Anlagenplanung - Grundlagen und FAQ

Bereich für alle Themen rund um die Planung von Modellbahnanlagen und Dioramen (alles, was in der Phase vor dem Rohbau an Themen anfällt).
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markstutz
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Anlagenplanung - Grundlagen und FAQ

#1

Beitrag von markstutz »

Vorwort

Gleisplanung ist ein sehr umfangreiches Thema. An kaum einem anderen Ort ihres Hobbys müssen Modelleisenbahner grössere Kompromisse eingehen, denn wo das Vorbild kilometerlange Anlagen gebaut hat, gilt es häufig, eine maximale Platzreduktion zu erreichen. Gleichzeitig soll aber ein realistischer Eindruck entstehen – eine grosse Herausforderung! Die folgenden Gedanken sollen gerade Einsteigern die wichtigsten Überlegung zu diesem Thema aufzeigen. Es gibt aber kein abschliessendes richtig oder falsch.

Anhand einiger Beispiele möchte ich kurz darlegen, welche grundsätzlichen Überlegungen im Zusammenhang mit einer Planung gemacht werden sollten. Die Zusammenstellung erhebt aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit - und vieles ist schlussendlich Geschmacksache.

Aufbau der Sammlung (Inhaltsverzeichnis)

Planerische Voraussetzungen
Anlagentypen und Bahnhofstypen
Raumplanung und Anlagenformen
Planung – endlich konkret!


Die ursprüngliche Idee für ein FAQ geht auf das H0-Modellbahnforum zurück. Dort habe ich in Zusammenarbeit mit anderen Forumsteilnehmern ein FAQ geschrieben, das noch etwas weiter geht als die folgenden Ausführungen. Die Diskussion zur Entstehung kann hier eingesehen werden: http://www.nexusboard.net/showthread.ph ... id=302582&
Wer das das Gleisplan-FAQ als PDF lesen möchte, klickt auf diese Grafik:
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Zuletzt geändert von markstutz am Mo 8. Mär 2010, 23:13, insgesamt 1-mal geändert.


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markstutz
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Planerische Voraussetzungen

#2

Beitrag von markstutz »

Planerische Voraussetzungen

Der Mensch setzt Grenzen

Beim Bau einer Modellbahn wird man einen stabilen Unterbau realisieren, der vielleicht sogar das Gewicht seines Erbauers trägt. So kann man während des Baus die Gleise verlegen, Berge bauen und ist irgendwann fertig. Nur dumm, wenn dann die Lok zwei Meter vom Anlagenrand entfernt entgleist und man nur mit grossem Landschaftsschaden den Fünf-Finger-Kran an Ort und Stelle bringen kann.

Das führt uns zur ersten, wichtigen Voraussetzung: eine Anlage muss so geplant werden, dass man die gesamte betriebliche Fläche vom Anlagenrand aus erreichen kann. Mit normalen Armen kann eine Distanz von 80 cm (im Maximum 100 cm) überwunden werden. Was weiter von einer Anlagenkante entfernt liegt, kann beim Hinlangen zu Schäden an Landschaft, Gebäuden und Oberleitung führen.

Das lässt sich am besten an Hand einer Zeichnung darstellen:

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Abb. 1 – Eingrifftiefe bei kleineren Anlagen

Bei kleineren Anlagen bietet sich die Möglichkeit von Rollen an den Füssen an - doch aufgepasst: auch bei offener Rahmenbauweise kommen da rasch so viele Kilos zusammen, dass entweder der Boden Gefahr läuft beschädigt zu werden, oder das Gewicht ein Rollen schlicht unmöglich macht. Was für Alternativen bieten sich daher an?


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Abb. 2 – Schmale Schenkel und Eingrifflöcher als Abhilfe

Zum einen sind Schenkel eine Möglichkeit, von beiden Seiten mit je 80 cm Eingrifftiefe die Breite auf 160 cm zu verdoppeln. Mehr zu den Schenkeln bei den Anlageformen weiter unten. Zum anderen können Eingriffslöcher die erreichbare Fläche ebenfalls vergrössern. Hier sollte aber peinlich darauf geachtet werden, dass man sich auch im Bereich des Unterbaus den Zugang frei hält.


Die Kurve kratzen (Mindestradien)

Die Normen Europäischer Modellbahnen (NEM) bilden die Grundlagen für alle Fahrzeuge, Gleisanlagen und auch Digital-Systeme im Zusammenhang mit Modellbahnen. Unter www.morop.eu findet man eine vollständige Liste aller gültigen Normen. Für uns interessant ist die NEM 111. Sie legt die Mindestradien für alle Spuren und Wagengruppen fest, gibt aber auch Empfehlungen ab:

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Abb. 3 - Mindestradien und Empfehlungen für versch. Einsatzgebiete

Eine kleine Bemerkung am Rande: beim Vorbild sind auf Nebenbahnen Radien von mindestens 180 m (= 2070 mm in H0) und auf Hauptbahnen von 300 m (= 3450 mm in H0) anzuwenden.

Wer schon einmal einen massstäblichen 26.4m-Wagen auf einem 360 mm Radius hat fahren sehen, weiss warum hier die NEM einen Mindestradius von 495 mm empfehlen. Kürzere Wagen und Loks sind natürlich weniger problematisch. Wichtig ist einfach: nicht alle Fahrzeuge schaffen den Mindestradius (zu Risiken und so weiter ... Packungsbeilage!)


Das Dilemma Mindestradius vs. Eingrifftiefe

Bei diesem Duell kann eigentlich keiner gewinnen. Bei 80 cm Eingrifftiefe ist in H0 nur der Mindestradius realisierbar, alles darüber geht allerhöchstens in einer Ecke bzw. auf einem Schenkel. Und dennoch gilt: je grösser der Radius, desto besser sieht ein Zug darauf aus (v.a. mit langen Wagen). Dazu eine kleine Skizze:


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Abb. 4 - Verschiedene Radien im Vergleich

ganz links: der Mindestradius 36 cm. Passt auf einen halben Quadratmeter, sieht aber höchstens mit kurzen Zweiachsern und einer BR 89 oder noch kleiner noch 'gut' aus. Die nächsten beiden Radien zeigen das Problem der Eingrifftiefe auf - da muss man schon von links dazu kommen, sonst geht das nicht. Eine mögliche Option ist ganz rechts dargestellt: die schwarzen, sichtbaren Gleise haben einen Radius von 60 cm, während die blauen Schienen mit 36 cm Radius im Tunnel versteckt werden.



Von Weichenwinkeln und -radien

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Abb. 5 - Unterschiedliche Gleissysteme im Vergleich

Im Prinzip ist mit der Skizze schon alles gesagt. Aber ich kann ja doch nicht aufs Maul sitzen... Die Wahl einer passenden Geometrie ist bei den Weichen ebenfalls mit einem Dilemma verbunden. Schlanke Weichen brauchen viel Platz, sehen aber besser aus als steile Weichen. Die wiederum ermöglichen mehr Nutzlänge auf gleicher Fläche. Hier kann wie oben beim Radius nicht ein Richtig und ein Falsch definiert werden. Aber vielleicht lohnt es sich, für die Optik auf ein zusätzliches Gleis zu verzichten, wenn man dafür die schlanken Weichen einsetzen kann?
Zuletzt geändert von markstutz am Mo 8. Mär 2010, 23:07, insgesamt 1-mal geändert.


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markstutz
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Anlagentypen und Bahnhofstypen

#3

Beitrag von markstutz »

Anlagentypen und Bahnhofstypen

Als ersten Anhaltspunkt möchte ich anhand einiger Gleispläne unterschiedliche Typen von Mo-dellbahnanlagen präsentieren. Diese Liste ist keinesfalls abschliessend zu verstehen.

Das klassische Oval
Im Bahnhof sind Zugkreuzungen möglich, neben dem Güterschuppen steht eine Holzrampe für Rangieraufgaben zur Verfügung. Auf sehr wenig Platz realisierbar, aber als Modellbahn sicher schnell nicht mehr spannend.

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch



Mehrzugs-Betrieb dank dem Schattenbahnhof
Durch einen verdeckten Bahnhof („Schattenbahnhof“) wird es nun möglich, Züge für eine gewisse Zeit verschwinden zu lassen und somit die weite Welt darzustellen.

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch



Die liegende Acht
Die Anlage ist als reine Fahranlage konzipiert. Hingegen ist es möglich, durch zwei Gleiswendel links und rechts an Tiefe zu gewinnen und dann „übers Kreuz“ einen Schattenbahnhof unter der Anlage zu planen, in der anderen Diagonale der Anlagenfläche.

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch



Der Endbahnhof (Out-and-back)
Ein Endbahnhof ist betrieblich aufwändiger als ein Durchgangsbahnhof, weil hier jeder Zug Kopf machen muss. Darüber hinaus kann auf einer Anlagenseite auf einen Halbkreis verzichten, womit sich Platz sparen lässt.

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch



Der Endbahnhof mit Fiddle Yard
Diese Variante zeigt eine Minimal-Anlage. Hier ist nur ein kleiner Endbahnhof dargestellt, dessen Landschaftsgestaltung links durch einen Damm und einer Strassenüberführung abgeschlossen wird. Dahinter liegt ein offener Abstellbahnhof mit beweglicher Schiebebühne („Fiddle Yard“).

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch



Trennungsbahnhof
Eine einspurige Strecke führt zu einem Trennungsbahnhof, von dem aus eine Stichstrecke einen kleinen Endbahnhof erreicht.

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch



Unterwegsbahnhof in Kopfform
Durch die Kopfform ist auch hier – wie beim Endbahnhof – mit einem erhöhten Rangieraufwand zu rechnen; Zeit seine schönen Lokomotiven beim langsamen Fahren zu beobachten.

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Bild = Link zu einer detaillierten Beschreibung auf gleisplan.ch


Schattenbahnhöfe und Fiddle Yards


Eine Modellbahn stellt nur einen Ausschnitt einer Landschaft dar. Das gilt natürlich auch für die Eisenbahn darauf. Die Züge müssen also von irgendwo her kommen und auch wieder irgendwo hin fahren können. Diese Rolle des Irgendwo oder der 'weiten Welt' übernehmen für gewöhnlich die verdeckten Schattenbahnhöfe oder die offen aufgebauten Fiddle Yards.

Typ 1 - Schatten-Durchgangsbahnhof

Quasi das Gegenstück zum Durchgangsbahnhof im sichtbaren Bereich. Beim gezeichten Beispiel ist die Erreichbarkeit problematisch, d.h. es ist zu prüfen, ob der Schattenbahnhof z.B. mit Gleiswendeln so viel tiefer gelegt werden kann, dass man unter der Anlage eingreifen kann. Sonst wäre ein Schattenbahnhof an der vorderen Anlagenkante zweckmässiger. Für Realitätsfanatiker ist der Durchgangs-Schattenbahnhof natürlich ein Graus: hier verlässt der Zug den sichtbaren Bereich in eine andere Richtung als aus der er sie erreicht hat. (Stichwort: Kreisverkehr)

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Abb. 8 - Typ 1 - Schatten-Durchgangsbahnhof

Typ 2 - Schatten-Endbahnhof

Mit einem Schattenbahnhof in Kopfform schafft man sich unter Tage noch einmal die gleichen betrieblichen Aufgaben, die ein Kopfbahnhof schon über Tage mit sich bringt. Dafür ist hier ein richtiger von-nach-Betrieb möglich, bei dem der Zug nicht nur aus der gleichen Richtung wieder kommt, in die er verschwunden ist - noch besser: seine Wagenreihung bleibt korrekt (Einreihung des Packwagens).

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Abb. 8 - Typ 2 - Schatten-Endbahnhof

Kehrschleifen und mehrere Schattenbahnhöfe

Bisher noch ohne grafische Darstellung, aber dennoch interessant sind die Kehrschleifen. Hier wird ein Zug komplett gewendet, so dass die Wagenreihung beim neuerlichen Auftauchen aus der gleichen Richtung geändert ist. Wer darüber hinwegsehen kann, spart sich mit einer Kehrschleife das Umsetzen der Lok im Schatten-Endbahnhof. Bitte beachten: Kehrschleifen können einen Kurzschluss verursachen, bitte bei Gleichstrom-Anlagen beachten!

Fiddle Yard

Der Fiddle Yard liegt, im Gegensatz zum Schattenbahnhof, nicht "versteckt". to fiddle heisst denn auch fummeln, was vor allem im englischsprachigen Raum gerne gemacht wird. Er besteht meist aus mehreren Gleisen, die an einer Seite enden. Ein Fiddle Yard liegt meist neben der eigentlichen Anlage offen sichtbar, um ihn gut zu erreichen. Dort können dann auch Züge herausgenommen und wieder eingesetzt werden, was bei einem Schattenbahnhof nicht möglich ist.
Zuletzt geändert von markstutz am Mo 8. Mär 2010, 23:49, insgesamt 2-mal geändert.


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markstutz
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Raumplanung und Anlagenformen

#4

Beitrag von markstutz »

Raumplanung und Anlagenformen

Anlageformen
Anhand eines "normalen" Modellbahnzimmers werden die verschiedenen Formen für die Planung von Modellbahnanlagen gezeigt:

Das Rechteck
Die Anlage ist von allen Seiten zugänglich, die Raumnutzung ist aber sehr schlecht.

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Das Rechteck an der Wand
Der Raum ist so nicht vollständig durch die Modellbahn belegt, aber die Zugänglichkeit nimmt stark ab.

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Die L-förmige Anlage
Durch die Aufteilung auf zwei Schenkel wird die optische "Weite" der Anlage vergrössert. Die realistische Gestaltung von längeren Gleisabschnitten ist gegenüber der Rechteckanlage besser möglich.

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Die U-förmige Anlage
Für einen noch längeren Horizont ist die U-Form zu wählen. So können auch z.B. zwei Endbahnhöfe im "Punkt-zu-Punkt"-Betrieb gebaut werden, die dann von zwei Spielern zu bedienen sind.

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An der Wand entlang
Auffälligstes Merkmal solcher Anlagen ist die häufig reduzierte Tiefe. Es soll vor allem eine lange Fahrzeit auf möglichst grosszügigen Radien möglich sein. Diese Anlagenform lässt sich auch gut in ein offenes Gestell einbauen.


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Die E-förmige Anlage
Für diese Raumgrösse nicht zu empfehlen, aber für grössere Räume eine Möglichkeit, thematisch unterschiedliche Räume (Bahnhof/Industrie/Hafen etc.) optisch und betrieblich zu trennen.

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Praktische Raumplanung – ein Beispiel

Wer eine Anlage plant und einen Raum oder Teile eines Raumes zur Verfügung hat, muss sich in einem ersten Schritt Gedanken über die mögliche Anlagengrösse machen. Wie das geht, sei hier an einem Beispiel gezeigt: Die Kinder sind ausgeflogen, aus einem Kinderzimmer wurde ein Gästezimmer. Das Bett und das dazugehörige Möbel (Kasten, Kommode etc.) benötigen aber nicht den ganzen Raum - es bleibt also endlich Platz für die Modellbahn!

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Nun müssen gewisse Bedingungen eingehalten werden, damit der Planungspass nicht getrübt wird. Für den Bau und den Betrieb ist genügend Abstand zwischen der Anlage und anderen Elementen im Raum einzuplanen - 60 cm sind das absolute Minimum, mehr ist auf alle Fälle wünschenswert. Zwei Personen können auf dieser Fläche aber nicht mehr problemlos kreuzen!

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Die grüne Fläche deutet an, wie weit man bequem zum Bau und zur späteren Bedienung bequem eingreifen kann. Mit 80 cm ist dieser Wert so gewählt, dass man problemlos eingrei-fen kann. Hintere Bereiche sind, wenn überhaupt, nur während des Baus erreichbar. Die nicht erreichbare Fläche ist hier noch sehr gross, verlorener Platz also. Das lässt sich aber ändern:

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Mit einer Nische in der Längsseite gegenüber dem Fenster kann der erreichbare Raum deutlich vergrössert werden! Was nun noch "unerreichbar" im Hintergrund liegt, ist ja nur etwas weiter als 80 cm vom Anlagenrand entfernt & kann so auch noch bearbeitet werden. Es sollten allerdings nach Abschluss der Bauarbeiten keine unnötigen Eingriffe mehr nötig sein.

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Da nun die Fläche festgelegt ist, kann man die maximal möglichen Radien ausprobieren. Auf diesen aufbauend folgt dann die Gleisplanung. Hier tut man gut daran, sich nicht auf minimale Radien zu beschränken, sondern möglichst grosszügig zu planen. Lieber den Unterbau noch einmal überdenken, als sich später darüber ärgern, dass gewisse Fahrzeuge auf einem Radius von nur 360 mm nicht fahren können! Besonders dann, wenn Bögen von aussen betrachtet werden, fällt der unmassstäbliche Kurvenverlauf durch die weit auseinander klaffenden Wagenenden auf. Also sollten Aussenbögen noch eine Spur grösser gewählt werden als Bögen, die man von der Innenseite betrachtet. Damit sind nun die Vorgaben für die Gleisplanung gemacht. In einem nächsten Schritt geht es nun um die konkrete Planung einer Modellbahn – und die Frage, was man dabei alles so beachten sollte.


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markstutz
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Planung – endlich konkret!

#5

Beitrag von markstutz »

Planung – endlich konkret!

Eine Beispiel-Planung
Anhand des Beispielraumes des letzten Kapitels möchte ich nun aufzeigen, wie eine konkrete Planung ablaufen könnte. Wichtig: es handelt sich dabei um eine Möglichkeit, jeder Modellbahner wird seinen eigenen Stil und Weg finden und der Plan ist als Vorschlag, nicht als fertige Anleitung gedacht.

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Grösse und Form der Anlage sind bekannt und im Rahmen der Raumplanung habe ich mit verschiedenen Minimalradien überprüft, in welcher Form eine Streckenführung möglich wäre. Ich habe dabei den unerreichbaren (dunklen) Bereich bewusst nicht eingeplant. Die Aussenkurve im linken Schenkel ist optisch nicht optimal (Wagen-Übergänge werden gegen den Betrachter geöffnet), aber mit einem Mindestradius von 70 cm (blau) dürfte sich dieser Effekt nicht allzu störend auswirken.
In der Zwischenzeit habe ich mir Gedanken zu den Fragen der vorangehenden Seite gemacht. Auf meiner Anlage möchte ich eine fiktive Nebenbahn in den 70er Jahren (Epoche IV) darstellen. Der rechte Anlangenschenkel bietet sich förmlich für einen Endbahnhof an; alternativ wäre auch ein Zwischenbahnhof in Kopfform denkbar, so dass zwei Strecken zum Bahnhof führen. Da ich die Anlage für einen bis maximal zwei Spieler und mit einigen zusätzlichen Betriebsstellen planen möchte, entscheide ich mich für einen Endbahnhof. Die konkreten Masse für die Beispielanlage ergeben sich aus dem zur Verfügung stehenden Raum und der gewählten Eingriffgrenze von 80 cm.

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Als Erinnerung: der dunkelgrüne Bereich ist nicht erreichbar. Es ist denkbar, in diesem Bereich einen Anlagenabschluss in Form einer Kulisse zu planen. Aufgrund der Masse erstelle ich nun eine Datei in einem Gleisplanungsprogramm; wer lieber von Hand zeichnet, wird sich die Grundform der Anlage im Massstab 1:10 aufzeichnen. Dort kann dann mit den gewünschten Mindestradien die mögliche Lage von Kurven ausprobiert werden. Die erste Skizze umfasst nur eine mögliche Streckenführung. Dabei sind die wichtigsten Punkte zu kontrollieren:
- Abstände der Strecke zur Anlagenkante (Gestaltung des Randes, Absturzgefahr)
- Gegenbögen vermeiden
- Keine zur Anlagenkante parallele Geraden
- Aussenbögen (optische Wirkung)

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Fazit: Die Streckenführung muss noch korrigiert werden! Der Abstand der Bogen im linken Schenkel muss erhöht werden. Dazu kann ich im Einschnitt in der Mitte die Kante etwas schräg legen, weil die Einschränkung der Eingrifftiefe dort nicht stört. Nun folgt die detailierte Gleisplanung. Der fiktive Endbahnhof soll über drei durchgehende Gleise verfügen: ein Bahnsteiggleis am Hausbahnsteig, ein Aufstellgleis für Güterwagen (mit Hilfsbahnsteig) und ein Verkehrsgleis. Dazu sollen ein Rampengleis für eine kombinierte Kopf- und Seitenrampe, ein Güterschuppengleis und ein Lokschuppengleis kommen. Das ist meine „Minimalkonfiguration“, die ich umzusetzen versuche:

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Die Lage des Bahnhofes scheint in Ordnung, aber die Nutzlänge der Gleise ist noch sehr knapp bemessen. Bis zu den Grenzzeichen belegte Gleise sind selten und sehen zu dicht gedrängt aus. Es wäre also wünschenswert, wenn die Gleislängen erhöht werden könnten. Die Strecke im mittleren Abschnitt der Anlage wirkt noch ziemlich steif. Hier müsste entweder mit einem Flexgleis ein sehr grosszügiger Bogen gebaut oder mit zusätzlichen Elementen eine optische Ablenkung ermöglicht werden. Doch versuchen wir erst, die Gleislängen zu erhöhen:

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Für die optische Wirkung der Anlage sind die Bogenweichen ein Gewinn! Es gilt allerdings aufzu-passen: gerade „enge“ Bogenweichen der kleinen Radien sind häufig nicht durchgehend im Bogen gelegt, sondern aus einer Geraden und zwei versetzten, aber vom Radius identischen Bögen gebildet. Die hier verwendeten Bogenweichen stammen, wie alle Weichen und die DKW aus dem Gleisprogramm „RocoLine ohne Bettung“ von Roco. Der Winkel beträgt 15°, hier wähle ich die steileren Weichen um den Platz besser nützen zu können. Die Bogenweichen entsprechen den Radien R9/10 und R5/6.

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Da ich persönlich ein grosser Freund des intensiven Rangierbetriebes bin, wünsche ich mir für diese kleine Anlage noch zusätzliche Betriebsstellen. Im mittleren Teil würde ein abzweigendes Gleis die etwas steife Geometrie kaschieren. Zum anderen wäre ein Anschlussgleis auf der Strecke ein betrieblich besonders Schmankerl: eine solche Weiche wäre mit einem Schloss gesichert. Der Schlüssel ist im Fahrdienstbüro des Endbahnhofes aufbewahrt. Die Strecke muss für die Sperrfahrt von den Fahrdienstleitern beider angrenzenden Bahnhöfe gesperrt werden (daher auch der Name Sperrfahrt). Nun fährt eine Sperrfahrt auf die Strecke und kann mit dem Schlüssel die Weiche freigeben, um so die Holzrampe zu erreichen. Der Schlüssel kann nur in Grundstellung der Weiche (Durchfahrt für die Strecke) abgezogen werden. Anschliessend schliesst der Rangierleiter die Sperrfahrt ein und meldet die Grundstellung der Weiche dem Fahrdienstleiter – oder die Sperrfahrt kehrt unmittelbar nach der Zustellung der Wagen wieder in den Bahnhof zurück. Diesmal wird der Fahrdienstleiter die Erlaubnis zur Einfahrt mit dem Einfahrsignal geben. Wenn die Sperrfahrt wieder im Bahnhof eingetroffen ist, wird der Fahrdienstleiter die Sperrfahrt wieder abmelden und die Strecke ist wieder befahrbar.

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Nun ist die grundsätzliche Geometrie der Anlage geplant. Empfehlenswert ist nun ein provisorisches Auslegen der Gleise, besonders im Bereich des Bahnhofes. Alternativ kann auch ein Gleisplan 1:1 ausgedruckt und als Stellprobe die gewünschten Fahrzeuge bzw. Zugskompositionen darauf in Augenschein genommen werden. Je nach gewünschtem Realismus-Grad kann man sich nun einen Fahrplan erstellen, das geschätzte Güteraufkommen berechnen und auf dieser Grundlage auch für den Güterverkehr eine Planung (Anzahl empfangener/versandter Wagen) erstellen. Dies zu erläutern führte allerdings zu weit – ich möchte lieber noch einen Alternative zum Endbahnhof darstellen. Wenn der Bahnhof nicht End-, sondern Zwischenbahnhof in Kopfform ist, dann erhöht sich natürlich die Zahl der möglichen Fahrten rapide.

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Es sind nun Zugskreuzungen und sogar Überholungen denkbar, die im Bahnhof stattfinden. Dazu kommt bei lokbespannten Zügen auch immer noch das Umstellen des Zugfahrzeuges – da kommt Leben auf die Anlage.

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