Behandlung im BW - Untersuchungsgrube, Schlackenaufzug????

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stefankirner
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Behandlung im BW - Untersuchungsgrube, Schlackenaufzug????

#1

Beitrag von stefankirner » Mo 10. Nov 2008, 09:53

Hallo Experten,

um meine Behandlung richtig darzustellen habe ich ein paar Fragen.
Zur Erklärung, mein BW ist als mittel anzusehen. Neben einigen Tenderloks sind aber auch eiige Schlepptender (03, 18, 44, 55) beheimated.

1) Welche Funktion hatte die Untersuchungsgrube, die im Ablauf nach der Bekohlung, Wasser im Bereich der Entschlackung ist? Dient sie zur technischen Untersuchung oder nur um die Schlacke aufzunehmen?

2) Wie tief waren die Untersuchungsgruben. Muss eine Preiser aufrecht stehen können, oder war gebückte Haltung nötig?

3) Entschlackung: Wurde die Schlacke in die Grube geworfen oder rausgeschaufelt und neben das Gleis geworfen?

4) Der Vollmer Bausatz 5741, Entschlackungsaufzug, hat eine Grube aus der die Schlacke mittels des Wagens/Schlittens rausgezogen wurde. Wie war das in echt, hat man die in den Wagen geschaufelt oder war in der Grube eine Wasser Schlacke Gemisch?

5) Bei dem Vollmer Bausatz sind Schlacke Gruben dabei, die mit Holzbrettern eingefasst sind. Diese sind bis nahezu randvoll. Auch hier wieder die Frage wie geht das. Die Gruben kann man nur neben das Gleis stellen! Wurde die Schlacke da rüber geschaufelt oder gabe es zwischen dem Gleis eine Rutsch oder ähnliches.

Mir geht es in erster Linie ums Prinzip um das ganze möglicht sinnvoll darzustellen. Für einen Einbau ala B&K habe ich nicht den Platz.

Bin schon ganz gespannt auf Eure Antworten.

Danke und Grüße
Stefan
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Volker_MZ
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#2

Beitrag von Volker_MZ » Mo 10. Nov 2008, 11:06

Da man in diesem Forum nurmühsam zitieren kann, versuche das mal so stichwortartig zu beantorten. Die Grube an den wasserkränen war die Schlackengrube, auch Schlackensumpf genannt. Sie diente in der Tat ausschließlich dazu, die Schlacke aufzunehmen. Um die Schlacke da herauszubekommen, gab es diverse Möglichkeiten, von einem Arbeiter, der das Zeug mittels Schaufel nach oben beförderte, wo es dann ein anderer mittels Schaufel und Schubkarre aufnahme und wegbrachte, bis hin zu Schlackenkränen und Schlackenaufzügen. Häufig wren auf dem Boden der Grube auch Schienen eingelassen, auf den kleine Hunte rollen konnten, die wiederum entweder mittels Kran aus der Grube gehoben wurden, oder dazu dienten, die Schlacke zum Aufzug zu befördern. Ein freundlicher Lokführer entschlackte seine Lok also direkt über den Hunten, um dem Arbeiter das Schaufeln zu ersparen. Die heiße Schlacke wurde nach dem Entschlacken mit Wasser abgekühlt, dementsprechend sahen diese Hunte dann auch immer aus. Die Schlackegruben waren nicht sehr tief, da sie nicht dazu dienten, darin unter den Loks zu arbeiten (Untersuchungsgruben waren wesentlich tiefer, befanden sich aber in der Regel im Lokschuppen), dort, wo mit Hunten gearbeitet wurde, waren sie so tief, dass die Oberkante der Hunte knapp unter der Schienenoberkante lag, damit möglichst wenig Schlacke neben den Hunten landete.

Beim Vollmer-Schlackenaufzug scheint es sich in der Tat um ein Vorbild zu handeln, bei dem die Schlacke in der Grube in Kipploren landete, um dann in den Schlackenkübel des Aufzuges abgekippt zu werden. Dieser schlackenkübel wurde dann hochgezogen, und der Inhalt in einen, auf einem Parallelgleis hinter dem Sachlackenaufzug stehenden, offenen Güterwagen befördert.

Die kleinen Holzbansen im Bausatz sind Löschebansen, da kam die Asche aus der Rauchkammer hinein, die von einem Bw-Arbeiter mühsam herausgeschaufelt wurde ("Löscheziehen"). Die Lösche landete erstmal vor der Lok zwischen den Schienen, und wurde dann per Schubkarre zum Löschebansen befördert. "Dampflokromantik" sieht sicherlich anders aus... :wink:

Ich hoffe, das hilft dir jetzt erstmal etwas weiter, ansonsten müsstest du mal in eine der diversen Publikationen über Bahnbetriebswerke im Modell hineinschauen, da wird das dann noch tiefergehend erklärt, und meist auch mit Bildern und Zeichnungen veranschaulicht.

Gruß, Volker


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#3

Beitrag von stefankirner » Mo 10. Nov 2008, 21:33

Volker,

vielen Dank für Deine gute Erklärung.
Das hatte ich in den Eisenbahn Journal Sonderheften vermisst.

Was mich allerding noch irritiert, sind die Lösch Bansen meines Vollmer Bausatzes. Diese haben eine Einfassung aus Holzbohlen. War die Lösche denn nicht mehr heiß, sodaß die Bohlen weggeschmorrt wären?

Bezüglich des Schlackenaufzuges werde ich mal eine Grube mit Hunten bauen und den Aufzu anschließen. Ist zwar etwas aufwändig, aber wenns dannach stimmig ist solls mir Recht sein.

Grüße
Stefan
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Volker_MZ
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#4

Beitrag von Volker_MZ » Di 11. Nov 2008, 00:08

stefankirner hat geschrieben: Was mich allerding noch irritiert, sind die Lösch Bansen meines Vollmer Bausatzes. Diese haben eine Einfassung aus Holzbohlen. War die Lösche denn nicht mehr heiß, sodaß die Bohlen weggeschmorrt wären?
Die Lösche wurde ja erstmalaus der Rauchkammer herausgeschaufelt, und ag dann vor der Lok zwischen den Schienen, dabei ist sie dann schon abgekühlt, danach wurde sie dannin eine Schubkarre geschaufelt, und dann erst in den Löschebansen abgekippt, da war siedann nicht mehr allzu heiß. Außerdem sind Eisenbahnschwellen, zumindest bei der Staatsbahn, aus imprägniertem Buchenholz, das brennt nicht so leicht an.

Gruß, Volker


Multi

#5

Beitrag von Multi » Di 11. Nov 2008, 01:23

Hallo,
mal ein paar Bilder vom Bw Vohwinkel zum Thema:

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Rechts das Gleis zum Bekohlen der Dampfloks, links das Gleis, was im Zuge des Strukturwandels elektrifiziert wurde. Der ehemalige Kohlenbunker dient nun als Besandungsanlage. Genutzt wurde das Gleis von E-Loks, Dieselloks, Dampfloks ohne Bekohlung, Schienenbussen. Im Vordergrund eine Untersuchungsgrube.

Bild

Die Anordnung der Behandlungsanlagen im Überblick.

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Und in der Ausschnittsvergrößerung: Zuerst die Untersuchungsgruben, dazwischen wird die Lösche abgeworfen, dann der Schlackensumpf für zwei Gleise.

Bild

Hier sieht man, wie die Lok steht, so dass hinten entschlackt und vorne Lösche gezogen werden kann.

Bild

In der Verlängerung des Schlackensumpfes wurden Dieselloks und Schienenbusse betankt.

Bild

Und nach Besanden, Untersuchen, Löscheziehen, Entschlacken, (Betanken) jetzt noch Wassernehmen.

Bild

Zum Entfernen der Lösche und Ausbaggern des Schlackensumpfes diente der fahrbare Bekohlungskran über dem Kohlenwagengleis.

Gruß Dietmar

Edit am 20.02.2012:
Ich danke Ralf Büker für das Hochladen der Fotos und die Pflege der site; selbstverständlich hat er meine Einwilligung, die Fotos zu verwenden.
Grundsätzlich sind alle meine Eisenbahnfotos zur allgemeinen Verwendung freigegeben, sofern eine Quellen- bzw. Autorenangabe gemacht wird. Eine Rückfrage bei mir ist nicht erforderlich.
Zuletzt geändert von Multi am Mo 20. Feb 2012, 21:32, insgesamt 3-mal geändert.

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#6

Beitrag von Dupk » Di 11. Nov 2008, 08:31

Tolle Erklärungen und prima Bilder, so habe ich als Anfänger auch gleich was gelernt!

Gruss
Dirk

Edit: Danke!
Beste Grüße,
Dirk

[i]Märklin, Wechselstrom, C-Gleise, 1x CS2/2xMS,
In Arbeit: Anlage 3,20mx4,00m, Epoche III.
Tipps und Vorschläge sind jederzeit herzlich willkommen![/i]


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#7

Beitrag von stefankirner » Mi 12. Nov 2008, 10:30

Da kann ich mich Dirk nur anschließen!

Vielen Dank an Alle für die guten Beiträge!

Hat mir sehr geholfen.

Grüße
Stefan
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Ralf Büker
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Re: Behandlung im BW - Untersuchungsgrube, Schlackenaufzug??

#8

Beitrag von Ralf Büker » Mo 20. Feb 2012, 17:04

Hallo Modelbahner,
da die Bilder nicht mehr zu sehen waren habe ich Dietmar angeschrieben und angeboten wenn er keine Möglichkeit zum permanenten Hochladen hätte, dann könnte ich das für ihn erledigen.
Das mache ich hiermit dann auch gleich, denn diese Bilder sind wirklich beeindruckend und sehr lehrreich.

Wenn noch jemand welche auf Lager hat, immer her damit, ich lade die dann gegebenenfalls auf Wunsch auch hoch ...

Ich muss die Bilder nur noch in der richtigen Reihenfolge und dem richtigen Text zuordnen, wird in Kürze erledigt.

MfG
Ralf.

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Zum Entfernen der Lösche und Ausbaggern des Schlackensumpfes diente der fahrbare Bekohlungskran über dem Kohlenwagengleis.

Bild
In der Verlängerung des Schlackensumpfes wurden Dieselloks und Schienenbusse betankt.

Bild
Rechts das Gleis zum Bekohlen der Dampfloks, links das Gleis, was im Zuge des Strukturwandels elektrifiziert wurde. Der ehemalige Kohlenbunker dient nun als Besandungsanlage. Genutzt wurde das Gleis von E-Loks, Dieselloks, Dampfloks ohne Bekohlung, Schienenbussen. Im Vordergrund eine Untersuchungsgrube.

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Hier jetzt die Anordnung im Überblick: Zuerst die Untersuchungsgruben, dazwischen wird die Lösche abgeworfen, dann der Schlackensumpf für zwei Gleise.

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