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Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: So 5. Mai 2019, 01:03
von TheK
Oder du kürzt die ganzen spezifischen Werte aus der Gleichung raus und teilst einfach 130/87. Da kommt dann am Ende (so der Treibraddurchmesser des Modells stimmt) das gleiche heraus. :mrgreen:
Wie man an der Drehzahl der Treibräder schon merkt, ist so die Geschwindigkeit realistisch relativ zu der unmittelbaren Umgebung.
Eine "Modellzeit" wird dann zusätzlich interessant, wenn man glaubhafte Fahrzeiten relativ zur Strecke haben will. Schließlich liegen reale Bahnhöfe nicht 300 m auseinander (das wäre beim Türblatt einmal rum). 18 km klingt besser, das ist dann 1 Minute real = 1 Stunde Modell.

Zum digitalen Betrieb: Da stellt man im Decoder (!) ein, wieviel der verfügbaren Spannung an den Motor durchgelassen wird. 255 ist "alles" und geringere Zahlen sind entsprechend proportional. Über diesen Wert weiß die Zentrale aber rein gar nichts, für die gibt es nur die immer gleich vielen Fahrstufen. Viele Decoder haben auch noch komplexere Ansätze, bei denen man explizit eine maximale Spannung angeben kann oder wo man die anderen Fahrstufen definieren kann. Schon in der Voreinstellung sind die Abstufungen untenrum meist wesentlich feiner, weil 10 oder 20 km/h einen viel größeren Unterschied bedeutet als 110 oder 120 km/h.

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: So 5. Mai 2019, 01:51
von Analogbahner
TheK hat geschrieben:
So 5. Mai 2019, 01:03
Oder du kürzt die ganzen spezifischen Werte aus der Gleichung raus und teilst einfach 130/87.
Klar. Ich hab's gemacht, um den Weg zu beschreiben. Die Kürzorgie geht immer erst hinterher los - das nennt man Code-Optimierung... :mrgreen:

Tatsächlich haben wir mittlerweile festgestellt, dass Modellmaße häufig vom Original abweichen, welches man einfach durch 87 (oder 160 oder 220 teilt...), und zwar oft nicht mal wenig. Warum das so ist und ob es so sein muss, steht nicht zur Diskussion.

Das betrifft nicht mal so sehr die Rollmodelle, als vielmehr geschrumpfte Häuserproportionen und althergebrachte Verkürzungsdenkweisen. Sogar dort, wo es kaum um Materialersparnis geht, z.B. bei den papiernen Hintergrundkulissen einer renommierten Firma, musste ich deren Ausschneidebögen, gekennzeichnet als H0, 1:87, auf dem Farbkopierer vergrößern. Ich weiß, dass ich mit meinen 1:100-Wagen kein Vorbild bin, aber da ich kein Flexgleis mit vorbildgetreuen Super-Radien benutzen kann, sehe ich das in diesem Fall pragmatisch. So ist das Gestalten einer proportional verkleinerten Landschaft ungleich schwerer als bloß die Welt zu verkleinern.

Für mich als Analogbahner gibt es übrigens kein realistisches „Langsam“, deshalb habe ich mir darüber selten den Kopf zerbrochen. Langsam ist, was noch über die Weichen kommt... Und was trotzdem echt genug wirkt, bzw. ich deklariere es als „echt“.
Aber da wir uns auch nicht darüber aufregen, dass unsere Preiserleins alle tiefgefroren herumstehen, rege ich mich über zu schnelles Rangieren auch nicht auf... In einem Film fallen bewegungslose Männleins und Autos stark auf, beim Spielen eigentlich kaum. Dasselbe gilt für zu schnelles Fahren. Ich vermute, dass das zunehmende Filmen eher der Grund für vorbildgetreues Fahren ist als das bloße Spielen. Der Modellbahner versteht sehr wohl zu abstrahieren

Durch meinen Job als 3D-Grafiker und Filmemacher interessiert mich das Thema vielmehr, um Beziehungen zwischen Modellgröße, Details, Optik und Sehgewohnheiten abzuleiten. Unterhalb einer gewissen Modellgröße bricht das Spielzeughafte durch, was wiederum viele Illusionen von vornherein zerstört. Da lassen wir uns nur schlecht überlisten.

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: Di 7. Mai 2019, 17:39
von Kike
Moinsen.
Interessanter Beitrag. Natürlich gibt es da mega viele Faktoren zu berücksichtigen. Finde das sehr gut geschildert. Für meinen Teil zeigt sich, dass ich immer mehr in den Realismus-Wahn verfalle. Aber da ich eh nur einen masstäblichen Kleinbahnhof plane... (die alte Anlage ist genau diesem Wahn zum Opfer gefallen) ist es für mich auch nicht schlimm wenn meine P8 mit nur 25 km/h in den Bahnhof rollt und man schon vor der Einfahrtsweiche das (fiktive) Bremsen hört, weil sich Lokführer Heinz mal wieder in der Bremsberechnung vertan hat...
Andererseits hat es auf der alten Anlage mit engen Radien auch nicht gestört, dass die Loks recht zügig waren.
Aufgefallen ist mir bei den Ausführungen, dass häufig von der Höchstgeschwindigkeit die Rede ist. So kurvenreich wie unsere heimischen Strecken wohl sind würde im Original wohl selten die maximale Geschwindigkeit erlaubt sein, weder Lok noch Streckenbezogen.
Andererseits, wer das kraftvolle surren alter Märklin Loks noch kennt wird immer verleitet sein mal aufzudrehen :mrgreen:

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: Di 7. Mai 2019, 17:51
von E 44
Moin zusammen,

Kike, naja, ganz so Wahnsinnig bin ich nicht. Aber ich fand das echt Blöd, das eine BR 74 einen ICE überholen kann.
Ich hab zwar einen ICE 3 im Bestand, aber er fährt nicht auf der Anlage, weil diese dafür nicht konzipiert wurde.
Da ich nur eine Nebenbahn gebaut habe, aber so, das auch schwere Loks fahren können, hab ich auch die Widmung geändert und das Nebenbahn herausgenommen.
Jetzt, wo ich mit der Einmesserei durch bin, macht das fahren mit den Loks auch wieder richtig Spaß. Auch das Rangieren mit meiner V100 geht schön langsam.
Anfahr und Bremsverzögerung hab ich noch etwas nachjustiert.

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: Di 7. Mai 2019, 19:51
von PhilippJ_YD
Kike hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 17:39
Andererseits, wer das kraftvolle surren alter Märklin Loks noch kennt wird immer verleitet sein mal aufzudrehen :mrgreen:
So unterscheiden sich die Geschmäcker. Das kraftvolle Surren war für mich immer der Anlass, den Regler wieder zurück zu nehmen. Der VT11.5 ist mir da beispielsweise in Erinnerung. Wenn der in Bewegung ist, hat der Sounddekoder keine Chance. Neulich war ich erstaunt, als ich nach Langem mal wieder einen Rasselantrieb in Form eines Fleischmann ICE T in Betrieb genommen habe.

Für meine zukünftige Anlage rechne ich mit etwa 80Km/h V Max auf der Strecke, geführt durch urbanes Umfeld sollte das hoffentlich gut passen. Bei 7-8m sichtbarer Strecke hat man so wenigstens etwas Zeit zum betrachten.

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: So 19. Mai 2019, 17:39
von reinout
Eine maximale Geschwindigkeit kann mann sich auch zum Nutzen machen. Meine Nebenbahn (Eifelquerbahn-änhnlich) hatte offiziel 30 bix 50 km/h.... Also habe ich 40 km/h gewählt und eine Streckenlänge ausgewählt wo meine Loks 30 Sekunden für brauchen. Ein paar Probefahrten und meine Loks fuhren alle 40 km/h.

Durch die geringe Geschwindigkeit habe ich das Glück von etwa 2 Minuten zwischen Endbahnhof und Schattenbahnhof. Es lebe eine niedrige Geschwindigkeit!

Reinout

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: Di 21. Mai 2019, 19:11
von -me-
Für meine zukünftige Anlage rechne ich mit etwa 80Km/h V Max auf der Strecke, geführt durch urbanes Umfeld sollte das hoffentlich gut passen. Bei 7-8m sichtbarer Strecke hat man so wenigstens etwas Zeit zum betrachten.
Ich kann Philipp nur zustimmen. Ich habe bei meiner Steuerung mit iTrain die Geschwindigkeit von gut 120 km/h inzwischen auch auf 80 km/h gedrosselt. Das wirkt optisch wesentlich entspannter und der Geräuschpegel ist wesentlich geringer. Deswegen werden meine alten Trommelkollektoren auch nach und nach durch Neukonstruktionen mit Mittelmotor und Kardan ersetzt.
Gerade in den Radien läuft alles ruhiger, obwohl hier im sichtbaren Bereich keine Radien unter R3 vorhanden sind.

Aber im Endeffekt muss das jeder für sich entscheiden.

Re: Was ist die vorbildgerechte Geschwindigkeit auf der Anlage?

Verfasst: Mi 22. Mai 2019, 17:49
von Aphyosemion
Hallo zusammen,

eben diesen interessanten Thread entdeckt und gebe jetzt auch mal noch meinen Senf dazu, :wink: :lol:

Da ich jetzt selbst schon einige Loks und Triebwagenzüge eingemessen habe und diese auf der Anlage/Schattenbahnhof ihre Kreise gezogen haben,
bin ich auch der Meinung, wie ja schon einige geschrieben haben, das man die Züge, eher langsamer, als ihre eigentliche Vorbildgeschwindigkeit, einstellen und fahren lassen sollte.

Ein Punkt, der dies aber auch noch beeinflußt, ist natürlich auch die Anlagengröße bzw. Anlagentyp und die befahrbaren Strecken und Radien.
Bei einer kleinen Anlage, würde es glaube ich nicht so gut aussehen, wenn der ein oder andere Zug hier 140km/h oder gar schneller fahren würde. Bei einer größeren und weitschweifenderen Anlage, können die Züge durchaus ein bisschen schneller unterwegs sein, da es hier eben auch etwas anders wirkt. Allerdings, auch hier würde ich auch hier eher dazu tendieren, dass weniger doch mehr ist und eben nicht die tatsächliche Vorbildgeschwindigkeit eingestellt/gefahren wird.

Was aber eben insgesamt passen muss, ist der Geschwindigkeitsunterschied der jeweiligen Züge bei der VMax zueinander z.B.auf freier Strecke,
damit eben, wie auch wie beim Vorbild, ein Unterschied zu erkennen ist. Ein ICE oder TGV ist eben schneller als ein Güterzug usw. und diesen Unterschied sollte man dann auch optisch erkennen können. So denke ich zumindest.

Ich hatte zu Beginn meine ICE oder TGV Züge, auch mit VMax Geschwindigkeiten von um 200km/h eingestellt und eingemessen, dies dann aber im weiteren Verlauf schon reduziert, auf aktuell noch um 170km/h und es kann gut sein, bzw. ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass dies noch etwas weiter nach unten korrigiert werden wird, wenn ich denn dann mal meine Züge, auch "richtig" im sichtbaren Bereich, fahren lassen kann. Bisher, ist das leider ja nur erst teilweise möglich. :wink:

Letztendlich, ist es aber wie bei vielem, eben ein Geschmacksfrage oder Ansichtssache, da muss jeder für sich selbst entscheiden. :wink:

Schöne Grüße, Stephan