Reines Blech...

Bereich für alle Themen rund ums Sammeln von Modellbahnen und alte Modellbahnen allgemein.

Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Reines Blech...

#1

Beitrag von bahngarfield » Fr 4. Okt 2013, 19:57

...oder Zinkdruckguss war die Substanz - jedenfalls meistens - aus der das Rollmaterial war, das Märklin von 1969 bis 1992 unter dem Namen "PRIMEX" verkaufte. PRIMEX war die Kaufhausbahn für Märklinisten: Ein Vollsortiment nicht nur für Einsteiger, vollkompatibel mit der Muttermarke Märklin und damit mit all' den weithin bekannten positiven Eigenschaften der Göppinger Erzeugnisse ausgestattet - aber eben billiger. Gut, dafür fehlte auch mal hier ein roter Umlauf oder ein bisschen Bedruckung da, aber was soll's! Selbsthilfe gibt's ja auch noch. Und da nicht wenige Fahrzeuge des PRIMEX-Programms den 3000er und 4000er-Serien von Märklin entsprangen oder, im Märklin-Programm längst erloschen, im Kaufhausregal sogar fröhlich wieder Urständ feierten waren die PRIMEX-Produkte nicht weniger kultig als jene. Noch spannender wurde es, als Tante Märklins kleine Tochter anscheinend anfing eigene Wege zu gehen; mit kompletten Neuentwicklungen oder - hust - unwesentlich kompromissbehafteten Vorbildadaptionen auf Märklin-Fahrgestellen. Schade, dass dieser Weg vor 21 Jahren endete. In meiner kleinen "Bilderschau" habe ich mir erlaubt, ihn mal ein bisschen weiterzugehen. Wer Lust hat, gehe mit!



Bild


Den Anfang macht der KSVP - der kleine Schienenbus von PRIMEX; ein Kürzel, das einen wie schon die "KLVM" (Na, wer kriegt's raus?) ob seiner Orginalität in die Schnappatmung zu treiben vermag. Leider musste der Triebwagen unbedingt auf das Fahrgestell der 3079 passen. Denn wäre er nur ein Fenster länger gewesen hätte man einen wunderschönen Tin-plate-VT70.9 bekommen. Und eine rote-beige "DRG-Edition" als VT 135 wäre auch noch "drin gewesen". Den VB hätte man ja vielleicht auf das Fahrgestell des 4629 setzen können. Aber für den VT hätte es eines neu entwickelten Fahrgestells bedurft, und das wäre wohl zu kostspielig geworden. Trotzdem: Einem Retro-VT70.9, womöglich noch in einem im Stile Rudolf Hannigs gestalteten Karton, würde ich auch heute gute Marktchancen einräumen.


Als 1985 die PRIMEX-3192 erschien soll gerüchtehalber aus den Mündern am PRIMEX-Stand auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorbeiflanierender Messegäste gelegentlich anerkennendes Pfeifen zwischen den Zähnen zu hören gewesen sein: Hallo? Eine Lokneuheit bei PRIMEX; eine nur hier und nicht im Märklin-Katalog vorkommende Gehäuse-Neukonstruktion? Soviel Eigenständigkeit hatte man den "Primanern" gar nicht zugetraut. Und obgleich die Kombination Schwedenfahrgestell plus Kunststoffhaube gleich Bayern-E-Lok etwas mutig erschien, war sie doch gelungen: Nicht umsonst wurde die 132 immerhin 14 Jahre lang produziert und fand sogar noch als 3179 bzw. 3187 Eingang ins Märklin-Sortiment. Dabei warf sie Kraft ihrer Genese natürlich gleich die Frage auf: What's next? Welches Lokvorbild ließe sich denn als nächstes auf Märklin-Fahrgestell, kombiniert mit einem neuen Primex-Gehäuse und verbunden mit einer Prise großzügiger Interpretationsgabe, als nächstes realisieren?

Nun, die E44 alias "Der rollende Schienenschleifzug" 3011 hatte im Hause Märklin bereits 1954 Eingang ins Programm gefunden. 1974 erschien sie bei PRIMEX, wo sie im Zugset 2702 bis 1989 - drei Jahre vor PRIMEX' Ende - im Programm blieb, womit sie auf einen Produktionszeitraum von 35 Jahren kam. Nun, vielleicht hätte der unkaputtbaren Technologie ein leichtes Facelifting zu einem noch längeren Dasein verhelfen können. Mit ein bisschen gutem Willen hätte das 3192-Gehäuse doch als gute Grundlage für ein Gehäuse getaugt, das aus der altbewährten E44 eine E44.5 gemacht hätte - oder etwa nicht?


Bild

Ja, aber..? Die Blenden rund um die beiden äußeren Führerstandsfenster?? Und der markante, mit Aussparungen versehene Brückenrahmen??? Kommt schon, Leute! Es ist PRIMEX!!!

Wer in Sachen Vorbildgerechtigkeit als Hersteller soviel Nonchalance besitzt ein paar Quadratzentimeter Blech so zu bedrucken, dass sie in passend zurechtgebogener Form auf dem Fahrgestell eines 515 einen im Original meterspurigen Triebwagen der Zugspitzbahn als HO-Modell wiedergeben sollen, dem hätte ich auch so etwas zugetraut: Bitteschön - eine DE 2500 in Blech; aufgebaut auf dem (natürlich grottenfalschen) Fahrgestell der NOHAB-Familie 3066/ 67/ 68:


Bild

Unkaputtbar, mit gewissermaßen unbegrenzter Haptilität und von daher auch für kleine Brüder als Argumentationsverstärker bei Konflikten mit größeren Schwestern o.Ä. brauchbar. Robust wie ein Schiffsdiesel, und für gerade mal 50Märker zu haben. Wir denken uns noch eine Güterzug-Startpackung mit dem "Blauen Bock" und eine Schnellzug-Startpackung mit dem "Roten Ochsen" (Ja! Zwei Achsen zuviel! Ich weiß! Und???) dazu - und fertig ist Sohnemanns bunte Modellbahnwelt des Jahres na, sagen wir mal, 1974! Über eine spätere gelbe Sonderedition als 1600P der Nederlandse Spoorwegen mit Einholmstromabnehmer möge gnädig der Modellbahn-Gott richten - aber sagt, was ihr wollt: Mir gefällt sie! Und mag eine Blech-DE auch ein Anachronismus sein, so würde ich ihr doch den Vorzug vor der unglücklichen Heris geben...


Nach der "Zugspitzbahn", die bis dahin unauffällig vor sich hinhobbyierende Modellbahner dazu brachte unter dem Stichwort "artgerechte Haltung" ohne Vorankündigung Anlagen mit M-Gleis-Rampen bis 20% Steigung und mehr zu bauen folgte 1987 der nächste Streich: Der Berliner S-Bahn-Zug der Reihe 275, Katalognummer 3017. Abermals musste das Fahrgestell des seligen 515 alias 3076 herhalten, um in Symbiose mit einem neu konstruierten lithographierten Blechaufbau gleich Phoenix aus der Asche in die Göppinger Produktion zurückzukehren. Nun, da einem der Vorbildzüge in Form des ET 182 21 ein zweites Leben auf der Isartalbahn unter westdeutschem Fahrdraht zuteil geworden war wundert es eigentlich, dass man angesichts der bei PRIMEX herrschenden gewissen moralischen Lässigkeit in Sachen Vorbildtreue nicht auch die Gelegenheit beim Schopfe packte und eine rote bestromabnehmerte 3017-Version als ET 182 herausbrachte:


Bild

Ja gut, die Puffer fehlen. Und da es auf der Isartalbahn eben nur von Bichl nach München-Süd und zurück ging und sonst nirgendwohin, kam man auch ohne die Berliner Zugzielanzeiger ganz gut zurecht. Und die Stromabnehmer... jo mei, ich hab' mich ganz bewusst gegen 7218er entschieden. Die sind mir auf dem Blechzug irgendwie viel zu modern vorgekommen - auch, wenn er LED's trägt... Ich find' ihn schnuffig!

Was bleibt? Eine Marke, die nur noch durch sporadische "Neuheiten", die lediglich der Sicherung der Markenrechte dienen, in Erscheinung tritt. Schade! Denn für mich wird die Welt der Modellbahnerei immer mehr eine Zweiklassengesellschaft teuer gegen günstig, Detailliertheit kontra Betriebstauglichkeit, digital kontra analog. Ich für meinen Teil finde mich mit meinen Wünschen z.B. nicht im aktuellen Angebot des Hauses Märklin wieder. Wenn aber die Gruppen der Modellbahner soweit auseinanderdivergieren, dass sie mit einer Palette nicht mehr zu bedienen sind - dann macht doch zwei! Einmal das "normale" Märklin-Programm mit Analogschnickschnack, Digitalgedöns, Kurzkupplungstammtamm und Detaillierung bis zum Abwinken, dann aber auch bitte hochpreisig.

Und lasst auf der anderen Seite PRIMEX wiederauferstehen. Modelle im Stile der 3000er-Serie, gerne auch nach bislang noch nicht in der 3000er-Serie produzierten Vorbildern, robust, unkaputtbar, betriebssicher, kinderfest - und bezahlbar. A Traum.

Ja, ein Traum, wiegesagt. Aber vielleicht konnte ich ja den ein oder anderen von Euch mit meinen Bildern ein bisschen zum "Mitträumen" bringen.

In diesem Sinne - hoffe, es hat (mal wieder) gefallen!


Grüße!


Christian


klein.uhu
Trans Europ Express (TEE)
Beiträge: 9697
Registriert: Mo 30. Jan 2006, 20:24
Nenngröße: H0
Stromart: analog AC
Steuerung: mit Hand und Verstand
Deutschland

Re: Reines Blech...

#2

Beitrag von klein.uhu » Fr 4. Okt 2013, 21:16

Einmalig! Oder was soll man sonst zu diesem Beitrag sagen?
Alles andere wäre Blech nach Göppingen tragen!

Gruß klein.uhu
| : | ~ analog

Gruß von Bild klein.uhu
Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen. (Sokrates)
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Fantasie ist unbegrenzt. (Einstein)


Christian Schmidt
InterRegio (IR)
Beiträge: 100
Registriert: Mo 6. Jun 2005, 07:37
Wohnort: östlich von Frankfurt

Re: Reines Blech...

#3

Beitrag von Christian Schmidt » Sa 5. Okt 2013, 16:03

Sehr schön. Es wäre zu schade, wenn das alles ein Traum bliebe.

Viele Grüße

Christian
Grüße

Christian


rei800
RegionalExpress (RE)
Beiträge: 53
Registriert: Fr 1. Mär 2013, 19:46
Nenngröße: H0
Stromart: analog AC
Steuerung: hundsgewöhnlicher Trafo
Gleise: BLECH
Wohnort: bei Zürich
Schweiz

Re: Reines Blech...

#4

Beitrag von rei800 » Di 8. Okt 2013, 21:14

Hallo zusammen,

es wäre wünschenswert, wenn diese Ausführungen mal jemandem von Märklin zu Gesicht kämen.
Das neue Plaste- und Elastematerial spricht mich nicht mehr an. Ich habe in den letzten 3 Jahrzenten davon genug gehabt und irgendwie fehlt mir da der Charakter. Ich mag mein olles 3600er Blechgleis und eine SK 800 mit den 346er Schürzenwagen, die einen Heidenlärm machen. Dazu noch ein CCS800 oder 3015 Krokodil mit vollem Getöse und dem "elektrischen" Geruch der alten Allstrommotoren gekrönt vom Geschepper der alten 300er Blechwagen. Das ist meine Eisenbahn!
Sicherlich kann Märklin noch einige von diesen Replika-Modellen fertigen aber nicht mehr mit elektromechanischen Umschaltern. Diese Zeit ist wohl vorbei. Von mir aus auch mit den MFX-Decodern, wenn sie denn die alten blauen 280er Trafos verkraften und nicht beim Umschalten gleich in Rauch aufgehen. :D

happy Tinplate & Diecast Bahning
Rei
LG
Rei800
_______
Blech und Guss bereitet mir nie Verdruss


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#5

Beitrag von bahngarfield » Do 10. Okt 2013, 14:25

Hallo zusammen!

Die Saga vom PRIMEX, das nie war, lässt sich leicht weitererzählen. 1990 erschien im Hause Märklin die 3319, eine Variante der guten alten 3084 mit geschlossenem Umlauf und Blechen der Bauart Grunewald - den Titel "Wagner-Bleche" hatten sie nur und ausschließlich Jahrzehnte später von der Modellbahnindustrie zugedacht bekommen. Wie dem auch sei: PRIMEX war immer bekannt für Lokomotiven nach dem Baumarkt-Prinzip: Was nicht passt, wird passend gemacht. Und wenn etwas in 1:1 geht, warum nicht auch in 1:87? Voilá: Gehäuse 3319 auf Fahrgestell 3005 - fertig ist die Reichsbahn-23er:


Bild


Wenn das Vorbild im Prinzip auch nichts anderes war als eine auf ein Prairie-Fahrgestell gesetzte 50er, so funktionierte das mit unwesentlichen Anpassungsarbeiten sicherlich auch im Kleinen. Gut, die Rauchkammertür ist falsch und der markante Bremsdruckluftzylinder, in 01-Manier auf der Beimannseite unter dem Führerhaus angebracht, fehlt - kein Wunder, denn die 3005 hat ihn nicht. Aber alles in allem doch eine recht brauchbare Wiedergabe des Vorbildes. Dabei dürfte genau dieses Vorbild der Grund für einen eher wohl bescheidenen Markterfolg eines solchen Modelles gewesen sein: Ich will ja nicht unken - aber welcher durchschnittliche PRIMEX-Käufer hatte denn wohl überhaupt Kenntnis von dieser aus gerademal zwei Exemplaren bestehenden und recht unpopulär gebliebenen Vorbildbaureihe..?

1997 verleibte sich Märklin Trix ein. Natürlich war PRIMEX da schon seit einem halben Jahrzehnt "tot". Und doch drängte sich mit der Übernahme des Nürnberger Modellbahn-Traditionshauses ein Gedanke auf: Hatte Märklin denn nicht unter dem Namen PRIMEX fleißig alte Formen und Typen recycelt, die aus dem Märklin-Hauptprogramm längst ausgeschieden waren, so dass Guss-E 44 wie Blechwagen im Kaufhausregal munter weiterexistieren konnten? Hatten die Göppinger denn jetzt, nach der Trix-Übernahme, nicht Zugang auch zu den alten Trix-Formen? Wäre es da so abwegig darauf zu spekulieren dass nun möglicherweise auch alte Trix-Klassiker, freilich auf der Basis altbewährter schwäbischer Antriebstechnik, Eingang ins Dreileiter-Wechselstrom-Programm finden könnten? Als robuste Einsteiger-Spielbahn oder einfach für Liebhaber klassischer Modellbahnen? Und könnte umgekehrt nicht mancher Märklin-Klassiker nun Eingang ins Trix-Express-Programm finden? Was da alles möglich wäre! Sollte uns etwa Märklin nun mit einem Vollmetall-VT75.9 (wie diesem hier) oder sogar dem VT08.5 überraschen; Modellen, auf die man als Punktkontaktfahrer seit Jahrzehnten heimlich geschielt, aber nicht zu hoffen gewagt hat? Und dann womöglich noch mit der Märklin-Antriebstechnik der 3000er-Serie unter der Haube? Zwar gab es Umbauten von Trix-Modellen für das Märklin-System; doch deren "zackiges" Fahrverhalten ohne auch nur einen Hauch jeglichen Auslaufs wusste - insbesondere bei über Schaltgleisstücken und Signalen gesteuerten Anlagen - kaum zu überzeugen. Die Trix-01, die 184, die Bügelfalten 110 und 112, endlich...! *Schwelg!* Und im Gegenzug vielleicht die 3005 (BR 23) und die 3047 (BR 44) für Trix-Express...?

Ja Pfeifendeckel. Von wegen. Mit "Prix" (PRIMEX + Trix) wurd's nix! Schade! Die Kombination Märklin-Fahrgestell plus Trix-Gehäuse gab's nur bei einer einzigen Lok, der 3033 bzw. 30331, die als Bügelfalte mit dem 111-Fahrgestell der 3042 flugs zur 114 mutierte. Also war Selbsthilfe angesagt, wie ungebrochen seit den 70ern:


Bild


Die kennt Ihr schon: Unter diesem Trix-Gehäuse steckt die bewährte Antriebstechnologie der 3034/37/39/40er-Serie. Sieht aus wie eine Bügelfalte, und fährt wie eine Märklin. Dass man sich solche Lokomotiven über Jahrzehnte erbasteln musste weil es sie nicht zu kaufen gab, werde ich nie verstehen. Bis heute, im Jahre 44 nach dem Erscheinen der Bügelfalten-110 im Trix-Programm, ist der Wunsch nach einer solchen Lokomotive so groß, dass Modellbahnbastler - wie dieses sehr gelungene Beispiel hier zeigt - zur Selbsthilfe greifen. Eine rot-beige Trix-112 auf Märklin-Fahrgestell wäre die Traumlok für meinen 24cm-Blechwagen-TEE gewesen. Schade! Es hat nicht sollen sein. Auch die 184er auf Fahrgestell 3042 (unten) ist wohl als typische bastlerische Verzweiflungstat der späten 70er zu werten.


Bild


Es müssen ja nicht gleich ganze Loks sein: PRIMEX-Maschinen zeichneten sich in der Regel dadurch aus, dass sie sich baulich minimal immer ein bisschen von ihrem Pendant aus dem Märklin-Katalog unterschieden. Bislang hatte das PRIMEX-Programm nie eine schwere Güterzugdampflok gesehen. Was wäre da naheliegender gewesen als die gute alte 3027 mit den - bemerkenswerterweise exakt passenden - großen "Ohren" der Trix-01 zu versehen und sie als "Reichsbahnlok", vielleicht sogar mit Zweilichtspitzensignal, wieder ins (PRIMEX-) Programm zu nehmen? Sie hätte wohl viele Abnehmer weit über den Kundenkreis der Kaufhausmodellbahner hinaus gefunden...


Bild


Eine anderer standesgemäßer Güterzug-Fünfkuppler in unserem fakultativen PRIMEX-Programm ist ein weiterer Trix-Klassiker, die 42er. Wie eine solche, ausgestattet mit Märklin-Antriebstechnik unter der "Haube", hätte aussehen können zeigt uns dieser 42er Umbau aus den Hallen der legendären und leider nicht mehr existenten Firma Schnabel aus Wiesau:


Bild
Originalaufnahme mit freundlicher Genehmigung von "Eisenbahner Hans-Gerd"


Freilich bewegten sich Schnabel und PRIMEX an den diametral gegenüberliegenden Enden der Preisskala. Aber zum Einen soll es hier nur um eine bildliche Anmutung gehen, und zum Zweiten sprechen wir von einer in einem wie auch immer titulierten Spielbahnprogramm befindlichen in Serie gefertigten Loktype, nicht von exakt nach Kundenwunsch handgefertigten Einzelstücken.



Wer von uns hat noch eine S3/6 in Planbetrieb erlebt? Na? Und wenn, dann sicherlich kaum Maschinen der Ursprungsbauart 18.4-5, sondern den Schwanengesang der Lindauer 18.6 auf der Allgäustrecke. Wen wundert's dass nicht wenige die das Glück gehabt hatten diese Maschine damals dort noch erleben zu dürfen, auch eine solche auf ihrer Modellbahnanlage haben wollten.

Gab's aber nicht. Natürlich ging mit der 1972 erschienenen 3091 auch ein langgehegter Modellbahnerwunsch in Erfüllung, aber eine 18.6 gab's nur bei Trix. Und die auch nur bis Anfang der 70er, und schon gar nicht in Wechselstrom. Aber was für eine! Die roch ja schier nach Metall!

Doch alte Liebe rostet nicht. Und warum hätte es denn nicht noch 1997 zu einer späten Hochzeit - wie der Fachmann das Aufsetzen des Lokkastens auf das Fahrgestell nennt - kommen können? Nämlich der zwischen dem Gehäuse der Trix-18er und dem Fahrgestell der 3091? Was wohl so ausgesehen hätte:


Bild


Keine Ahnung, ob das wirklich einmal ein Bastler probiert hat. Die Anpassungsarbeiten wären wohl nicht unerheblich gewesen, wahrscheinlich einer Neukonstruktion gleichgekommen. Aber lassen wir dieses kleine Gedankenspiel doch einfach einmal zu: Eine Vollmetall-Trix-18.6 mit der Antriebstechnik der Märklin-3091, hinter die wir - na was wohl - die alten Blechwagen nach Schweizer Vorbild der 348er-Serie hängen. Allgäubahn at it's best sozusagen; in Blech und Vollmetall, und am besten noch auf M-Gleis. Der Rest ist Träumerei...

Zugegeben: Man muss die Modellbahnhistorie, wie sie wirklich war, manchmal ganz schön verbiegen um halbwegs plausibel zu den Modellen zu kommen, die ich Euch in meiner kleinen Saga über eine PRIMEX-Welt des Konjunktivs vorgestellt habe. Jeder einzelnen dieser Maschinen gäbe ich den Vorzug vor ihrem Pendant zeitgenössischer Produktion - gäbe es sie denn. Und so sehr mir die Gründe geläufig sind die dazu geführt haben dass es nie eine "Mätrix"-18.6, 42 oder PRIMEX-44er gab habe ich mir einfach einmal erlaubt, sie über Bord zu werfen. Ich lass' mich doch in meinen Träumereien nicht durch Fakten irritieren!

Bleibt die Hoffnung. Markennamen müssen regelmäßig genutzt werden, damit die Rechte nicht verfallen. Das Gesetz definiert hierfür einen Zeitraum von fünf Jahren. Na, dann will ich mal Optimist sein: Falls Märklin hier mitliest und falls Märklin sich erbarmte Menschen meiner Zielgruppe - schleich' ich hier eigentlich mit meiner Vorliebe für Blech und Guss alleine 'rum, oder was? - mit immerhin einer PRIMEX-Neuheit alle fünf Jahre zu beehren, dann wären die Göppinger mit der Realisierung meiner hier gezeigten PRIMEX-"Wunschmodelle" 2058 fertig.

Die kauf' ich dann und schenk' sie meinen Enkeln. Damit sie 'was Ordentliches zum Spielen haben.


Grüße!


Christian


Tante Edit meinte wer will, darf gerne hier zur Abstimmung schreiten. Viel Spaß dabei!
Zuletzt geändert von bahngarfield am So 20. Okt 2013, 09:24, insgesamt 1-mal geändert.


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#6

Beitrag von bahngarfield » Fr 11. Okt 2013, 17:36

Da kam gerade eben noch ein Nachzügler rein:


Bild


Die 1018 aus dem, äh, PRIMEX-Exportprogramm. Leider zu spät, um noch an der Abstimmung teilnehmen zu können... ;-)

Grüße!

Christian
Zuletzt geändert von bahngarfield am So 20. Okt 2013, 09:25, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar

Jerry
EuroCity (EC)
Beiträge: 1271
Registriert: Sa 28. Feb 2009, 13:38
Nenngröße: H0
Stromart: AC
Steuerung: 6021/6647
Gleise: M-Gleis
Wohnort: Plastic Planet
Kontaktdaten:

Re: Reines Blech...

#7

Beitrag von Jerry » Fr 11. Okt 2013, 18:08

Leute, Leute, da fliegt mir doch das Blech weg ... Wird Zeit, dass Märklin Primex wieder aufleben lässt, und sei es nur für das eine oder andere (Sammler-) Modell! :D

Jedenfalls Danke für Deine Mühen Christian. :D



Allerseits einen schönen Hobby-Abend mit möglichst hohem Blechanteil wünscht

Jerry
Wenn Märklin Sünde ist Bild, dann will ich Sünder sein! Bild

HAG ist mehr als nur ein Kaffee ... Bild


rei800
RegionalExpress (RE)
Beiträge: 53
Registriert: Fr 1. Mär 2013, 19:46
Nenngröße: H0
Stromart: analog AC
Steuerung: hundsgewöhnlicher Trafo
Gleise: BLECH
Wohnort: bei Zürich
Schweiz

Re: Reines Blech...

#8

Beitrag von rei800 » Sa 12. Okt 2013, 13:00

Hallo Christian,

wolltest du nicht Produktmanager bei MäTrixPrix werden? Jedenfalls finde ich deine Ausführungen sehr treffend. Auf die Trixsche 42er hatte ich schon vor über 40 Jahren geschielt, aber das war mit meinen damaligen handwerklichen Kenntnissen undurchführbar. Mittlerweile habe ich zumindest ein Gehäuse hier liegen und das wird vielleicht noch was.
Die DRG 44 auf Basis einer 3027 wäre sicherlich machbar, wenn MäTrixPrix das olle ÜK Gehäuse wieder auf 2 Fenster zurückbaut.
Ansonsten kann es vielleicht helfen die Märklins mit Produktvorschlägen zu nerven. Vielleicht wird ja mal was draus.

Gruss
Rei
LG
Rei800
_______
Blech und Guss bereitet mir nie Verdruss


redwest
Ehemaliger Benutzer

Re: Reines Blech...

#9

Beitrag von redwest » Sa 12. Okt 2013, 14:13

rei,
die 3047,
mit den kurzen wagnerblechen,
in bordeaux-aber nur bis zu den blechen,
der rest bleibt schwarz-so stelle ich mir das vor.


SAH
Trans Europ Express (TEE)
Beiträge: 9621
Registriert: Mo 6. Jun 2005, 17:49
Kontaktdaten:

Re: Reines Blech...

#10

Beitrag von SAH » Sa 12. Okt 2013, 14:19

Guten Tag Rei und Christian,

nach meiner Einschätzung haben die Lokmodelle Chancen auf Retroauflage, die
- großen Absatz versprechen,
- deren Grundformen noch verfügbar und einsetzbar sind,
- von denen es ggf. noch große Vorräte an Einzel- und Ersatzteilen gibt,
- die nicht als Umsatzgefahr für das Aktuelle Programm gelten.

von meinen Favoriten (BR 44, E18, E44) sehe ich da am ehesten eine Chance für die BR 44, weil diese noch die jüngste Produktion (1984) gesehen hat gefolgt von der E44 (Primex 3008 anno 1983).
Ganz abgefahren, und Aufschreiverdächtig wäre eine RE800; allerdings halte ich die für so wahrscheinlich wie ein 6'er im Lotto mit Zusatzzahl.

mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn
Stephan-Alexander Heyn
www.sheyn.de/Modellbahn/index.php


rei800
RegionalExpress (RE)
Beiträge: 53
Registriert: Fr 1. Mär 2013, 19:46
Nenngröße: H0
Stromart: analog AC
Steuerung: hundsgewöhnlicher Trafo
Gleise: BLECH
Wohnort: bei Zürich
Schweiz

Re: Reines Blech...

#11

Beitrag von rei800 » Sa 12. Okt 2013, 19:11

Guten Abend Stephan-Alexander,

eine Br 44 und eine E 44 wären durchaus machbar. Nur sollten schon ein paar Veränderungen zu den alten Loks sichtbar sein, sonst wäre der Kaufanreiz dahin. Von den bisher erschienenen 4 Replika Loks habe ich bisher nur die 23er. Die SJ Da und zwei von den passenden Wagen werden aber damnächst noch dazustossen.
Eine RE 800 mit dem Mittelmotor und 4-Achsantrieb wäre natürlich der Knüller. Die ist durch den aufwendigen Antrieb allerdings preislich anders anzusiedeln als die bisherigen Replika-Modelle.

Gruss
Rei
LG
Rei800
_______
Blech und Guss bereitet mir nie Verdruss

Benutzeravatar

Dölerich Hirnfiedler
Metropolitan (MET)
Beiträge: 2886
Registriert: Di 10. Mai 2005, 19:46
Nenngröße: H0
Stromart: AC
Gleise: VB
Alter: 54

Re: Reines Blech...

#12

Beitrag von Dölerich Hirnfiedler » Sa 12. Okt 2013, 20:05

Hallo Christian,

So einen Bastard habe ich. Spender des Fahrwerks war aber eine Märklin 3048. Sowohl am Aufbau als auch am Fahrgestell hat ein Meister so lange gefeilt bis es gerade so zusammenpasste. Das Relais sitzt im Tender.
Bild

Bild

mfg

D.
Wir leben in einer unruhigen, durch und durch egoistischen, schlimmen Zeit.
Allgemeine Schulzeitung, Nr. 201 vom 21.12.1843


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#13

Beitrag von bahngarfield » So 13. Okt 2013, 11:00

Noch'n Nachzügler...


Ein' hab' ich noch: Die 3024 in oceanblau-beige als „118 028“ aus dem 24cm-Blech-Popwagen-Set "Verona-Express":


Bild


Für alle die's nicht wissen: Der D 1284 "Verona-Express" Nürnberg – Verona, meist artrein aus Popwagen gebildet, war eine von Eisenbahnfreunden gerne abgelichtete Würzburger 118-Planleistung, die es auch zu EK-Titelbildehren gebracht hat. Übrigens basieren die 1018 wie die 118 028 auf real existierenden Modellen: Die "Jaffa-E 18" ist ein Umbau von Dr. Helmut Petrovitsch, den dieser im Märklin-Magazin 3/ 77 vorgestellt hat. Leider habe ich keine Ahnung, was aus Dr. Helmut Petrovitsch bzw. dem Modell wurde. Aber vielleicht liest er ja sogar hier mit oder jemand kennt ihn und brächte ihn dazu, seinen mittlerweile 36 Jahre alten Umbau hier zu präsentieren..?

Auch die 118 028 gab's mal, als Sonderserie vom Schweiger in Nürnberg in den frühen 80ern. Leider habe ich auch nach langer Suche kein Bild einer ozeanblau-beigen Schweiger-118 im Netz finden können, sodass ich mal wieder "gimpen" musste. Die anderen Farbvarianten, die man aus dem 3023-Gehäuse alle herausholen könnte (Reichsbahngrau, Museumslok E18 08 [zwei Varianten möglich], E18 19 der DR, E18 06 mit weißem "F-Zug-Streifen", 118 010 mit blauem Dach, ÖBB-Version in grün - hab' ich was vergessen?) erspare ich Euch - und mir - aber. Bis auf eine. Die rote "E 19". Die gibt's nämlich, und zwar hier.

Grüße!

Christian

Tante Edit meint: Googeln bildet. :roll:

Dr. Helmut Petrovitsch (60), Bundesbahn-Direktionsrat im Ruhestand, ehemaliger Leiter des elektrotechnischen Versuchswesens der ÖBB, freier Mitarbeiter des eisenbahn-magazins und internationaler Fachzeitschriften seit über 35 Jahren, Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft "Verkehrsarchiv Tirol".
Zuletzt geändert von bahngarfield am So 20. Okt 2013, 09:26, insgesamt 2-mal geändert.


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#14

Beitrag von bahngarfield » So 13. Okt 2013, 11:13

Hallo Dölerich!
So einen Bastard habe ich.


Dacht' ich mir's doch, dass es sowas gegeben haben muss! Tolles Teil, danke fürs Zeigen. Was wiegt die? ;-)
Spender des Fahrwerks war aber eine Märklin 3048.


Hmpf... dann müsste doch auch das 30080-Fahrgestell halbwegs passen... dann noch den Motor optisch etwas kaschiert... hallo Göppingen? Lest Ihr hier eigentlich mit?

@rei800
wolltest du nicht Produktmanager bei MäTrixPrix werden?
Äh ja. Ich dachte mir, als Salär bekomme ich von jedem Fahrzeug, das die nach meinen Vorschlägen realisieren, ein Gratisexemplar. ;-) Woll'n mal hoffen dass Tante Märklin - falls sie hier mitliest - die eher verhaltene Resonanz bei der Umfrage nicht als Votum gegen Retro-Modelle interpretiert... :bigeek:

Grüße!

Christian

Benutzeravatar

Jerry
EuroCity (EC)
Beiträge: 1271
Registriert: Sa 28. Feb 2009, 13:38
Nenngröße: H0
Stromart: AC
Steuerung: 6021/6647
Gleise: M-Gleis
Wohnort: Plastic Planet
Kontaktdaten:

Re: Reines Blech...

#15

Beitrag von Jerry » So 13. Okt 2013, 16:36

Hallo Christian,
bahngarfield hat geschrieben:Woll'n mal hoffen dass Tante Märklin - falls sie hier mitliest - die eher verhaltene Resonanz bei der Umfrage nicht als Votum gegen Retro-Modelle interpretiert...
glaub ich nicht, denn immerhin legt "sie" seit Jahren alte Modelle neu auf. Es geht ja im Wesentlichen nur noch um die Frage, ob es davon deutlichere Abwandlungen geben soll als die kleinen Unterschiede bei den bisherigen Wiederauflagen. Der Kaufanreiz wäre bei solchen "Facelifts" meiner Meinung nach sogar noch größer, weil wer will sich schon die X-te Standardausführung der Loktype YZ in den Schrank legen. So wie sich die Sammler Neukonstruktionen kaufen, so würden auch Neukonstruktionen im "alten Stil" über die Ladentheke gehen, wetten? Man hat in der Endzeit von Primex Ende der '80er bzw. Anfang der '90er mit der Berliner S-Bahn und der Bayerischen Zugspitzbahn ja ähnliches realisiert.


Schönen Restsonntag

Jerry
Wenn Märklin Sünde ist Bild, dann will ich Sünder sein! Bild

HAG ist mehr als nur ein Kaffee ... Bild


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#16

Beitrag von bahngarfield » Di 15. Okt 2013, 17:42

Reines Blech war natürlich auch die Grundlage für den legendären, nie in Serie gegangenen FLH800 von Märklin. Natürlich, so Hatje Cantz in "Mythos Modelleisenbahn", wollte Märklin auch Ende der 30er Jahre hinsichtlich der Umsetzung neuer Vorbilder immer auf dem aktuellsten Stand sein, sodass ein Modell vom Kruckenberg-SVT nicht fehlen durfte:

"Zwei zweiteilige Muster (rot und silberfarben) wurden angefertigt, mit Dachstromabnehmern bestückt und auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1939 gezeigt. (...) Eines davon lief auf der großen Messe-Schauanlage, die bei Nachtbetrieb fotografiert, die Kataloge 1939/1940 und 1940/41 zierte. (...) Auch die Einladungskarte für die Messe, die jedes Jahr individuell gestaltet wurde, warb mit diesem Triebwagen - richtigerweise ohne Pantograph - für den Standbesuch."

Der silberne Prototyp überlebte alle Zeitwirren und ist heute in der Erlebniswelt zu besichtigen; Volker "Gleis_3600" zeigt ihn uns hier im Bilde.

Aber die Zeit war einfach gegen den "Kruckenberg", im Großen wie im Kleinen. Konzeptionell ein geniales, seiner Zeit weit voraus seiendes Fahrzeug und nicht umsonst Urahn der legendären späteren VT11.5-TEE-Züge hatte es sieben Jahre gedauert zwischen der Ausarbeitung der Pläne für einen dreiteiligen, konventionell angetriebenen Schnelltriebwagen durch die "Kruckenberg-Flugbahn-Gesellschaft" und seinem "Rollout" im Januar 1938. Kurz vor der Aufnahme des angedachten Planbetriebes zwischen Hamburg und Berlin am 01.07.1938 brach eine Treibradsatzwelle; fast ein ganzes Jahr stand der Zug in der Werkstatt. Nach einer spektaktulären Rekordfahrt am 23.06.39, bei der 215km/h erreicht wurden, brach zwei Tage später die Treibradsatzwelle des anderen Triebgestells, was wiederum ein Jahr Stillstand bedeutete. Der Stern des Zuges sank, bevor er aufgegangen war. Die Reichsbahn hatte ihn ohnehin nur als Konkurrenten zu ihren "Fliegenden Zügen" gesehen, als ein "ungeliebtes Kind". Die Kunde von der mangelnden Popularität des "Kruckenberg" hatte mittlerweile wohl Märklin erreicht. Der FLH800 schaffte es nichtmal mehr in den Neuheitenprospekt vom Juni 1939. Dann kam der Krieg; kein Mensch interessierte sich mehr für Schnelltriebwagen, im Großen wie im Kleinen.

Nach dem Krieg gehörte der SVT137 155 zum Schadwagenpark der sowjetischen Zone. Zwar hielt ihm die DR Ost im neuen Nummernplan die Bezeichnung "VT91 500" frei, aber selbst hierin zeigte sich noch seine Unbeliebtheit: Man hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, dem Zug eine korrekte Nummer zuzuordnen - sie hätte zu einem diesel-elektrischen Triebwagen gehört. Gefahren ist der "Kruckenberg" aus eigener Kraft unter der Regie der DR Ost wohl keinen Meter. 1951 ist er abgestellt im Bw Karlshorst nachgewiesen, 1958 wird er im RAW Wittenberge zerlegt.

Damit war er endgültig aus dem Blickfeld der von Märklin bedienten Klientel westdeutscher Modellbahnfreunde verschwunden, und wie sein großes Vorbild sollte der FLH in den Tiefen der Geschichte versinken. Nicht einmal ich vermag mir so krasse Verrenkungen der Modellbahngeschichte auszudenken wie es zu einer Realisierung des SVT137 155 als Nachkriegsmodell hätte kommen können; weder in der Nachkriegs-800er Serie noch in der 3000er-Serie noch als Blech-Retro-Modell unserer Tage. Hingegen habe ich eine sehr klare Vorstellung davon, wie dieses Modell, basierend auf dem in Leipzig gezeigten Handmuster, hätte aussehen können. Nämlich so:


Bild
Originalaufnahme mit freundlicher Genehmigung von Volker "Gleis_3600"


Dreiteilig, ohne Stromabnehmer und nicht ganz so entsetzlich verkürzt wie der straßenbahnradientaugliche Leipziger SVT hätte er sich doch gar nicht so schlecht gemacht. Und, lieber Leser, falls Sie ein derartig aussehendes Fahrzeug beim Ausrümpeln Ihres Dachbodens auffinden sollten, verständigen sie bitte ihren zuständigen Vermögensberater. Oder mich.


Bei unserem nächsten Kandidaten ist die Sachlage etwas anders. Es ist der Prototyp des TW700, den Frank Ronneburg auf www.tischbahn.de so wunderschön in Wort und Bild porträtiert. Nur wenige werden ihn kennen - kein Wunder, wurde der "Märklin-Leipzig" bislang doch nur einmal, nämlich zum 150-jährigen Jubiläum der Firma Märklin vom 19.02. bis 26.02. 2009 in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund in Berlin, gezeigt. Wahrscheinlich 1936 gefertigt blieb auch ihm der Weg zur Serienfertigung versagt; kein Wunder angesichts der Wendungen, die die Zeitläufte damals nahm. Schade! Denn ein "richtiger" SVT hat im Märklin-HO-Programm immer gefehlt. Es bedarf nur minimaler Verbesserungen um aus dem Prototyp von 1936 ein echtes Modell zu machen; eines, das sich hinsichtlich der Ansprüche der Modellbahner jener Zeit wohl locker genauso lange wie ein DT800, ST800 oder DL800 - und das waren reine Phantasiemodelle! - im Programm hätte halten können. Lediglich Drehgestellblenden, Lampeneinsätze und eine Scharfenbergkupplungsimitation und eine nicht ganz so starke Verkürzung sind notwendig um ein Modell entstehen zu lassen, das wunderbar mit SK800, 3089 oder 3023 optisch harmoniert hätte:


Bild


Und ein paar Jährchen, nachdem er vom RAm-TEE 3070/ 4070 aus unserem gedachten Märklin-Programm gekegelt worden war, erscheint er als roter VT04.5 im PRIMEX-Programm wieder - wo er als reiner Blechling mit dem Zugspitzbahntriebwagen und dem Berliner-S-Bahn-Zug in bester Gesellschaft gewesen wäre:


Bild



Bliebe da noch eine Farbvariante eines Triebwagens die sowas von naheliegend ist, dass ich mich bis heute frage warum diese keinen Eingang ins PRIMEX-Programm gefunden hat: Den Schienbus 3016/ 4018 als blau-weiße Schienenbusgarnitur der Reihe 5081 der ÖBB. Nun, bis ins PRIMEX-Programm ist er nie gekommen. Aber immerhin bis nach Etwashausen. Und auch da ist es sehr, sehr schön... ;-)

Grüße!

Christian
Zuletzt geändert von bahngarfield am Sa 26. Okt 2013, 21:01, insgesamt 2-mal geändert.


rei800
RegionalExpress (RE)
Beiträge: 53
Registriert: Fr 1. Mär 2013, 19:46
Nenngröße: H0
Stromart: analog AC
Steuerung: hundsgewöhnlicher Trafo
Gleise: BLECH
Wohnort: bei Zürich
Schweiz

Re: Reines Blech...

#17

Beitrag von rei800 » Mi 16. Okt 2013, 20:01

Hallo Christian,

wieder ein schöner blecherner Beitrag. So ein SVT wäre wirklich eine Nummer gewesen. Aber es hat nicht sollen sein.
Eine weitere VT Variante wäre mit etwas Aufwand machbar gewesen. Der ÖBB Triebwagen basiert ja auf dem VT 98 mit regulären Zug- und Stossvorrichtungen (Puffer und Schraubenkupplungen). So'n paar Puffer wären nicht das Problem und für den Beiwagen eben ein neues Blechchassis. muss man sich halt selbst behelfen. Vielleicht feiert ja ein Replika VT 98 bald fröhliche Urstände...


Gruss
Rei
LG
Rei800
_______
Blech und Guss bereitet mir nie Verdruss


klein.uhu
Trans Europ Express (TEE)
Beiträge: 9697
Registriert: Mo 30. Jan 2006, 20:24
Nenngröße: H0
Stromart: analog AC
Steuerung: mit Hand und Verstand
Deutschland

Re: Reines Blech...

#18

Beitrag von klein.uhu » Mi 16. Okt 2013, 22:26

Moin Christian,

Dich für Deine Beiträge hier zu loben ist wie Blech nach Göppingen tragen :D
Da fällt mir kein Lob mehr ein, nur noch ein Wort: danke !

Gruß klein.uhu
| : | ~ analog

Gruß von Bild klein.uhu
Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen. (Sokrates)
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Fantasie ist unbegrenzt. (Einstein)


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#19

Beitrag von bahngarfield » Mo 28. Okt 2013, 21:57

Hallo zusammen!

Versuchungen, wusste schon Oscar Wilde zu sagen, soll man immer nachgeben. Man weiß nie, ob sie wiederkommen.

So habe ich zwar ganz tapfer der Versuchung widerstanden alle möglichen auf 3016/4018-Basis möglichen Schienenbusvarianten - von GKB über Hersfelder Kreisbahn und uruguayanische Eisenbahn bis hin zum 797, wurscht ob auf Basis VT95 oder VT98 - bildlich zu realisieren. Aber dieser Versuchung, von Henning "HeVoSi" so wunderschön bildlich portraitiert, konnte ich doch nicht widerstehen. Bitteschön: Der 795 115 im "S-Bahn-Outfit" als Tagungs- und Bereisungswagen des S-Bahn-Neubauamtes Düsseldorf:


Bild


Äh, wie...? Der 795 115? Der war doch zuletzt in Radolfzell stationiert und im Dezember 1975 ausgemustert worden? Und der soll Jahre später als Bereisungswagen bei der S-Bahn-Düsseldorf gelaufen sein?

Natürlich alles Tünnef. Mein "795 115" ist in Wirklichkeit der 998 115. Aber sagt was ihr wollt - ich find' ihn hübsch. Nun seid nicht nachtragend. Und wer weiß - vielleicht bekommt der 998 115 ja noch irgendwann ein farblich passendes "Zugpferd"...

Grüße!

Christian
Zuletzt geändert von bahngarfield am Di 29. Okt 2013, 11:59, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar

MS 800
Regionalbahn (RB)
Beiträge: 48
Registriert: Mo 11. Mär 2013, 11:05
Nenngröße: H0
Stromart: AC
Wohnort: Ostwürttemberg
Tschad

Re: Reines Blech...

#20

Beitrag von MS 800 » Mo 28. Okt 2013, 22:49

Nun, immerhin hat es der 3016 unter der Nummer 3012 zum 798er ohne Puffer der Chiemgaubahn ins Primex-Programm geschafft. Warum denn auch nicht im ÖBB-Lack? :fool: Österreich hat er ja unter der Nummer 3140 als VT21+VS32 der Steiermärkischen Landesbahn im "normalen" Exportprogramm schon erreicht.

VlG

MS 800
Als Kinder haben wir uns am Fahrgeräusch der Züge auf dem Blechgleis erfreut, heute brauchen sie dazu Sounddecoder.


wolfgang58
Ehemaliger Benutzer

Re: Reines Blech...

#21

Beitrag von wolfgang58 » Di 29. Okt 2013, 01:35

Hallo,
dieses Fahrzeug ist einfach wunderschön.

Hoffentlich wird es in 10 Jahren nicht noch dazu eingesetzt, den Lichtraum in Stuttgart 21 und den umliegenden Tunnels zu testen :evil:


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#22

Beitrag von bahngarfield » Mi 30. Okt 2013, 12:12

Hallo zusammen!

Zum Abschluss des Triebwagenzyklus in Blech noch zwei, die es nicht in die Serienfertigung geschafft haben: Die - *hüstel* - bislang unbekannt gebliebenen Prototypen des EST 800 sowie des DST 800...


Bild


Bild


Für ein "Münchner Kindl" oder einen "Fliegenden Hamburger" dieser Fertigungsart würde ich Manches aus aktueller Produktion stehen lassen...

Grüße!

Christian

P.S.: Zur Umfrage zweiter Teil geht's übrigens hier.


Threadersteller
bahngarfield
InterCityExpress (ICE)
Beiträge: 2476
Registriert: Mi 5. Aug 2009, 20:05

Re: Reines Blech...

#23

Beitrag von bahngarfield » Fr 1. Nov 2013, 21:06

Hallo zusammen!

Untenstehend die vermutlich faulste Variante, zu einer S 10 zu kommen: P 8 mit Antrieb auf der ersten Kuppelachse!

Bild

Na gut, die Treibräder sind zu klein. Aber das sind sie bei der 3089, der 3094 und sogar der Schnabel-45er auch. Und mit ein paar passenden Preußen auf Basis des 4037 so wie dem hier...

Bild

...wäre das eine genauso schöne PRIMEX-Preußen-Packung geworden wie weiland der legendäre Orient-Express aus gleichem Hause..!

Mit augenzwinkernden Grüßen!

Christian

Benutzeravatar

Jerry
EuroCity (EC)
Beiträge: 1271
Registriert: Sa 28. Feb 2009, 13:38
Nenngröße: H0
Stromart: AC
Steuerung: 6021/6647
Gleise: M-Gleis
Wohnort: Plastic Planet
Kontaktdaten:

Re: Reines Blech...

#24

Beitrag von Jerry » Sa 2. Nov 2013, 04:02

Hallo Leute,

neben Lok- und Personenwagenneukonstruktionen im "alten Stil" wünsche ich mir auch Güterwagen solcher, also alter Machart. Diese überdetaillierten filigran Wagen aus neuerer Produktion passen stilistisch einfach nicht auf meine M-Gleise, und im "historischen Sortiment" fehlen mir einige reizvolle Vorbildwagen ... :|


Grüße

Jerry
Wenn Märklin Sünde ist Bild, dann will ich Sünder sein! Bild

HAG ist mehr als nur ein Kaffee ... Bild


Sequoiadendron
Ehemaliger Benutzer

Re: Reines Blech...

#25

Beitrag von Sequoiadendron » Sa 2. Nov 2013, 08:25

Hier ist auch ein schönes Beispiel für eine Retro Lok: http://item.mobileweb.ebay.de/viewitem? ... 0592778079
Br 191 aufgebaut auf 2 Fahrwerk der e63. Leider weiß ich nicht, woher der Aufbau stammt, vielleicht Jan hier ja einer aus dem Forum weiterhelfen.

Antworten

Zurück zu „Sammeln / Alte Modellbahnen“