Richtig rangieren -- Spaß auch in 1:220 ?

#1 von G1600BB , 27.12.2021 20:33

Tach auch, liebe Leser.

Modellbahner verfolgen unterschiedliche Ansätze, ihr Hobby zu betreiben. Den einen genügt es z. B., ein Oval aufzubauen und eine Landschaft darum herum zu gestalten. Andere wollen bis ins Kleinste dem Vorbild nacheifern und entsprechenden Betrieb machen. Die einschlägigen Cheerleader in Literatur und Foren propagieren vorbildlichen Rangierbetrieb und die Nachbildung des Güterverkehrs wie beim Vorbild. Das hat schon etwas. Schließlich wurde in Natura eine Strecke gebaut, um Transportaufgaben zu erfüllen. Schon von Anfang an diente mir die Farge-Vegesacker-Eisenbahn, die zu meiner Jugendzeit vom Güterverkehr lebte (und heute wieder vom Personennahverkehr), als Anregung. Leere Kesselwagen gingen von Vegesack zum Tanklager nach Farge, wurden befüllt und wieder zurückgefahren. Kohle wurde zum Kraftwerk gebracht und die Leerwagen gingen retour. Usw.

Doch eine Frage bleibt dabei offen: Ist es das, was ich auf meiner Anlage will? Lasse ich mich nicht nur beeinflussen und springe auf einen Zug auf, ohne zu wissen, ob ich überhaupt in dieselbe Richtung will? Ist das in meiner Spurweite – Z- überhaupt sinnvoll machbar und praktikabel? Immerhin sind mir auf Ausstellungen immer nur Z-Anlagen aufgefallen, wo Dauerbetrieb auf Rundkursen besteht und eher selten Rangierbetrieb.

Um dies herauszufinden, entschloss ich mich zu einem Testbetrieb. Vorweg: ein fliegender Aufbau mit gebrauchten Märklin-Gleisen ist per se schon eine Spaßbremse. Erfahrene Zetties mögen bitte darüber hinweg sehen. Auch sind die Fotos unter widrigen Umständen entstanden.

Nun denn: Aufgebaut habe ich einen zweigleisigen Schattenbahnhof, einen zweigleisigen Bahnhof („Bockhorn“)mit zusätzlichen Ladegleisen und einem Landhandel mit Anschlußgleis. Dazwischen zweigt von der Strecke der Anschluß eines Kraftfutterwerkes ab.

Gedanklich habe ich dann die Transportaufgaben definiert. Reale und fiktive Ladestellen sowie Karten für die Güterwagen können ja dann zu einem späteren Zeitpunkt kommen.

Bild 02:


Der Nahgüterzug steht im Schattenbahnhof Rekum bereit. Der G-Wagen soll als Ortsgüterwagen in Bockhorn ausgesetzt werden, der Snps an der (gedachten) Laderampe. Der Kesselwagen ist für einen Heizölhändler im nächsten (Bahnhof), der 2. G-Wagen dortselbst für den Güterschuppen bestimmt). Der Gaskesselwagen soll zu einer Abfüllstation, der Kühlwagen zu einer Delikatessen-Fabrik, die beiden letzten zu einem weiteren fiktiven Empfänger.

Bild 04:


Unser Ng. hat Bockhorn erreicht und ist im Ausweichgleis eingefahren.

Bild 05:


Die Lok hat die ersten beiden Wagen abgezogen und drückt sie Richtung Ortsgüteranlage.

Bild 06:


Nun zieht sie ins Güterschuppen-Gleis vor.

Bild 07 und 08:


Auf einer gut funktionierenden Anlage könnte man den Betrieb beleben, indem man jetzt den Personenverkehr passieren läßt.



Bild 09:


Der Snps wird am Ladegleis abgestellt.

Bild 10:


Die Lok hat den G-Wagen wieder an den Zug gebracht und setzt nun ans andere Zugende um.

Bild 11:


Dann zieht sie mit dem ganzen Zug vor, hält nach der letzten Weiche, und drückt den G-Wagen an den Güterschuppen.

Bild 12:


Anschließend geht es für den Zug wieder in Gleis 2, wo die Lok wieder abkuppelt und ans andere Zugende umsetzt.

Bild 13:


Nachdem Gleis 1 geräumt ist, kann der Fahrdienstleiter den nächsten Zug passieren lassen. Sobald der Streckenblock frei ist, kann unser Ng die Reise fortsetzten.

Bild 14 und 15:


Am Streckenende wechselt die Zugnummer und die Lok macht sich auf den Rückweg. Die beiden vollen Kesselwagen sind gegen leere getauscht worden. Von einem metallverarbeitenden Betrieb wurden 4 Ea-Wagen mit Blechabschnitten abgeholt. Der G-Wagen hat gesackten Kunstdünger geladen und ist für den Landhandel bestimmt.



Bild 16:


Wieder erfolgt die Einfahrt in Gleis 2.

Bild 17:


Die Lok hat ihren Zug umfahren, den G-Wagen abgezogen und stellt ihn dem Empfänger zu.

Bild 18:


Im Kraftfutterwerk stehen zwei G-Wagen zur Abholung bereit. Als Sperrfahrt geht es dort hin.

Bild 19:


Unser Snps wurde zwischenzeitlich beladen. Die Lok läßt die G-Wagen auf der Strecke stehen, um ihn abzuziehen.

Bild 20:


Es paßt gerade so, sonst hätte der Ortsgüterwagen vorher entfernt werden müssen.

Bild 21:


Die abgeholten Wagen werden an den Zug gedrückt. Jetzt könnten andere Züge passieren.

Bild 22:


Der abfahrbereite Zug nach „Rekum“.

Ein Zug, der ein Oval von ca. 3,00 m Länge umrundet, ist in weniger als einer Minute durch. Der Punkt-zu-Punkt-Verkehr des Nahgüterzuges hat etwa 45 Minuten benötigt, wobei ein gehöriger Anteil für das Fotografieren einzurechnen ist. Fazit: es hat Spaß gemacht und kann weiter verfolgt werden. Bei dieser Anordnung der Gleisfigur ist ja nicht ausgeschlossen, trotzdem einen Zug einfach nur mal rundherum fahren zu lassen.


HerZlicher Gruß aus dem Norden Bremens
Jörg


 
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RE: Richtig rangieren -- Spaß auch in 1:220 ?

#2 von Kuno Erdmann , 29.12.2021 21:25

wunderbar, das sieht alles so richtig nach Modellbahn-Spaß pur aus. Alles richtig gemacht.


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RE: Richtig rangieren -- Spaß auch in 1:220 ?

#3 von hubedi , 29.12.2021 22:15

HalloJörg,

das ist doch mal eine interessante Methode, um eine Anlagenidee vor dem Bau zu überprüfen. Normalerweise wird ja ein Gleisplan erstellt und die Betriebsidee durchdacht. Aber ich denke, ein praktischer Aufbau und Deine Art des Testens ist erheblich spaßgeladener ...

LG
Hubert


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Und hier stelle ich mich kurz vor ...

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RE:Spontan einen Testkreis gebaut

#4 von G1600BB , 30.12.2021 12:25

Moin,

danke für Eure Rückmeldungen. Wie schon angedeutet, war der Versuchsaufbau mit Mängeln behaftet. So muß ich unbedingt meine Fahrzeuge warten und habe mir ua. die Radsatzreinigungsanlagen bei der Modellbahnunion bestellt. Und wenn ich die Loks warte, benötige ich ich auch einen Testkreis (mangels fahrbereiter Anlage). Also habe ich einen Rest OSB genommen (ganz sicher nicht 1. Wahl bei der MoBa), Dämmplatte und Kork aufgeklebt und dann Schienen aufgenagelt. 1. Test: keine Entgleisungen bei ziehender Lok, bei schiebender Lok entgleisten Drehgestellwagen, wider Erwarten jedoch nicht die 2-achsigen Kesselwagen, die den meisten Druck aushalten mußten.

Nach wie vor zugkräftigstes "Pferd im Stall" ist die Urzeit-216, die alle verfügbaren Mineral- und Gaskesselwagen - 84 Achsen - durch den Testkreis zieht:





(Das sind die realistisch langen Züge, die uns die Märklin-Werbung versprochen hat


HerZlicher Gruß aus dem Norden Bremens
Jörg


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zuletzt bearbeitet 30.12.2021 | Top

   

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