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Buch: Vom Fertiggelände zur Betriebsanlage

#1 von KaBeEs246 , 29.05.2021 02:29

Hallo zusammen,

vor zwei Wochen habe ich mir ein Exemplar der bereits vergriffenen ersten Auflage des neuen Buchs von OOK alias Otto O. Kurbjuweit
Die Fensterbachtal-Bahn. Vom Fertiggelände zur landschaftlich attraktiven Betriebsanlage;
erschienen in der edition jaffa, Hardcovereinband, Fadenheftung, 112 Seiten, reich bebildert
bestellt. Der Druck der zweiten Auflage erfolgt ab 10. Juni.
Eine Inhaltsübersicht und Leseprobe findet ihr bei jaffas-moba-shop.de, wo man das Buch auch bestellen kann.

"Richtige Modellbahner halten sich von Fertiggeländen fern" und "Ich glaube, dass ein tiefgezogenes Fertiggelände, auch wenn es ... in Grenzen veränderbar ist, unerhört kreativitätshemmend ist." Das war das Credo von OOK. ...Bis zum "Beweis des Gegenteils", so die Überschrift des ersten Kapitels.

Natürlich habe ich das Buch praktisch in einem Rutsch durchgelesen. Die flotte Schreibe von OOK, immer mit einer gehörigen Portion Selbstironie - was soll er auch machen, wenn er sich selber widerlegt? - macht es dem Leser leicht.
Ist OOK nun altersmilde geworden? Nein, seine Kritik äußert er normalerweise immer noch sehr vehement.
Aber es geht ihm hier auch nicht um den gestandenen Modellbauer als Modellbahner sondern um die Frage, was kann man einem Anfänger oder Wiedereinsteiger an die Hand geben, damit das Spiel mit der Anfangspackungs(kreis)bahn, und dazu zählt auch ein Doppeloval oder eine sogenannte verschlungene acht, nicht nach kurzer Zeit langweilig wird.
Also die richtige Lektüre, so meine ich, für Mutter/Vater und Kind(er), die einen niederschwelligen Einstieg benötigen, aber bei der Stange bleiben sollen.
Den Ausgangspunkt stellt das 100 cm x 160 cm große Fertiggelände "Rosenheim" von Noch dar: Zwei ovale Gleiskreise, im Bahnhof verbunden durch zwei Weichenpaare, dazu ein oder mehrere Abstellgleise, Otto ordnet respektable 4 Gleisstummel an, beschränkt sich dann aber doch lieber auf 3. Dazu werden zuvor die Nettomaße von 94 cm x 153 cm auf die Bruttomaße mit Hartschaumstreifen aufgepeppt.
Und dann geht es ans Eingemachte:
1. Stufe: Ummodellieren der Alpenberg-Ecktunnel in eine gefällige Hügellandschaft mittels Styropor, Füllspachtel und eingekleistertem Packpapier. Klare Landschaftsgliederung ohne "Häuschen" aber Kohlehandlung und Lagerhaus als Anschließer sowie ein Freiladegleis. Noch fehlt der Güterschuppen.
2. Stufe: Das tieferliegende Oval wird auf der rechten Seite nicht wieder zum Bahnhof nach vorne geführt sondern mündet hinten rechts in einen angehängten, abnehmbaren zweigleisigen Fiddle-Yard, der die Anlage bei Betrieb um 24 cm verbreitert. Eine gut nachvollziehbare betriebliche Erweiterung. Denn nun düsen nicht zwei Züge um die Wette im Kreis, sondern, so der Vorschlag von OOK, ein Zug kommt aus dem FY Freihöls, fährt zu Fahrzeitverlängerung eine festgelegte Anzahl von Runden, bis er im Bahnhof Stauffenheim seinen Endbahnhof erreicht, da ab hier die Strecke gesperrt ist.
Der Wegfall der Einmündung des inneren Ovals ermöglicht zudem den Einbau einer Weiche für ein Güterschuppengleis. Nun kann im Endbahnhof Stauffenheim richtig rangiert werden und/oder eine Zugkreuzung stattfinden.
3. Stufe ist der Einbau eines weiteren Kreuzungsgleises/FY Höging am hinteren Anlagenrand, also zwischen Stauffenheim und Freihöls. Da das mit relativ großem Aufwand bei der Geländeumgestaltung einhergeht, hätte ich eher versucht, den FY Freihöls um ein weiteres Gleis zu erweitern. Aber OOK will hier natürlich auch demonstrieren, dass und wie man ein Fertiggelände umgestalten kann.
4. Stufe ist nun die vollständige Aufgabe des Ovals, indem auch links Segmente und ein weiterer FY, gestaltet oder auch nicht, angebaut werden. Im Bahnhof Stauffenheim wird so ein weiteres Anschlussgleis gewonnen. Hiermit ist dann auch eine vollwertige Modellbahn entstanden. Da diese Stufe als reiner Segment-/Modulbau aus dem selbstgesetztem Thema, der Umgestaltung des Fertiggeländes, herausführt, werden die Möglichkeiten auch nur mit Zeichnungen und Worten beschrieben.

Was das Buch so lesenswert macht, ist OOKs Selbstversuch, seine ursprüngliche Theorie in der Praxis zu widerlegen, was ihm gelungen ist, meine ich. Dazu gehört auch der Landschaftsbau mit einfachsten Mitteln. An einigen Stellen schreckt er nicht einmal vor dem Einschottern der Gleise zurück oder der Gestaltung eines Gleisübergangs mit Gips, der dann doch wieder "aufgestemmt" werden muss.

Am Ende habe ich mich gefragt, ob man nicht auch mit einer platten Holzplatte hätte anfangen können. Ja, wenn man weiß, wie man die versteift und Steigungsstrecken baut: sicherlich.
Für wen ist also das Buch: Für jemanden, der sich ein Fertiggelände kauft, weil er sich nichts anderes zutraut, also für Mutter/Vater und Kind(er), die einen niederschwelligen Einstieg benötigen.
Also, ihr modellbahnbegeisterten Opas, Omas, Onkel und Tanten, vielleicht habt ihr ja jemanden in der Verwandtschaft, auf den das zutrifft.

Gruß von Ruhr und Nette
Hans


Meine Anlage Nettetal (Breyell): https://stummiforum.de/viewtopic.php?f=15&t=155988
Unser Verein: Modelleisenbahnclub Castrop-Rauxel 1987 e. V.


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zuletzt bearbeitet 29.05.2021 | Top

RE: Vom Fertiggelände zur Betriebsanlage

#2 von Badaboba , 29.05.2021 14:14

Hallo Hans,

danke für die ausführliche Vorstellung dieses Buches!

Von "OOK" habe ich dessen Planungsbuch, das Buch zu seiner Heimanlage und das Rangierbuch - und jedes dieser Bücher hat jeweils einen eigene Ansatz und Schwerpunkt und war/ist für mich inspirierend - das trifft auf Moba-Literatur m.E. leider allzu selten zu.

Das neue Buch spricht mich hingegegen wenig an - bin wohl auch nicht die Zielgruppe - eine Anlage auf der Grundlage eines Tiefziehgeländes betriebsorientiert umzugestalten, ist definitiv nicht mein Weg.
Das ist m.E. maximal dann sinnvoll, wenn man so ein Teil aus Kindheitstagen noch besitzt, aber auch dies ist nicht der Fall.

Die Leute, die sich so ein Teil neu kaufen, wollen doch genau diese vorgesetzte Welt realisieren. Warum sollten die an dem "schönen" Gelände gleich herumschneiden wollen, wo es doch so perfekt und heimelig ausschaut. Modellbauerisch ist der Umbau zudem m.E. schwieriger als eine Kleinanlage neu zu entwickeln.
Die Vollbach-Anlage aus dem Planungsbuch mit C-Konfektgleis, das könnte eher ein Weg sein, wenn man Einsteiger auf die Betriebsfährte setzen möchte. Oder noch zeitgemäßer, etwas für Teppichbahner und deren temoräre Arrangements konzipieren...
Aber das sind nur Gedanken, persönlich habe ich meinen Ansatz gefunden.


Liebe Grüße
Volker

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RE: Vom Fertiggelände zur Betriebsanlage

#3 von KaBeEs246 , 29.05.2021 21:11

Hallo Volker,

danke für deine Gedanken zur Idee des Buches.

Zitat von Badaboba im Beitrag #2

Von "OOK" habe ich dessen Planungsbuch, das Buch zu seiner Heimanlage und das Rangierbuch - und jedes dieser Bücher hat jeweils einen eigene Ansatz und Schwerpunkt und war/ist für mich inspirierend - das trifft auf Moba-Literatur m.E. leider allzu selten zu.


Da stimme ich dir 100 %-ig zu, weil OOK mit Ideen kommt, die leider in den MOBA-Zeitschriften selten thematisiert werden. Den Startpunkt meiner eigenen Anlage gab übrigens ein Artikel von OOK in der MIBA über Zugspeicher.

Zitat

...eine Anlage auf der Grundlage eines Tiefziehgeländes betriebsorientiert umzugestalten, ...
ist m.E. maximal dann sinnvoll, wenn man so ein Teil aus Kindheitstagen noch besitzt, aber auch dies ist nicht der Fall.


Da möchte ich widersprechen. Ich lese auch hier im Forum, wie schwer sich manche (Wieder-)Anfänger mit dem Entwerfen eines Gleisplans oder der Konstruktion von Steigungsstrecken tun.

Zitat

Die Leute, die sich so ein Teil neu kaufen, wollen doch genau diese vorgesetzte Welt realisieren. Warum sollten die an dem "schönen" Gelände gleich herumschneiden wollen, wo es doch so perfekt und heimelig ausschaut. Modellbauerisch ist der Umbau zudem m.E. schwieriger als eine Kleinanlage neu zu entwickeln.


Ob sie genau diese Welt realisieren wollen, lasse ich mal dahingestellt. Das Buch zeigt eben eine weitere Möglichkeit der Nutzung. Natürlich muss nach jedem größeren Einschnitt wieder eine stabilisierende Holzplatte oder -latte eingeklebt werden. Aber auch hierfür benutzt OOK niederschwellige Werkzeuge. Benutzte Werkzeuge für den ersten FY sind z.B. Laubsäge(!) und Cuttermesser. Gut, an einer Stelle kommt auch ein Dremel zur Ablängung eines Flexgleis zum Einsatz und in einem späteren Stadium auch eine elektrische Stichsäge.

Zitat

Die Vollbach-Anlage aus dem Planungsbuch mit C-Konfektgleis, das könnte eher ein Weg sein, wenn man Einsteiger auf die Betriebsfährte setzen möchte.


Ich persönlich würde wahrscheinlich auch einen Vollbach-ähnlichen Weg gehen, wobei diese Anlage auf einer Platte 122 cm x 244 cm basiert. Ich bin mit meinen zwei linken Händen aber auch schon daran gescheitert, eine derartige Platte mit einem Holzrahmenunterbau millimetergenau auszusteifen. Schreiner werd' ich nie, um es mit den Worten von Hubert E., der die Gleispläne der Fensterbachtal in WT geplant hat, zu sagen.

Gruß von Ruhr und Nette
Hans


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zuletzt bearbeitet 29.05.2021 | Top

RE: Buch: Vom Fertiggelände zur Betriebsanlage

#4 von weddingloh , 06.06.2021 17:11

Hallo Hans,
Deine beiden Beiträge habe ich mit Interesse und auch mit Freude gelesen.
Danke!

Zitat von KaBeEs246 im Beitrag #1


.....vor zwei Wochen habe ich mir ein Exemplar der bereits vergriffenen ersten
Auflage des neuen Buchs von OOK alias Otto O. Kurbjuweit
Die Fensterbachtal-Bahn. Vom Fertiggelände zur landschaftlich attraktiven
Betriebsanlage;
erschienen in der edition jaffa, Hardcovereinband, Fadenheftung, 112 Seiten,
reich bebildert
bestellt. Der Druck der zweiten Auflage erfolgt ab 10. Juni.
Eine Inhaltsübersicht und Leseprobe findet ihr bei jaffas-moba-shop.de,
wo man das Buch auch bestellen kann.....




Ich habe mir nun auch dieses Buch (2. Auflage) bei jaffas-moba-shop.de
bestellt.

Vor einigen Jahren erwarb ich das im MIBA-Verlag erschienene
Buch "OOK: Anlagen-Planung für vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb".

Aus diesem Buch habe ich wesentliche Anregungen für die Thematik meiner Moba
"Die Kippe" entnommen. Insbesondere beim Grundkonzept, nämlich der Darstellung
des Betriebsablaufes in einem Spitzkehren-Bahnhof, folge ich ohne wesentliche
Abstriche den Empfehlungen von OOK.

Darüber hinaus weist OOK hinsichtlich Vorbild-naher Gestaltung und Vorbild-
nahem Betrieb auf das Konzept des "Prototype freelancing" hin. Als ich auf
dieses Konzept aufmerksam geworden war, war ich erleichtert, weil mir ein
Ausweg aus den die Mobahner stets beschwerenden Beschränkungen von Platz, Zeit,
Geld, eigenen Fähigkeiten usw. gewiesen wurde.

So versuche ich seitdem, dem Spiel auf meiner Moba eine Vorbild-nahe Anmutung
zu geben.

Aus Büchern und dem Internet entnehme ich einzelne Fakten, die ich mittels
meiner Vorstellungen zu einem "faktuellen" Geschehen oder Ambiente verknüpfe,
so dass ich für mich denke: "So hätte es in etwa gewesen sein können".

Als ich mich mit vorliegendem "Trööt" befasste, habe ich mir spontan das andere
hier genannte Buch "OOK: Rangieren - aber richtig" heruntergeladen. Es ist zwar
in der gedruckten Fassung vergriffen, ist jedoch beim Verlag als E-Book
erhältlich.

Dem werde ich mich nun bald widmen können.

Ich bedanke mich bei Volker/Badaboba für dessen Beitrag. Seiner Bemerkung, die
sich auf die von "OOK" verfassten Bücher richtet (Planungsbuch, das Buch zu
seiner Heimanlage und das Rangierbuch), stimme ich rückhaltslos zu,
- nämlich (Zitat)"...und jedes dieser Bücher hat jeweils einen eigenen Ansatz
und Schwerpunkt und war/ist für mich inspirierend - das trifft
auf Moba-Literatur m.E. leider allzu selten zu..."(Zitat-Ende).

LG
Peter


Meine Moba "Die Kippe":
http://www.jkrs-modellbahntreff.de/viewt...=4760&start=388


KaBeEs246 und jaffa haben sich bedankt!
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zuletzt bearbeitet 07.06.2021 | Top

   

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