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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#1 von acecat , 23.05.2018 19:24

Hallo,

vor einigen Jahren fand ich ein Video, welches aber mittlerweile aus urheberrechtlichen Gründen (GEMA und Musik) gesperrt ist. Gegenstand des Gezeigten war eine ziemlich einfache und effektive, aber auch im ersten Moment recht haarsträubend wirkende Methode zum Patinieren von Güterwagen. Nach einigen Jahren bastlerischer Abstinenz in Sachen "Dreckigmachen" erinnerte ich mich an das Video und testete das dort beschriebene Verfahren, weil mir ein Teil meiner mit Pulverfarben gealterten Güterwagen nicht mehr gefielen. Bei dieser Gelegenheit nahm ich mir auch ein paar Schachtelwagen vor, deren Plastikglanz mich allmählich ärgerte. Ich werde mit einem Güterwagen ex box (aus der Schachtel) beginnen. Wie so einer aussieht muss ich wohl nicht näher besprechen, weil dieser bedauernswerte Zustand jedem geläufig sein sollte. Trotzdem mal ein Bild von so einem Kandidaten.



Nach dem Zerlegen in seine Bauteile zeigt sich exemplarisch dann in etwa folgendes Bild:



Das Zerlegen der Wagen zur Bearbeitung hat den Vorteil, dass die Achsen, KKK und Kupplungen nach dieser nicht gereinigt werden müssen. Zudem lassen sich einige Teile im Laufe des Prozederes besser handhaben, sollte etwas auf Anhieb nicht gelingen wollen. Besonders glatte Dächer wollen manchmal nicht sofort mitspielen, weshalb man sie öfter behandeln oder auch einmal komplett reinigen muss. Eine Grundierung mittels Mattlack kann bei glatten Flächen ebenso hilfreich sein wie eine Vorbehandlung mit Puderfarben. Hier mal ein paar Wagen, die nach einer verunglückten Patinierung mit Puderfarben wieder ansehnlich wurden.







Beim letzten Wagen verunglückte ein Versuch mit Mattlack, der nach dem Trocknen den Plastikglanz noch verstärkte.

Nachdem ich euch mit den Bildern hoffentlich die Angst etwas nehmen konnte, komme ich nun zu den nötigen Utensilien:
- ein größeres Würstchenglas
- ein Paar Fünffachkondome (Einweghandschuhe)
- Servietten von der Rolle (Küchentücher)
- schwarze Abtönfarbe
- braune Abtönfarbe
- einen Spritzer Spülmittel
- nicht aggressives Universallösungsmittel (Wasser)
- ein Kalt-/Warmluftgebläse (Fön)
- Greifwerkzeug (Pinzette oder Klemmpinzette)
- Küchenspüle

Vorbereitungen:
Abtönfarbe beider Couleur in ein leeres Würstchenglas geben, einen Spritzer Spülmittel hinzu und mit Wasser auffüllen. Deckel auf das Würstchenglas draufschrauben, dann gut durchschütteln. Die Bläschenbildung ist unkritisch. Das Mischungsverhältnis der Farben erfolgt nach eigenem Gusto, sollte aber im Bereich von dunklem Umbra bzw. altem Gummi (Referenz ist z.B. der Farbton "Rubber" von Modelmaster) liegen. Der Wasseranteil ist im ersten Moment egal, weil dieser sich sowieso ständig verändern wird, wenn man mehrere Wagen bearbeitet. Ein Nachmischen während der Verarbeitung relativiert das Mischungsverhältnis ohnehin, weshalb hier ziemlich zwanglos herangegangen werden kann.
Als nächstes drappieren wir den Fön in der Nähe der Küchenspüle, weil wir ihn gerade dort benötigen werden. Das Küchenpapier reißen wir in Streifen von 5-6 Blättern ab und legen diese auf die Größe eines Blattes zusammen. Dann suppt die Alterungsbrühe nicht sofort auf die Arbeitsplatte durch, wenn wir die Wagenteile zum Abtropfen ablegen. Zudem spart es eine Menge Zeit und Aufwand, wenn wir Mutti's Küche am Ende wieder sauber verlassen wollen. Aufgrund der Wasserverdünnbarkeit der Lösung lässt sich auch das Spülbecken schnell wieder reinigen, was Dissonanzen mit Mutti auf ein Minimum begrenzt.

Verfahrensweise:
Wir nehmen das Würstchenglas und schrauben den Deckel ab.



Tunken dann Wagenkasten, Fahrwerk und Dach hinein.







Dann abtropfen lassen und trockenpusten. Der Fön wird dabei mal auf kalt, mal auf mäßige Wärme geschaltet. Schließlich sollen sich die Teile nicht verziehen, was bei zu großer Wärmezufuhr zu einem Problem werden könnte.

Bei Bedarf wiederholen wir die Schritte bei den jeweiligen Teilen, an denen uns der gewünschte Grad der Verwitterung noch nicht zusagt.

Der Entwickler dieser Methode (Big Al Mayo von Monsterrailroad) gab ihr den Namen Weather dippin'.

Lieben Gruß

acecat


Ich muss wohl irgendwie kaputt sein.
Nie funktioniere ich so, wie andere es gern hätten.


HSB hat sich bedankt!
 
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#2 von Volvivo , 23.05.2018 21:42

Ja Servus,

das ja mal ne einfache Methode. Die werde ich am Wochenende gleich mal testen.

Danke für die Regieanweisung 👍


Gruß aus Niederbayern
Michael

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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#3 von Elokfahrer160 , 23.05.2018 21:54

Moin,

prima Methode, das kommt ja noch vor der Airbrush Spritzpistole. Das probieren wir mal aus, wenn unsere " Mutti " (meine bessere Hälfte)
auf ihr nächstes Mädels Wochenende fährt , da habe ich genug Zeit zum Küche - Putzen.

Gruss - Elokfahrer160


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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#4 von Jochen53 , 24.05.2018 07:59

Hallo,
vielen Dank für die ausführliche Schilderung dieser wirklich verblüffend einfachen Methode. Sie hat sogar den Vorteil, daß sie sich bei Nichtgefallen jederzeit mit Spülmittel, warmem Wasser und Borstenpinsel wieder rückgängig machen läßt.
Viele Grüße, Jochen.


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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#5 von acecat , 24.05.2018 08:03

Naja, so ganz rückstandslos geht das nicht wieder runter. Aber man hat die Möglichkeit zur Korrektur, wenn mal etwas zu schlimm werden sollte. Mit der Patinabrühe kann man aber auch prima Akzente setzen. Das werde ich aber auch noch zeigen.


Ich muss wohl irgendwie kaputt sein.
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#6 von hans_g , 24.05.2018 13:32

Hallo,

auf die Idee mit der "Tauchlackierung" bin ich noch nicht gekommen, finde ich klasse und werd's mal selbst probieren.
Meine Gebäude patentiere ich seit Jahren mit solch angesetzten Schmutzbrühen in verschiedenen Schmutz/Farbtönen unter Zuhilfenahme von Pinseln und Lappen. Das nimmt jeden Plastikglanz und gut sieht es auch noch aus.


Grüße aus dem Kölner Süden, Hans

Hier bin ich aktiv: http://www.mbf-suerth.de


 
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#7 von Heichtl , 24.05.2018 19:07

Servus beieinander,

Danke an den Threadsteller für die Info und Beschreibung zu dieser Methode!

Musste das gleich ausprobieren und möchte mein Ergebnis euch zeigen:

vorher:


nachher:



Ging schnell und einfach
Und Handschuhe sind definitiv von Vorteil, sonst wäscht man sich die Hände zu tode

In diesem Sinne

Gruß
Matthias


M-Gleis. Es gibt viel Neues und Besseres, aber was kann Kindheitsträume ersetzen?
Vielleicht K-Gleis, iTrain4, Ecos2? => Heichtlingen


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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#8 von Miraculus , 24.05.2018 19:53

Hallo acecat,
kurz und knapp

Einfach und effektiv.

Gruß


Peter

Anlage im Bau: Baubericht! "Klostermühl 1.0 - Neuordnung im Oberstübchen"

Unter: https://www.stummiforum.de/viewtopic.php?f=15&t=165487

Frei nach F. Gump: "Die Moba ist wie eine Pralinenschachtel. Du weißt nie.. "


 
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#9 von Domapi , 24.05.2018 19:56

Also mal ganz ehrlich: diese Brachial-Patiniermethode würde ich niemals auf meine Modelle loslassen.


Insbesondere bei geschlossenen Güterwagen ist dieser quick&dirty-Ansatz komplett unsinnig. Aus dem schlecht zugänglichen Wageninneren bekommt man den Dreck nie wieder vernünftig raus. Und warum sollte man den Wagenunterboden patinieren? Den sieht sowieso niemand.

Da versaue ich die Wagen lieber mit dem Pinsel und Dreckbrühe. Anschließend mit einem Lappen abgewischt oder abgetupft, liefert ein gutes Start-Ergebnis.

Selbstverständlich ist das nur der Anfang. Weiter gehts mit Granieren, um die Kanten zu betonen, und dem gezielten Einfärben mit Rosttönen etc.


Viele Grüße
Martin

Mein noch namenloser Trennungsbahnhof: viewtopic.php?f=64&t=152275


 
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#10 von Mercutius , 24.05.2018 23:05

Ich glaube diese Tauchbadmethode könnte ein guter Start zu einer schönen Patinierung werden, werde ich auch mal ausprobieren! Danke für's Teilen!


Mein AW:
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Kleines Photodiorama im bau:
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#11 von Meteor , 24.05.2018 23:36

Interessante Idee. Bei den Wagenkästen mit den Bretterfugen und den Ecken und Kanten der Profile wirkt das auch ganz gut, bei den Fahrwerken und Dächern ist es mir zu unspezifisch. Und ich denke auch es ist eher schlecht zu steuern. Aber um einen ganzen Zug oder Fuhrpark in kurzer Zeit zu behandeln, kann das eine gute Basis sein.

Wenn anschließend von hand noch ein paar Akzente gesetzt werden - hm, ich denke ich versuch es mal gelegentlich mit ein paar alten Wagen.


Mit freundlichem Gruß

Stefan

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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#12 von CZP ( gelöscht ) , 25.05.2018 08:54

Guten Morgen zusammen,
da bin ich doch über ein sehr interessantes Thema gestolpert.
Also direkt in den Keller, einmal Plörre ansetzen und ausprobieren.

vorher


nach zwei "Tauchgängen", noch ein wenig nass


Da diese Methode auch wohl ziemlich einfach wieder zu entfernen ist, werde ich nach dem vollständigen trocknen alles mit Haarspray matt einnebeln und die Prozedur wiederholen. Als Basis Patina einfach super.
Und mischt man das ganze in einem Eimer an, kann man direkt ganze Gebäude damit "entglanzen"

Gruß
Chris


CZP

RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#13 von acecat , 25.05.2018 10:23

Und schon geht es mit einigen Tricks und Kniffen weiter.
Einige haben ja Angst, dass beim Patinieren etwas daneben gehen kann. Unfälle beim Ausprobieren unbekannter Verfahren passieren auch mir manchmal. Ist aber nicht schlimm. Vieles lässt sich retten. Mein letztes "Unfallopfer" war ein Roco G10, bei dem das Fahrwerk plötzlich etwas zu bunt wurde. Vorgestellt hatte ich mir ein paar Akzente. Heraus kam eine mittlere Katastrophe. Also war Abhilfe dringend angezeigt.



Nach der Behandlung mit der Weather Dippin' Methode war von dem Unglück nicht mehr viel zu sehen.



Bei der Gelegenheit zog ich mit dem Pinsel auch gleich mal die Verstrebungen des Wagenkastens mit derselben Patinabrühe nach. Das Ergebnis kann sich jetzt wieder sehen lassen.


Ich muss wohl irgendwie kaputt sein.
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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#14 von Elokfahrer160 , 25.05.2018 14:33

Moin,

und ich würde es mal mit einem Faller Bausatz , einem Backstein-Stellwerk ausprobieren, damit lassen sich doch auch Gebäude Einzelteile
patinieren , nur die Glasscheiben erst mal später einkleben.

Vielen Dank für diese Tipps, gefällt mir gut.

Elokfahrer 160 / Rainer


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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#15 von Erich Müller , 08.08.2018 16:22

Hallo,

hier setze ich doch gleich ein Lesezeichen!


Freundliche Grüße
Erich

„Es hat nie einen Mann gegeben, der für die Behandlung von Einzelheiten so begabt gewesen wäre. Wenn er sich mit den kleinsten Dingen abgab, so tat er das in der Überzeugung, daß ihre Vielheit die großen zuwege bringt.“
Friedrich II. über Fr. Wilhelm I.


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RE: Patinieren von Güterwagen einmal anders

#16 von Brumfda , 16.01.2021 12:55

Moin Ejskätt !

Cheerio Miss Sophie und frohes Neues!
Ist ein wenig her seit Deinem letzten Post. Aber gibt es was neues?
Wäre gespannt auf neue Bilder!

Flauschige Grüße, Fe lix


Flauschigfluffige Grüße, Felix



BR 103 in türkis (fiktive was wäre wenn Bahn): Die Zusammenfassung der über 430 Seiten und Sortierung nach Themen mit Inhaltsverzeichnis
103 in Türkis Zusammenfassung Inhaltsverzeichnis und Vorwort

Loks und Züge, die es niemals gab, aber teils geplant waren:
https://stummiforum.de/viewtopic.php?f=2...844365#p1844365

Mein Modul mit Naturmaterialien:
https://stummiforum.de/viewtopic.php?p=2024824#p2024824

DR V270, die geplante dieselelektrische Lok, die nie gebaut wurde. Außer hier:
RE: Umbau V200 BR 220 zur sechsachsigen dieselelektrischen nie umgesetzten DR V270


 
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