RE: K-Gleis Weichen eingeschottert & mit Servo-Antrieb

#1 von Pickelbahner70 , 09.11.2019 18:59

Da ich die Märklin K-Gleise meiner gerade entstehenden Anlage einschottern möchte, auch die Weichen , und mit der Zuverlässigkeit des Original-Magnetspulen-Antriebs von Märklin überhaupt nicht zufrieden war , habe ich die schmalen K-Gleis Weichen etwas umgebaut und mit einem Servo-Antrieb versehen.

Anfangen möchte ich mit dem Ergebnis, das meiner Ansicht nach zeigt, dass man die Märklin Weichen optisch vernünftig einschottern und trotzdem absolut sicher betreiben kann:

Kurzes Video der Funktionsprüfung:



Hier die Umbauanleitung:

Zunächst habe ich mit einer Minibohrmaschine und Diamanttrennscheibe vorsichtig den dünnen Blechsteg abgetrennt, der den Mitnehmer der Weichenzungen abdeckt (rote Pfeile). Danach das dünne Plastikgestänge entfernt, das bisher die Weiche betätigt hat und eingeschottert definitiv nicht funktionieren würde...


Dann habe ich die Weiche optisch etwas aufgepimpt; die breiten Abdeckungen seitlich der Weiche aufgefräst und die Schienenflanken mit Rostfarbe bemalt:


Die Gleise habe ich auf eine 1mm Korkplatte geklebt und mit Steinschotter eingeschottert. Fixiert habe ich den Schotter mit dauerelastischem Kleber von Weinert; gemischt mit etwa doppelt so viel Wasser und einem Tropfen Spülmittel.

Unterhalb der Weiche, oder genauer dem Mitnehmer, habe ich ein Langloch in der Anlagenplatte angelegt.
Darunter sitzt ein Servo (ESU).
Am Servoarm habe ich in den Stelldraht in U-Form mit Heißkleber angeklebt, der nun wie ein Fingernagel von unten in die Aussparung des Mitnehmers greift und absolut sicher die Weiche betätigt:


Bisher habe ich vier Weichen in dieser Form umgebaut und testweise einige Wochen betrieben; bisher ohne Schäden oder Schaltungsfehler...


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Jörg

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RE: K-Gleis Weichen eingeschottert & mit Servo-Antrieb

#2 von Pickelbahner70 , 11.11.2019 19:55

1. Ergänzung – Abtrennen des Blechstegs
Beim Abtrennen des Blechstegs muss sorgfältig darauf geachtet werden den direkt darunter befindlichen dünnen Mitnehmer aus Kunststoff nicht zu beschädigen.
Bei der ersten Weiche hatte sich der Mitnehmer, trotz vieler Pausen beim Trennen um die Sägetiefe zu kontrollieren, thermisch verformt und bei den ersten Betätigungen etwas gehakelt. Erst mit gutem Zureden ist er nun wieder leichtgängig beweglich.
Darum habe ich daraufhin die nächsten Weichen beim Trennen in ein Wasserbad gelegt (Brotzeitdose der Kinder mit 5-10mm Wasser befüllt), so dass die Wärme (des beim ersten Sägeversuch kurzfristig rotglühenden Blechstegs) besser abgeführt werden kann.
Aufpassen den Mitnehmer nicht mit abzusägen muss man trotzdem natürlich immer noch

2. Ergänzung – Schottern der Weiche
Um keine Probleme mit losen Steinchen zu bekommen und nicht die Mechanik der Weiche mit Leim zu beschädigen habe ich die Weichen dreistufig geschottert:

Grüner Bereich - „normales Einschottern“: Schotter mit Teelöffel anhäufeln, mit Pinsel verteilen, mit einer Spritzflasche und entspanntem Wasser (1 Tropfen Spülmittel) einnässen, dann mit Spritze dauerelastischem Kleber von Weinert (1 Anteil) und entspanntes Wasser (1-2 Anteile) einträufeln. Welche Stelle Leim erhalten hat erkennt man im nassen Zustand an einer weißlichen Verfärbung, die bei der Trocknung wieder, uff!, vollständig verschwindet.
Gelber Bereich – „vorsichtiges Einschottern“: in sensiblen Bereichen lediglich Schotterkleber direkt mit Pinsel auf Korkunterlage auftragen und wenige Steinchen von Hand darauf streuen, in weniger sensiblen Bereichen (wurden bei mir von Weiche zu Weiche immer größer) zumindest vorsichtig vorgehen und weniger mit dem Leimgemisch rumpanschen; d.h. darauf achten, dass der Leim sich nicht bis zu den beweglichen Teilen verteilen kann!
Roter Bereich – „nicht Einschottern“: direkt im Bereich des Mitnehmers und des Servoarms habe ich gar nicht geschottert. Lediglich das größere Langloch in der Anlagenplatte mit einem passend grau angemalten Karton auf den Arbeitsbereich des Servoarms eingeschränkt. Selbst in Nahaufnahmen ist der fehlende Schotter kaum auszumachen, geschweige denn im normalen Betrachtungsabstand…
Nach dem Trocknen alle losen Schottersteine sorgfältig absaugen!

3. Ergänzung – Nachteil der Operation
Die Kraftübertragung erfolgt nun sehr direkt und kraftvoll. Es gibt quasi kein Spiel der Weichenzungen!
Dies sorgt meiner Ansicht nach zwar für ein sicheres Stellen der Weichen, jedoch muss der Stellweg des Servos sehr genau eingestellt werden. Daher würde ich diese Art der Weichenbetätigung auch nur im sichtbaren Bereich vornehmen. Ich gehe noch etwas weiter und möchte alle sichtbaren Gleisabschnitte mit Weichen auf herausnehmbaren Modulen aufbauen. Einerseits kann man so in Ruhe auf dem Arbeitstisch bauen und justieren, andereseits kann ich so viele gestaltete Elemente der Anlage retten und die Anlage nicht als großen monolithischen Block erst zersägen und dann in die Tonne treten, falls doch mal ein Um- oder Auszug anstehen soll.
Leichte Fahrzeuge werden die Weiche beim stumpfen Befahren einer falsch gestellten Weiche zudem eher nicht mehr aufschneiden können, sondern eventuell zum Aufsteigen auf die Weichenzunge und Entgleisen neigen.
Das habe ich zwar noch nicht beobachtet, habe mir aber eh vorgenommen die Weichen bei sämtlichen Fahrstraßen im sichtbaren Bereich stets richtig zu stellen, selbst wenn sie nur stumpf befahren werden. Schaun mer mal, wie lange dieser gute Vorsatz hält 😊


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RE: K-Gleis Weichen eingeschottert & mit Servo-Antrieb

#3 von shaddowcanyon , 11.11.2019 20:04

Hallo Pickelbahner,

Danke für die ausführliche Beschreibung des Weichenumbaus und der Schottertechnik. Wunderbar, ich bin begeistert.

Die Sache mit dem Auffahren der Weiche beschäftigt mich. Könnte man das nicht erleichtern, indem man am Servo einfach einen elastischeren Federdraht zum Verschieben der Weichenzunge einstellt ?

Grüße

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RE: K-Gleis Weichen eingeschottert & mit Servo-Antrieb

#4 von Pickelbahner70 , 11.11.2019 21:15

Zitat

Die Sache mit dem Auffahren der Weiche beschäftigt mich. Könnte man das nicht erleichtern, indem man am Servo einfach einen elastischeren Federdraht zum Verschieben der Weichenzunge einstellt ?



Hallo Hans Martin, Manu,
danke!
Den Umbau habe ich nicht selbst erfunden sondern lediglich abgewandelt was ich woanders ähnlich gesehen habe.
Ein Kollege hatte in den Kunststoffmitnehmer ein Loch gebohrt und dadurch den Stelldraht geführt, was sicher elastischer ist, da der Draht nun nicht doppelt ist.
Um den vielleicht 1mm breiten Plastiksteg aufzubohren, dafür fehlen mir aber die Uhrmacherqualitäten.
Bin eher grobmotorisch veranlagt ops:
Man kann sicher spielen und den Draht länger und flexibler designen, eventuell auch mit einer darin gebogenen Minifeder, etc.
Mir war da wichtiger die Weichen sicher zu stellen - sind bei mir jetzt fast wie beim Vorbild verrigelt


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RE: K-Gleis Weichen eingeschottert & mit Servo-Antrieb

#5 von Pickelbahner70 , 03.01.2020 12:04

Da das Segment "Privatanschluss Feldheim" viewtopic.php?f=172&t=175769 momentan kopfüber auf meinem Arbeitstisch liegt habe ich die Gelegenheit genutzt ein Bild zu machen bei dem man besser sieht wie der in U-Form gebogene Stelldraht am Servoarm in die Aussparung des Mitnehmers der Weiche greift.


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RE: K-Gleis Weichen eingeschottert & mit Servo-Antrieb

#6 von Carl999 , 03.01.2020 17:32

Hallo Jörg,

sehen super aus Deine modifizierten K-Weichen.

Ich hatte meine K-Weichen ähnlich ungebaut (wahrscheinlich hatten wir sogar die gleiche (Internet-) Quelle), ich bin aber noch etwas weiter gegangen und auch die (sogenannte) Stellschwelle durch schmale Streifen von Leiterplatten ersetzt, auf welche ich die Weichenzungen teils angelötet und teilweise mit Sekundenkleber verklebt habe, auch oder gerade weil mir die Stellschwelle zu schmal, dünn und wabbelig erschien (man sollte die Kraft eines Servos nicht unterschätzen).
Da hinein (in die Originalstellschwelle) ein Loch zu bohren (oder besser fräsen) ist so einfach nicht.
Nach einigen Fehlversuchen, wo sich einige geklebten Weichenzungen früher oder später wieder gelöst hatten, habe ich die Weichenzungen nur noch verlötet, was dann bis zum Abriss keine Störungen mehr gab (war aber auch eine Heidenarbeit bei ca. 40 Weichen und DKW`s).


Gruß Carl


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