RE: Erfahrungen mit Decals

#1 von Canidae , 13.03.2013 10:01

Erfahrungen mit der Erstellung und Anbringung von Decals.

In meinem Anlagenthread wurde mehrfach der Wunsch geäußert, meine Erfahrungen mit den Decals zu schreiben. Diesem Wunsch möchte ich hier nachkommen.

Wenn man Decals selber erstellen möchte, muss man grundsätzlich wissen, dass es verschiedene Decalsfolien gibt. Sie unterscheiden sich sowohl in der Qualität, als auch für den zu verwendenden Drucker. Dann gibt es sie noch in transparent und mit weißen Hintergrund.
Viele von euch kennen sicherlich den Spruch: billig gekauft ist zweimal gekauft. Das trifft auch auf die Decalfolien zu. Gute Folien kosten aktuell ab 2,50 € pro DIN A4 Bogen.
Beim Kauf muss man auch gleich mit angeben, für was für einen Drucker man sie verwenden will. Ob für einen Laserdrucker oder einen Tintenstrahldrucker.

Da ich die Folien bedrucken will, muss ich natürlich auch vorher ein Motiv erstellen. Dies kann so ziemlich alles sein, was ihr auf einem PC Bildschirm darstellen könnt, und auf eurem Drucker drucken könnt. Also zum Beispiel Warnschilder, Zahlen und Nummern, Fotos, Bilder usw.
Möchte man einfach Zahlen oder Text verwenden, so sind diese natürlich sehr schnell an einem Computer erstellt.
Wenn man geübt ist im Umgang mit einem Grafikprogramm, so kann man auch sehr schnell eigene Logos entwickeln und eigene Grafiken erstellen.
Wenn man das entsprechende Objekt erstellt hat, muss man es natürlich auch auf die passende Größe skalieren. Auch hier gilt: Übung macht den Meister.
Ich bin im Umgang mit Grafikprogrammen nicht sehr geübt, deswegen dauert bei mir die Erstellung und Skalierung der Grafik erheblich länger, als das eigentliche anbringen derselben.
Zu beachten ist dabei auch, dass die allermeisten Drucker die Farbe weiß nicht drucken können. Dies muss man sich schon im Vorfeld überlegen, bei der Erstellung der Grafik. Tricksen kann man dabei mit der Verwendung von Decalfolie, die einen weißen Hintergrund hat.

Wenn nun die Grafik erstellt ist, oder der Schriftzug oder was auch immer, so beginnt das Drucken. Bevor ich auf die Folien drucke, lasse ich immer einen Probedruck auf Papier ausdrucken. So kann ich mir dann auch sicher sein, wenn ich auf die Folien drucke, dass ich die Grafiken in der richtigen Größe erstellt habe und dass sie auch so aussehen, wie ich es haben wollte. Die meisten Folien sind nicht im korrekten DIN A4 Format, sondern im US-Letter Format. Dies sollte man vor dem Druck in den Einstellungen des Druckers entsprechend anpassen. Auch die Seiteneinrichtung passe ich immer an, damit ich nicht soviel Folie verschwende nach oben und zu den Seiten hin.

Und wenn man jetzt alles richtig eingestellt ist und richtig skaliert ist, dann wird gedruckt.

Je nachdem, was für Farben man in den Druckern verwendet, kann es sein, dass man hellere Farben auf der Decalfolie später nicht auf einem Modell mit dunkleren Hintergrund erkennen kann. Viele Farben in den Druckern haben nur eine geringe Deckkraft. Sie brauchen auch keine hohe Deckkraft, da ja praktisch immer auf weißem Papier gedruckt wird. Gelbe oder rote Warnschilder auf dem schwarzen Untergrund eines Waggongestells sind oft nur schwach sichtbar. Aber das ist abhängig, von der verwendeten Farbe des Druckers. Es gibt auch Drucker mit Farben mit hoher Deckkraft.
Die Qualität des Ausdruckes wird von der Qualität des Druckers bestimmt. Wer viel Geld in die Hand nehmen kann, kann sich einen qualitativ sehr hochwertigen Drucker kaufen, und damit qualitativ hochwertige Decals erstellen. Ich erstelle meine Decals mit einem Drucker, der 60 oder 70 € gekostet hat, und das kann man schon an der einen oder anderen Feinheit sehen. Da muss man einfach abwägen, ob es einem das Wert ist oder nicht. Ein qualitativ besserer Drucker ist es mir persönlich nicht wert. Ich bin da eher insgesamt ein Low-Budget-Bahner.
Als Alternative gibt es noch die Möglichkeit, die Grafiken komplett zu erstellen, und diese dann an eine Druckerei zu schicken, die mit ihren technisch hochwertigen Geräten, oftmals sogar mit der Möglichkeit die Farbe Weiß zu drucken, ausdrucken zu lassen. Das hat natürlich auch seinen Preis, dafür hat man aber eine qualitativ sehr hochwertig bedruckte Folie. Auch da muss man eben wieder abwägen.

Wenn man mit einen Tintenstrahldrucker die Folie bedruckt hat, muss man nun die Farbe fixieren. Wenn man einen Laserdrucker verwendet, soll das angeblich nicht notwendig sein. Aber mit Laserdruckern habe ich keinerlei Erfahrung, deswegen ist diese Angabe nur nach Hörensagen und ohne Gewähr.
Wenn man die Farbe auf der Folie nicht fixiert, so ist sie wasserlöslich. Das ist natürlich ärgerlich, wenn wir die bedruckte Folie unbehandelt ins Wasser legen, um die Folie vom Trägerpapier zu lösen und auf dem Modell auf zu kleben, aber beim Lösen der Folie im Wasser die Farbe mit weg schwimmt. Deswegen muss man die Farbe auf der Folie fixieren. Dies geschieht mit mattem Klarlack. Einfach die Folie damit einsprühen und trocknen lassen. Im Zweifel lieber etwas länger trocknen lassen, als zu wenig. Ich verwende zum fixieren der Farbe auf der Folie am liebsten einen Sprühlack aus der Dose. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Ich habe es auch mehrfach mit mattem Klarlack von Vallejo und der Airbrush versucht, aber nicht so gute Ergebnisse erzielt, wie mit dem Sprühlack aus der Dose. Auch wenn ich ansonsten den Klarlack von Vallejo zur Fixierung von Pigmenten und Farben auf Modellen wärmstens empfehlen kann. Fixierung von Farben auf der Folie scheint nicht seine Stärke zu sein, zumindest gibt es dort bessere Alternativen.

Während nun der Klarlack auf der Folie trocknet, wird das Modell, das beklebt werden soll, vorbereitet. Ich säubere sie gründlich, ganz speziell die Stelle, die beklebt werden soll, denn man sieht ansonsten anschließend jedes Staubkorn und jedes Haar, welches sich zwischen Decal und Modell befindet.
Wurde das Modell von uns selbst lackiert, zum Beispiel mit der Airbrush oder dem Pinsel, oder das Modell wurde von uns gealtert, so ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem man die Farbe und die Alterung fixieren sollte. Ansonsten schwimmt einem die Farbe oder die Pigmente der Alterung beim aufbringen des Decals weg. Dazu verwende ich am liebsten den Klarlack von Vallejo. Und auch hier gilt: warten, bis der Lack komplett durchgetrocknet ist und im Zweifel lieber etwas länger warten, als zu kurz warten und sich hinterher ärgern.

Wenn jetzt alles gut durchgetrocknet ist, geht es um das Aufbringen des Nassschiebebildes auf das Modell.
Anleitungen, wie man Decals auf die Modelle aufbringt, gibt es im Internet zuhauf. Deswegen wiederhole ich das jetzt nicht, sondern verweise auf folgende Seite, auf der es vom Grundsatz her erklärt ist: http://www.gassner-beschriftungen.de/Gebrauchsanweisung.html
Ergänzend anmerken möchte ich folgendes: die eingereichte Zeit des Trägerpapiers ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Wenn ich Decalfolie von einem Hersteller verwende, den ich noch nicht kenne, so schneide ich immer erst etwas Folie ab und Teste aus wie sie sich insgesamt verhält. So habe ich dann schon ein wenig Erfahrung, wenn es dann darum geht, dass gedruckte Bild auf dem Modell anzubringen, und muss nicht erst mit dem gedruckten Bild Erfahrungen sammeln. Das ist nämlich oft sehr ärgerlich, weil es schief geht.
Als Hilfe zum richtigen positionieren des Decals, und bei mir sind die Decals immer sehr klein, da ich in Spur N arbeite, nehme ich einen Zahnstocher und ein Wattestäbchen. Bei größeren Decals kann man das auch noch sehr schön mit den Fingerspitzen arrangieren, bei kleinen Decals geht das aber nicht mehr, oftmals hat man hier das Problem, dass die Decals dann an der Fingerspitze haften bleiben, aber nicht am Modell. Mit dem Finger ist auch immer die Gefahr, dass es aus irgend einem Grund doch zu Reibung kommt, und das feuchte Decal mit der feuchten Lackschicht dann doch Schaden nimmt. Ich verwende am liebsten den Zahnstocher und achte dabei darauf, dass ich ihn nicht an einer bedruckten Stelle ansetze, um eventuelle Schäden an der Bedruckung zu vermeiden. Aber auch bei den Zahnstocher muss man aufpassen, mit wenig Druck zu arbeiten, da sonst das Decal Schaden nimmt. Wenn das Decal an der richtigen Stelle positioniert ist, streiche ich es immer mit dem Wattestäbchen ab, um mögliche Lufteinschlüsse zu minimieren.

Damit sich das Klebebild auch wunderbar in Vertiefungen einfügt und um Nieten oder Türgriffe herum ein schmiegt, ist ein so genannter Weichmacher erforderlich. Weichmacher gibt es in verschiedenen Varianten und in diversen Shops erhältlich. Ich habe bislang noch nie einen gekauft. Ich werde aber sicherlich mal einen ausprobieren, wenn ich meine nächste Bestellung an Airbrushfarben aufgebe. Bislang kam ich immer mit einem alten Hausmittel sehr gut klar: Essig! Damit die Folie nun weich wird und quasi in Vertiefungen hinein fällt gebe ich mit einem Wattestäbchen, in Essig getränkt, dass Essig auf die entsprechenden Stellen auf. Und dann heißt es warten. Es kann schon 3-4 h dauern, bis sich die Folie in die Vertiefungen gelegt hat. Etwas nachhelfen mit den Zahnstocher kann dabei nicht schaden, wenn man es vorsichtig macht. Man kann diesen Vorgang im Grunde beliebig oft wiederholen, bis das gewünschte Ergebnis erzielt ist.
Mit den speziellen Weichmachern aus dem Handel soll man, so ließ ich mir sagen, Vertiefungen von über 1 mm erzeugen können. Das schafft man mit Essig nicht, zumindest wüsste ich nicht wie. Mit Essig schaffe ich einen halben Millimeter. Für Nieten und Lüftungsschlitze oder Türgriffe in Spur N reicht das aber völlig aus.

Nun ist das Nassschiebebild an der richtigen Stelle auf dem Modell angebracht, falls nötig wurde der Weichmacher aufgebracht und nun heißt es warten, dass alles antrocknet. Nachhelfen mit einem Föhn habe ich auch mal ausprobiert, aber das war keine gute Idee. Blasen und wellenförmige Verformungen waren das Ergebnis. Anschließend konnte ich das Decal abziehen und wegschmeißen.

Um das Decal vom Trägerpapier zu lösen, muss man es ins Wasser legen. Ich verwende dazu nicht reines Wasser, sondern ich habe gute Erfahrungen mit folgendem Gemisch gemacht: 2 Teile Wasser, 2 Teile Essig, 1 Teil Weißleim. Warum Wasser und Essig sollte bis hierhin klar sein, aber warum Weißleim? Wenn man das Decal zu lange im Wasser hatte oder es auf dem Modell zu oft oder zu lange hin und her schieben musste, bis es an der richtigen Position lag, lässt die Klebewirkung der Folie massiv nach. Durch den Weißleim, der ja transparent austrocknet, kann ich die Klebewirkung der Folie verlängern. Mit etwas Glück auf über 10 Minuten.

Bedenkt bei den Fotos, das es sich um Spur N Modelle handelt im Makromodus mit einer einfach Kompaktkamera fotografiert.

Hier mal ein Foto, von einem Decal, aufgebracht auf einem umlackiertem Modell, bei dem der Hintergrund einen Kratzer abbekommen hat, beim aufbringen:



So sieht ein Decal aus, wenn man zu lange und zu oft das Decal hin und her schiebt, um eine passende Position zu bekommen. Da hilft dann auch irgendwann keinen Weißleimgemisch mehr.



Hier ein Bild von einem fiktivem Werbewaggon, man kann sehen, wie sich das Decal an den Unebenheiten wie Türbeschläge anpasst:




Dieses hier ist nicht der Weisheit letzter Schluss, Ergänzungen sind natürlich angebracht.



Vielen Dank für euer Interesse.


Viele Grüße von der Küste

Eckard

Hier geht es zum Canisland in 1:160

Zum Canisland Anzeiger Archiv (Zusammenfassung dessen, was bisher geschah) bitte das Bild anklicken:


 
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RE: Erfahrungen mit Decals

#2 von tauberspatz ( gelöscht ) , 14.03.2013 17:23

Hallo Eckard
vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, das kannte ich bisher noch garnicht , die Anbringung von Decals ist hier wahrscheinlich noch eher selten, aber durch deinen Beitrag kommt man auf neue Ideen


tauberspatz

RE: Erfahrungen mit Decals

#3 von histor , 14.03.2013 20:35

Sehr nützlich, detailliert und informativ. Gleich ein Lesezeichen gesetzt.


Freundliche Grüße
Horst
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