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RE: Spur G – alles Gummi oder was?

#1 von Bastelbahner ( gelöscht ) , 15.11.2013 21:59

Als die Bezeichnung „Spur G“ von der Firma Ernst Paul Lehmann für ihr Groß- bzw. Gartenbahn LGB eingeführt wurde, war das noch eine exklusive Sache. In den Anfängen sollte die LGB als Modell einer meterspurigen Schmalspurbahn den Maßstab 1:22,5 – also NEM-Baugröße 2, Spur 2m – besitzen und das „G“ aus Marketinggründen „2m“ ersetzen. Aber Lehmann nahm das mit der Maßstabstreue von Anfang an nicht so genau.

In der Folge wurde „Spur G“ mehr und mehr von anderen Spielzeugbahn- bzw. Modellbahn-Herstellern übernommen. In den USA kamen als „G Scale“ oder „G Gauge“ Modelle auf den Markt, deren Maßstäbe von 1:19 bis 1: 29 reichten. Zusammen mit den bekannten Ungenauigkeiten von LGB wurde dieses „G“ unter sachkundigen Modellbahnern zum Synonym für Gummi. Das „G“ hatte lediglich eine Gemeinsamkeit, die Modellbahnspur von 45 mm. Ausdrücklich ausgenommen wurde hiervon die schon ältere Spur 1 im Maßstab 1:32.

Die neue Spur G

In den letzten Jahren der Firma E. P. Lehmann brachte LGB auch Normalspurfahrzeuge heraus, die zwar auf 45-mm-Gleis fuhren, aber einen deutlich kleineren Maßstab als die Schmalspurmodelle hatten, irgendwo zwischen Baugröße 1 und 2. Diese Linie hat inzwischen die Firma PIKO mit Erfolg aufgegriffen. PIKO macht bisher für diese Modelle keine offiziellen Maßstabsangaben. Man kann aber anhand der Modellmaße im Vergleich zu den Abmessungen der Vorbilder leicht selber ausrechnen, dass es sich um den Maßstab 1:27 – mit einigen unbedeutenden Abweichungen – handelt.

Wir haben also hier eine Normalspur-Modellbahn in 1:27 auf 45-mm-Gleis. Maßstäblich müsste die Spur 53 mm betragen. Nun kann man sich aber vorstellen, welche Kosten die Entwicklung und Produktion eines völlige neuen Gleissystems haben würde. Diese Modellbahn käme um vieles teurer. Es ist deshalb richtig, dass PIKO auf das bewährte Gartenbahn-Gleis der Spur G zurückgriffen hat und die 1,43 m eben 1,20 m sein lässt. Optisch fällt das am wenigsten auf. Man spart dadurch auf jeden Fall eine Menge Geld und eröffnet damit einem größeren Kundenkreis einen kostengünstigen Zugang zu dem Produkt.

Die Normalspur-G von PIKO ist eine Gartenbahn par excellence, denn man braucht für so eine Modellbahn eine Menge Platz. Man benötigt jedenfalls mehr Platz als für eine Schmalspurbahn, bei der enge Gleisradien normal sind. Empfohlen wird mindestens der R3 gemäß der LGB/PIKO-Gleisgeometrie, denn es sieht wirklich beknackt aus, wenn lange Normalspurfahrzeuge auf R1 oder R2 um die Ecke knicken.


Siemens-Lok ES64U2 genannt Taurus als PIKO-G-Modell, LüP 715 mm

Was für Bastelbahner?

Es steht die Frage im Raum, ob die neue Spur G etwas für Bastelbahner ist. Was das Rollmaterial betrifft, sicherlich nicht, denn da gibt es inzwischen schöne Fahrzeugmodell zu kaufen, und das zu einem vernünftigen Preis. Aber an Zubehör findet man im Maßstab 1:27 und angrenzend nicht allzu viel. Hier wäre Basteln angesagt. Einmal davon abgesehen, dass der Bau einer Gartenbahn an sich schon eine mächtige Bastelei ist.

Was Gebäudemodelle angeht kann man durchweg auf Bausätze aus dem 1:22,5-Bereich von POLA, PIKO und VOLLMER zurückgreifen. Die Gebäude sind schon wegen der bei der Baugröße 2 erforderlichen Platzersparnis meisten so bescheiden dimensioniert, dass sie auch gut zu 1:27 passen. Nur bei kleineren Zubehörteilen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu groß oder zu klein erscheinen. Das betrifft auch die Figuren. Zum Beispiel der Lokführer Wilfer, der in den PIKO-Loks zum Standard gehört, ist deutlich zu groß. Ein Mann der Durchschnittsgröße von 1,80 ist nun mal in 1:27 gut 1,5 cm kleiner als sein Kollege von LGB/PREISER.

Wer als Bastelbahner gerne eine normalspurige Modellbahn als Gartenbahn haben möchte, der ist bei PIKO-G an der richtigen Adresse. Zu basteln gibt es da noch mehr als genug. Und der Selbstbau bzw. Umbau von Schienfahrzeugmodellen ist natürlich auch eine Option. Der Bezug von Bau- und Ersatzteilen ist nämlich bei PIKO kein Problem.

http://www.piko-shop.de/index.php?vw_typ...&vw_name=detail


Richard

Ps.:
Das Fahrgestell der oben gezeigten Taurus ist bei mir für den Bau einer ungarischen Mk48 im Maßstab 1:16 reserviert. Das passt genau.


Bastelbahner

RE: Spur G – alles Gummi oder was?

#2 von Kreuzhofbahner , 16.11.2013 15:11


Hallo Richard

wie du weißt, ich bin ja ein bekennender G Bahner, alles was auf 45 mm Schienen fahren darf bei mir fahren , egal ob 1:22,5 oder 1:29
Und es gibt sehr viele G- Bastler die schöne Modelle auf die Schienen stellen.
Ich habe extra einen Fahrtag auf meiner Anlage für Eigenbaumodelle veranstaltet und das kam schon etwas an.

https://www.youtube.com/watch?v=Fn1P4eL5m...gnmCSm5UiLE5IVg

https://www.youtube.com/watch?v=UI8BC1WND...gnmCSm5UiLE5IVg

Ich finde wer Maßstäblich fahren und bauen möchte, sollte das auch so machen, ich für mich und inzwischen sehr viele andere haben den G-Weg gewählt.

Der Modellbahnbereich ist so vielseitig und ich freue mich, dass die Fa.Piko inzwischen sehr viel gutes "Spielmaterial"
herstellt.
Ich habe auch anderes Fahr-Material in Metall z.B. von Kiss, Magnus u.a. und auch dort sind die Mäßstäbe nicht immer gewahrt.

Also bei meinen normalen Fahrtagen ist inzwischen sehr viel Eigenbaumaterial von den Kollegen dabei und ich freue mich sehr über die Bau-Aktivitäten der Kollegen.


Viel Bahnspass
Manfred
Ramsteiner Kreuzhofbahner
Filme von und über diese RKB:
http://de.youtube.com/Kreuzhofbahner


 
Kreuzhofbahner
InterRegio (IR)
Beiträge: 134
Registriert am: 14.10.2012
Ort: 66877 Ramstein-Miesenbach
Spurweite G
Stromart Digital


RE: Spur G – alles Gummi oder was?

#3 von Bastelbahner ( gelöscht ) , 19.11.2013 00:07

Hallo Manfred,

du hast ja ohne Zweifel eine ganz besondere Anlage. In deiner dir eigenen freundschaftlichen Art bietest du Hobbykollegen die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge anderen in Bewegung zu zeigen. Da wäre auch eine Einschränkung auf einen ganz bestimmten Maßstab, einen Stil oder ein Epoche völlig Fehl am Platz. Der Fahrspaß steht an erster Stelle, und das ist gut so.

Aber bestimmt wird man auch bei deinen Treffen darauf achten, dass die Zusammenstellungen der Züge einigermaßen zueinander passen. Du hängst sicherlich keine LGB-Kipploren hinter eine PIKO-Taurus. Die beiden Filme zeigen ja auch Normalspurzüge in einem harmonischen Gesamtbild. Man sieht, dass die neue Spur G bereits etabliert ist, auch unter Bastelbahnern.

Gruß
Richard


Bastelbahner

RE: Spur G – alles Gummi oder was?

#4 von Swissboy ( gelöscht ) , 30.11.2013 23:35

Die geschilderte Situation erinnert sehr an die von Bachmann stark geförderte Spur On30. Eigentlich Spur 0 Schmalspur (in Nordamerika O statt 0), aber auf H0 (16,5 mm) Spurweite. Das oft schon vorhandene Gleis hat zusammen mit einigen preisgünstigen Modellen den Einstieg sehr erleichtert. Vergleicht man verschiedene On30 Fahrzeuge von Bachmann, so hat man den Eindruck, es gäbe innerhalb der Spur verschiedene Massstäbe. Im Endeffekt also eine zur G Spur vergleichbare Palette von Massstäben bei den Modellen.


Swissboy

RE: Spur G – alles Gummi oder was?

#5 von Bastelbahner ( gelöscht ) , 12.12.2013 22:08

Hallo Robert,

du hast das richtig erkannt. Bei der Konzeption von Modellbahnen in neuen Maßstäben schauen die Hersteller schon darauf, welches Gleismaterial bereits vorhanden ist und für welche Baugrößen man es noch gebrauchen könnte. So ging das auch mit den Spur 0e-Bahnen Minex von Märklin und Magic Train von Fleischmann. Beiden wurden auf die jeweiligen H0-Gleise gesetzt.

Wenn ein Spielwarenfabrikant einen Bagger herausbringen will, muss er sich um dessen Fahrweg keine Gedanken machen. Dazu braucht man lediglich einen Sandkasten. Bei einer Eisenbahn ist das anders. Hier wird immer ein Gleis als unerlässliche Infrastruktur benötigt. Die Neuentwicklung eines Gleissystems geht ins Geld. Da greift man doch lieber darauf zurück, was es schon gibt und was bereits bei dem potentiellen Kundenkreis bereit liegt.

So ist das dann auch mit der PIKO-G passiert. Dabei musste natürlich die Maßstäblichkeit vernachlässigt werden. Aber die ist den Fans, die gerne eine bezahlbare normalspurige Gartenbahn haben möchten, nicht so sehr wichtig. Gut, es gab ja schon die Spur 1. Als Märklin-Maxi ganz nett als Spieleisenbahn, aber die Freilandtauglichkeit der teuren Spur-1-Modelle in 1:32 ist doch sehr begrenzt. Und die Regelspur in der Baugröße 2 mit der Spurweite 64 mm; wer kann sich die leisten?

So kann man stark annehmen, dass die Spur G mit 45 mm Spurweite die gängige Normalspur-Gartenbahn der Zukunft im Maßstab 1:27 sein wird, obwohl hier die Spur nicht normal ist.

Gruß
Richard


Bastelbahner

RE: Spur G – alles Gummi oder was?

#6 von Swissboy ( gelöscht ) , 20.12.2013 22:52

Zitat von Bastelbahner
..........Wir haben also hier eine Normalspur-Modellbahn in 1:27 auf 45-mm-Gleis. Maßstäblich müsste die Spur 53 mm betragen. Nun kann man sich aber vorstellen, welche Kosten die Entwicklung und Produktion eines völlige neuen Gleissystems haben würde. Diese Modellbahn käme um vieles teurer. Es ist deshalb richtig, dass PIKO auf das bewährte Gartenbahn-Gleis der Spur G zurückgriffen hat und die 1,43 m eben 1,20 m sein lässt. Optisch fällt das am wenigsten auf. Man spart dadurch auf jeden Fall eine Menge Geld und eröffnet damit einem größeren Kundenkreis einen kostengünstigen Zugang zu dem Produkt.

.................



Dazu passt gerade auch das HOn3 Problem in den USA. Lange Zeit war da eine Schmalspurgilde von höchst beschränkter Zahl. In Ermangelung von Gross-Serien mussten die US Schmalspurbahner praktisch alles selbst herstellen. Pingeligste Massstab-Treue wurde von vielen hoch gehalten. Dann kam die vorher im Soundbereich (Soundtraxx) tätige Firma Blackstone. Nun wurden industriell fein detailierte Modelle entwickelt und in China hergestellt. Der beschränkte Teilnehmerkreis war aber relativ bald gesättigt. Immerhin kamen viele Vitrinenbahner dazu wegen den wunderschönen Modellen der Rio Grande Schmalspurzeit. Ich gehörte auch dazu. Mir, und vielen anderen war aber auch ums Fahren zu Mute. Nur, selbst Gleise herstellen war nicht gewünscht. Eigentlich ist HOn3 mit 10,8 mm nicht weit von den 12 mm der H0m Spur.



Das Bild zeigt links ein Tillig TT Bettungsgleis in 12 mm Spur, bestens für H0m verwendbar. Rechts ist das neue Blackstone HOn3 Bettungsgleis. Beide basieren auf dem Unijoiner Prinzip von Kato. Würden Blackstone Modelle auf H0m Gleis fahren, die Spur-Unterschiede wären kaum offensichtlich. Nur die Bettungsbreite führt im Vergleichsbild zu klar unterschiedlicher Optik.

Da die Modelle aber eben für HOn3 konzipiert wurden, und auf den betreffenden oft schon lange vorhandenen Anlagen fahren sollen, ist die 12mm Variante halt nicht machbar. Schliesslich ist H0m praktisch unbekannt "drüben". Sie haben ihre 3 Fuss Schmalspur (n3; n für narrow gauge), wir unsere Meter-Schmalspur (m). Will Blackstone also den Abnehmerkreis vergrössern, so bleibt nur die genannte teure Entwicklung eines eigenen industriell hergestellten Gleissystems. Nun, Blackstone hat das erkannt, und 2013 endlich die ersten Gleise heraus gebracht. (Siehe Gleis rechts in der Abbildung.) Erschienen sind aber genau ein gebogenes und ein gerades Gleisstück. Zwar sind Weichen seit einiger Zeit in Aussicht gestellt worden, eine formelle Ankündigung fehlt aber genau so wie weitere für einen sinnvollen Anlagenbau benötigte Gleisversionen. Eben ein klassischer Fall, wo das noch weitgehend fehlende Gleissystem die Popularisierung der feinen Schmalspurbahn behindert. H0m bzw 12 mm Gleismaterial wäre hingegen in verschiedenen Ausführungen bereits erhältlich. Und nicht nur in der gezeigten TT Version mit für H0 zu kleinen Schwellen. Die fallen bei meinen bemalt/verwitterten Gleisen aber eh nicht gross auf.


Swissboy

   


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