Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#1 von VolkerMZ , 18.12.2021 21:53

Wer kennt sie nicht, die Kreis Hennstedter Eisenbahn? Keiner? OK, das liegt dann vielleicht an zwei Dingen, erstens der total abgelegen Lage des Kreises Hennstedt im tiefsten nirgendwo von Niedersachsen und zweitens daran, dass sie völlig frei erfunden ist. Als im heutigen Niedersachsen das Eisenbahnnetz fast vollständig gebaut war, litt der Kreis Hennstedt sehr an seiner abgelegenen Lage, und daran, dass die Bahn den Kreis nur am äußersten Zipfel, in Klausdorf, durchfuhr. Zwar bekam Klausdorf, auch durch beständige Eingaben des Landrats, bald eine Bahnstation, zu einem Anschluss der Kreisstadt Hennstedt und einer weiteren Erschließung des Kreisgebiets ließ sich die preußische Staatsbahn dann aber doch nicht erweichen. Erst mit der Verabschiedung des Preußischen Kleinbahn Gesetzes kam 1892 Bewegung in die Sache. Eine Kleinbahn sollte den wirtschaftlichen Aufschwung auch in den Kreis Hennstedt tragen, aus Kostengründen schmalspurig, in 750mm Spurweite. Schon vier Jahre später, am 1. August 1896 wurde der erste Streckenabschnitt Klausdorf - Hennstedt feierlich eröffnet. Bau und Betrieb wurde von Lenz & Co. durchgeführt, dementsprechend bestand die Anfangsausstattung aus zweiachsigen Güter- und Personenwaggons aus Görlitz, sowie drei B-Kupplern von Vulcan in Stettin, die die Nummern 1m - 3m trugen. Der weitere Ausbau wurde verzögert durch einige Unstimmigkeiten zwischen Lenz & Co. auf der einen Seite und dem Kreis auf der anderen Seite, die zu einem Zerwürfnis führten und in der Übernahme der Betriebsführung durch den Kreis endeten. Erst 1903 konnte die bereits geplante Verlängerung bis Bärenfelde eröffnet werden, bis auch der drittgrößte Ort des Kreises, Hohenborstel, durch eine Zweigstrecke angeschlossen wurde, dauerte es bis 1910. Die Lenz-B-Kuppler erwiesen sich für viele Leistungen als zu schwach, so dass zur Verlängerung nach Bärenfelde drei neue C-Kuppler mit den Betriebsnummern 4 - 6 (ohne Buchtaben) beschafft wurden. Lok 1m wurde verkauft, die anderen beiden verloren ihr „m“, und hießen fortan nur noch 2 und 3. Mit der Zweigstrecke nach Hohenborstel kamen abermals neue Loks zur Bahn, diesmal die Henschel-C-Kuppler 7 und 8. Diese neuen Loks bewährten sich so gut, dass auch Lok 2 verkauft werden konnte und Lok 3 nur noch als letzte Reserve aufbewahrt wurde. Bei beiden Verlängerungen wurden natürlich auch neuäe und größere Personen- und Güterwagen beschafft. Der erste Weltkrieg brachte den ersten größen Einschnitt, da zwei C-Kuppler ans Heer abgegeben werden mussten, die nicht wieder zurückkehrten. Während die Kreisbahn gerne die ältesten und schwächsten Maschinen loswerden wollte, hatte sich das Militär auf die beiden neuesten und stärksten Loks 7 und 8 kapriziert. Nach langen Verhandlungen konnte die Bahn wenigstens ihre Lok 8 behalten, musste aber dafür Lok 5 abgeben, da das Heer sich beständig weigerte, Lok 3 stattdessen zu nehmen. Letztere kam stattdessen zurück in den Regeldienst, und musste zusammen mit den verbliebenen C-Kupplern 4, 6 und 8 den Verkehr mehr schlecht als recht stemmen.

Nach dem ersten Weltkrieg kam der Verkehr erst nicht mehr recht auf die Beine, aber nach 1923 normalisierten sich die Verhältnisse wieder, und nach einer umfassenden Instandstzung von Strecken und Material war auch Geld für neue Fahrzeugbeschaffungen vorhanden. So konnte gebraucht die Lok 17 (die Nummer wurde von der Vorgängerbahn übernommen) beschafft werden, eine 1‘C-Lok von Humboldt. Ende der Zwanzigerjahre konnte dann auch eine Neubaulok beschafft werden, ein Heißdampf-C-Kuppler von Henschel, der eigentlich die Nummer 9 erhalten sollte, aber von Henschel mit der Nummer 24 (wie ihre Schwesterlok für die Jagsttalbahn) ausgeliefert wurde, was dann beibehalten wurde, weil man keine neuen Schilder herstellen wollte. Eine zaghafte Modernisierung des Personenverkehrs wurde 1934 mit der Beschaffung des T1 unternommen, einem Wismarer Schienenbus („Schweineschnäuzchen“ oder „Ameisenbär“). Ende der Dreißigerjahre stiegen die Verkehrsleistungen massiv an, als im Hennstedter Wald eine Munitionsfabrik gebaut, und dorthin ein Anschlussgleis verlegt wurde. Eine weitere Gebrauchtlok kam zur Bahn, ein Hohenzollern-C-Kuppler, der die Nummer 25 erhielt. Lok 3 konnte endlich ausgemustert werden.

Der nächste große Einschnitt kam im November 1944, als bei einem nächtlichen Bombenangriff auf den Bahnhof Klausdorf nicht nur Lokschuppen einen Bombentreffer erhielt, sondern auf der Rollbockanlage auch einige, mit Munition beladene Güderwgen getroffen wurden und explodierten. Neben den Bahnanlagen und Fahrzeugen der Reichsbahn erlitt auch die Kreisbahn erhebliche Verluste. Lok 5 wurde total zerstört, die Lokomotiven 6 und 8 schwer beschädigt. Da der Verkehr von und zur Munitionsfabrik kriegswichtig war, erhielt die Kreisbahn Unterstützung durch das Rüstungsministerium, das als erstes eine Heersfeldbahnlok dorthin beorderte, die nach dem Krieg übernommen und unter der Nummer 26 in den Fahrzeugpark eingereiht wurde. Kurz vor Kriegsende konnte noch eine österreichische U gekauft werden, die durch Abdrehen der Spurkränze provisorisch von 760mm auf 750mm umgespurt wurde. Sie bekam die Betriebsnummer - nein, nicht 27 sondern, an die ursprüngliche Nummernreihe anschließend, die Nummer 9. Außerdem wurde die Lok 15 der Ost- und Westprignitzer Kreisbahnen übernommen werden (in der Fachliteratur wird fälschlicherweise eine Abgabe als Reparation an die Sowjetunion angegeben, tatsächlich kam die Lok nach Hennstedt .

Wie es später weiterging, erzähle ich in einem späteren Beitrag, für alle, die sich bis hierhin durch den Text gequält haben, gibt es zur Belohnung noch ein paar Fotos von den Loks 15 und 17:










Fortsetzung folgt.

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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#2 von Niki Frank S fan , 18.12.2021 23:09

Hallo Volker ,
bin auf weitere Bilder gespannt

Gruß
Melvin


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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#3 von VolkerMZ , 19.12.2021 18:47

So, nach dem vielen trockenen Text gestern folgt heute die Modellbeschreibung einer Lok, die angenommenermaßen 1903 von den „Stahlbahnwerken Freudenstein AG“ in Berlin gebaut wurde, und unter der Betriebsnummer 6 direkt an die KHE geliefert wurde. Die Lok entstand aus einem Weißmetallbausatz, vermutlich von Kehi, den ich mal günstig in der Grabbelkiste eines Modellbahnhändlers gefunden habe. Vorgesehen war, die Lok auf das Fahrgestell des Anfangspackungs-B-Kupplers von Fleischmann zu setzen, ich habe das Gehäuse aber so angepasst, dass ein verkürztes Fahrwerk der Fleischmann BR 91 drunterpasste, außerdem wurde der „spiddelige“ Dampfdom des Bausatzes durch einen angepssren Weinert-Sanddom ersetzt, die Glocke steuerte ebenfalls Weinert bei, die Kupplungen und das Sicherheitsventil stammen ebenso wie die Speisenventile von Bemo. Die Lok hat einen Faulhaber 1016 mit Schwungmasse von SB und einen Train-o-matic Microdecoder. Die Bremsschläuche stammen von PMT/Technomodell.





Fortsetzung folgt.

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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#4 von Hilfsheizer , 20.12.2021 13:00

Hallo Volker! Zu den Fotos würde mich interessieren, auf welchem Obermaterial die Loks da präsentiert werden. Ist das Industriematerial? Gibt es dazu Weichen? Viele Grüße und weiter so, Axel


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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#5 von pollotrain , 20.12.2021 14:45

Moin Volker ,

... schön einen weiteren Schmalspurbahner hier zu finden,
deshalb erst einmal ein liches hier bei den Stummis
Eine weitere Kleinbahn hier in Niedersachsen,
Bin auf weitere Bilder gespannt, wie sieht es mit einer Anlage aus


Gruß Thomas

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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#6 von Vorarlberg-Express , 20.12.2021 15:45

Hallo Volker,
Dein Projekt klingt toll und deine kleinen Schmuckstücke wissen bestens zu gefallen. Gerne mehr!
Viele Grüße

Gerhard




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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#7 von Gelöschtes Mitglied , 20.12.2021 15:49

Hallöle,


auch ich freue mich auf "Neuigkeiten aus Hennstedt".

Als Freud der Schmalspur, aber noch ohne eigene Schmalspur-Anlage, bin ich dabei !




Es grüßt
Doktor Fäustchen
(Stephan)


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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#8 von VolkerMZ , 20.12.2021 16:15

Moin,

danke für euer Interesse. Das Gleis stammt von Tomix/Tomytec und soll eigentlich Spur N-Straßenbahnen dienen, zu den Weichen gibt es ein klares „Jein“, es gibt zwar Weichen mit 140mm Radius, aber diese sind als Bettungsgleis mit Schotterbettung ausgeführt. Es gibt dafür zwar Pflastereinsätze, aber diese sind im Zungenbereich recht lückenhaft. Ansonsten gibt es gerade Gleisstücke und Bögen mit ca. 10, 14 und 18cm Radius, also eigentlich wirklich nur für N-Straßenbahnen geeignet.

Eine fest aufgebaute Anlage besitze ich derzeit nicht, allerdings zwei Module, die kompatibel zu Fremo-H0e sind, nämlich den Bahnhof Bärenfelde, eine der Endbahnhöfe der KHE, der in Fremo-Arrangements auch als Durchgangsbahnhof verwendet werden kann, und ein Streckenmodul mit einer Dorfdurchfahrt, das sogar mal (Angebermodus ein) das Titelblatt der MIBA zierte (Angebermodus aus). Allerdings sind diese Module jetzt bald 35 Jahre alt und dringend renovierungsbedürftig, technisch wie optisch, und im Keller ziemlich zugestellt. Daher gibt es davon vorerst noch keine Fotos, es ist aber geplant, die Module zum Fremo-Treffen in Cloppenburg im Mai 22 wieder fertig zu bekommen. Momentan ist der Fuhrpark dran, da ich den am Wohnzimmertisch instandsetzen und die Triebfahrzeuge digitalisieren kann. Momentan bin ich dabei, die Rügener Wagen von Roco zu „entrüganisieren“, also Beschriftung überlackieren, Fensterrahmen braun streichen und auf Saugluftbremse umbauen (Seilrollen ab- und Bremsschläuche anbauen). Die Kupplungen habe ich statt der fürchterlichen Drahtbügel mit Bemo-Kupplungsbügeln ausgestattet. Wobei ich mit dem großen Kuppelabstand noch nicht ganz zufrieden bin, aber erstmal sind mir funktionierende Kupplungen wichtiger. Als nächstes sind dann die Güterwagen dran.

Volker


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RE: Die Kreis Hennstedter Eisenbahn in H0e

#9 von Gelöschtes Mitglied , 20.12.2021 16:22

Zitat von VolkerMZ im Beitrag #8
Fremo-Treffen in Cloppenburg im Mai 22


Muss ich mir merken......
Dahin wird es mein Oldtimer wohl noch schaffen.

Hoffen wir mal, das es bis dahin etwas weniger Auflagen gibt...



Es grüßt
Doktor Fäustchen


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