

Beitrag von Kehrdiannix » Mi 9. Mai 2012, 17:15

Also,
meine 5207 ist polarisiert (als ich sie bekommen habe, war was verbogen - nun schaltet das Mittelteil wieder um). Da kann man so langsam drüberfahren, wie man will, da stockt nichts ...
Probleme habe ich eigentlich kaum; nur ganz selten mit kleinen Lökchen. Daher dachte ich, ich mache das vielleicht irgendwann mal in ferner Zukunft.

Welche Weichen bei mir Probleme machen - eigentlich keine konkret, eben nur bei kleinen Loks. Manchmal ist es eine Kurvenweiche.


Gruß,
David

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Re: Polarisierung einer M-Gleis-Weiche

#5

Beitrag von Der Ruinenbaumeister » Sa 12. Mai 2012, 07:47

Sieht so aus, als bräuchtest du die Polarisierung des Massekontakts, während ich sie wegen den Mittelleiters brauche. Zum Glück ist die Vorgehensweise jeweils gleich. Bei den Bogenweichen würde ich empfehlen, den polarisierten Abschnitt etwas länger zu machen und ihn an den Haltenasen mit etwas Tonpapier zu isolieren. Die Bogenweichen haben nämlich zwei zusätzliche Haltenasen.
Gruß
Clemens

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